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Leselupe.de > Ungereimtes
Du gehst über die Fluten nun
Eingestellt am 24. 01. 2009 20:36


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Vera-Lena
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Du gehst über die Fluten nun.


Das verschlissene Lebenskleid
aufgehängt
im sturmtrunkenen Januar,
den Freunden die Streudose mit Zimt
hinterlassend.
Aus den Büchern im Wohnquadrat
schallt dein Lachen.
Der Schreibstift ersehnt deine Formeln,
Gedankentiraden aus dem Orkus
herausgefiltert,
ans Licht gezerrt mit plus und minus
widerlegt.
Zum Gefäß hattest du dich geöffnet,
verschlungene Welten zu konservieren,
abermals zu kauen, zu schlucken und auszuspeien.
Das Erbrochene führtest du zu deinem Ende.


Du gehst über die Fluten nun.



__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Version vom 24. 01. 2009 20:36

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Vera-Lena
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Liebe Iphi,

es tut mir wohl, dass Du meinen Text verstanden hast. Ja, auch ich denke mir den Verstorbenen in eine lichtvolle Welt, und was ich hier beschrieben habe, sind die allerersten Eingebungen, die sich bei der Mitteilung über seinen Tod bei mir eingestellt haben.

Danke für Deinen einfühlsamen Kommentar!

Liebe Grüße
Vera-Lena


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Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
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Liebe Vera-Lena,

auch wieder ein typisches Gedicht aus Deiner Feder. Keines der ganz starken, aber sehr bemerkenswert.

Bemerkenswert, weil Leben auch Verdauen ist, Wiederkäuen. Meine Großmutter Helga sagte, bevor sie ging: "Es langweilt jetzt schon, so vieles, viel zu vieles wiederholt sich." Das war meine letzte Unterhaltung mit ihr. Danach ist sie rasch gestorben.

Irgendwann übersteigt der Überdruß die Angst. Und dann macht sich das Tor auf, und

quote:
Du gehst über die Fluten nun.


Und dann ging sie von uns über die Fluten. In ein Reich, einen Äther, den wir nicht kennen, aber alle einmal kennenlernen werden.

Lieber Gruß

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Vera-Lena
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Lieber Walther,

danke für Deine Antwort und die Deutung, die Dir anhand Deiner Erlebnisse zufloß, wie es bei Deutungen von verschlüsselten Texten nicht andes sein kann und auch nicht anders sein soll.

Bei diesem Text hier, den ich wegen des unglaublich traurigen und qualvollen Lebenshintergrundes des Verstorbenen verschlüsselt habe, ging es darum, dass er krank war auf eine Weise, die man mit "geistiger Umnachtung" umschreiben, aber niemals wirklich erklären könnte.

Er wurde zum Gefäß für Einflüsterungen, für schon einmal Gelebtes und konnte das natürlich gar nicht verdauen, sondern war dem ausgeliefert, ohne sein eigentliches, eigenes Leben leben zu können. Bis er vor einigen Tagen, bildlich gesprochen, diese ganze fremde Lebensflut ausgespien hat, um gereinigt in ein Jenseits zu gehen, dass ihn über diesen Fluten (nach meiner Überzeugung) wird gehen lassen.

Deine Interpretation ist mir kostbar, denn ich wusste ja gar nicht, ob man mit diesem Text überhaupt etwas anfangen kann. Irgendwie hat es mich dazu gedrängt, ihn einzustellen, wahrscheinlich um ein Ventil für meine Trauer zu finden. Trotzdem denke ich, dass er überpersönlich ist, denn es gibt viele Menschen, die solchen Leiden ausgeliefert sind. Zudem lässt der Text ja viele Deutungsmöglichkeiten zu.

Noch einmal Danke!
Liebe Grüße
Vera-Lena


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Vera-Lena
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Liebe nisavi,

ich hatte überhaupt keine Absicht. Der Text kam zu mir, so, wie er da steht. Mit den Naturwissenschaften hast Du Recht. Alles, was dem Kranken zugeflüstert und aufgegeben wurde hatte eine naturwissenschftliche Grundlage.

Das "nun" am Ende ist mir deswegen so wichtig, weil der Kranke 43 Jahre lang gelitten hat. Die ersten 27 Jahre seines Lebens war er anscheinend gesund, aber danach ein gequälter Mensch. Er muss nicht mehr leiden nun. Das "nun" lasse ich ganz sicher dort stehen als etwas, das am Ende der Überschrift und Unterschrift ein besonderes Gewicht erhält.

Die Partizipien sind mir auch wichtig, wie ich jetzt sehe, weil sie das Ausgeliefertsein des Kranken unterstreichen, während, als er sich endlich zur Wehr setzt, sich vier Verben ansammeln. Erst zu seinem Tode hin konnte er wirklich selbst aktiv werden und das Gängelband abstreifen.

Für mich ist es auf diese Weise eine runde Sache.

Danke fürs Lesen und für Deinen Kommentar, der mir wichtig ist.

Liebe Grüße
Vera-Lena


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