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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Eckermanns Diktator
Eingestellt am 01. 08. 2008 18:29


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Hedwig Storch
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Am 28. August wurde Goethe geboren; h√∂chste Zeit, um √ľber den Dichter zu reden.

Ich singe, wie der Vogel singt,
Der in den Zweigen wohnet...


… dichtet der Dreißigjährige 1777 bis 1785 in "Wilhelm Meisters theatralische Sendung". Wir stehen sprachlos vor Goethes schönem Werk. So soll Hermann Hesse wieder unser Geburtstags-Redner sein.

Zun√§chst √ľber das Nationale. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Goethe-Jahr 1949, macht sich Hesse seine Gedanken √ľber den Wandel des Goethe-Bildes in den K√∂pfen der Deutschen √ľber die Jahrzehnte hinweg. Goethe, der Napoleon-Verehrer, war seit den Befreiungskriegen bei den deutschen Patrioten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, verschrien. Nun aber, anno 1949, da neuerlich ein Krieg verloren wurde und da Deutschland wieder im Konzert der V√∂lker mitspielen m√∂chte, kommt Goethes runder Geburtstag beim so schwierigen √úberwinden des Nationalismus gerade recht.

Und dann noch, im Goethe-Jahr 1932, dankt Hesse dem Dichter mit einer Lobeserhebung: Geliebt hat Hesse die Dichter M√∂rike, Eichendorff und H√∂lderlin. Mit Goethe war das anders. Gegen Goethe hat Hesse gek√§mpft. Die Gedankenk√§mpfe waren ein lang andauerndes, teilweise durch den Krieg unterbrochenes Ringen mit dem Werk des toten Dichters. Hesse gibt n√§here Auskunft √ľber den merkw√ľrdigen Kampf am Beispiel des "Wilhelm Meister". Im "Meister" stehe das Poetische neben dem weniger gelungenen. Hesse wollte das Buch, sobald er auf offen liegende Br√ľche stie√ü, beiseite legen, hat es aber immer wieder hergenommen und weiter studiert. Hesse staunt, wenn sich Goethe unerreichbare Ziele stellt. Hesse muss bei solchen heiklen Versuchen Goethes mitleiden, wenn er auch als kritischer Leser den Roman manchmal als misslungen einstufen m√∂chte. Hesse findet gerade in schweren Zeiten Trost bei Goethe - einem Autor, dem nicht alles gelungen ist, der dem Leser auch deshalb als Mensch entgegen tritt. Hesse bezeichnet Goethe als weise, als einen Menschen, der zeitlebens das Dasein durch den Geist regierbar machen wollte. Weisheit ist zeitlos. Goethe war in Hesses Leben auf geheimnisvolle Art immer da. Hesse √ľbersieht nicht die Inhomogenit√§ten in Goethes Person, dem Diktator Eckermanns, der sowohl als naiver, genialer, sprachkr√§ftiger Dichter hervortritt als auch den klugen Weltmann hervorkehrt.
Hesse entsinnt sich der Zeit des Ersten Weltkriegs, als Romain Rolland f√ľr Hesses Haltung das Adjektiv goethisch fand. Es spricht nicht nur ein wenig Stolz aus dieser Reminiszenz, sondern auch Bedauern, dass Hesse inzwischen weiter gegangen ist. Eines aber findet Hesse bei alledem bemerkenswert: Immer ist er bei dem zauberischen Dichter Goethe geblieben, sogar, als er sich vom westlichen Intellekt ab- und der fern√∂stlichen Lehre vom Dienenwollen zuwendet: Hesse bewundert den 78-j√§hrigen Goethe, dessen chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten:

Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh';
Schwarzvertiefte Finsternisse
Widerspiegelnd ruht der See.

Warum mache ich Sie hier auf ein Buch (s.u.) aufmerksam, das ich Ihnen schon einmal schmackhaft machen wollte? Weil mir momentan kein Mensch einf√§llt, der treffsicherer √ľber dies Thema "Mein Goethe" schreiben kann als Hesse, weil Sie bitte einmal bei Gelegenheit die Seiten 145 bis 197 in dem unten vorgeschlagenen Buch lesen m√∂chten, wenn es m√∂glich w√§re (im Juni 2004 jedenfalls war dieses wundervolle Taschenbuch √ľber wundervolle B√ľcher noch f√ľr 11‚ā¨ beziehbar).

Das Buch:
Volker Michels (Hrsg.): Hermann Hesse: Eine Literaturgeschichte in Rezensionen und Aufsätzen.
Frankfurt a. M. 1975. 592 Seiten, ISBN 3-518-36752-8

Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. März 1832 in Weimar.

__________________
Hedwig

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Hedwig Storch
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Guten Abend Petra,
ich danke Dir.
Stimmt, stimmt. Ich mache noch ein bißchen weiter. Gruß Hedwig.
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Hedwig

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Hedwig Storch
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Guten Abend Franz,
danke f√ľr Deine Zeilen und vor allem f√ľr Deine Ermunterung. F√ľr den 1. September hab ich wieder eine Sache in Arbeit. Dann soll es nach Gr√∂nland gehen. Viele herzliche Gr√ľ√üe sendet Dir Hedwig.
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Hedwig

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