Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95254
Momentan online:
355 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
ER sucht SIE
Eingestellt am 09. 05. 2012 23:51


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
HajoBe
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2012

Werke: 77
Kommentare: 197
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HajoBe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Jan schaute von der Arbeit kommend sogleich in den Briefkasten. Seine Annonce in der Zeitung war vor drei Tagen erschienen. Es k├Ânnte sich eine Antwort finden.
Jan ist verheiratet, die Kinder erwachsen und aus dem Haus. Seine Ehe d├╝mpelt dahin, getragen von gewohnheitsgepr├Ągter Langeweile und zunehmender Beziehungslosigkeit. Sie hatten fr├╝h geheiratet und den zukunftsuntr├Ąchtigen Satz "Bis dass der Tod euch scheidet" zwar zur Kenntnis genommen, vielleicht auch gut gehei├čen, doch ins Dauerrepertoire ihrer Ehe hatten sie ihn nicht ├╝bernehmen k├Ânnen. Und geglaubt hatten sie ohnehin nicht so recht daran. Eine Open-End-Ehe?

Jan ist leitender Angestellter und Eva teilzeitbesch├Ąftigt in einer Boutique. Den Haushalt versorgen sie gemeinsam am Abend. Gelegentlich ein Kino- oder Theaterbesuch, das sonnt├Ągliche Mittagessen meist in Restaurants mit asiatischer K├╝che.
Z├Ąrtlichkeiten beschr├Ąnken sich auf den morgendlich fl├╝chtig gehauchten Abschiedskuss. Die Abende vor der Glotze lassen harmonische Gef├╝hlsseligkeit geschweige denn Lust aufeinander vermissen. Intimverkehr bleibt in unregelm├Ą├čigen Abst├Ąnden dem Sonntagmorgen vorbehalten und verspricht in seiner gleichf├Ârmigen Fantasielosigkeit h├Âchstens einen vorzeitigen selbstbefriedigenden Orgasmus seinerseits, wenn ├╝berhaupt...und bei ihr schon garnicht.

