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Leselupe.de > Humor und Satire
Edward der Schreckliche
Eingestellt am 30. 05. 2002 09:44


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Antaris
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Edward der Schreckliche

Ich habe nie viel von Katzen gehalten. Einige meiner Freunde sind mit Vertretern dieser Spezies aufgewachsen, oder leben heute noch mit ihnen zusammen und erz√§hlen von Zeit zu Zeit von den freundschaftlichen Beziehungen, die sie zu Katzen pflegen. Ich wei√ü, dass die Samtpfoten es nur gut meinen, wenn sie um einen herum schnurren, und dass sie es weniger gut meinen, wenn sie anfangen, mit dem Schwanz zu schlagen. Trotzdem hielt ich es f√ľr eine Schnapsidee, eine Katze anzuschaffen, und das Katzentier, welches eines Nachmittags unsicher durch unsere Wohnung tappte war mir von Anfang an suspekt.

„Nun reg dich mal wieder ab“, beschwichtigte mein Mensch und strich mir √ľber den R√ľcken. „Das ist ein ganz liebes kleines K√§tzchen, schau nur!“

Ich hielt den neuen Mitbewohner eher f√ľr einen arroganten Schleimer. Der Neuank√∂mmling tat so, als sei ich gar nicht da, strich aber immer wieder meinem Menschen um die Beine und schnurrte auffallend laut. In den Ohren entdeckte ich eine verr√§terische T√§towierung. Das hei√üt, er hat gesessen, folgerte ich. Das muss nichts bedeuten. Alle Tiere, die je in ein Tierheim geraten w√ľrden schw√∂ren, dass sie unschuldig hinter Gittern sitzen, und auf einige mag das zutreffen.

Unwillk√ľrlich st√§ubte sich mein Nackenfell. „Na, na, Alter, meinst du nicht dass du jetzt √ľbertreibst?“ Jovial t√§tschelte mir mein Mensch die Kruppe, aber dass er mich ‚Alter’ nannte, trug nicht gerade zur Aufhellung meiner Stimmung bei. Schlie√ülich war er der Beamte im Vorruhestandsprogramm, nicht ich. Um des lieben Friedens willen gab ich aber klein bei und verzog mich in meinen Korb.

Von dort aus beobachte ich die Katze genauer. Mit ihrem auff√§llig gezeichneten grauwei√üen Fell verf√ľgte sie √ľber ein gef√§lliges √Ąu√üeres, welches den Menschen sicher besonders gut gefiel. F√ľr mein Empfinden bewegte sie allerdings ein bisschen zu forsch und zu l√§ssig in der fremden Wohnung. Da sprang sie doch tats√§chlich auf das Sofa und lie√ü ihren glattgeleckten Wollpopo in die Lieblingssitzkuhle meines Menschen plumpsen!

Ich sprang auf. „Tiere geh√∂ren nicht auf die Polstergarnitur“, knurrte ich direkt vor ihrer Nase, „also sieh schleunigst zu, dass du da runter kommst.“

Die Katze g√§hnte demonstrativ und fixierte mich mit ihren halb ge√∂ffneten gr√ľnen Augen. „Am besten sage ich gleich wie die Dinge f√ľr dich stehen und da ich wenig Lust habe mich zu wiederholen h√∂re lieber gut zu,“ sprach sie herablassend. „Dies ist bis auf weiteres mein Zuhause, und ich lege wenig Wert darauf, es mit einem Hund zu teilen. Sollte deine Anwesenheit in diesen R√§umlichkeiten unabdingbar sein empfehle ich dir meine Gegenwart zu meiden.“ Daraufhin kehrte sie mir den R√ľcken zu und rollte sich zusammen.

Gerade wollte ich sie mit einem Nasenst√ľber daran erinnern, dass ich meine eigene Meinung zu ihrem Einzug hatte, da sp√ľrte ich die Hand meines Menschen an meinem Halsband. „Jetzt reicht es aber“, schimpfte er. „Den armen Edward l√§sst du jetzt in Ruhe damit er sich eingew√∂hnen kann. Am besten gehen wir f√ľr eine Weile nach drau√üen.“

