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Leselupe.de > Kurzprosa
ENNEA (I)
Eingestellt am 08. 07. 2001 21:55


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Franny
Manchmal gelesener Autor
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ENNEA - (I)


Im Gegensatz zu den meisten ihrer Klassenkameraden hatte Ennea die Stadt nach Beendigung der Schule nicht verlassen. Ihre Mutter hatte es nicht gewollt. Nachdem ihre ├Ąlteste Tochter, Enneas Schwester Stefania, einen Studienplatz in einer weit entfernten Gro├čstadt angenommen hatte und ihre ohnehin seltenen Besuche in letzter Zeit immer noch rarer wurden, hielt die Mutter Ennea gefangen in einem fein gesponnenen Netz aus wirklichen und vorget├Ąuschten Leiden, ausgesprochenen und unausgesprochenen Vorw├╝rfen, mitleidheischenden Blicken, geheimnisvollen Krankheiten und schlechtem Gewissen.

Desinteressiert begann Ennea eine Ausbildung zur Gro├čhandelskauffrau, verbrachte ihre Tage im B├╝ro und ihre Abende mit der Mutter vor dem Fernseher. Hin und wieder ging sie aus. Essen mit Kollegen. Manchmal Kino. Traf sich ab und zu mit Gleichaltrigen, die sie noch von der Schule her kannte. Manchmal Disco. Feuchtklebrige Knutschereien auf dem Nachhauseweg, im Auto, vor der Haust├╝r. Ungeschickte H├Ąnde, die sich an ihrem K├Ârper zu schaffen machten und die sie tr├Ąge und teilnahmslos abwehrte.

All das konnte den Filmen, die sie sah, den B├╝chern, die sie las, nicht standhalten.

Eines Morgens stie├č sie bei der Lekt├╝re der Lokalzeitung auf ein Foto unter der Rubrik 'Personalien'. Sie erkannte ihn sofort. Er hatte einmal zum Freundeskreis ihrer Schwester geh├Ârt. Vielleicht war da sogar etwas gewesen zwischen den beiden. Sie erinnerte sich genau an die Eifersucht, die sie damals empfunden hatte, an das dem├╝tigende Gef├╝hl, nicht beachtet zu werden von den ├älteren, Gr├Â├čeren, Reiferen. Nicht ernst genommen zu werden. Sie hatte ihn angehimmelt und von weitem verehrt, wie Teenager das tun. Er sah damals schon unglaublich gut aus. Lange, dunkle Haare, blaue Augen, ein umwerfendes L├Ącheln, ein perfekter, durchtrainierter K├Ârper. Er war Mitglied der Theatergruppe des Gymnasiums und wollte Schauspieler werden.

Ennea dachte damals Tag und Nacht an ihn, phantasierte sich in Geschichten, die unweigerlich damit endeten, da├č er pl├Âtzlich alle anderen M├Ądchen, einschlie├člich ihrer Schwester, stehen lie├č, sich ihr zuwandte, ihre Hand nahm, und schwor, sie nie mehr loszulassen. Oder sonst etwas Romantisches. Und dann k├╝├čte er sie, wie sie noch nie zuvor gek├╝├čt worden war. Sie konnte sich in diese Phantasien derart hineinsteigern, da├č sie wirklich glaubte, seine Lippen zu sp├╝ren, seine Zunge, die sich auf der Suche nach der ihren unendlich langsam und vorsichtig ihrem Mund n├Ąherte, sich dort drehte und wand, die Konturen ihrer Lippen nachzeichnete und sich endlich zwischen sie schob, um sich gleich wieder zur├╝ckzuziehen, damit das Spiel von Neuem beginnen konnte. Nur, da├č seine Zunge diesmal in kleinen, scheinbar willk├╝rlichen Zuckungen ├╝ber die empfindliche Haut an der Seite ihres Halses fuhr, so da├č sie jede dieser Ber├╝hrungen wie einen kurzen, scharfen Schlag mit einer winzigen Peitsche empfand. Sein Rhythmus war nicht gleichm├Ą├čig. Er lie├č sie manchmal auf die n├Ąchste Ber├╝hrung, den n├Ąchsten Schlag warten, z├Âgerte ihn hinaus, bis die Spannung f├╝r sie unertr├Ąglich wurde, und sie sich ihm aufst├Âhnend entgegendr├Ąngte, den Kopf nach hinten geworfen, ihm ihren Mund, ihren Hals, ihre Schultern, ihre Br├╝ste, ihren ganzen K├Ârper anbietend, eine einzige Aufforderung, eine einzige Hingabe.


