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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Du Zwerg, ich Zwerg
Eingestellt am 09. 05. 2012 12:56


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hobbyschreiber
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Sie hat es schon wieder getan!“, wimmerte Luisa.
Sie stand an der SpĂŒle, ihre HĂ€nde rumorten im Wasser zwischen Schaum und Tellern.
„Sie hat sie rausgestellt! Sie hat sie wieder rausgestellt!“
Morten hĂ€ngte seine Jacke an die Garderobe, packte die Aktentasche neben das Schuhregal. „Was denn Schatz, was ist denn nun schon wieder?“, fragte er, bemĂŒht um Interesse.
„Sie hat sie direkt neben die Auffahrt gestellt!“, entgegnete Luisa, als wĂŒrde diese Aussage alles erklĂ€ren. Morten zog die Schuhe mittels der FĂŒĂŸe aus. Seine weißen Socken waren an den Zehen angeschwitzt und grau. Er ging zu seiner Frau, legte ihr die HĂ€nde auf die Schultern. „Schatz, ich hatte einen schweren Tag! Lass uns nachher darĂŒber reden, ok? Ich brauche erstmal einen Kaffe und fĂŒnf Minuten Ruhe.“
Luisa ließ krachend einen Teller ins Becken fallen. „Sie will mich damit verrĂŒckt machen, Morten!“ Ihr blau behandschuhter HandrĂŒcken strich ĂŒber die Stirn, hinterließ einen SchaumkrĂŒmel in den hellen Ponylocken.
„Ich bitte Dich, Schatz! Du kannst der Frau nicht vorschreiben, wie sie ihren Garten zu dekorieren hat!“ Er sank auf die Ledercouch. Seine Frau brachte ihm frisch gebrĂŒhten Kaffee aus der teuren Maschine. Luisa hatte sie ausgesucht, eines der vielen Dinge, die sie meinte, brauchen zu mĂŒssen.
„Sie macht das mit Absicht, Morten! Sie hat alle der Reihe nach aufgestellt. Ich muss hinterm Haus den Steinweg nehmen. Du weißt, dass ich das hasse!“
Morten sollte den Weg mit dem breit gefÀcherten Mosaik schon lange betoniert haben.
Er hatte keine Zeit, und wenn er ehrlich war, konnte er ihren Glauben, auf die Ritzen zu treten bringe UnglĂŒck, nicht nachvollziehen.
„Schatz! Es sind nur Gartenzwerge! Kleine MĂ€nner aus Keramik, die in jedem zweiten Garten stehen. Sie können dir nichts antun!“ Luisas blaue HĂ€nde fuhren in die Höhe. Das Schaumwassergemisch suchte sich seinen Weg in den offenen Ärmel ihres Pullis.
„Du weißt, was damals passiert ist! Sie starren mich an, Morten!“ Er griff nach der Fernbedienung, fand irgendeinen Kanal mit seichter Unterhaltung.
„Morten, ignorier mich nicht!“ Luisa stellte sich mitten ins Bild.
„Schatz, es tut mir leid! Ich habe den Kopf voll! Ich bin an einem großen Auftrag dran! Was glaubst du eigentlich, wo das ganze Geld herkommt, dass du fĂŒr all deinen unnötigen Krempel ausgeben kannst.“
Luisa schnappte nach Luft. Sofort tat ihm der Satz leid. Er wusste, dass sie gleich anfangen wĂŒrde zu weinen. Erst wĂŒrde sich der Mund verziehen, dann schickten ihm ihre Augen ein GefĂŒhl, das ihn bis auf den SchlĂŒpfer auszog, dann wĂŒrde sie leise jammern, um zum Schluss in eine Flut von TrĂ€nen auszubrechen.
„Entschuldige, Schatz! Es tut mir leid!“ Er stand auf und legte die Arme um seine Frau. Luisa blieb starr, wie ein Fels. Als das dĂŒnne Heulen aufgehört hatte, trat Morten zurĂŒck und musterte sie mit einem versuchten LĂ€cheln. „Schatz, ich kĂŒmmere mich morgen darum, versprochen! Ich werde mit Maria reden und sie bitten, die Zwerge woanders aufzustellen, einverstanden?“ Luisa schnĂ€uzte sich mit einem Kleenex aus der Packung auf dem Beistelltischchen.
„Du weißt, warum ich diese Monster hasse!“
„Ja, das weiß ich Schatz! Ich rede morgen mit ihr, ganz sicher!“
Luisa griff nach der Wischmopp -Stange. Sie wischte nicht in Achten.
Achten brachten UnglĂŒck.