Er zerrte mich in den Flur, schnappte sich die Leine und ehe ich mich versah hatten wir das Haus verlassen. Ich wunderte mich nicht nur √ľber die k√∂rperlichen Kr√§fte, die w√ľtende Menschen entwickeln k√∂nnen, sondern auch √ľber den pl√∂tzlichen Drang meines Menschen nach drau√üen. Normalerweise muss ich mich dreimal t√§glich etwa eine halbe Stunde vor der Zeit zur Garderobe begeben, erwartungsfroh den Haken an dem die Leine h√§ngt anschauen und mit dem Schwanz wedeln. Wenn sich mein Mensch am anderen Ende der Leine festh√§lt zerre ich ihn nach drau√üen und schleife quer durch den Park bis zur Hundewiese. Das ist vor allem an hei√üen Sommertagen eine unselige Plackerei, aber ich muss sie aus Verantwortungsbewusstsein auf mich nehmen, denn wenn ich ihn in Ruhe lasse wird er sich irgendwann √ľberhaupt nicht mehr bewegen. Vielleicht w√§chst er dann vor dem Fernseher fest.
Aus reinem Pflichtgef√ľhl trabe ich auch den angefaulten Holzst√ľcken hinterher, die er quer √ľber die Hundewiese schmei√üt, und bringe sie zu ihm zur√ľck. Diese unbedarfte Welpenspiel ist sehr wichtig f√ľr Menschen, es h√§lt sie fit und beweglich.

Als ich an jenem Nachmittag auf der Hundewiese ankam geh√∂rte die Gymnastizierung meines Menschen nicht zu meinen Priorit√§ten. Zuerst erz√§hlte ich den anderen Hunden von dem Schicksal, welches mir diesen fragw√ľrdigen Hausgenossen beschert hatte.

„Nun √ľbertreib mal nicht“, wiegelte Einstein, der Golden Retriever ab. „so ein kleines Tier kann keine ernsten Schwierigkeiten machen.“

„Nur an der Vorderpfoten sind scharfe Krallen“, berichtete Rauhaardackel Wastl. „Der Rest ist ungef√§hrlich, wenn nicht sogar ausgesprochen weich und freundlich.“

„Das Katzenvieh ist rotzfrech“, hechelte ich entnervt. „Es macht sich gleich auf dem Sofa breit und meint, ich h√§tte zu kuschen.“

„Katzen sind sehr eigen,“ n√§selte Rocco, der Dobermann aus der Eden Bar herablassend. „Wenn du dich erst an ihre Art gew√∂hnt hast wirst du besser mit der Katze klar kommen.“

„Bestimmt machst du dir nur unn√∂tig Sorgen“, sprach Sir Henry, ein Jack Russelterrier aus der Oberstadt. „Die meisten Stubentiger sind ganz in Ordnung. Wenn bei schlechtem Wetter mein Mensch nicht so lange Spazierg√§nge machen will w√ľsste ich nicht, was ich den ganzen Tag zuhause ohne meine Katze t√§te.“

„Oh, ein K√§tzchen!“ meinte Pudeldame Lissy verz√ľckt. „Ich h√§tte auch so gerne ein K√§tzchen, welches meinen Schlafplatz warm h√§lt wenn ich nicht da bin.“

Ein Hund nach dem anderen erkl√§rte mir, wie unproblematisch Hunde und Katzen neben- und miteinander leben k√∂nnen. „H√§lt denn niemand etwas von der Idee, Katzen einfach den n√§chstbesten Baum heraufzujagen?“ jaulte ich schlie√ülich mitten auf der Hundewiese.

Entgeistert starrten mich die √ľbrigen Hunde an. „Ich darf doch bitten,“ ergriff Dodo, der Afghanische Windhund das Wort. „Wir sind alle kluge, zivilisierte Hunde und keine ungehobelten Bauernt√∂len. √úber solche primitiven Aktionen sollten wir nicht einmal nachdenken.“

Resigniert zog ich meinen Menschen nach Hause. Zu meinem Entsetzen hatte sich die Katze inzwischen √ľber meinen alten Tennisball hergemacht und ihn mit ihren Krallen stark aus der Form gebracht. Ich suchte mein Spielzeug zusammen, legte es in meinen Korb und mich darauf. Wenn ein Zwei- oder Vierbeiner nun meinem Korb zu nahe kam knurrte ich rein pr√§ventiv.

