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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dunkelschein
Eingestellt am 20. 01. 2009 00:16


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Chrisch
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Registriert: Jan 2009

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Dunkelschein

Als ich vor ein paar Wochen kurz die Augen schloss, war es dunkel. War ja auch schon spĂ€t. Sonne weg, Mond nicht im Fenster, Licht war auch aus. Nichts Besonderes also, oder? Augen zu und dunkel, oder? Ausatmen, einatmen. Nein, eigentlich wollte ich noch nicht schlafen und mit geschlossenen Lidern war es auch nicht dunkler als mit offenen Augen. Kleine Lichtblitze und einen rötlichen Schimmer nahm ich wahr. Dann kamen Bilder mit immenser Kraft. Die waren so hell, dass ich schnell die Augen aufriss, weil's mich blendete. Aber im Dunkeln konnte ich sie weiter sehen. Ich flog ĂŒber den Himmel und landete tief unter der Erde, erschuf steinerne Figuren und bemalte freie WĂ€nde, dass mir die Farbe in die Nase stach. Zwischendurch sprach ich mit den Eltern, die fragten: „Was machst du nur?“ „Ich lebe.“ antwortete ich den Toten mit offen Augen im Dunkeln, im Bett, unbeweglich, mit Herzklopfen wie beim Sport und außer Atem. „Lebe im Bett“, unbeweglich, seit damals. „Ja!“ schreie ich lautlos. Blinzeln kann ich wenigstens. Im Geiste fliegend erschaffe ich Figuren und Melodien zu meinen Bildern.
Es ist leicht zu fliegen, wenn man den Körper nicht spĂŒrt. Manchmal sehe ich die Erde sogar im Ganzen. Ein erhabener Anblick. Ich schreibe wahrhaft epische ErzĂ€hlungen, die ich nicht vortragen kann, seit damals, dem dunklen Unfall, von dem ich nichts weiß, der mich meiner lauten Sprache und aller Bewegung beraubte. Ich bemĂŒhe mich Besuchern meine Gedanken zu ĂŒbertragen, denke an den netten Wirt aus der Eckkneipe, der mich oft besucht, gebe ihm Ideen in den Kopf. Er merkt es nicht, aber ich freue mich, wenn er dann bei mir ist und von den guten Sachen erzĂ€hlt, die er wieder erlebt, gesehen und gemacht hat. Ich blinzle ihm verstehend und aufmunternd zu, was den HĂŒnen oft zu TrĂ€nen rĂŒhrt. „Was machst du nur?“ fragt er und die anderen seltenen Besucher. Ich denke mit all meiner Kraft: „Ich lebe! Ich bin noch da und mein Geist ist so frei, wie euer Körper nie sein kann. Wenn ich meine Zeit gekommen sehe, fliege ich in den Himmeln zum Licht und verglĂŒhe vor Wonne.“ Das können sie nicht begreifen, ich kann's nicht sagen und das Rollen meiner AugĂ€pfel erscheint ihnen wie Verzweiflung pur. HĂ€tte ich frĂŒher ja auch gedacht, aber jetzt bin ich frei.

Ich höre die Maschine mich atmen. Ein beruhigendes GerĂ€usch, das mich auch manchmal in Panik versetzt. Dann fliege ich schnell wieder fort und höre das Brausen des Windes und lasse mich wehen vom Kap der guten Hoffnung nach SĂŒden, hinaus aufs Meer.




Version vom 20. 01. 2009 00:16
Version vom 21. 01. 2009 00:15

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Zwischendurch sprach ich mit den Eltern, die sagten
fragten?

es gibt lieder, die sind traunrig und tröstlich zugleich. manche halten die sprache der walfische fĂŒr gesang und löschen ihren durst mit unserem blut.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen, @chrisch

bluefin

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