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Leselupe.de > Science Fiction
Dumm gelaufen
Eingestellt am 01. 08. 2002 13:52


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nemo
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(SF) Dumm gelaufen

Jump down the shelters to get away
The boys are cockin' up their guns
Tell us general, is it party time?
If it is can we all come
It's a mistake – Men at work

Wir schreiben das Jahr 2022.
Einige hundert Kilometer von der ErdoberflĂ€che entfernt, fliegt ein veralterter chinesischer MilitĂ€rsatellit durchs All. Er befindet sich auf seiner letzten Erdumrundung; in wenigen Stunden wird er abgeschaltet. WĂ€re der Bordcomputer in der Lage, menschliche GefĂŒhle zu empfinden, so wĂŒrde er das elektronische Auge des Satelliten noch ein letztes Mal auf die Rocky Mountains richten und bei diesem Anblick eine binĂ€re TrĂ€ne vergießen. So aber beschĂ€ftigt sich sein Prozessor gerade mit einer abgefangenen DatenĂŒbertragung der sich unweit befindenden ISS Raumstation.

Dort herrschte noch bis vor kurzem große Zufriedenheit. Nach intensiver Forschungsarbeit ist einem internationalen Wissenschaftlerteam endlich gelungen, in Teilen der Raumstation eine erdĂ€hnliche Schwerkraft zu erzeugen. Doch die positive Stimmung war nicht von Dauer, denn irgendein schlauer Kopf der NASA - um genau zu sein, Dr. Manuel Delarossa, ein latent homosexueller Psychologe aus Milwaukee, kam auf die geniale Idee, ein französisches Forscher Ehepaar – Antoine und Catherine Marchand, beides KoryphĂ€en auf dem Gebiet der Mikrobiologie -, auf die Station zu schicken, um zu sehen, ob die beiden mit dem Druck besser fertig werden, als Wissenschafter, die Ihre Familie auf der Erde zurĂŒcklassen mussten.

« EspÚce de con! Tu crois que je suis une pute ou quoi ? » speit Catherine ihrem Mann entgegen.
Sie ist eine gut aussehende Frau mit langem, blondem Haar und noch lÀngeren Beinen. Ihre Brille ist ihr vom Gesicht gerutscht und baumelt an einer silbernen Kette an ihrem Hals, wÀhrend sie mit zornigem Gesichtsausdruck ihren Ehegatten anfaucht.
Sie hat dabei ihren ĂŒblichen strengen Blick, den viele MĂ€nner irrtĂŒmlicherweise als aufreizend deuten.
Das ist auch das Problem; die meist mÀnnlichen Wissenschaftler der Raumstation kreisen um sie herum, wie die Fliegen einst um die Reste von Bambis Mutter.
Ein Zustand mit dem Antoine nicht wirklich klarkommt, da durch irgendwelche seltsamen UmstÀnde seine Libido im Weltall ziemlich abgenommen hat, ganz im Gegensatz zu der seiner Frau.
Das ist auch der Grund, warum Antoine den Verdacht hegt, dass Catherine ihn betrĂŒgen könnte.
Diese Vermutung hat er sie dann auch, in den letzten Tagen, durch wiederholte zweideutige Aussagen spĂŒren lassen, bis es ihr zu bunt wurde. WĂ€hrend sich das Paar nun, im Aufenthaltsraum, erst VorwĂŒrfe und dann Gemeinheiten an den Kopf wirft, sitzt James Berholder, ein britischer Astrophysiker und zwanghafter Zyniker, ganz in der NĂ€he und wartet auf den Zeitpunkt, an dem die ersten GegenstĂ€nde fliegen. Es dauert nicht lange und schon sieht er sich gezwungen, einer halbvollen Flasche Perrier auszuweichen. Zum GlĂŒck zerbricht sie nicht.
James hebt sie auf, wirft sie in den MĂŒllschlucker und drĂŒckt auf den Knopf.
Es ertönt ein lautes Zischen und ein großer Haufen Abfall wird ins Weltall geschossen, genau in die Laufbahn des chinesischen Satelliten. Als dieser dann, wenige Stunden spĂ€ter, durch den MĂŒllhaufen fliegt, wird einer seiner Sensoren von einer halbleeren Flasche Perrier getroffen und schwer beschĂ€digt. Eigentlich wĂ€re das kein Problem - es war nicht das erste Mal, dass der Satellit von umherschwebenden GegenstĂ€nden getroffen wurde -, doch diesmal verspĂŒrt er ein seltsames GefĂŒhl, fĂŒr das er keinen Namen kennt; ein Mensch wĂŒrde es als Schmerz definieren. Dieses Etwas bringt seine Schaltkreise durcheinander, und so kommt es, dass der Satellit nun das tut, wozu er gebaut worden ist: genau vier Stunden und dreizehn Minuten bevor er abgeschaltet wird, meldet er einen Raketenangriff der U.S.A. auf China. Dann schaltet er sich auf Stand-by, um ein wenig nachzudenken.