Dass Drohungen nicht viel n√ľtzen w√ľrden hatte ich mir schon am Nachmittag gedacht, als ich entdeckte, dass sogar mein Korb bereits nach Katze roch. Tats√§chlich fehlte mein frisch angenagter Kauknochen als ich sp√§tabends vom letzten Rundgang mit meinem Menschen zur√ľckkam, und nach dem Morgenspaziergang am folgenden Tag entdeckte ich, dass jemand versucht hatte, seine Krallen an meiner altersschwachen Bei√üwurst zu sch√§rfen. Nat√ľrlich tat das Katzentier so, als habe es √ľberhaupt nichts zu tun mit meinen Sorgen. Gleichg√ľltig blickten die gr√ľnen Augen durch mich hindurch, dann ging die Katze in die K√ľche und begann lustlos ihr Futter zu fressen. Dabei bekam die Katze viel besseres Futter als ich, das wusste ich, seit ich zum ersten Mal die Katzensch√ľssel blanklecken durfte, und √ľberhaupt hie√ü es st√§ndig Edward hier, Edward da!

„Das ist meisten so, dass Katzen besseres Futter als Hunde bekommen,“ erkl√§rte Sir Henry, der Jack-Russelterrier, als ich ihm am Nachmittag von meinen Sorgen erz√§hlte. „Wenn sich Dein Mensch erst mal an die Katze gew√∂hnt hat l√§sst auch die T√ľddelei nach. Die Sache mit dem Tennisball macht mir allerdings Sorgen. Katzenkrallen k√∂nnen normalerweise keinem Tennisball etwas anhaben.“

„Dies war ein ganz besonderer Tennisball,“ best√§tigte ich, „alt und mit einer sch√∂nen Patina, ein unersetzliches Unikat. Meine Bei√üwurst zieht auch schon F√§den vom Krallenwetzen. So etwas bekomme ich bestimmt nicht wieder weil mein Mensch nicht mehr auf den Hundeplatz will. Ich glaube, er wird zu alt f√ľr solche Sp√§√üe.“

„Einen Kratzbaum habt ihr nicht?“ unterbrach mich Sir Henry,

„Einen kleinen in der K√ľche und einen gro√üen im Wohnzimmer, alles nigelnagelneu,“ best√§tigte ich. Mein Mensch hatte einen halben Tag gebraucht um das sperrige Ger√ľmpel zusammen zu schrauben.

„Merkw√ľrdig“, meinte Sir Henry.

Als mein Mensch abends zuhause die Blumen gie√üen wollte zog er die aufgel√∂sten Reste meines Kauknochens aus der Gie√ükanne. Die Katze war verschwunden. Mein Mensch hatte eine Katzenklappe in die Haust√ľre gebaut. Nat√ľrlich wusste ich, dass Katzen in einem Haus fast jederzeit kommen und gehen d√ľrfen, und dass Menschen von ihnen nicht erwarten, dass sie irgendwelche Verantwortung √ľbernehmen, aber es wurmte mich doch, dass die Katze erst im Morgengrauen wieder zur√ľckkam. Sie rollte sich auf dem Sofa zusammen und schlief bis kurz vor Mittag.

„Stimmt es was von dir erz√§hlt wird“, sprach die Katze mit scheinheiliger Freundlichkeit nachdem sie sich zum Aufstehen entschlossen hatte. „Hundeschule ohne Abschluss?“

„Ich wei√ü nicht was dich das angeht“, brummte ich.

„Nun ja, es ist auch nicht wirklich wichtig,“ s√§uselte die Katze. „Ich werde mir ohnehin mein eigenes Bild von den geistigen F√§higkeiten der Kreaturen meiner Umgebung machen. Es muss wirklich schlimm sein, keine Katze zu sein. Ich f√ľrchte, du k√§mst nicht einmal auf die Idee, das Klo zu benutzen wenn dein Mensch mal zu lange weg bleibt.“

„In dieser Hinsicht kann ich dich beruhigen“, knurrte ich, trottete zum Katzenklo und hob mein Bein. Als ich das zufriedene Grinsen in dem Katzengesicht sah, ahnte ich schon, dass ich diesem verschlagenen Widerling irgendwie auf den Leim gegangen war.

Edward stolzierte zum Katzenklo, schnupperte und r√ľmpfte die Nase. „Entsetzlich!“ jammerte er. „Ob der Gestank je wieder aus dem Plastik herausgeht? Die Einstreu muss auf jeden Fall komplett gewechselt werden. Bis dahin kann ich dieses Ding auf keinen Fall mehr benutzen.“

Eine Stunde sp√§ter stand eine beachtliche, streng nach Katze riechende Pf√ľtze auf dem K√ľchenfu√üboden, Als mein Mensch zur√ľckkam bekam ich einen Klaps mit einer zusammengerollten Zeitung, und er schimpfte mit mir wie mit einem Welpen. Der Gipfel der Ignoranz war jedoch die ernsthafte Empfehlung, mir eine Scheibe an dem lieben Edward zu abzuschneiden, der so toll sein Klo benutzt!