Morten lag mit dem RĂŒcken zu Luisa, als diese von einem schlechten Traum erwachte.
Sie setzte sich im Bett auf. Direkt ĂŒber ihre zitternden Knie unter der Decke, fiel das Mondlicht durch den Fensterspalt. Luisa tastete neben sich. Sie musste den Arm ganz ausstrecken, bis ihre Fingerspitzen Mortens RĂŒcken berĂŒhrten.
„Morten?“, fragte sie ins Zimmer hinein.
„Morten, ich habe von Ihnen getrĂ€umt! Morten, wach auf!“
Er brabbelte etwas ins Kopfkissen, zog sich Selbiges ĂŒber den Kopf.
Luisas Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt. Sie drehte sich zum Funkwecker.
Und im roten Licht der Digitalzahlen stand ihr AnfĂŒhrer, der mit der grĂŒnen Hacke und der hellblauen ZipfelmĂŒtze.
Luisa stieß einen Schrei aus. Sie glaubte, der kleine Mann mit dem weißen Bart wĂŒrde die Hacke nach ihr schwingen, die Zinken jeden Moment in ihren Körper schlagen.
Sie stĂŒrzte aus dem Bett, verfing sich in der Decke, schleifte sie ein StĂŒck mit, bis zum Badezimmer. Dort angekommen, drĂŒckte sie sich in die Ecke neben der ToilettenschĂŒssel, warf die KlobĂŒrstenhalterung um.
„Morteeeeen! Morten, sie sind hier! Sie kommen mich holen!“ Die Wörter gingen in gellenden Tönen unter. Luisas Brust hob und senkte sich. Erst als ihr Mann mit unverwandtem Ausdruck in der TĂŒr stand, wurden die AtemzĂŒge wieder lĂ€nger.
„Morten, sie sind da!“, wisperte Luisa.
Er seufzte:„Wer ist da, Schatz?“ Seine Stimme klang verschnupft. Er lehnte sich an den Rahmen. Die Haare standen wirr zu Berge.
„Die Gartenzwerge, Morten! Ihr AnfĂŒhrer, auf meinem Nachtschrank! Er steht auf meinem Nachtschrank und hat eine Hacke!“
Morten musste unweigerlich lÀcheln.
„Schatz, ich bitte Dich! Hör Dir doch mal selber zu! Das ist doch absurd!“, sagte er, um festen Klang bestrebt.
„Geh nachsehen, Morten! Ich rĂŒhre mich nicht vom Fleck!“ Luisas HĂ€nde zitterten auf der Toilettenbrille.
Ihr Mann schlurfte weg. Sich am Kopf kratzend kam er wieder. „Da ist nichts, Schatz!“
„Aber ich habe ihn doch gesehen! “, bebte Luisas Stimme neben dem Wand WC.
Sie kam hervor, tippelte hinter die breiten Schultern ihres Ehemanns und ließ sich in deren Schutz ins Schlafzimmer fĂŒhren.
Auf dem Nachtschrank zeigte der Wecker 3,15 Uhr, sonst nichts, kein mörderischer Gartenzwerg, nur ein Glas Wasser.
Luisa brach fast in sich zusammen.
„Schatz, du hast getrĂ€umt!“, sagte Morten, machte sich von ihr frei und ging unbeeindruckt zu seiner Bettseite.
„Nein!“, schrie sie, „ ich habe ihn gesehen, Morten! Er war da! Ich bin nicht verrĂŒckt!“
Er klopfte auf ihr Laken. „Komm ins Bett, Schatz! Du hast schlecht getrĂ€umt, weiter nichts. Gartenzwerge werden nicht nachts lebendig!“
„Du hĂ€ltst mich fĂŒr irre!“, klagte Luisa.
„Nein, das tue ich nicht, Schatz! Ich halte dich fĂŒr ĂŒberspannt! Du brauchst Ruhe! Mach einen Termin bei Dr. Sergen!“ Er hatte sich schon zum Schlafen umgedreht. Luisa rutschte an seinen RĂŒcken, er spannte sich leicht.
„Dr. Sergen und all diese Tabletten. Die vergiften mich!“, nuschelte sie in seinen Pyjama.
„Nein, Schatz, niemand vergiftet Dich! Die Tabletten helfen Dir! Sie helfen uns!“

Nachdem Morten seinen QualitÀtskaffe bekommen und das Haus mit der Bitte um einen Anruf bei dem Doktor verlassen hatte, schlich Luisa durch die RÀume.
Normalerweise wĂŒrde sie jetzt mit dem Bad anfangen, dann wĂŒrde sie den Sprenger anstellen, spĂ€ter Kartoffeln schĂ€len.
Aber sie war zu getrieben. Sie nahm eine der ovalen Pillen gegen AngstzustÀnde.
Dann setzte sie sich auf die Couch und wartete auf die Wirkung. Die Werbung fĂŒr ErdbeerkonfitĂŒre brachte NormalitĂ€t. Bald fĂŒhlte Luisa sich gewappnet.
Sie trat vorsichtig ins Freie aus der TerrassentĂŒr.
Schon von Weitem sah sie die Aufstellung der ZipfelmĂŒtzen, die in der Sonne aus dem Beet hervorstachen.
Luisa bewegte sich vorwĂ€rts. Sie drĂŒckte sich an die Wand, machte zögerliche Seitenschritte, wĂ€hrend ihr der Schweiß ausbrach.
Die Biester schienen ihr zuzuwinken. Sie wusste, dass der AnfĂŒhrer ganz vorne stand.
Ganz vorne, neben dem schlecht gepflegten PflanzkĂŒbel.
Er war nicht mehr da! Nur die winzigen AbdrĂŒcke seiner Schuhe fĂŒhrten als Spur hinter die Garage.
Luisa schlug die Hand vor den Mund. Ihre Beine wurden zu einer gefĂŒhlten Pudding-Masse. Sie kroch mehr, als sie lief, zurĂŒck in die Sicherheit ihres Hauses, gaffte durch die verglaste TĂŒr. An der Scheibe sank sie in eine ungelenke Sitzhaltung und schlotterte monoton vor sich hin, bis ihr Mann durch die vordere TĂŒr von der Arbeit kam.
„Mein Gott, Luisa! Was tust du da? Was ist denn in Dich gefahren?“, rief Morten aus.
Er half ihr hoch, stĂŒtzte sie bis hin zur Essecke, wo die Gebeutelte sich auf einen der rustikalen StĂŒhle fallen ließ.
„Was ist los, Schatz? Was ist passiert?“
„Der AnfĂŒhrer ist weg! Er hat es auf mich abgesehen, Morten! Er wird kommen und mich holen!“ Sie plĂ€rrte wie ein kleines Kind. Ihre Augen blickten irr in die Ecken neben der EinbaukĂŒche.
„Was redest Du? Ich rufe Dr. Sergen an!“ Morten wollte zum Telefon greifen, das neben ihm hilfsversprechend an der Wand hing.
„Nein, keine Tabletten mehr! Ich will keine Spritze!“, rief Luisa mit einem Funken Kraft.
Ihr wÀssriger Blick schaffte es trotzdem noch, ihn zu verurteilen.
„Schatz, es geht dir nicht gut! Du fantasierst! Ich kann dich hier nicht mehr alleine lassen.“
Luisa straffte sich, atmete tief ein und aus, fixierte ihre zitternden HĂ€nde.
„Es geht schon wieder! Du hast recht, ich bin ĂŒberspannt, ich schnappe vielleicht ĂŒber."
Sie zog sich an der Tischkante hoch."Ich lege mich hin und ruhe mich aus.“
Damit ging sie auf schwachen Beinen hinauf ins Schlafzimmer. Morten stand unschlĂŒssig da, sah ihr nach, ging dann in die KĂŒche, um sich einen Kaffe zu machen. Er packte seine verschwitzten Hacken auf die gewienerte Tischplatte.

