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Leselupe.de > Kurzprosa
Du und Ich
Eingestellt am 03. 12. 2017 09:21


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Carmen Engel
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Du und Ich

Ich schiebe meine Hand in deine. ├ťberrascht schaust du kurz auf. Doch dann l├Ąchelst du zaghaft. Ich freue mich. Du hast diese Haare auf deiner Hand. Wie Borsten fast. Ich fand sie seit jeher faszinierend. Sie bedeuten zu Hause f├╝r mich.
Deine Hand ist warm und stark. Du zitterst ein wenig. Doch sanft streichelst du mit deinem Daumen ├╝ber meine Finger.

Es ist sch├Ân, dir nah zu sein, denn oft waren wir zerrissen miteinander. W├╝tend, so stark wir beide, so gleich wir beide. Ich komme aus dir, habe deine Kraft, deinen Witz, dein Nachdenken ├╝ber die Welt. Du hast mir meine Talente geschenkt.

Ich liebte dich ÔÇô und ich hasste dich.
Jetzt ber├╝hrst du mein Herz.

Schaue ich in deine Augen, sehe ich deinen Schmerz. Aber ich sehe auch den kleinen Rotzbengel, der du warst. St├Ąndig zu einem Streich aufgelegt. Ich liebte diese Geschichten und die Art, wie du sie erz├Ąhlt hast. Ich wollte so sein wie du.
Du hast mir Vieles gezeigt. B├╝cher, Angeln, wie man einen Nagel in die Wand haut, W├Ąnde streicht oder Fu├čball spielt. Du warst der beste Lehrer, den ich haben konnte.
Du hast mich gef├╝hrt mit all deinem Sein. Mit all deinem Nein.

Ich liebe diese Stunden mit dir. Nur wir zwei. Wir reden ├╝ber mein Leben, ├╝ber fr├╝her, die Welt. Manchmal reden wir auch gar nicht. Sitzen nur da, und ich kuschel mich an dich.
Wenn ich aufbreche, nehmen wir uns in den Arm. Du gibst mir Abschiedsk├╝sse, wir dr├╝cken uns nochmal ganz fest. Du sagst mir, dass du dich freust, dass ich da war. Ich sage dir, dass ich dich lieb habe.

Dann gehe ich. Dann gehst du. Schlurfst den Gang zur├╝ck zum Aufenthaltsraum. Ich hoffe, du findest ihn.
Beim Abendbrot wirst du vergessen haben, dass ich da war. Du hast Alzheimer.
Aber ich bin dankbar f├╝r diese Zeit mit dir, denn ich vers├Âhne mich.

Und ich liebe dich, Papa.

Version vom 03. 12. 2017 09:21

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aligaga
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Sowas wie ein Lektorat:

quote:
Du und Ich

Ich schiebe meine Hand in deine. ├ťberrascht schaust du kurz auf. Doch dann l├Ąchelst du zaghaft. Ich freue mich. Du hast diese Haare auf deinem Handr├╝cken. Wie Borsten fast. Ich fand sie seit jeher faszinierend. Sie bedeuten zu Hause f├╝r mich.
Deine Hand ist warm und stark. Sie zitterst ein wenig. Doch sanft streichelst du mit deinem Daumen ├╝ber meine Finger.

Es ist sch├Ân, dir nah zu sein, denn oft waren wir zerrissen miteinander. W├╝tend, so stark wir beide, so gleich wir beide. Ich komme aus dir, habe deine Kraft, deinen Witz, dein NachDenken ├╝ber die Welt. Du hast mir meine Talente geschenkt.

Ich liebte dich ÔÇô und ich hasste dich.
Jetzt ber├╝hrst du mein Herz.

Schaue ich in deine Augen, sehe ich deinen Schmerz. Aber ich sehe auch den kleinen Rotzbengel, der du warst. St├Ąndig zu einem Streich aufgelegt. Ich liebte diese Geschichten und die Art, wie du sie erz├Ąhlt hast. Ich wollte so sein wie du.
Du hast mir vieles gezeigt. B├╝cher, Angeln, wie man einen Nagel in die Wand schl├Ągt, W├Ąnde anstreicht oder Fu├čball spielt. Du warst der beste Lehrer, den ich haben konnte.
Du hast mich gef├╝hrt mit all deinem Sein. Mit all deinem Nein.

Ich liebe diese Stunden mit dir. Nur wir zwei. Wir reden ├╝ber mein Leben, ├╝ber fr├╝her, die Welt. Manchmal reden wir auch gar nicht. Sitzen nur da, und ich kuschle mich an dich.
Wenn ich aufbreche, nehmen wir uns in die Arme. Du gibst mir Abschiedsk├╝sse, wir dr├╝cken uns nochmal ganz fest. Du sagst mir, dass du dich freust, dass ich da war. Ich sage dir, dass ich dich lieb habe.

Ich gehe. Dann gehst du. Schlurfst den Gang zur├╝ck zum Aufenthaltsraum. Ich hoffe, du findest ihn.
Beim Abendbrot wirst du vergessen haben, dass ich da war. Du hast Alzheimer.
Aber Ich bin dankbar f├╝r diese Zeit mit dir. denn ich Sie vers├Âhnt mich.