„Gib mir ein Messer und ich schnitze eine ganze Packung Frolics aus dem Sch√§tzchen“, knurrte ich genauso ernst zur√ľck, aber mein Mensch verstand mich nicht. Er blickte mich nur kummervoll an.

„Ich glaube, ich brauche professionelle Hilfe f√ľr dich“, sagte er.

Die hoffte er vom Tierarzt zu erhalten, mit dem er umgehend einen Termin vereinbarte. Ein Tierarzt, das konnte keine angenehme Begegnung werden, dachte ich sorgenvoll. F√ľr einen kranken Hund, der sich nicht wehren kann mag ein Tierarzt akzeptabel sein, aber seit einer kleinen Ohrenentz√ľndung vor ein paar Jahren wollte ich mit Tier√§rzten nichts zu tun haben.

„Sie schnippeln dir was weg in der Hoffnung dass du artiger wirst,“ bemerkte Edward schadenfroh.

Nachmittags auf der Hundewiese mied ich die Gesellschaft der anderen Hunde, alleine schon weil ich mich wegen der Schlappe mit dem Katzenklo unsäglich schämte.

„Pst, Kumpel“, wisperte jemand hinter mir. Ich erschrak, obwohl mich nur Sir Henry der Jack Russelterrier angrinste. „Ich habe mich bei meiner Katze nach deinem neuen Mitbewohner erkundigt,“ berichtete er. „Edward alias Schnurri, alias Amadeus, alias wei√ü-der-Kuckuck sonstnochwas, und es ist immer der selbe sch√§bige grauwei√ü gescheckte Kater. Offensichtlich hast du wirklich ein Problem mit dieser Katze.“

„Er hat gesessen, dieser Schurke“, sagte ich.

„Mehrmals,“ best√§tigte Sir Henry, „und wo immer er auftaucht scheint es √Ąrger zu geben. In seiner Umgebung verschwinden immer wieder andere Haustiere unter seltsamen Umst√§nden. Dieser Kater ist ein Psychopath...“

„Ich bringe ihn um, dann ist er aus dieser Welt verschwunden,“ knurrte ich.

„Sachte, sachte,“ erwiderte Sir Henry. „Wenn dir der Katzenpelz zuf√§llig zwischen die Z√§hne rutscht haben die Menschen gleich ein Tatmotiv und dich am Schawittchen. Die ganze H√§rte der Gesetze und der kommunalen Gefahrenabwehrverordnungen wird mit Wesenstest und allem Pipapo √ľber dich hereinbrechen. Ehe du dich versiehst wirst du als gef√§hrlicher Hund eingestuft und wanderst f√ľr den Rest deines Lebens hinter Gitter. Nein, lasse deine Pfoten tunlichst aus dem Spiel.“

Ich schluckte. Mein kleiner Terrierfreund musste es wissen. Er hatte einen Staatsanwalt als Mensch. „Vielleicht ist es im Tierheim gar nicht so schlimm. Ich habe jedenfalls wenig Lust, mich weiter von diesem Katzenvieh beuteln zu lassen,“ sagte ich.

„Lass dich nicht zu Kurzschlusshandlungen hinrei√üen“, entgegnete Sir Henry. „Kannst Du zahlen?“

„Was?“

„Du brauchst einen Spezialisten,“ entschied Sir Henry, „jemand, der dein Problem routiniert und unauff√§llig aus der Welt schafft. Der Service kostet allerdings ein paar gr√∂√üere Kauknochen.“

„Kein Problem,“ hechelte ich, „ich lege noch einen neuwertigen Quitscheigel aus Gummi drauf, aber es muss schnell gehen. Ich habe einen Tierarzttermin am Freitag – sehe ich etwa krank aus?“

„Du siehst aus wie ein Hund, der mit den Nerven ziemlich herunter ist. Ich will sehen, was ich tun kann,“ versprach Sir Henry schwanzwedelnd und verabschiedete sich.

Die n√§chste harte Probe f√ľr mein Nervenkost√ľm wartete schon in Gestalt der beiden Neffen meines Menschen an der Haust√ľr. Sie wollten das K√§tzchen sehen, den lieben Edward streicheln, und mit ihm spielen. Dass sie dazu an mein Spielzeug wollten sah ich absolut nicht ein. Ich knurrte, fletschte die Z√§hne und schnappte einmal zur Warnung ins Leere als die beiden halbstarken Ignoranten meinem Korb zu nahe kamen. Daf√ľr griff mir mein Mensch ganz gemein ins Genick und schalt mich mit Worten, die ich lieber nicht wiederholen m√∂chte.