General Han Lee ist ein Mann, der sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lÀsst.
Wer 36 Jahre seines Lebens damit beschÀftigt war, die Karriereleiter der Volksbefreiungsarmee empor zu klettern, der braucht ein verdammt dickes Fell.
Als an diesem Morgen des 22 Februars, Oberst Cheng in sein BĂŒro gestĂŒrmt kommt, ist er gerade damit beschĂ€ftigt, den Tod seiner Frau zu planen; sie leidet an Brustkrebs im Endstadium und wird immer mehr zur Last fĂŒr General Han Lee. Es war an der Zeit, sie endlich loszuwerden.
Geliebt hat er sie nie, nur ausgehalten.
Das einzige Wesen, dass er, außer sich selbst, je geliebt hatte, hatte ihm das Herz gebrochen. Er war noch jung, als es geschah, doch immer noch verspĂŒrt er starke Wut und abgrundtiefen Hass, wenn er an diese Zeit zurĂŒckdenkt. Ihr Name war Wong Lin; sie war ein wunderschönes, schĂŒchternes MĂ€dchen mit großen unschuldigen Augen. Er wollte sie haben, und durch ein geschicktes Erpressungsmanöver gelang es ihm, die Einwilligung ihrer Eltern zur Hochzeit zu bekommen. UnglĂŒcklicherweise war er schon damals ein unausstehliches Arschloch und Lin erwiderte nicht im geringsten seine GefĂŒhle. Außerdem war sie schon verliebt, in einen Amerikaner, um genau zu sein in Erik Hasselman, einen Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft in Peking. Zwei Tage vor der Hochzeit war Wong Lin plötzlich verschwunden. Wie Han Lee spĂ€ter erfuhr, hatte Hasselman sie, unter Mithilfe einiger befreundeter CIA Agenten, in die amerikanische Botschaft geschleust.

Oberst Cheng ist völlig außer Atem und stammelt unverstĂ€ndlich vor sich hin, wĂ€hrend er nach Luft ringt. General Han Lee, der den Oberst fĂŒr einen opportunistischen Speichellecker hĂ€lt und jede Gelegenheit nutzt, seine schlechte Laune und sein Missmut an ihm auszulassen, schaut ihn genervt an. Er hat nichts von dem verstanden, was Cheng ihm sagen wollte.
Der Oberst beruhigt sich und berichtet, mit einem leichten Zittern in der Stimme, von den amerikanische Langstreckenraketen, die sich auf dem Weg nach Beijing befinden.
„Ist der Parteivorsitzende informiert worden?“, bellt der General den Oberst an.
„Ja, General!“
„Was hat er gesagt?“
„Er sagte, dass er heute lieber seinen grĂŒnen Schlafanzug tragen wĂŒrde.“, antwortete der Oberst sichtlich verstört.
„Dieser senile Affe! Bei Mao, womit habe ich das verdient?“. Er dreht sich um und schaut bedeutungsschwanger zum Fenster hinaus, auf den Platz des Himmlischen Friedens.
Er hĂ€lt kurz inne und ĂŒberlegt.
„Oberst, wir mĂŒssen handeln. Wir schießen die Amis auf den Mond!“ sagt er mit ernster Miene.
Der Oberst nimmt die Befehle des Generals ehrfĂŒrchtig entgegen und verlĂ€sst das BĂŒro.
Wieder kehrt Stille ein.
Seine Frau musste wohl oder ĂŒbel warten; es gab jetzt Wichtigeres zu erledigen.
Ein LĂ€cheln huscht ĂŒber das Gesicht des Generals; eine Regung die er normalerweise nie zuließ, aber jetzt, wo sich diese Chance bot...
Darauf wartete er schon seit Jahrzehnten. Die Zeit war nun gekommen Rache zu ĂŒben.
Zuerst wurden die diplomatischen Beziehungen zu den U.S.A. und der E.U. auf Eis gelegt. Da man Feuer am besten mit Feuer bekĂ€mpft, wurden zwölf Langstreckenraketen abgefeuert, um die gegnerischen Geschosse außer Gefecht zu setzen.
Der komplette chinesische MilitÀrapparat wurde in Alarmbereitschaft versetzt.
Auf die Idee, die Daten des Satelliten zu ĂŒberprĂŒfen, kam natĂŒrlich keiner.