In solchen Momenten schien es ihr, als ob alles Blut, das sonst in ihrem K├Ârper zirkulierte, nun pl├Âtzlich zwischen ihren Beinen zusammenstr├Âmte. Von ihren Schamlippen ging ein prickelndes Gef├╝hl aus, das sich wellenf├Ârmig fortsetzte und sich erst langsam in ihren Finger- und Zehenspitzen verlor. Manchmal sp├╝rte sie ihre eigene Feuchtigkeit aus sich herausperlen und die Innenseite ihrer Oberschenkel benetzen. Sie kniff dann die Beine zusammen und stellte sich vor, wie er nun ihre Br├╝ste streichelte, die Spitzen k├╝├čte, sie mit seiner Zunge reizte, ebenso, wie er es vorher an ihrem Hals getan hatte, und sie dann, wenn sie gro├č und hart geworden waren, ganz sanft zwischen seine Z├Ąhne nahm, erst die eine, dann die andere, dann in immer schnellerem Wechsel saugte und bi├č, zuerst noch vorsichtig, dann immer wilder, immer schneller, immer h├Ąrter, bis sie mit einem letzten Zusammendr├╝cken ihrer Oberschenkel den Mechanismus ihrer Lust ausl├Âste und mit seinem Bild vor Augen st├Âhnend zusammenzuckte, immer und immer wieder.

Sein Name war Robert. Der Text neben dem Bild besagte, da├č er die Schauspielschule in M. absolviert habe und nunmehr am ├Ârtlichen Stadttheater in einem Engagement f├╝r die kommende Spielzeit stehe. Zun├Ąchst g├Ąbe er den Herzog von Clarence in William Shakespeare's 'K├Ânig Richard der Dritte'.

Noch auf dem Weg ins B├╝ro kaufte sie sich eine Theaterkarte.



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Franny
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Hermann B├Ârdemann
Hobbydichter
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Hallo Franny,

ich freue mich auf die Fortsetzung

Gru├č!
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Epi

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Franny
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Hallo Epi!

Wow, Du hast es gespannt. Ich habe extra im Nachhinein noch ├╝berall (I)er hingemacht, damit hier keiner hinschreibt: 'Was soll denn das jetzt?' (oder so).
Hoffe, Dich nicht zu entt├Ąuschen.
Vielen Dank f├╝r Deine Antwort. Man sitzt ja doch immer irgendwie auf Kohlen, ob sich denn nun gar keiner meldet. (Ich zumindest.)
Sch├Ânen Tag noch!
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Franny
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BeautifulExperience
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Franny!

Das haut mich jetzt wirklich um, dass Du Dich in der Prosa genauso traumwandlerisch sicher bewegst wie in Deinen poetischen Texten, und ENNEA entwickelt den Spannungsbogen aus verf├╝hrerischen Bildern und Erwartung so geschickt, dass man atemlos zur├╝ckbleibt, gl├╝cklich l├Ąchelt und mit gro├čer Sehnsucht den n├Ąchsten Teil Deiner Geschichte erwartet :-).

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Frank Zimmermann
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Feuchtwarm

Der Text ist die richtige Lekt├╝re f├╝r das feuchtwarme Wetter, da├č heute am Rhein auf uns niederdr├╝ckt.
Zwar mu├č ich zugeben, da├č ich die Erdbeeren noch k├Âstlicher finde, aber auch dieser Text hat es durchaus in sich. Zwar fand ich das Bild von der "Minipeitsche" nicht so ├╝berzeugend, aber die benetzten Schenkel haben mich dar├╝ber hinweggetr├Âstet...
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fz

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Franny
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Hi Frank,

Danke f├╝r den Hinweis, Du hast v├Âllig recht. Werde mich bei der Fortsetzung darum bem├╝hen, alle Utensilien aus dem Reich der Gartenzwerge dort zu belassen, wo sie hingeh├Âren.
Sch├Ânen Tag in der Sauna noch!
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Franny
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