Immerhin stellte sich der von Sir Henry versprochene Spezialist bereits beim Sp√§tabendspaziergang vor. Aus dem pechschwarzen Nichts des Gestr√§uchs am Parkrand materialisierte sich ein Deutsch-Drahthaarr√ľde, den ich noch nie zuvor gesehen hatte.

„Sir Henry schickt mich. Wo ist das Problem?“ begann er ohne Umschweife. Ich beschrieb ihm die Katze und beobachtete ihn. Ein netter, unauff√§lliger Kerl, dachte ich zun√§chst, aber seine kalten, ungew√∂hnlich ruhigen Augen verrieten einen echten Profi.

„Vier Kauknochen und den Quitscheigel, und alles wird nach einem Jagdunfall aussehen wenn das K√§tzchen unten im Stadtwald gefunden wird,“ sprach er unger√ľhrt. „Zwei Kauknochen bei Auftragsannahme, der Rest ist f√§llig nach der Ausf√ľhrung.“

„Kann ich keinen Kredit bekommen?“ antwortete ich. „Es ist n√§mlich dringend.“

„F√ľnf Kauknochen f√ľr einen Eilauftrag“, forderte er. „Die Anzahlung bleibt. Gib mir Bescheid wenn du zahlen kannst.“ Daraufhin verschwand er im Geb√ľsch ohne sich noch einmal umzuschauen.

„Gib dir keine M√ľhe,“ sagte mein Mensch als ich wieder zuhause vor dem Schrank mit den Kauknochen stand und betont freundlich mit dem Schwanz wedelte. „Du erwartest doch keine Belohnung f√ľr die Heldentat gegen√ľber den armen Kindern heute, oder?“

Am n√§chsten Tag setzte mein Mensch den anbiedernd schnurrenden Edward in einen neu gekauften Katzentransportk√§fig, und trug ihn √ľbervorsichtig ins Auto auf den Beifahrersitz. Mich schnallte er in bew√§hrter Manier mit dem Hundesicherheitsgut auf der R√ľckbank fest, dann setzte er sich wild entschlossen hinter das Steuer und fuhr los.

„Ach, je, ist mir schlecht! Warum muss es hier so nach Hund stinken?“ begann Edward zu jammern noch ehe wir das Viertel verlassen hatten. Gerade als mein Mensch auf die Schnellstra√üe bog, begann Edward zu w√ľrgen. Mein Mensch schaute einen Augenblick zu lange auf den Katzenk√§fig, dann gelang es ihm gerade noch rechtzeitig auf die Bremse zu steigen ehe das Auto einem langsamen LKW ungesund nahe kam. Die alten Gurte dr√ľckten schmerzhaft aber hielten noch. Der Katzenk√§fig kullerte in den Fu√üraum, √∂ffnete sich und heftig fluchend sprang Edward auf den Beifahrersitz. „Hallo, kann mal jemand aufmachen und den Hund rausschmei√üen?“ rief er.

Mein Mensch reagierte zun√§chst nicht, er war zu besch√§ftigt, das Auto auf der Fahrspur zu halten. Als er dann nach Edward griff, sprang der zuerst vorne vor die Windschutzscheibe. „Ich bin nicht das richtige Tier zum Einfangen“, entschied er als mein Mensch ihn dort zu fassen versuchte, und sprang wieselflink neben mich auf die R√ľckbank. Eingeengt von dem Gurtzeug kam ich nicht an ihn heran egal wie ich mich wand, aber meine Chance sollte ich bekommen. „Ihr Menschen seit nicht sonderlich originell. Wetten, dass ich hier nur auf ‚Rot’ zu dr√ľcken brauche?“ sagte Edward. Schon lagen seine Pfoten auf dem roten Verschluss meines Gurtzeuges, und einen Augenblick war ich frei. Selbstverst√§ndlich versuchte ich, diesen widerw√§rtigen Kater zu fassen. Ich sprang nach vorne, das Auto geriet ins Schlingern, und ein furchterregender Knall markierte das unerwartet fr√ľhe Ende der Reise.

Mein Menschen, Edward und ich waren heil bei diesem Unfall, nur das Auto war so gr√ľndlich kaputt dass mein Mensch ein neues brauchte. Die Polizisten schimpften arg mit meinem Menschen, sie sagten dass es grob fahrl√§ssig sei, einen so gro√üen Hund wie mich frei im Auto zu transportieren. Einer hielt derweil den verschlagen blinzelnden Edward auf dem Arm und kraulte ausgiebig sein Kinn.