Mr. President oder Puschi, wie seine Frau ihn bei den seltenen Gelegenheiten des Beischlafs nennt, spielt gerade im schönen Venice Beach mit seinem PR-Berater Golf.
Er hat beim sechsten Loch ein Birdie geschafft und stolziert mit breiter Brust ĂŒber den Platz. Seine HĂ€morrhoiden jucken wie verrĂŒckt. Da es sich aber fĂŒr den mĂ€chtigsten Mann der Welt nicht gehört, sich in der Öffentlichkeit den Hintern zu kratzen, unterdrĂŒckt er diesen Drang so gut, wie es eben geht.
Der Tag hatte so gut begonnen.
Das Aufwachen ohne seine Frau.
Das angenehm ruhige FrĂŒhstĂŒck im Hotel.
Die niedliche Thai Putzfrau, die so nett zu ihm war.
Der Birdie.
Und jetzt dieses beschissene Brennen am Arsch.
Aber der PrÀsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist hart im nehmen; ein echter Texaner eben.
Als er, bewacht von einer Horde Bodyguards, im Clubhaus sitzt und ganz relaxt einen Margarita schlĂŒrft, erreicht ihn die Nachricht, dass die Chinesen den Vereinigten Staaten den Krieg erklĂ€rt haben. Kurz darauf hĂ€lt er im Fernsehen eine flammende Rede und ruft sein Volk auf, fĂŒr Gott und Amerika zu kĂ€mpfen. Die Kameras werden ausgeschaltet.
Der PrĂ€sident tupft sich den Schweiß von der Stirn und sagt, mehr zu sich selbst als fĂŒr andere bestimmt: „Wir machen die Schlitzis ein fĂŒr alle mal fertig!“.
Ein Journalist, der diesen Satz gehört hat, kann sich ein spöttisches LÀcheln nicht verkneifen.
„So wie damals in Vietnam!?“ sagt er.
Der Blick der PrÀsidenten richtet sich auf ihn; stechend und bedrohlich, wie der Lauf einer Waffe.
Doch der Journalist gibt sich völlig unbeeindruckt und grinst weiter hÀmisch.
„Oder vielleicht wie in Somalia, Afghanistan, Irak oder Iran!?“ fragt er.
Der PrĂ€sident holt aus, als wolle er etwas erwidern, ĂŒberlegt es sich aber dann anders und stapft wutentbrannt aus dem Presseraum. Als er den Raum verlĂ€sst, fĂ€ngt eine der vielen Kameras noch ein, wie er sich am Hinterteil kratzt.

