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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ER
Eingestellt am 25. 08. 2003 23:31


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para_dalis
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

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ER

.

"Es ist Zeit zu gehen"

sie verstand nicht.
was sie auch tat, womit sie auch versuchte ihn aufzumuntern, es sagte immer wieder diesen satz.
wohin wollte er gehen?
sie hatten nicht gestritten. sie stritten nie.
sie f├╝hrten eine harmonische beziehung.
anfangs zogen sie in eine kleine wohnung unmittelbar neben Senefelder. die wohnung war winzig, doch das st├Ârte sie nicht. liebevolle kleinigkeiten machten die wohnung zu einem ort des wohlf├╝hlens. die farbigen st├╝hle beispielsweise. sie wollte ein warmes rot, er ein k├╝hles blau.
also erhielten die st├╝hle beide farben.

vieles taten sie gemeinsam.
manchmal gingen sie nachts noch hinaus.
schatten umgaben sie, nicht nur der des alten Alois.
"in der nacht sieht man menschen anders laufen"
sagte er dann und passte sich ihren schritten an.
"ganz sch├Ân schwer"
antwortete sie, wenn sie es ebenfalls versuchte, denn tat er mit seinen langen gliedern einen schritt, musste sie zwei nebenher trippeln. manchmal lie├č sie ihn vorweg gehen und blieb einfach zur├╝ck. er bemerkte es immer.
und wartete auf sie.
ein anderes mal machte er ihr angst, in dem er vom schattenmann erz├Ąhlte.
"h├╝te dich vor den rosenbeeten, hinter denen lauert er auf dich..."
sie glaubte nat├╝rlich nicht an diese dinge.
und dennoch. unwillk├╝rlich begann sie zu fl├╝stern.
dann wurden die gestalten des nahe gelegenen m├Ąrchenbrunnens lebendig.
sie fl├╝sterte mit rotk├Ąppchen, tanzte in aschenputtels schuhen und k├╝sste kichernd den froschk├Ânig.
sp├Ąter, in ihrer winzigen wohnung weit ├╝ber der stadt, war er ihr prinz und sie seine prinzessin.
sie liebten sich. und h├Ârten ihr fl├╝stern.


irgendwann tauschten sie die winzige wohnung gegen eine ger├Ąumigere ein. die nun vorherrschenden farben waren wei├č und schwarz.
er trug elegante uhren und gelackte schuhe. das h├Ąmmern seiner alten schreibmaschine verschwand. stattdessen h├Ârte sie ein leises, konstantes brummen und die satten ger├Ąusche seiner finger auf der weichen tastatur. und er kaufte einen teuren, k├Ânigsblauen federhalter, der demonstrativ die wertvolle kommode zierte.
vieles hatte sich ge├Ąndert. er entfernte sich von ihr. er wurde ihr fremd.
und sie verstand es nicht.


der kreis schloss sich, als sie das schreiben erblickte, das er wohl versehentlich auf der marmornen fensterbank zur├╝ck gelassen hatte.


"Es ist Zeit zu gehen."


.
.
.


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St├Ądtisches Krankenhaus.
.


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Ruedemann
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

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Es ist Zeit, zu gehen - Antwort

Hallo, para_dalis ER ,
auf den ersten Blick dachte ich , ein Gedicht zu lesen. Die Form suggerierte es.
Ich meine schon, die Geschichte kann aus dem Leben kommen. Noch authentischer h├Ątte ich sie empfunden, wenn zu "ihr" mehr gesagt worden w├Ąre. "Er" hat sich ver├Ąndert, ist "was Besseres " geworden, sie anscheinend nicht.
"sie verstand nicht. was sie auch tat, womit sie auch versuchte ihn aufzumuntern, es sagte immer wieder diesen satz."
Ich verstand auch nicht . Sie versuchte"IHN" aufzumuntern, aber "ES" sagte immer wieder diesen Satz. Wer oder was ist "es"?
Satte Ger├Ąusche auf der weichen Tastatur machen meine Finger auch nicht.
War "er" krank ? War es Zeit, ins Krankenhaus zu gehen? Ging er aus dem Leben? Hier finde ich keinen richtigen Zusammenhang. Aber Kurzgeschichten sollen ja ein offenes Ende haben. Meintest du es so?
Liebe Gr├╝├če Ruedemann

__________________
Kopfhund zu sein ist manchmal auch unangenehm.

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para_dalis
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ER

Hallo Ruedemann,

danke f├╝r deine Reaktion und die Hinweise.

"ES" ist ein Tippfehler, sorry.
Ich meinte nat├╝rlich ER und werde es korrigieren.

das mit den "satten Ger├Ąuschen" ist so eine Sache. Ich schreibe manchmal auf einer ├╝blichen Tastatur und dann wieder auf meinem laptop. Es gibt schon Unterschiede im Klang!! Wie k├Ânnte ich es besser ausdr├╝cken?