Es war 3,15 Uhr, als Luisa erwachte. Sie war nach dem Hinlegen so fest eingeschlafen, dass sie Morten nicht bemerkt hatte, der sich mit Bedacht neben sie gelegt hatte, die Decke bis an das Kinn gezogen.
Luisa fĂŒhlte sich ausgeruht. Die Schrecken des Vormittags waren vorerst nur noch ein dumpfer Gedanke. Sie strich sich die Haare hinter die Ohren, stellte die Beine aus dem Bett. Ihr verlangte nach einem Glas Milch.
Luisa suchte nach dem Knopf der Nachttischlampe. Als das fahle Licht ihre Bettseite erhellte, brannte erneut die Angst in ihrem Körper.
Sie blickte ihm direkt in die blauen Augen. Die Hacke schwebte drohend erhoben ĂŒber der ZipfelmĂŒtze.
Zuerst stand er nur da, im Schatten der Fensterecke. Dann vernahm Luisa sein kehliges, flĂŒsterndes Lachen. Das freundliche Gesicht verzog sich zu einer grausigen Fratze, er kam direkt auf sie zu.
Luisa stĂŒrzte aus dem Zimmer. Sie stolperte die Treppe hinunter, fiel ĂŒber die Schmutzfangmatte, auf die Knie, robbte zum Telefon.
Nr. 2, Dr. Sergen, es klingelte, Luisas Blick geheftet auf die erste Stufe der Treppe zum Obergeschoss. Nach dem sechsten Klingeln nahm jemand ab. „Sergen hier?“, ertönte eine verschlafene Stimme.
„Dr., Dr., sie mĂŒssen kommen! Es geht wieder los! Ich werde verrĂŒckt!“

Nach drei Wochen im Sanatorium unter Aufsicht des Chefarztes, einer Medikamentenumstellung und langen, mĂŒrbenden GesprĂ€chen, durfte Luisa nach Hause.
Noch immer hatte sie ihr Kindheitstrauma nicht verarbeitet. Dr. Sergen sagte, es wĂŒrde sich nicht so einfach ausradieren lassen. Es brĂ€uchte Zeit und Geduld.
Einmal die Woche fuhr Morten sie in die Privatklinik zu den Sitzungen und ihrer Depotspritze.
Maria hatte die Zwerge auf Bitte Mortens umgestellt. Sie hatte in Anwesenheit Luisas ihr Beileid ausgedrĂŒckt, sich entschuldigt und versprochen, auf die UnpĂ€sslichkeit seiner Frau RĂŒcksicht zu nehmen.
Luisa baute auf, bald konnte sie wieder ihren tÀglichen Verrichtungen nachgehen.
Das gemeinsame Heim glĂ€nzte und blinkte in alter Form. Sie bestellte eine Kommode und grĂŒĂŸte Maria freundlich lĂ€chelnd.

Mit neu gewonnener Kraft beschloss Luisa einen Monat spĂ€ter, sich dem Schandfleck ihres Hauses anzunehmen. Der Dachboden und die alten Kartons dort oben, beherrschten schon lange ihre Gedanken. Außerdem vermisste sie Teile ihres kostbaren Lieblings-Schmucks, den zu tragen, sie ihrem neuen Ich wieder gestatten wollte.
Sie erzĂ€hlte Morten von dem Vorhaben, gleich, als er durch die TĂŒr kam.
"Schatz, du sollst dich nicht ĂŒbernehmen! Du weißt, was der Doktor gesagt hat! Jede Anstrengung könnte einen RĂŒckfall nach sich ziehen!" Er setzte sich, beobachtete mit Genuss Luisas BemĂŒhungen an der Kaffeemaschine. "Ich werde mich selbst darum kĂŒmmern! Gleich ĂŒbermorgen, wenn das GesprĂ€ch mit Zuckermann vom Tisch ist", rief er ihr zu.
Luisa reichte ihm seine Tasse. Sie bog ihren RĂŒcken durch, um StĂ€rke zu signalisieren.
"Ich fĂŒhle mich gut, Morten! Keine Halluzinationen mehr, keine AngstzustĂ€nde. Mir geht es blendend!" Er legte seine Hand auf das Gummi ihrer Handschuhe. "Schatz, ich bitte Dich! Das ist zu viel aufeinmal, das mache ich! Du könntest stolpern und dich verletzen. Der Dachboden ist eine Baustelle." Sie zog ihre Hand zurĂŒck. Das Gummi quietschte.
" Morten, behandel mich nicht wie ein kleines Kind! Mir geht es wieder gut! Dr. Sergen sagt, ich mache ganz tolle Fortschritte!"
"Ich weiß, Schatz, das weiß ich doch! Niemand behandelt dich wie ein Kind! Ich mache mir Sorgen, das ist alles! Ich möchte nicht, dass du dich ĂŒberanstrengst!"
Luisa nahm ein Kleenex, wischte ĂŒber den wĂ€ssrigen Tassenrand auf der Tischplatte.
" Doch, das tust du! Du glaubst, ich wĂ€re zu nichts in der Lage! Mir geht es gut, Morten! Hier, nimm einen Untersetzer!" Sie schob das Viereck aus der Tischmitte vor ihn hin und ging polternd zur SpĂŒle.