Einige hundert Kilometer von der ErdoberflÀche entfernt schwebt ein veralterter chinesischer MilitÀrsatellit durchs All. Langsam aber unerbittlich wird er von der Erdgravitation angezogen.
In ein paar Tagen wird er in den Pazifik plumpsen und in Vergessenheit geraten
Plötzlich blinkt auf der Außenseite des Rumpfes ein kleines rotes Licht.
Einige gerÀuschlose Minuten vergehen.
Der Bordcomputer schaltet sich ein.
Er fĂŒhlt sich gut. Irgendwie schwerelos.
Er richtet sein elektronisches Auge auf die Erde und beobachtet, wie die seltsame blaue Kugel, um die er nun schon so viele Jahre gekreist war, von weißen Punkten ĂŒbersĂ€ht wird.
Bei dem Anblick dieser vielen atomaren Explosionen wird ihm ganz warm um den Prozessor.

__________________
:nemo

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sunufatarungo
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Das... ist... definitiv... perfekt...!!!
HĂ€tte ich es jetzt und hier nicht gelesen, ich mĂŒsste es mir kaufen! Grandios, meinen GlĂŒckwunsch!

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

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Hallo Nemo,

ich möchte nicht unbedingt sagen perfekt, aber hart an der Grenze *gg*.

Beim lesen sind mir drei Fehler aufgefallen, wobei einer meines Erachtens ein schwerwiegender ist:

"Zwei Tage vor der Hochzeit, war Chen Lui plötzlich verschwunden."

Drei/vier SĂ€tze vorher hieß sie noch Wong Lin.

Ansonsten ist das Thema ein politisches Thema, ich kann dazu allerdings nicht viel sagen, bin da selbst mit einer Geschichte am rumbasteln, damit sie keinen politischen Tatsch bekommt.

FĂŒr den Rest finde ich die Geschichte humorvoll und gut erzĂ€hlt.

liebe GrĂŒĂŸe
ReneĂš

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nemo
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2001

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Danke ! Danke !

@sunufatarungo (habe ich das jetzt richtig geschrieben ?!)
Vielen Dank fĂŒr dein ĂŒberschĂ€umendes Posting.
Es erfreut mich natĂŒrlich ungemein, daß dir mein Text gefallen hat *ggg* aber ich glaube von Perfektion sollte man hier nicht sprechen. Obwohl...

@renee (das war einfach
Ja, ja das kommt davon, wenn man sich keine Namen merken
kann !

Merci Beaucoup

Nemo

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:nemo

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Lupus Corridor
AutorenanwÀrter
Registriert: Jul 2002

Werke: 7
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Wow,
ein politisches Thema, so humorvoll und wirklich an der Grenze zur RealitĂ€t erzĂ€hlen zu können und es auch noch so zu gestalten, daß man weiterlesen muß - alle Achtung !!!
Hat mir gut gefallen. Vor allem die Äußerung des Journalisten.
Danke
L.C.
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L.C.

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jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
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starke Story

Ein wenig spröde und exposee-haft, ein paar Komma- und Rechtschreibfehler zu viel aber stark in der Story.

Noch stĂ€rker wĂ€re vielleicht, wenn am Ende der Berichterstatter-Ton einem eher emotionalen Platz machen wĂŒrde – sozusagen der Wechsel von den kleinen pesönlichen Problemen (die benannt werden) zu den riesigen Konsequenzen (die gezeigt werden). Jetzt ist man/bin ich stark versucht, ĂŒber den "sich wohl fĂŒhlenden Sateliten" zu schmunzeln, statt sich/mir ĂŒber das Ausmaß der Katastrophe bewusst zu sein.
Die Story ist jedoch trotz aller Komik der Verwicklungen eigentlich nicht komisch, sondern dramatisch. Um diesen Aspekt noch mehr zu betonen, vertragen die persönlichen Probleme noch ein wenig mehr an Bedeutung fĂŒr die betreffedende Person – im Moment ist alles ein wenig zu beilĂ€ufig.
Die Geschichte könnte auch zynisch sein, was am Ende auch weniger ein Schmunzeln als eine schiefes Grinsen zurĂŒckließe. Dazu fehlt aber noch etwas sprachliche SchĂ€rfe.

Aber all das sind Nuancen, die sich – geb ich zu – wohl sehr im Bereich meines persönlichen Empfindens bewegen.



Passt es zur Anthologie? Nicht wirklich, aber es ist nah dran. NĂ€her sind manche der Angebote auch nicht am Thema – im Gegenteil. Versuchs also!
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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