Hm.
Das ER nichts zu ihr sagt, liegt wohl daran, dass ich nur die Gedanken von IHR das Empfinden der Ver├Ąnderung darlegen wollte.
Und der offene Schluss... ich liebe diese Interpretationsm├Âglichkeiten, die Gedanken, die sich der Leser machen kann.
"Warum erhielt er diesen Brief?"
"Warum lie├č er ihn auf der Fensterbank?"
"Warum konnte er nicht mit ihr dar├╝ber sprechen?"
usw.

Jedenfalls bin ich offen f├╝r weitere Anregungen! Danke!

Lieben Gru├č
Heike
;-)

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para_dalis
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ER (korrigiert)


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"Es ist Zeit zu gehen"

sie verstand nicht.
was sie auch tat, womit sie auch versuchte ihn aufzumuntern, er sagte immer wieder diesen satz.
wohin wollte er gehen? sie hatten nicht gestritten. sie stritten nie. sie f├╝hrten eine harmonische beziehung.
anfangs zogen sie in eine kleine wohnung unmittelbar neben senefelder. die wohnung war winzig, doch das st├Ârte sie nicht. liebevolle kleinigkeiten machten die wohnung zu einem ort des wohlf├╝hlens. die farbigen st├╝hle beispielsweise. sie wollte ein warmes rot, er ein k├╝hles blau. also erhielten die st├╝hle beide farben.
vieles taten sie gemeinsam. manchmal gingen sie nachts noch hinaus. schatten umgaben sie, nicht nur der des alten alois.
"in der nacht sieht man menschen anders laufen" sagte er dann und passte sich ihren schritten an.
"ganz sch├Ân schwer" antwortete sie, wenn sie es ebenfalls versuchte, denn tat er mit seinen langen gliedern einen schritt, musste sie zwei nebenher trippeln. manchmal lie├č sie ihn vorweg gehen und blieb einfach zur├╝ck. er bemerkte es immer. und wartete auf sie. ein anderes mal machte er ihr angst, in dem er vom schattenmann erz├Ąhlte.
"h├╝te dich vor den rosenbeeten, hinter denen lauert er auf dich..."
sie glaubte nat├╝rlich nicht an diese dinge. und dennoch. unwillk├╝rlich begann sie zu fl├╝stern. dann wurden die gestalten des nahe gelegenen m├Ąrchenbrunnens lebendig. sie fl├╝sterte mit rotk├Ąppchen, tanzte in aschenputtels schuhen und k├╝sste kichernd den froschk├Ânig. sp├Ąter, in ihrer winzigen wohnung weit ├╝ber der stadt, war er ihr prinz und sie seine prinzessin. sie liebten sich. und h├Ârten ihr fl├╝stern.
irgendwann tauschten sie die winzige wohnung gegen eine ger├Ąumigere ein. die nun vorherrschenden farben waren wei├č und schwarz. er trug elegante uhren und gelackte schuhe. das h├Ąmmern seiner alten schreibmaschine verschwand. stattdessen h├Ârte sie ein leises, konstantes brummen und die satten ger├Ąusche seiner finger auf der weichen zastatur. und er kaufte einen teuren, k├Ânigsblauen federhalter, der demonstrativ die wertvolle kommode zierte.
vieles hatte sich ge├Ąndert. er entfernte sich von ihr. er wurde ihr fremd. und sie verstand es nicht. der kreis schloss sich, als sie das schreiben erblickte, das er wohl versehentlich auf der marmornen fensterbank zur├╝ck gelassen hatte.
"Es ist Zeit zu gehen."
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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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Hallo para_dalis,

einer der besten texte die ich bisher von dir las.
Ein paar gedanken die mir beim lesen und sp├Ąteren nachdenken ├╝ber das gelesene kamen:
Die m├Ąnnliche psyche ist sehr sch├Ân herausgearbeitet: er, der keine angst kannte, der sich ├╝ber die angst anderer lustig machte (allerdings ohne es zu ├╝bertreiben), konnte es nicht fassen, dass mit seiner "maschine" k├Ârper etwas nicht mehr stimmt. Diese sehr m├Ąnnliche sichtweise auf den eigenen k├Ârper findet man oft, wenn etwas "kaputt geht" wird es erst verschwiegen bzw. ignoriert, und zu guter letzt wird nahezu manisch versucht, es wieder in ordnung zu bringen.
Das alles hast du in eine wirklich kurze geschichte so geschickt verpackt, dass mir nichts zum herumn├Âlen einf├Ąllt - ich habe NICHTS zu meckern lautet dann auch die bewertung.


Viele gr├╝├če

rainer

__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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para_dalis
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

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ER

danke Rainer!
;-))

das freut meine empfindsame frauenseele...
ja.
wirklich!


lieben Gru├č
Heike
;-)

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