Die TĂŒr knarrte, als Luisa sie aus dem Rahmen hebelte. Sie stand auf einem der KĂŒchenstĂŒhle, zog die eingebaute Leiter heraus und schob den Stuhl zur Seite. Altes-Holz-Geruch und Staub schlugen ihr aus der Öffnung entgegen. Luisa kletterte beherzt nach oben.
Der Dachboden war durchzogen von Tragebalken und gelbem DĂ€mmstoff.
Die Kartons standen unter dem kleinen Fenster, lĂ€ngliche, lose aufgelegte Bretter fĂŒhrten zu ihnen. Luisa setzte einen Fuß vor den Anderen, dann hielt sie inne.
Durch die Staubflocken, die im gebĂŒndelten Licht tanzten, hindurch, sah sie zuerst nur die hellblaue ZipfelmĂŒtze. Luisa glaubte an einen Streich ihrer Augen. Sie schĂŒttelte fĂŒr sich selbst energisch den Kopf.
Doch das Lachen aus der Nacht im Schlafzimmer war unverkennbar. Der Anblick des verzerrten Grinsens sprang ihr direkt ins Gesicht.
Luisa ging langsam rĂŒckwĂ€rts. Der Gartenzwerg lachte weiter, wie eine gesprungene Schallplatte. Seine Hacke schlug methodisch auf die Bretter, bei jedem Schritt, den er ihr entgegen machte. Luisa wich weiter zurĂŒck, ihre FĂŒĂŸe traten ins Leere. Sie strauchelte, versuchte nach einem der Balken zu greifen. Das Lachen des Zwerges begleitete sie nach unten.
Als sie auf dem Marmorboden aufschlug, brach ihr Genick mit einem gemeinen Knacken.

Ein Jahr spĂ€ter saß Morten auf der Nachbars-Terrasse, vor sich einen dampfenden Becher QualitĂ€tskaffees. Maria saß ihm gegenĂŒber, den Blick auf Lukas, dem Nachbarsjungen, der gerade im Garten mit dem Hund spielte.
„Weiter nach links!“, rief Morten ihm zu. Sein nackter Fuß suchte unterm Tisch nach Marias Zehen. Der Hund bellte und knurrte verspielt, sprang wie ein Hase um seine Beute.
Lukas betĂ€tigte den linken Plastikhebel der Funkfernbedienung. Der Hund biss in die ZipfelmĂŒtze, das Tuckern und Keckern erstarb. „Na toll, nun ist er kaputt! Das Ding war teuer, ich hoffe deine Eltern sind versichert“, sagte Morten lachend. Maria zwinkerte ihm liebevoll entgegen.


__________________
©D. Frank

Version vom 09. 05. 2012 12:56

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Ich habe ein paar Sachen an der Story geĂ€ndert, wĂŒrde mich ĂŒber erneutes Lesen freuen!

Liebe GrĂŒĂŸe
diana
__________________
©D. Frank

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Dominik Klama
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Ehekrimi. Eine Frau leidet als Nachwirkung eines Kindheitstraumas unter VerfolgungsĂ€ngsten bezĂŒglich Gartenzwerg-Figuren. Ihre Paranoia steigert sich in demselben Maße, wie sie glaubt, von ihrer Nachbarin absichtlich unter AusnĂŒtzung dieser SchwĂ€che gequĂ€lt und vom eigenen Ehemann nicht mehr ernst genommen zu werden. Ein bedrohlich seine Hacke schwingender Gartenzwerg taucht mitten in der Nacht neben ihrem Bett auf und schließlich auf dem Dachboden, den sie ordnen wollte. Entsetzt weicht sie zurĂŒck und stĂŒrzt zu Tode. Ein nach einem Jahr spielender Epilog klĂ€rt den Leser auf, dass Ehemann und Nachbarin die Sache gemeinsam inszeniert hatten.


Oh Mönsch! Schon wieder mĂŒssen wir so was als „Werk des Monats“ ertragen! Und schon haben gleich zwei Foren-Redakteure die zweitbeste aller möglichen Wertungen vergeben! Gibt's denn in der ganzen, riesigen Textmenge der Leselupe ĂŒberhaupt nur uninteressante Texte, die man ehren könnte?

Ein Leser bemerkte, die Geschichte sei spannend. Was ist denn spannend an einem Text, in dem sich jemand von Gartenzwergen verfolgt fĂŒhlt? Die Frage, ob es dem Autor gelingen wird, uns Lesern einzureden, dass Gartenzwerge hin und wieder zu menschlichem Leben erwachen und Streiche anstellen? Oder die Frage, ob jemand, der sich von Gartenzwergen bedroht fĂŒhlt, irgendwann komplett meschugge wird oder aber sich wieder fĂ€ngt? (Und warum sollte den Leser so eine Frage interessieren bei einer Figur, die sowohl unsympathisch ist wie auch eine, mit der sich der Leser keine zwei Zeilen lang identifizieren kann?) Oder die Frage, ob sich das Ganze irgendwann zu einer augenzwinkernden Komödie oder eher zu einem Kriminalfall auswachsen wird? FĂŒr Letzteres spricht die Tatsache, dass der Text ins Forum fĂŒr Krimigeschichten eingestellt wurde. Da gĂ€be es nun also die Möglichkeit, dass die Gartenzwerge ein geheimes Leben tatsĂ€chlich fĂŒhren und Verbrecher und Mörder sind. Somit wĂŒrde sich den ganzen Text lang eine Figur von jemandem bedroht fĂŒhlen, der ihn schließlich dann auch umbringt. Als Krimi fĂ€nde man das etwas unbefriedigend. Es gĂ€be aber auch noch die Möglichkeit, dass jemand anderer kriminelle Absichten hat. Da es die Protagonistin ganz offensichtlich nicht ist, bleiben nur noch zwei andere ĂŒbrig, nĂ€mlich der Ehemann und die Nachbarin. Sonst treten keinerlei Figuren auf. Die spannende Frage ist also, ob das Verbrechen vom Ehemann oder von der Nachbarin geplant bzw. ausgefĂŒhrt werden wird. Eine in Wahrheit den Leser ĂŒberhaupt nicht juckende Frage, weil er ĂŒber diese beiden wenig und absolut nichts Sympathisches und Anteilnahme Weckendes erfĂ€hrt. Am Ende waren es beide. Auf so eine Lösung hatten wir extrem angespannt gewartet.