Zwei Tage sp√§ter brachte mich mein Mensch ins Tierheim. „Ich komme nicht mehr mit ihm zurecht“, sagte der Verr√§ter, und erz√§hlte von den Ereignissen der vergangenen Tage ohne auf die Rolle einer gewissen grauwei√üen Katze angemessen einzugehen.

„Ein Rottweilerr√ľde, nicht mehr ganz jung und vor allem nicht vertr√§glich mit Kindern oder wenigstens mit anderen Haustieren, das wird schwierig,“ sinnierte die Frau, die mich in meinen Zwinger f√ľhrte.

Seither sitze ich also hinter Gittern. Das Leben hier ist nicht angenehm, es ist in erster Linie so eint√∂nig wie das Futter, aber ganz schlimm ist es auch nicht. Wenn ich Gl√ľck habe kommen Leute, die mich ein bisschen l√§nger als gew√∂hnlich ausf√ľhren, aber das Wichtigste ist: Es gibt keine Katzen im Hundehaus.

__________________
Esel sei der Mensch, störrisch und klug

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Sanne Benz
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Liebe Antaris,
eine tolle Idee..und dann so traurig..
(blöde Katze)
erinnerte mich an Susi und Strolch..bissl..
Hast Du klasse erzählt..
(ich kann Katzen nicht leiden..und auch da hast Du..nein,er..mir manchmal aus der Seele gesprochen..)
lG
Sanne

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Antaris
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Böse Katze

Liebe Sanne,

danke f√ľr Deine R√ľckmeldung. Ehrlich gesagt, ich mag Katzen, wie ich die meisten Tiere mag, aber es gibt schon bl√∂de Katzen. Diese Katzengeschichte werde ich demn√§chst noch ein bischen √ľberarbeiten und die Katze noch b√∂sartiger machen. Bin mal gespannt, was Du sagst...

Liebe Gr√ľ√üe

Antaris
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Esel sei der Mensch, störrisch und klug

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Sanne Benz
Guest
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Liebe Antaris,
genau..mach sie noch böser..
ansonsten..
ich habe Katzenallergie..und unsere beiden Ratten..die w√ľrden sich √ľber eine Katze auch nicht so freuen..
lG
Sanne
(PS: schreib mir ne mail,wenn du es √ľberarbeitet hast)

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flammarion
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hallo

antaris, wenn du die katze noch b√∂sartiger machst, f√§nde ich die geschichte weniger am√ľsant. sie ist k√∂stlich, so wie sie ist und kommt in meine sammlung. die geschichte nat√ľrlich. ich hab auch ne katzenallergie, kann mich aber nur sehr m√ľhsam davon abhalten, diese entz√ľckenden tierchen zu streicheln. ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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Antaris
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Hallo Ihr Lieben,

da ich anderweitig schon viel √ľber liebe, charakterstarke, heldenhafte Katzen geschrieben habe, denke ich, kann ich mir eine b√∂se Katze leisten und habe noch ein bisschen an der Stoy herumgefeilt. Wie gef√§llt Euch das Ergebnis?

Edward der Schreckliche

Ich habe nie viel von Katzen gehalten. Einige meiner Freunde sind mit Vertretern dieser Spezies aufgewachsen, oder leben heute noch mit ihnen zusammen und erz√§hlen von Zeit zu Zeit von den freundschaftlichen Beziehungen, die sie zu Katzen pflegen. Ich wei√ü, dass die Samtpfoten es nur gut meinen, wenn sie um einen herum schnurren, und dass sie es weniger gut meinen, wenn sie anfangen, mit dem Schwanz zu schlagen. Trotzdem hielt ich es f√ľr eine Schnapsidee, eine Katze anzuschaffen, und das Katzentier, welches eines Nachmittags unsicher durch unsere Wohnung tappte war mir von Anfang an suspekt.

„Nun reg dich mal wieder ab“, beschwichtigte mein Mensch und strich mir √ľber den R√ľcken. „Das ist ein ganz liebes kleines K√§tzchen, schau nur!“

F√ľr Katzen habe ich mich auch nie interessiert, sonst w√§re mir vermutlich gleich aufgefallen, dass mit dem Burschen etwas nicht stimmt. So hielt ihn nur f√ľr einen arroganten Schleimer. Der Neuank√∂mmling tat so, als sei ich gar nicht da, strich aber immer wieder meinem Menschen um die Beine und schnurrte anbiedernd. In den Ohren entdeckte ich eine verr√§terische T√§towierung. Das hei√üt, er hat gesessen, folgerte ich. Das muss nichts bedeuten. Alle Tiere, die je in ein Tierheim geraten schw√∂ren, dass sie unschuldig hinter Gittern sitzen, und auf einige Kandidaten mag das zutreffen.