Freunde hatten ihnen mehrfach zu einem verl├Ąngerten Wochenendurlaub geraten, so mit allem Drum und Drann, in einem Wellness-Hotel mit Verw├Âhnprogramm und Candle-Light-Dinner und ihnen von der aphrodisierenden Wirkung intimer Zweisamkeit in einer Suite mit Wasserbett und Seidenw├Ąsche vorgeschw├Ąrmt.
So recht konnten sie sich mit dem Gedanken nie anfreunden und zogen es vor an Gruppenwanderungen durch den Schwarzwald teilzunehmen, die meist in einer Vesperstube ihren Ausklang fanden und einen Reiz auf k├Ârperliche Ann├Ąherung in durchgeschwitzten Outdoor-Klamotten erst garnicht aufkommen lie├čen.
So endete wieder ein Sonntag beim "Tatort" und dem vorgezogenen Nickerchen vor der Kiste. Ein fl├╝chtiger Gute-Nacht-Kuss und ein "Mensch, bin ich m├╝de...!" beschlossen den Abend. Nackt schliefen sie schon l├Ąngst nicht mehr und der Gedanke an getrennte Schlafzimmer war naheliegend und wurde gelegentlich laut ge├Ąu├čert unter dem ber├╝hmten Schnarchvorwand, der herhalten musste f├╝r nicht Ausgesprochenes und Verdr├Ąngtes in der Intimsph├Ąre.
Jan sp├╝rte zwar diese zunehmende Entfremdung und Gleichg├╝ltigkeit seiner nachts neben ihm im Bett liegenden Frau gegen├╝ber, doch er hatte mehr und mehr Hemmungen sich ihr zu n├Ąhern oder auch nur die Hand nach ihr auszustrecken. Vor Jahren zu Beginn ihrer Beziehung h├Ątte er keine Gelegenheit ausgelassen sie zu ber├╝hren, ja sogar im Intimbereich, immer hoffend auf eine positive Reaktion oder zustimmendes Entgegenkommen ihrerseits. Er hatte ihr unabl├Ąssig gestanden wie geil er auf sie sei und ihre anf├Ąngliche Abwehr hatte seine Bem├╝hungen noch gesteigert, sie endlich zum ersten Geschlechtsverkehr zu bewegen. Seine jugendliche Unerfahrenheit in sexueller Bet├Ątigung und im Umgang mit einer Frau f├╝hrten zu anf├Ąnglichen Frustrationen bei beiden und manch`vorzeitiger Orgasmus bei ihm lie├č seine Freundin unbefriedigt und entt├Ąuscht zur├╝ck. Schon damals begingen beide den Fehler, nicht ├╝ber die Ereignisse oder besser Nichtereignisse in ihrem Sexualleben zu sprechen, m├Âglicherweise aus erziehungsbedingten Hemmungen,
tabugesteuerter Zur├╝ckhaltung oder falsch empfundener Scham.
Heute m├╝ssten sie sich klar dar├╝ber sein, was falsche elterliche und zerst├Ârerische religi├Âse Erziehung f├╝r bleibende Sch├Ąden anrichten und aufgrund der daraus entstehenden Folgeerscheinungen bei den Betroffenen die Wartezimmer der Eheberater und Psychologen f├╝llen.
Jan bemerkte wie er immer mehr in einen Zwiespalt geriet zwischen ehelichem Grau-Alltag, Treueversprechen und tagtr├Ąumerischen Wunschdenken. Seine Fantasie spiegelte ihm vor, wie es w├Ąre wenn...Schlie├člich ist der Mensch nicht monogam, wovon er zutiefst ├╝berzeugt war. Seiner Frau gegen├╝ber verstummte er zunehmend sobald es um das Thema Sexualit├Ąt ging, wenn es ├╝berhaupt einmal beil├Ąufig angesprochen wurde. Es endete nicht selten in Vorw├╝rfen, dass sie bzw. er keine Lust mehr versp├╝rten miteinander zu schlafen, von Abwechslung im Intimleben ganz zu schweigen. Sexuelle Praktiken ├╝ber die ├╝bliche Missionarsstellung hinaus oder gar Oralverkehr wurden niemals verbalisiert und ein ausgedehntes begehrliches Vorspiel fiel meist der Ungeduld und Begierde zum Opfer sich so rasch wie m├Âglich zu vereinigen, zumindest was Jan anging. So bemerkte er die von Eva vorget├Ąuschten Orgasmen nie und w├Ąhnte sich im Glauben,wenn er befriedigt war m├╝sse sie es ebenfalls sein.

Es war vorprogrammiert, dass ein gl├╝ckliches Sexualleben, wie es in einer Partnerschaft unabdingbar ist, immer mehr austrocknen und sich schlussendlich v├Âllig verfl├╝chtigen musste. So trat ein, was jegliche Beziehung zum Scheitern verurteilen musste, sofern sie nicht auf rein freundschaftlicher Basis gr├╝ndete oder platonisch zu nennen war: Die Abwendung von gelebter Sexualit├Ąt. Letztendlich der Stabilisator intersexueller Beziehungsf├Ąhigkeit und Garant f├╝r den Abbau partnerschaftlicher Dissenzen. Die Vers├Âhnung in der innigen geschlechtlichen Vereinigung nicht nur zweier K├Ârper sondern auch zweier Seelen, die sich niemals so nahe sind, wie in diesem einen ineinander st├╝rzenden zeitlosen Moment.