MĂŒssen Texte von Leselupe-Autoren sich ewig und drei Tage um rein gar nichts drehen? Gibt's wirklich nichts mehr auf der Welt, ĂŒber das man einerseits schreiben, das andererseits auch irgendwen betreffen könnte? Leselupen-Autoren schreiben ĂŒber FrĂŒhnebel, Pferde auf der Koppel, raschelndes Laub unter den FĂŒĂŸen eines SpaziergĂ€ngers. Derlei aufrĂŒttelnde Dinge. Über die es auch noch immer sehr wenige Texte gibt. Leider. Oder ĂŒber Geisterfrauen aus dem Zweiten Weltkrieg, die Flugzeugtreibstoff in Blut verwandeln. Oder ĂŒber schottische Burggeister, die jahrhundertelang weinen mĂŒssen, weil sie mal KĂŒchenjungen waren. Oder ĂŒber ĂŒbergewichtige MĂ€nner, die so dick sind, dass sie ihre Ehefrauen unter ihren Fettmassen ersticken. Oder ĂŒber Kinder, die an Halloween ausgehöhlte RĂŒben auf Gartenposten stellen. Oder ĂŒber Kinder auf von Hungersnöten heimgesuchten Halliginseln, wo dann Außerirdische auftauchen und dafĂŒr sorgen, dass die Leute wieder was zu essen kriegen. Leselupen-Autoren wissen wirklich ganz genau, was momentan so abgeht in der Welt. DarĂŒber schreiben sie dann auch, freimĂŒtig, unerschrocken, kontrovers, nachdenklich.

Jetzt also die Geschichte von der Frau, die seit ihrer Kindheit einen Wahnsinnshorror vor Gartenzwergen hat. (Wobei man nicht erfÀhrt, warum sie diesen Horror damals bekam.) So eine Geschichte ist nicht entbehrlich. So eine Geschichte ist unverzichtbar. Bei all dem Gartenzwerg-Horror, der umgeht in der Welt heutzutage!

Raymond Chandler sagte ĂŒber Dashiell Hammett, er habe den Mord den Menschen zurĂŒckgegeben, die GrĂŒnde zum Töten haben. Das war seine Kritik an Leuten wie Agatha Christie, bei denen Morde einzig zum Zwecke von Denksportaufgaben in feinen Kreisen zu geschehen schienen. Mithin braucht es fĂŒr einen Mord also ein Motiv. Das bekommen wir von hobbyschreiber aber auch: Die eine Frau nervt nur noch, darum soll eine neue her. Bloß braucht es außer dem Motiv natĂŒrlich noch eine Methode. Die Methode soll nun sein, dass jemandes Todesangst vor Gartenzwergen insofern ausgenutzt wird, als ferngesteuerte Gartenzwerge mit winkenden Armen eingesetzt werden.

Ferngesteuerte Gartenzwerge mit winkenden Armen! Also Leute, geht's noch? Habt ihr irgendetwas nur ahnungsweise Vergleichbares jemals in einem Hammett- oder Chandler-Roman gelesen? Also echt jetzt: Habt ihr?

Und jetzt mal nicht so schnell drĂŒber gehoppelt: Die Todesangst eines Menschen vor Gartenzwergen ausnutzen, setzt voraus, dass es auf Erden mindestens einen einzigen Menschen mit Todesangst vor Gartenzwergen gibt. Habt ihr so jemanden schon mal getroffen? Echt? Ihr habt?

Nee, ihr habt nicht. Und das ist, was ich meine mit: Texten, in denen es um nichts geht. Texte, die so ganz nett sind in sich als Texte, aber sich in einem Vakuum von Welt bewegen, einem luftleeren Raum, den es nirgendwo gibt außer in ihnen, den Texten!

Es lĂ€sst sich hinter diesem Text ein Konflikt aufspĂŒren. Auch, wenn es ein unausgesprochener ist. NĂ€mlich einer zwischen der Frau und ihrem Mann. Es ist ja mal so, dass ein Konflikt hinter Texten irgendwo meist steckt. Ein Leben ganz ohne Konflikt mag sehr schön sein, aber ein Text ohne Konflikt ist meist etwas langweilig. Nun kann man hingehen und sich zu so einem Konflikt eine Geschichte ausdenken, die irgendetwas mit einem selber, mit Leuten, die man kennt, mit Lesern, die man vermutet, zu tun hat. Oder man kann hingehen und sich eine Geschichte ausdenken, die nichts mit einem selber, nichts mit Leuten, die man kennt, nichts mit den Lesern, auf die man zĂ€hlt, zu tun hat. Das ist der Gartenzwerg-treibt-in-den-Wahnsinn-Text. Ein vielleicht schön geschriebener Text. Aber einer ĂŒber nichts.

