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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Du stehst schon wieder an der Kasse
Eingestellt am 01. 08. 2017 15:07


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JcPosch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2016

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Du stehst schon wieder an der Kasse, zum was-wei├č-ich-wie-vielten Mal. Du stehst wortlos dort und ├╝berh├Ârst das Kleinkind, dass hinter dir ein erstklassiges Theaterst├╝ck vorf├╝hrt. Wenn die Ohren dich nicht t├Ąuschen, ist es: ┬╗Mamma, kauf mir das ├ťberraschungsei, sonst w├╝nscht du dir, du h├Ąttest dir von Papa vor f├╝nf Jahren und neun Monaten lieber auf den Bauch spritzen lassen.┬ź Ein Klassiker.
Dir wird erst, als der Mann vor dir flatuliert und die Mutter denkt, ihr Sohn h├Ątte sich in die Windeln gemacht klar, dass dies das Klischee eines Supermarktbesuchs ist.
Als du vor der Kassiererin stehst und sie dich fragt, ob die Flasche Gin und die Tiefk├╝hlpizza alles ist, siehst du zur├╝ck auf das Rollband, um ihr herumstochern in der Wunde zu verkraften.
┬╗Manchmal braucht man eben nicht mehr┬ź, entgegnest du, aber du wei├čt nicht warum. Dann f├Ąllt dir auf, dass dies ein wahres Festmal ist und dass diese Mitleid erregende Phrase ├╝berhaupt nicht n├Âtig gewesen w├Ąre. Du freust dich und dir f├Ąllt ein L├Ącheln ins Gesicht. Sie fast es falsch auf.
┬╗Wei├čt du┬ź, spricht sie dich an, um auf die lang erarbeitete Knigge der Gesellschaft einen Haufen zu setzen, ┬╗dass du vielleicht nicht mehr brauchst, ist Ansichtssache. Aber etwas mehr k├Ânnte sicher nicht schaden. Meine Schicht endet um elf.┬ź
Du warst ohnehin nie daran interessiert, gesiezt zu werden. Dir war es schon immer egal. Und doch f├╝hlt es sich komisch an, von einer Kassiererin, die, sowohl eine Tochter, als auch Freundin sein k├Ânnte ÔÇô je nachdem in welchem Teil der Stadt du aufgewachsen bist ÔÇô so verzweifelt sein muss, dass sie wildfremde Typen kurz vor ihrem Schichtende dazu ├╝berredet, sie mit nach Hause zu nehmen. Warum hat diese Handlung einen vom Geschlecht abh├Ąngigen, sozialen Stellenwert? Vielleicht sind dies auch die richtigen Stadtteile? Du hast keine Vorurteile, das wei├čt du; glaubst du, aber Witze auf Kosten anderer fandest du schon immer gut. Hast sie aber gleichzeitig nie verstanden. Auch wenn du es nie zugeben w├╝rdest, geschweige denn au├čerhalb des Kopfes einen erz├Ąhlen w├╝rdest. Du erinnerst dich an das eine Mal, als die Sonne schon wieder hoch am Himmel stand und du immer noch nicht genug hattest und aus heute vermutlich kaum mehr nachvollziehbaren Gr├╝nden nach irgendeiner Bar gesucht hast, die dir noch Eintritt gew├Ąhren lassen w├╝rde. Schlie├člich hattest du eine gefunden, dich hingesetzt und dieser Typ, der mindestens f├╝nf St├╝hle entfernt von dir sa├č, kam einfach zu dir her├╝ber und nahm neben dir Platz. Du hattest ihn nicht beachtet und bestelltest dir ein hochprozentiges Getr├Ąnk und bezahltest daf├╝r den vierfachen Preis, den du gew├Âhnlich daf├╝r bezahlen w├╝rdest. Du wolltest gerade trinken, als er zu dir sagte: ┬╗Was ist der Unterschied zwischen einer Frau und dem Innenraum meines Wagens?┬ź Und du stehst ohne auch nur an dem Glas genippt zu haben auf und gingst nach Hause. Wenn du jetzt so dar├╝ber nachdenkst, w├╝rdest du die Aufl├Âsung schon ganz gerne wissen. Dir ist bewusst, dass es sexistisch ist, aber witzig w├Ąre es sicher trotzdem, denn du w├╝rdest dar├╝ber lachen; Es ist ja schlie├člich ein Witz. Warum hasst du jede Eigenschaft eines Fremden, auch, wenn sie bei dir selbst verankert ist?
Du fragst dich, warum ÔÇô
Dir wird klar, dass du dich vergriffen hast und anstelle der einzigen, unter anderem mit Tomatenso├če und K├Ąse belegten Teigscheibe, etwas anderes gekauft hast. Doch du gehst nicht zur├╝ck. Stattdessen steckst du den Kassenbeleg ein, auf dem das M├Ądchen ihre Telefonnummer hinterlassen hat und schreitest zum Ausgang.

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