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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Du kannst mich jederzeit anrufen
Eingestellt am 11. 04. 2004 22:30


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Schreibfee
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

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Du kannst mich jederzeit anrufen

Angebote dieser Art gibt es in jeder gutgehenden Freundschaft.
Diese lauten dann wie folgt:
„Du kannst mich jederzeit anrufen auch nachts.“
„Ich bin immer für dich da.“
„Du kannst mir jederzeit dein Herz ausschütten“
„Wenn du Hilfe brauchst, sag einfach Bescheid“

Man hat sie entweder schon gesagt bekommen oder selbst angeboten.
Das gehört einfach zum guten Ton in einer Freundschaft. Denn wir wollen uns ja klar abgrenzen von den Bekannten, den Nachbarn und denen die wir auf keinen Fall als Freund unseres Freundes anerkennen. Eben genau denen, die uns nicht das Wasser reichen können.
Wir sind die Creme de la Creme.
Aber wie ist das eigentlich, wenn um 3.00 Uhr in der Frühe das Telefon klingelt? Man sortiert seine Gedanken und geht die Checkliste der Geräusche durch. Kinder schlafen, an der Tür steht keiner und die Feuerwehr ist es auch nicht. Also fällt man aus dem Bett in der Hoffnung den Weg durch die Dunkelheit zu finden. Was aber garantiert zur Folge hat, dass man sich mindestens einmal gestoßen und über irgendwas gestolpert ist. Endlich am Ziel der nächtlichen Störung kommt dann der Augenblick, den man zwar schon oft in Gedanken durchgespielt, aber eigentlich nie wirklich damit gerechnet hat. Eine völlig aufgelöste, hysterische Freundin jammert und schluchzt irgendwas in den Hörer, was jenseits von Gut und Böse ist.
In diesem Zustand kann es sich nur um die typische „Er ist ein Schuft und ich hasse ihn“-Variante handeln.
Da sitzt man nun im kalten Dunkeln und fragt sich, wer ist auf die Idee gekommen nächtliche Seelsorge anzubieten. Überhaupt, gehört das rein rechtlich gesehen in das Freundschaftsangebot oder ist das sittenwidrig. Muss man wirklich all die Versprechen einhalten, die man gutmütiger Weise irgendwann mal gegeben hat. Immerhin gibt es genug Fachpersonal auf dem freien Arbeitsmarkt, die dankbar jeden unglücklichen Patienten in ihre Arme nehmen.
Aber spätestens wenn dann mit dünner, zittriger Stimme der Satz kommt: „Ich bin so froh, dass du meine Freundin bist. Ohne dich hätte ich nicht gewusst wen ich anrufen soll.“
Genau ab diesem Zeitpunkt beantwortet sich die Frage von ganz allein:
Ja, man darf diese Angebote machen und ja, man ist verpflichtet diese auch einzulösen.
Denn wahre Freundschaft ist einzigartig und Bedarf der besonderen Pflege –auch nachts.


__________________
Schreibfee

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flammarion
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wie jetzt?

das ist doch eine sehr nette kurzgeschichte. warum stellste die bei humor und satire rein? sollen wir derartige freundschaft verlachen?
ich schieb es in die kurzgeschichten. das ist ein freundschaftsdienst.
ganz lieb grĂĽĂźt
__________________
Old Icke

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