Okay, Ehefrau und Ehemann kommen nicht mehr so gut zurecht wie frĂŒher. Jetzt gucke ich so um mich herum in der Welt und sehe: Da ist ein Typ ĂŒber vierzig und der ist seit zehn Jahren arbeitslos und hockt tagein, tagaus zu Hause. Es geht ihm nicht schlecht. Er hat irgendwo Vermögen. Er will gar nicht mehr arbeiten, das sagt er selber. Dann hat er eine Ehefrau, sie ist etwas jĂŒnger. Die jobbt zwar nebenher noch ein bisschen, hat ansonsten aber halt nur diesen Ehemann um sich. Er wiederum ist ein wenig der Macho, der Pascha. Aber sie kommt schon damit klar. Sie hĂ€tte vielleicht doch noch gern ein Kind, bevor sie keine mehr bekommen kann. Das will er aber nicht. Er findet sein Leben perfekt, genau so, wie es ist und die letzten zehn Jahre war. Jetzt streiten die sich immer ein wenig. Wo er aber dieser Paschatyp ist, geht das immer so aus, dass er sie zusammenstaucht, sie klein beigibt, weil sie doch weiß, dass anders mit ihm nicht auszukommen ist. So was kommt vor. Jetzt um dieses Paar einen Krimi konstruieren - und es geht um was, das Sache ist.

Es wurde bemerkt, dass die Geschichte an den Film „Das Haus der Lady Alquist“ erinnert. Der US-Film mit Ingrid Bergman ist von 1944, das Remake eines englischen Films von 1940, der seinerseits auf ein TheaterstĂŒck basierte. Ich lese in Wikipedia:

quote:
FĂŒr eine Weile scheint das Leben des Ehepaars perfekt zu sein, doch dann geschehen unheimliche Dinge in Paulas Umfeld: GegenstĂ€nde verschwinden, das Licht der alten Gaslampen flackert, und Paula hört eigenartige GerĂ€usche in dem Haus. Ihr Ehemann will von ihren Beobachtungen nichts wissen, und Paula beginnt bald an ihrem geistigen Gesundheitszustand zu zweifeln. ... Im Laufe der Handlung stellt sich jedoch heraus, dass Paulas Mann Gregory seine ungeliebte Ehefrau systematisch in den Wahnsinn treiben will, um von seiner Suche nach den im Haus befindlichen Juwelen abzulenken, die Jahre zuvor bei seinem Mord an Alice Alquist nicht auffindbar waren. In der finalen Filmsequenz entdeckt Gregory die Juwelen auf dem Dachboden des Hauses, eingenĂ€ht in den KostĂŒmen der berĂŒhmten SĂ€ngerin.

Es ist 70 Jahre her. Möglicherweise heirateten damals Mörder tatsĂ€chlich die Nichten ihrer Mordopfer, um sie dann ins ehemalige Haus ihres Mordopfers zu schleusen, weil sie sich davon erhofften, es könne der Suche nach dem Vermögen der Toten förderlich sein, bzw. das In-den-Wahnsinn-Treiben der Angeheirateten könnte noch nĂŒtzlicher sein. Vielleicht aber auch nicht. Dann war es damals schon herunterfabulierter Zinnober.

Doch mittlerweile sind eben 70 Jahre vergangen und da wird man mal fragen dĂŒrfen, welcher Ehemann heute noch systematisch seine Frau in den Wahnsinn treibt, damit diese sich bitteschön selber umbringt, um ihm die MĂŒhe zu ersparen. Wie geht das ĂŒberhaupt? Wie macht man aus einer gesunden Person eine verrĂŒckte Person, ohne dass diese es merkt und auch nicht der sie behandelnde Psychiater? Eine eigentlich nicht unspannende Frage, der Text beantwortet sie uns allerdings nur unter der Voraussetzung, dass wir zufĂ€llig jemanden kennen, der an Gartenzwergephobie leidet.

Was sind das eigentlich fĂŒr merkwĂŒrdig gebaute HĂ€user, in denen es Dachböden gibt, wenn man auf denen einen falschen Schritt macht, fĂ€llt man mindestens ein Stockwerk tiefer und kann sich das Genick brechen? Im richtigen Leben habe ich noch nie so ein Haus gesehen. Aber in US-Filmen kommt es öfter vor. Vorzugsweise in Horrorfilmen, wo man vorher immer mehrfach den herausstehenden Haken, die angebrochene Balustrade, das morsche Brett gezeigt bekommt, bevor schließlich so ein Todessturz passiert. Das hat bei hobbyschreiber ein wenig gefehlt. Die Bretter und die LĂŒcken dazwischen hĂ€tte man vorher dreimal auftauchen lassen sollen, damit man am Ende glaubt, dass so ein Todesfall möglich ist, weil man ihn sich doch vorher schon dreimal selber so vorgestellt hatte.

Außerdem kommt dergleichen auch noch in Weib-verdrĂ€ngt-Weib-Mörderthrillern vor Ă  la „Die Hand an der Wiege“. Allein, rechtfertigt, dass Hollywood ĂŒberaus viele Schwachsinnsfilmenden hervorgebracht hat, dass wir jetzt auch noch eines schreiben?
Wikipedia ĂŒber „Die Hand an der Wiege“:
quote:
Sie manipuliert das hochklappbare Dach von Claires selbstgebautem GewĂ€chshaus, so dass es bei Betreten des Hauses einstĂŒrzen muss. ...
Marlene geht hinein und wird von Scherben des einstĂŒrzenden Daches getötet. ...
Claire bricht ohnmÀchtig zusammen und kommt ins Krankenhaus, wird jedoch gerettet. ...
Es kommt zu einem dramatischen Showdown, in dessen Verlauf Claire Peyton mit einem vorgetĂ€uschten Asthmaanfall ĂŒberlistet und sie aus dem Fenster stĂ¶ĂŸt. Peyton stĂŒrzt in die Tiefe und stirbt. Claire schaut traurig auf sie herunter und scheint Mitleid mit ihr zu empfinden.

quote:
Morten zog die Schuhe mittels der FĂŒĂŸe aus.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt.

quote:
Sie trat vorsichtig ins Freie aus der TerrassentĂŒr.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt.

quote:
Morten trat zurĂŒck und musterte sie mit einem versuchten LĂ€cheln.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt.

quote:
Morten lag mit dem RĂŒcken zu Luisa, als diese von einem schlechten Traum erwachte.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt. Vor allem das „diese“. Auch erwacht man „aus“ TrĂ€umen und nicht „von“.

quote:
Er brabbelte etwas ins Kopfkissen, zog sich Selbiges ĂŒber den Kopf.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt. Selbiges klingt schlecht und mĂŒsste außerdem klein sein.

quote:
„Das ist doch absurd!“, sagte er, um festen Klang bestrebt.
„bemĂŒht“ wahrscheinlich.

quote:
Schon von Weitem sah sie die Aufstellung der ZipfelmĂŒtzen
Was sie sah, war die Aufstellung der Zwerge.

quote:
Sie strich sich die Haare hinter die Ohren, stellte die Beine aus dem Bett.
Stellte die Beine wohin? Wann stellt man Beine ĂŒberhaupt jemals?

quote:
Ihre Beine wurden zu einer gefĂŒhlten Pudding-Masse.
Diese Geschichte wird zu meiner gefĂŒhlten Puddingmasse.

quote:
Ihr verlangte nach einem Glas Milch.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt.

quote:
"Dr., Dr., sie mĂŒssen kommen!“
Man spricht nicht in AbkĂŒrzungen am Telefon, selbst wenn's schnell gehen muss. Sie groß.

quote:
Die TĂŒr knarrte, als Luisa sie aus dem Rahmen hebelte.
Hebeln bedeutet, dass man einen Hebel ansetzt. Es werden die physikalischen Hebelgesetze wirksam. Diese TĂŒr stelle ich mir ziemlich zerborsten vor.

quote:
An der Scheibe sank sie in eine ungelenke Sitzhaltung und schlotterte monoton vor sich hin
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt. Ihr Schottern war monoton, sein Schlottern war abwechslungsreicher.

quote:
...lĂ€ngliche, lose aufgelegte Bretter fĂŒhrten zu ihnen.
Hier mal zur Unterscheidung: Es ist nur von lÀnglichen Brettern die Rede, nicht von runden.

quote:
Der Anblick des verzerrten Grinsens sprang ihr direkt ins Gesicht.
Anblicke springen nicht.

quote:
Die Werbung fĂŒr ErdbeerkonfitĂŒre brachte NormalitĂ€t.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt.

quote:
Altes-Holz-Geruch und Staub schlugen ihr aus der Öffnung entgegen.
Der Frisches-Brötchen-Geruch und der Neuer-Autositz-Geruch und der KĂŒhles-Bier-Geruch oder der Gebratene-Wurst-Geruch sowie auch der Feuchte-Gruft-Geruch.

quote:
Durch die Staubflocken, die im gebĂŒndelten Licht tanzten, hindurch, sah sie...
Wenn das Licht in diesem Speicher gebĂŒndelt ist, nehme ich an, dass seine Dachluken aus optischen Linsen gemacht wurden.

quote:
Die Schrecken des Vormittags waren vorerst nur noch ein dumpfer Gedanke.
Können Gedanken dumpf sein? Möglich. Aber Schrecken können keine Gedanken sein.

quote:
Mit neu gewonnener Kraft beschloss Luisa einen Monat spÀter, sich dem Schandfleck ihres Hauses anzunehmen.
Finde ich ungeschickt ausgedrĂŒckt.

quote:
Erst als ihr Mann mit unverwandtem Ausdruck in der TĂŒr stand, wurden die AtemzĂŒge wieder lĂ€nger.
Was mag ein unverwandter Ausdruck sein? Und wenn ja, welcher?

quote:
Nach drei Wochen im Sanatorium ... und langen, mĂŒrbenden GesprĂ€chen...
Ich mĂŒrbe, du mĂŒbst, er, sie, es mĂŒrbt, wir mĂŒrben, ihr mĂŒrbt, sie mĂŒrben.

quote:
Nachdem Morten seinen QualitÀtskaffe bekommen ... hatte
Dieser mehrfach vorkommende QualitĂ€tskaffee. Abgesehen davon, dass er sich mit zwei e schreibt, warum ist das so wichtig zu erwĂ€hnen, dass es nicht einfach Kaffee, sondern QualitĂ€tskaffee ist? Und was ist QualitĂ€tskaffee ĂŒberhaupt? Tchibo ist welcher, die Hausmarke von Lidl aber nicht? Und wenn die Hausmarke von Lidl aber nur ein Tchibo unter anderem Handelsnamen wĂ€re? Und wer hĂ€tte denn eigentlich angenommen, dass Leute, die ĂŒber „AbschlĂŒsse“ parlieren, irgendetwas anderes als QualitĂ€t trinken?

quote:
Sie war nach dem Hinlegen so fest eingeschlafen, dass sie Morten nicht bemerkt hatte, der sich mit Bedacht neben sie gelegt hatte
Was mag es mit diesem besonderen Bedacht wohl auf sich haben?

quote:
„Nein“, rief Luisa mit einem Funken Kraft. Ihr wĂ€ssriger Blick schaffte es trotzdem noch, ihn zu verurteilen.
Wieso „trotzdem“? Sie hat nicht mehr viel Kraft, aber sie hat noch welche. Und jetzt kann sie irgendwie kucken. Obwohl das.

quote:
Und im roten Licht der Digitalzahlen stand ihr AnfĂŒhrer...
Meines Erachtens mĂŒsste es Ziffern heißen.

quote:
Auf dem Nachtschrank zeigte der Wecker 3,15 Uhr, sonst nichts.
Keine Digitaluhr meines Lebens zeigte jemals Kommas.

quote:
Ihr blau behandschuhter HandrĂŒcken strich ĂŒber die Stirn, hinterließ einen SchaumkrĂŒmel in den hellen Ponylocken.
Wir haben das mal an der Uni gemacht: versucht, sĂ€mtliche semantischen Merkmale von einzelnen Wörter aufzuschreiben. Also die Bedeutungsnuancen, die sie alle umfassen. Dann Ă€hnliche Wörter daneben stellen. Man findet raus, dass sie viele gleiche Bedeutungsmerkmale umfassen, aber nicht 100-prozentig alle. Daher sind die Wörter Ă€hnlich, aber nicht gleich. Wenn ich so etwas fĂŒr „KrĂŒmel“ tun wĂŒrde, stĂŒnde bei mir in der Liste: hart, fest, kompakt. Das wĂŒrde ich dann nicht mit „Schaum“ ĂŒberein bekommen.

Zu allem hin haben wir im Text immer wieder mal mit ErzĂ€hlperspektivproblemen zu kĂ€mpfen. Mal schaut es aus, als wĂŒrden Frau wie Mann von dritter Seite her betrachtet.

Dann wieder schaut es aus, als wĂŒrden wir aus der Frau hinausschauen:
quote:
Luisa griff nach der Wischmopp-Stange. Sie wischte nicht in Achten. Achten brachten UnglĂŒck.

Anderswo aber doch wieder so, als wĂŒrde aus dem Mann herausgeschaut:
quote:
Er hatte keine Zeit, und wenn er ehrlich war, konnte er ihren Glauben, auf die Ritzen zu treten bringe UnglĂŒck, nicht nachvollziehen.

quote:
Sofort tat ihm der Satz leid. Er wusste, dass sie gleich anfangen wĂŒrde zu weinen. Erst wĂŒrde sich der Mund verziehen, dann schickten ihm ihre Augen ein GefĂŒhl, das ihn bis auf den SchlĂŒpfer auszog...
GefĂŒhle ziehen MĂ€nner aus bis auf ihre SchlĂŒpfer. Aha. HĂ€tte eigentlich ja doch ein interessanter Text werden können.

quote:
Als sie auf dem Marmorboden aufschlug, brach ihr Genick mit einem gemeinen Knacken.
„Gemein“ ist ein wertendes Adjektiv. Etwas ist immer nur so gemein, wie irgendwer es findet. Und wer ist das hier? Sie nicht. Sie ist tot. Die Nachbarin nicht. Die ist nicht anwesend. Er aber wohl auch nicht, denn ihn freut das Knacken wahrscheinlich eher.

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Architheutis
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Hallo zusammen,

ich verstehe, was Dominik meint: Die Belanglosigkeit vieler Texte hier. Manchen hilft auch nicht die kĂŒnstlerische Freiheit ĂŒber diese Klippe.

Beim vorliegenden Text habe ich aber nicht das GefĂŒhl, er sei belanglos. Es ist ein belletristisches StĂŒck, soll also vorrangig unterhalten. Spontan kam mir der Gedanke an "Besser gehts nicht" mit Jack Nicholson. Der weicht auch jeder Pflasterritze aus, und das ist noch das Harnloseste, was ihn umtreibt. Ergo mĂŒsste dieser Film ja enorm belanglos sein, denn so abgedreht ist doch kein Zweiter, oder?

Oder eben doch: Jeder hat seinen privaten Tick. Einer erzÀhlte mir mal, es gÀbe eigene Foren, in denen jeder seinen Tick vorstellt.

Insofern kann man sich darin wiederfinden. Ebenso wird eine unglĂŒckliche Ehe skizziert, welche die Ehefrau mit materialistischer Wut zu kurieren versucht. Ich muss mir nur jeden zweiten Haushalt angucken um zu erfahren, wie abgedreht das ist. Und der Ehemann betrĂŒgt seine Frau mit der Nachbarin - abgefahren!

Zur Verifizierung anbei mal ein Link, was in des Menschen Kopf so alles vor sich gehen kann. Es ist erstaunlich!

Hier klicken

In dieser Liste fehlt mir persönlich noch die hier:

Hier klicken

Soviel zur UnglaubwĂŒrdigkteit einer Angst vor Gartenzwergen.

Einzig, wirklich störend finde ich den Schluß, vielmehr das "geplante Attentat". War vorauszusehen, dass sich Lusia in Panik das Genick brechen wĂŒrde? So ohne Weiteres eher nicht. Vielleicht bastelt man hier besser noch bauliche Begebenheiten ein, die einen solchen Sturz planbar erscheinen lassen.

@Dominik: Vielleicht hilfts, den Text als "Splatter-Movie" zu lesen, so Ă€hnlich wie "Chucky, die Mörderpuppe". Ich jedenfalls habe es so empfunden und hatte daher einen gewissen Lesespaß. ;-)

Lieben Gruß,
Archi

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hobbyschreiber
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Ich schmeiss mich weg!

Das gibt noch eine bessere Story als die, der Gartenzwerge!!
Unbedingt die Links im Beitrag ueber mir klicken! Vorher natuerlich den Beitrag lesen.
Und mir dann berichten, ob man sich -in Angesicht der Probleme fuer die Betroffenen- das Lachen beim Lesen des ersten Satzes im zweiten Link, verdruecken konnte.
__________________
©D. Frank

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