Jan beobachtete wie er sich zunehmend in sexuelle Fantasien hineinsteigerte, sich imagin├Ąr weibliche Nacktheit und bereitwillige Hingabe vorstellte, was nahezu immer zu Erektionen f├╝hrte, und selbst nachts neben seine Frau im Bett liegend hielten ihn Wachtr├Ąume in ihrem erregenden Bann. Es w├Ąre ein Leichtes gewesen, sich seiner Frau zu erkl├Ąren, seine W├╝nsche zu ├Ąu├čern, aber er sp├╝rte, dass er sie nicht mehr begehrte. Es waren weibliche Hirngespinnste, die ihm f├Ârmlich den Verstand raubten und in ihm immer mehr das Verlangen nach einer fremden Frau sch├╝rten. Er malte sich aus, wie sie ihm alle W├╝nsche erf├╝llen k├Ânnte. Ja, sogar was ihr ├Ąu├čeres Erscheinungsbild anging, war er zu jedem Kompromiss bereit und musste sich eingestehen, dass es ausschlie├člich animalisches Verlangen nach einem fremden weiblichen Leib war, ganz gleich wie anziehend er sein mochte oder nicht.
Er hatte von den Begriffen des ehelichen Gewohnheitssex mit seiner eint├Ânigen Verl├Ąsslichkeit und dem au├čerehelichen Lustsex gelesen mit diesem gewissen Kick und dem Motivationsschub, den er auszul├Âsen vermochte und von dessen einzufordernder Berechtigung er ├╝berzeugt war.
Ein Arbeitskollege, mit dem er das ihn umtreibende Thema angeschnitten hatte, ermunterte ihn:
"Gib`doch mal eine Anzeige in der Zeitung auf....unter ER sucht SIE!"
Jan faszinierte der Gedanke, er ├╝berlegte wie er die Annonce formulieren w├╝rde und wenn es die Arbeit zulie├č, kritzelte er auf ein St├╝ck Papier Entw├╝rfe, um sie mehrfach zu verwerfen und die Zettel in kleine St├╝cke zu zerrei├čen, damit sie niemandem in die H├Ąnde fielen. Er las den Anzeigenteil der ├Ârtlichen Tageszeitung, um sich Anregungen zu holen. Zugleich ├╝berraschte ihn wie zahlreich sich derartige Annoncen dort fanden. Ob er da ├╝berhaupt eine Chance haben w├╝rde? Schlie├člich ging es darum sich m├Âglichst attraktiv darzustellen. Den Umstand, dass er verheiratet war und sein Alter wollte er zun├Ąchst verschweigen. Nat├╝rlich war Diskretion von beiden Seiten selbstverst├Ąndliche Voraussetzung. ├ťber sein ├äu├čeres lie├č er sich nur sp├Ąrlich aus. Noch die Angabe der Adresse....? Nein, das ging nat├╝rlich nicht. Also nur die Handynummer. Und bitte nur per sms antworten! Blo├č kein Anruf im falschen Moment. Zu bezahlen durch Bankeinzugsverfahren. Da war der Haken: Das gemeinsame Konto mit seiner Frau....
Jan beschloss pers├Ânlich zur Zeitung zu gehen.
"Ich m├Âchte eine Anzeige f├╝r einen Freund aufgeben....", gab er der Sekret├Ąrin hinter dem Tresen zu verstehen.
"Auch m├Âchte ich in bar bezahlen, mein Freund verf├╝gt ├╝ber keine Bankverbindung..."
Das war ├╝berstanden. Jan war erleichtert. Die Anzeige w├╝rde unter Chiffre erscheinen, alles anonym.
Jetzt galt es nur noch den Briefkasten regelm├Ą├čig vor seiner Frau zu leeren. Welche Erkl├Ąrung sollte er ihr geben, wenn ein Chiffre-Brief von der Tageszeitung auftauchte. Er h├Ątte nat├╝rlich die Post auch selber bei der Zeitung abholen k├Ânnen, doch daran hatte er nicht gedacht, das Fr├Ąulein am Tresen auch nicht.

