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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dunkle Stunden von der Sonne erhellt
Eingestellt am 17. 06. 2013 12:44


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Silberpfeil
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2013

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Die schw├╝le Hitze des Hochsommers lastete dr├╝ckend auf ihr. Sie nahm es kaum wahr. Viel mehr drohte die Trauer, die sie nur schwer verdr├Ąngen konnte, sie in die Knie zu zwingen. Doch noch stand sie aufrecht, noch blieben ihre Augen trocken.
Bei der Ankunft begleiteten sie gemischte Gef├╝hle. Am gr├Â├čten war die Angst davor was passieren w├╝rde, wenn sie sein Haus betraten. Zeit durchzuatmen, sich auf das Kommende vorzubereiten, gab es nicht. Ihre Beine f├╝hlten sich ganz weich an, sehns├╝chtig blickte sie zum Auto zur├╝ck. Davor weglaufen konnte sie nicht. Sie h├Ątte es sich nie verziehen. Sie musste diese dunkelste aller Stunden ├╝berstehen.
Der langgezogene Ton der T├╝rklingel kam ihr vor wie der Klang eines Kriegshorns, das zu dem Kampf ausrief, vor dem sie sich so sehr f├╝rchtete. Schritte hinter der T├╝r k├╝ndigten den Moment der Wahrheit an und sie wusste so sicher, wie es Kapellen in Krankenh├Ąusern gibt, dass der Damm jeden Augenblick brechen w├╝rde.
Ihr Cousin ├Âffnete die T├╝r, ruhig und gefasst. Trotz der langen Zeit, in der sie sich nicht gesehen hatten, fiel die Begr├╝├čung weder fr├Âhlich noch euphorisch aus, daf├╝r aber herzlich. Das Haus so voller Erinnerungen, als h├Ątte es die letzten Wochen nicht gegeben, als w├Ąre nichts von alledem geschehen. Die restliche Familie am Esstisch versammelt. Sie sp├╝rte trotz der Hitze im Raum eine aufsteigende Beklommenheit, als versuchte eine eiskalte Hand nach ihrem Herzen zu greifen.
Ihre Tante nahm auf dem Stuhl neben ihr Platz. Keiner der Anwesenden sah sie an, traute sich ein Wort zu sagen. Auch ihr wollten keine passenden Worte des Trostes einfallen. Der Raum wog schwer und die Unsicherheit Aller machte den Augenblick noch unertr├Ąglicher. Dann sprach ihre Tante, erz├Ąhlte von seiner letzten Stunde, wie sie mit ihrem Sohn an seinem Bett sa├č, jeder von ihnen eine seiner H├Ąnde festhaltend, wartend, ├Ąngstlich und voller Verzweiflung. Zu wissen, dass er es nun hinter sich hatte, vermochte nicht die Trauer ├╝ber den schrecklichen Verlust zu ├╝berdecken.
Von diesen letzten Momenten zu h├Âren und sie vor ihrem geistigen Auge zu sehen, raubte ihr die Luft zu atmen. Tr├Ąnen flossen, wollten nicht versiegen und sie w├╝nschte sich weit, weit weg. Der Zeitpunkt das Haus zu verlassen und zum Friedhof zu fahren, lie├č sie dagegen eine schwache Erleichterung sp├╝ren. Zumindest konnte sie nun dieses in Trauer getr├Ąnkte Zimmer verlassen.
Vor dem Haus wurden sie von der Sonne begr├╝├čt. Das Firmament strahlend blau, Sommer auf jedem Grashalm, jeder Pflanze und in jedem Baum. So wundersch├Ân, als h├Ątte er selbst das Wetter vom Himmel aus beeinflusst.
Mittlerweile war es Mittag geworden, die Hitze unertr├Ąglich und doch bitter s├╝├č. Am Friedhof vermischten sich Schwei├č und Tr├Ąnen zu einer salzigen Schicht auf ihren Gesichtern. Als sie den Raum mit den langen Stuhlreihen betraten, sah sie ihn. Sein Foto, mit einem schlichten Rahmen versehen, stand neben dem Sarg. Sein liebes Gesicht, durch ein angedeutetes L├Ącheln noch sch├Âner wirkend, blickte zu den Versammelten hin├╝ber. Und pl├Âtzlich wusste sie, dass die Sonne nicht blo├č schien, um sie alle obgleich der Trauer zu erw├Ąrmen. Sie Sonne schien so kr├Ąftig um ihnen zu beweisen, dass sie auch morgen weiter scheinen w├╝rde.

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