(Und ich liebe dich, Papa.)

Den Hinweis auf Alzheimer braucht's wirklich nicht, und die letzte Liebeserkl├Ąrung auch nicht. Der Leser kapiert's auch ohne (penetrante) Gebrauchsanweisung.

Heiter

aligaga

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Carmen Engel
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Hallo Aligaga,

danke f├╝r Dein "Lektorat" und die M├╝he, die Du Dir gemacht hast.

Allerdings kann ich kaum damit mitgehen, denn w├╝rde ich den Text so umschreiben, w├╝rde er nicht mehr so gemeint sein, wie ich ihn wollte.

- die Haare sind nicht nur auf dem Handr├╝cken, sonst h├Ątte ich es so geschrieben
- zerrissen miteinander sollte genau so lauten, denn es ist ein Unterschied, ob man zerrissen ist oder miteinander zerrissen
- ebenso ist mir wichtig, Nachdenken ├╝ber die Welt zu schreiben, nicht nur Denken ├╝ber die Welt; denn Denken impliziert Bewertung, Nachdenken die Suche nach dem Warum
- Vieles kann man in diesem Zusammenhang nach neuer deutscher Rechtschreibung gro├č schreiben, n├Ąmlich wenn es um die Gattung der Vielen geht
- weiterhin ist es die Art der Perspektivfigur, davon zu reden, einen Nagel in die Wand zu hauen und eine Wand zu streichen
- Dann gehe ich. Dann gehst Du. - ist genau so gewollt wie Du hast Alzheimer, die Figur denkt das
- der letzte Satz ist genau so gewollt, denn nicht die Zeit vers├Âhnt die Figur, sondern die Figur vers├Âhnt sich
- auch den letzten Satz werde ich stehen lassen, denn er geh├Ârt zur Perspektivfigur

├ťber Sie zittert ein wenig anstelle von Du zitterst ein wenig werde ich nachdenken. Das vergessene r bei zerrissen habe berichtigt. Danke f├╝r die Hinweise.

Deine letzten Hinweise mit "penetranter Gebrauchsanweisung" finde ich nicht so gelungen. F├╝r sachliches Feedback bin ich allerdings jederzeit zu haben.

Viele Gr├╝├če
Carmen

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Zeder
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Hallo Carmen Engel,

ein sehr sch├Ân und sehr stimmig durchgearbeiteter Text!

Ich h├Ątte nur in diesem Absatz einige wenige ├änderungen eingebracht:

Dann gehe ich. (Wenn ich gehe (gegangen bin), kann ich das Folgende nicht mehr sehen). Dann gehst du. Schlurfst den Gang zur├╝ck zum Aufenthaltsraum. Ich hoffe, du findest ihn.
Beim Abendbrot wirst du vergessen haben, dass ich da war. Du hast Alzheimer.
(Das wei├č der Leser, du musst es ihm nicht erkl├Ąren)). Aber ich bin dankbar f├╝r diese Zeit mit dir, denn ich vers├Âhne mich.

Und ich liebe dich, Papa.
(Das brauchst du nicht noch einmal zu erw├Ąhnen).

Wie schon gesagt: Ein sehr sch├Ân durchkomponierter Text!

Gr├╝├če von Zeder

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Carmen Engel
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Hallo Zeder,

herzlichen Dank f├╝r Dein Feedback und die Hinweise.

Vielleicht sollte ich nach "Dann gehe ich" schreiben, dass sich die Perspektivfigur umdreht und den Vater davon schlurfen sieht. Das ist es, was ich eigentlich ausdr├╝cken will.
Erkennt man so schnell, dass der Vater Alzheimer hat? H├Ątte ich nicht gedacht. Aber wenn das so ist, denke ich dr├╝ber nach, den Satz wegzulassen.

Danke nochmal und Beste Gr├╝├če
Carmen

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Etma
???
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Diese Passage verstehe ich nicht ganz:

quote:
Aber ich sehe auch den kleinen Rotzbengel, der du warst. St├Ąndig zu einem Streich aufgelegt. Ich liebte diese Geschichten und die Art, wie du sie erz├Ąhlt hast.
Wie meinst du das mit dem Rotzbengel? Welche Geschichten? Geschichten ├╝ber ihn selbst?

Au├čerdem fand ich die Benennung des Alzheimers eher notwendig - ich w├Ąre nicht so schnell darauf gekommen, dass es um diese Krankheit geht zumal ich beim ersten Lesen noch wegen dieser "Rotzbengel" Passage verwirrt war.

Ich finde deinen Text ganzheitlich gesehen sehr gelungen - sch├Ân emotional, r├╝hrend, bewegend, trefflich, fast mit einem lyrischen Unterton, passende Bezeichnungen, so n├╝chtern und sachlich beschreibend.

Gru├č
Peter

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Carmen Engel
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Hallo Peter,

ja, ich meine den Vater als Kind und die Geschichten, die er der Perspektivfigur ├╝ber sich als "Rotzbengel" erz├Ąhlte.
Interessant, dass Du die Erg├Ąnzung des Alzheimers brauchst. So unterschiedlich ist das.

Vielen Dank f├╝r Deine Hinweise und Dein Feedback.
Hilft mir weiter.

Beste Gr├╝├če
Carmen

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