Der Briefkasten enthielt nur Werbung und eine Postkarte seiner Schwiegermutter, auf der sie ihr baldiges Kommen ank├╝ndigte.
Die n├Ąchsten Tage voller angespannter Erwartung brachten zun├Ąchst nicht den gew├╝nschten Erfolg.
"Na, hast du deine Traumfrau gefunden?", fragte ihn sein Kumpel einige Tage sp├Ąter. Er verneinte und der Kollege meinte:
"Schau doch mal unter: SIE sucht IHN!"
Jan besorgte sich die Wochenendausgabe und musste feststellen, dass mehr M├Ąnner nach Frauen als Frauen nach M├Ąnnern suchen. Dabei ist doch bewiesen, dass beide Geschlechter in hohem Ma├če fremd gehen.
Ganze vier weibliche Gesuche. Eines erschien verlockend:
"Attraktive SIE, verheiratet, gutaussehend, sucht IHN f├╝r eine z├Ąrtliche Intimbeziehung bei absoluter Diskretion....usw."
Das k├Ânnte es sein, dachte Jan und notierte die Chiffre-Nummer.
Die Antwort wollte gut ├╝berlegt sein. Jetzt nur keinen Fehler machen in der Selbstdarstellung. So schrieb er unter Nichtnennung seines Alters, dass er Nichttrinker und Nichtraucher sei, ebenfalls verheiratet, durchaus aktiv und ausdauernd und z├Ąrtlich und ohne Bauch und Bart und nat├╝rlich diskret. Schlie├člich die Handynummer und bitte per sms antworten....usw.
Auch in den folgenden Tagen keine Post auf seine Anzeige. Daf├╝r endlich eine sms auf dem Handy:
"Ihre Antwort auf meine Anzeige macht mich neugierig. Da wir die gleichen Absichten verfolgen, sollten wir uns baldm├Âglichst treffen und schauen, ob die Chemie stimmt..."
Jan bekam Herzklopfen und malte sich das erste Zusammentreffen aus. Nur nicht zu st├╝rmisch auftreten und mit der T├╝r ins Haus fallen. Er schrieb zur├╝ck und man vereinbarte ein Date im Stadtcafe am Freitag um 16 Uhr.

Jan warf sich in Schale an jenem schicksalhaften Freitag, band zum ersten Mal seit Jahren eine Krawatte um und bedeutete seiner fragend blickenden Frau, dass heute ein wichtiger Termin anstehe mit dem Vorstand der Firma.
Nimmt man zum ersten Treffen eine Blume mit? Und wenn, welche? Er entschloss sich f├╝r eine gelbe Rose.
Kurz vor 16 Uhr betrat er das Cafe und hielt Ausschau nach der - vielleicht - Traumfrau, wie sie sein Kumpel vermutet hatte. Sie wollte eine wei├če Bluse und einen lila Rock tragen.
Noch war niemand zu entdecken. Er suchte sich einen Tisch in der Fensternische. Unter Umst├Ąnden gab es ja bereits Intimes zu besprechen.
Da ├Âffnete sich die T├╝r und ......Eva betrat das Cafe, wei├če Bluse, lila Rock, und schaute sich suchend um.
Jan erstarrte zur Salzs├Ąule. Die Rose schob er unter das Polster seines Sessels. Jetzt hatte Eva ihn entdeckt. Sie schien verst├Ârt, unsicher, kam auf seinen Tisch zu.
"Was machst du denn hier? Dachte, du seist auf der Sitzung."
"Die war schon vorzeitig aus. Ich dachte ich trinke hier noch einen Kaffee", erwiderte er mit belegter Stimme.
Sie sa├čen sich gegen├╝ber, schauten sich immer wieder im Lokal um, wie zuf├Ąllig, suchend, verunsichert,entt├Ąuscht, noch immer hoffend....nein, die Sache war gelaufen.

Habe Jan und Eva nicht mehr getroffen. Wei├č nicht, wie es mit den beiden weiterging, wenn ├╝berhaupt...und ob sie je ├╝ber das Ereignis gesprochen haben. Ob es Anlass wurde Gewohnheits- und Lustsex auf einen Nenner zu bringen im Sinne von Polygamie mit der Ehefrau?












Version vom 09. 05. 2012 23:51

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung