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Leselupe.de > Kurzprosa
Eckbank
Eingestellt am 24. 10. 2009 20:32


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Ralf Langer
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Eckbank

Zw├Âlf Quadratmeter Raum.
Ein Etagenbett, ein Esstisch, und diese Eckbank:
Metronom meiner Kindheit.
Auf ihr schaufelte sich mein Vater nach der Arbeit, schlaftrunken, das aufgew├Ąrmte Mittagessen hinein, t├Ątschelte mir dabei beil├Ąufig den Kopf, fragte nach der Schule, las die Bild, und legte dann seinen Kopf auf den gekreuzten Armen zur Ruhe.
Irgendwie schaffte er es immer, sich im Schlaf hinzulegen.
Der gekr├╝mmte Oberk├Ârper folgte der Biegung der Eckbank, und die ausgestreckten F├╝├če baumelten am Ende herunter.
Holzklotschen fielen zu Boden, und zerschlissene Arbeitersocken gaben den Blick frei auf unruhig tr├Ąumende Zehen. Dann Schnarchen.
Mutter legte den Zeigefinger auf ihre geschlossenen Lippen.
Sechs Tage die Woche. Achtzehn Jahre lang.
Eckbank:
Zu ihren F├╝├čen habe ich schweigen gelernt.


__________________
RL

Version vom 24. 10. 2009 20:32
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Gernot Jennerwein
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hallo lieber Ralf

du hast drei Worte in deinem Text (bewusst?), die unglaublich wichtig f├╝r mich als Leser sind:

quote:
las die Bild
In der Nachkriegszeit (sp├Ąter und auch heute noch) gab es gen├╝gend V├Ąter, die 14, 16, oder noch mehr Stunden am Tag arbeiten mussten, um ihre vielk├Âpfigen Familien durchzuf├╝ttern. Ersch├Âpfung war die Folge, und ich achte diese M├Ąnner.
Aber mit diesen drei Worten hast du klargelegt, dass nicht am Hungertuch genagt wurde.

zum Text:
quote:
gaben den Blick frei auf unruhig tr├Ąumende Zehen.
dieses Adjektiv hat in deinem niederschmetternden Text nichts verloren.

liebe gr├╝├če
gernot

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

ich kann in diesem text nichts bitteres erkennen, sondern das wirklich sch├Ân beschriebene abbild einer miefigen 50er-jahre-durchschnitss-arbeiterfamilie, in der alles, aber auch wirklich alles, am richtigen platz ist. ein lob f├╝r die tr├Ąumenden zehen (das metronom ist ein bisserl zu dick, das passt nicht ins millj├Âh), und ein bisschen tadel f├╝r das grauenhafte:

quote:
Erst schaufelte sich mein Vater nach der Arbeit an ihr, mit schlaftrunkenen Augen, das aufgew├Ąrmte Mittagessen hinein,
das solltest du anders l├Âsen, lieber @ralf. du vermiedest alle falschen bez├╝ge und schadetest dem st├╝ckerl nicht, wenn du z. b. sagtest:
quote:
"auf ihr schaufelte mein vater erst(,) schlaftrunken(,) das aufgew├Ąrmte mittagessen in sich hinein"...
liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

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Hallo ihr alle,

habt dank f├╝r die kommentare:

Mit den schlafenden Zehen bin ich sehr zufrieden.
Denke das Bild ist stimmig.

Ja " Schaufeln" ich dachte an einen Mann der mit der Sch├╝ppe
arbeitet, und da hatte ich die Schaufel sozusagen vor mir.
Aber der Satz ist ein bisschen verschachtelt.
Gehe noch mal mit mir in Klausur.

Den Einschub nach der Arbeit dachte ich w├Ąre n├Âtig um einen
Hinweis zu geben auf die vorherige T├Ątigkeit zu geben...

lg
ralf
__________________
RL

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

das mit "nach der arbeit" st├Ârt nicht, wenn du's wieder einf├╝gst, ist aber ├╝berfl├╝ssig - das aufgew├Ąrmtsein des mittagessens reicht v├Âllig.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

jetzt ist nur noch ein w├╝rmchen drin: in der zeit, in der's solches (von "bild" zwar schon verseuchtes, aber immerhin glotzenfreies) millj├Âh hatte, war der samstag ein arbeitstag.

tipp: aus der modernen f├╝nnef noch geschwind einen historisch korrekten sechser machen. dann gingen auch die "arbeitssocken" besser durch.

noch ein paar stilistische anmerkungen:

quote:
Zw├Âlf Quadratmeter Raum:
Ein Etagenbett, ein Esstisch(,) und diese Eckbank(.)[doppelpunkt](Das) Metronom meiner Kindheit.
Auf ihr schaufelte sich mein Vater nach der Arbeit, schlaftrunken, das aufgew├Ąrmte Mittagessen hinein, t├Ątschelte mir (dabei) beil├Ąufig (auf) den Kopf, fragte nach der Schule, las die Bild besser in der "Bild"(,) und legte dann seinen Kopf(,) auf seinen besser: den gekreuzten Armen zur Ruhe.
Irgendwie schaffte er es immer sich im Schlaf hinzulegen.
Der gekr├╝mmte Oberk├Ârper folgte der Biegung der Eckbank und die ausgestreckten F├╝├če baumelten am (anderen) Ende herunter.
Holzklotschen slang; pantoffeln? fielen zu Boden, (und) zerschlissene Arbeitersocken gaben den Blick frei auf unruhig tr├Ąumende Zehen. Dann Schnarchen.
Mutter legte den Zeigefinger auf ihre geschlossenen Lippen.
F├╝nf s. o. Tage die Woche. Achtzehn Jahre lang.
Eckbank:
Zu ihren F├╝├čen habe ich schweigen gelernt.


liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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