Unwillk√ľrlich str√§ubte sich mein Nackenfell. „Na, na, Alter, meinst du nicht dass du jetzt √ľbertreibst?“ Jovial t√§tschelte mir mein Mensch die Kruppe, aber dass er mich ‚Alter’ nannte, trug nicht gerade zur Aufhellung meiner Stimmung bei. Schlie√ülich war er der Beamte im Vorruhestandsprogramm, nicht ich. Um des lieben Friedens willen gab ich aber klein bei und verzog mich in meinen Korb.

Von dort aus beobachte ich die Katze genauer. Mit ihrem adrett gezeichneten grauwei√üen Fell verf√ľgte sie √ľber ein gef√§lliges √Ąu√üeres, welches den Menschen sicher besonders gut gefiel. F√ľr mein Empfinden bewegte sie sich allerdings ein bisschen zu forsch und zu l√§ssig in der fremden Wohnung. Da sprang sie doch tats√§chlich auf das Sofa und lie√ü ihren glattgeleckten Wollpopo in die Lieblingssitzkuhle meines Menschen plumpsen!

Ich sprang auf. „Tiere geh√∂ren nicht auf die Polstergarnitur“, knurrte ich direkt vor ihrer Nase, „also sieh schleunigst zu, dass du da runter kommst.“

Die Katze g√§hnte demonstrativ und fixierte mich mit ihren halb ge√∂ffneten gr√ľnen Augen. „Am besten sage ich gleich wie die Dinge f√ľr dich stehen und da ich wenig Lust habe mich zu wiederholen h√∂re lieber gut zu,“ sprach sie herablassend. „Dies ist bis auf weiteres mein Zuhause, und ich lege wenig Wert darauf, es mit einem Hund zu teilen. Sollte deine Anwesenheit hier unabdingbar sein empfehle ich dir meine Gegenwart zu meiden.“ Daraufhin kehrte sie mir den R√ľcken zu und rollte sich zusammen.

Gerade wollte ich sie mit einem Nasenst√ľber daran erinnern, dass ich meine eigene Meinung zu ihrem Einzug hatte, da sp√ľrte ich die Hand meines Menschen an meinem Halsband. „Jetzt reicht es aber“, schimpfte er. „Den armen Edward l√§sst du jetzt in Ruhe damit er sich eingew√∂hnen kann. Am besten gehen wir f√ľr eine Weile nach drau√üen.“

Er zerrte mich in den Flur, schnappte sich die Leine und ehe ich mich versah hatten wir das Haus verlassen. Ich wunderte mich nicht nur √ľber die k√∂rperlichen Kr√§fte, die w√ľtende Menschen entwickeln k√∂nnen, sondern auch √ľber den pl√∂tzlichen Drang meines Menschen nach drau√üen. Normalerweise muss ich mich dreimal t√§glich etwa eine halbe Stunde vor der Zeit zur Garderobe begeben, erwartungsfroh die Leine, die dort h√§ngt, anschauen und mit dem Schwanz wedeln. Wenn sich mein Mensch am anderen Ende der Leine festh√§lt zerre ich ihn nach drau√üen und schleife ihn quer durch den Park bis zur Hundewiese. Das ist vor allem an hei√üen Sommertagen eine unselige Plackerei, aber ich muss sie aus Verantwortungsbewusstsein auf mich nehmen, denn wenn ich ihn in Ruhe lasse wird er sich irgendwann √ľberhaupt nicht mehr bewegen. Vielleicht w√§chst er dann vor dem Fernseher fest.
Aus reinem Pflichtgef√ľhl trabe ich auch den angefaulten Holzst√ľcken hinterher, die er quer √ľber die Hundewiese schmei√üt, und bringe sie zu ihm zur√ľck. Diese unbedarfte Welpenspiel ist sehr wichtig f√ľr Menschen, es h√§lt sie fit und beweglich.

Als ich an jenem Nachmittag auf der Hundewiese ankam geh√∂rte die Gymnastizierung meines Menschen nicht zu meinen Priorit√§ten. Zuerst erz√§hlte ich den anderen Hunden von dem Schicksal, welches mir diesen fragw√ľrdigen Hausgenossen beschert hatte.

„Nun √ľbertreib mal nicht“, wiegelte Einstein, der Golden Retriever ab. „so ein kleines Tier kann keine ernsten Schwierigkeiten machen.“

„Nur an der Vorderpfoten sind scharfe Krallen“, berichtete die Pudeldame Lissy. „Der Rest ist ungef√§hrlich, wenn nicht sogar ausgesprochen weich und freundlich. Ich h√§tte auch so gerne ein K√§tzchen, welches meinen Schlafplatz warm h√§lt wenn ich nicht da bin,“ meinte sie verz√ľckt.

„Das Katzenvieh ist rotzfrech“, hechelte ich entnervt. „Es macht sich gleich auf dem Sofa breit und meint, ich h√§tte zu kuschen.“

„Bestimmt machst du dir nur unn√∂tig Sorgen“, sprach Sir Henry, ein Jack Russelterrier aus der Oberstadt. „Die meisten Stubentiger sind ganz in Ordnung. Wenn bei schlechtem Wetter mein Mensch nicht so lange Spazierg√§nge machen will w√ľsste ich nicht, was ich den ganzen Tag zuhause ohne meine Katze t√§te.“

Von der Doggen-Dortje bis zum Pekinesen-Bobo erkl√§rte mir ein Hund nach dem anderen, wie unproblematisch Hunde und Katzen neben- und miteinander leben k√∂nnen. „H√§lt denn niemand etwas von der Idee, Katzen einfach den n√§chstbesten Baum heraufzujagen?“ jaulte ich schlie√ülich mitten auf der Wiese.

Entgeistert starrten mich die √ľbrigen Hunde an. „Ich darf doch bitten,“ meldete sich Rocco erbost. „Wir sind alle kluge, zivilisierte Hunde und keine ungehobelten Bauernt√∂len. √úber solche primitiven Aktionen sollten wir nicht einmal nachdenken,“ sprach er mit einem auffallend pastoralen Unterton in seiner tiefen Stimme. Ich konnte den eingebildeten Dobermann aus der Eden-Bar nie leiden.

Resigniert zog ich meinen Menschen nach Hause. Zu meinem Entsetzen hatte sich die Katze inzwischen √ľber meinen alten Tennisball hergemacht und ihn mit ihren Krallen stark aus der Form gebracht. Ich suchte mein Spielzeug zusammen, legte es in meinen Korb und mich darauf. Wenn ein Zwei- oder Vierbeiner nun meinem Korb zu nahe kam knurrte ich rein pr√§ventiv.

Dass Drohungen nicht viel n√ľtzen w√ľrden hatte ich mir schon am Nachmittag gedacht, als ich entdeckte, dass sogar mein Korb bereits nach Katze roch. Tats√§chlich fehlte mein frisch angenagter Kauknochen als ich sp√§tabends vom letzten Rundgang mit meinem Menschen zur√ľckkam, und nach dem Morgenspaziergang am folgenden Tag entdeckte ich, dass jemand versucht hatte, seine Krallen an meiner altersschwachen Bei√üwurst zu sch√§rfen. Nat√ľrlich tat das Katzentier so, als habe es √ľberhaupt nichts zu tun mit meinen Sorgen. Gleichg√ľltig blickten die gr√ľnen Augen durch mich hindurch, dann ging die Katze in die K√ľche und begann lustlos ihr Futter zu fressen. Dabei bekam sie viel besseres Futter als ich, das wusste ich, seit ich zum ersten Mal die Katzensch√ľssel blank schlecken durfte, und √ľberhaupt hie√ü es st√§ndig Edward hier, Edward da!

Auch die Sache mit dem Sonntagskuchen geht auf Edwards Konto. Mein Mensch pflegt n√§mlich, nach unserem Sonntagmorgenspaziergang ein oder zwei St√ľcke feinem Sahnekuchen in der Konditorei zu holen. Kaum stand der Kuchen auf dem frisch gedeckten Tisch da klingelte das Telefon, und w√§hrend mein Mensch dem Anrufer lang und breit von dem neuen Haustier erz√§hlte, sprang dieses auf den Tisch und beroch das Schwarzw√§lder Kirschtortenst√ľck.

„Nicht schlecht“, meinte Edward und machte sich √ľber das √ľppige Sahnet√ľrmchen am breiten Rand her.

„Tiere geh√∂ren auch nicht auf den Tisch,“ knurrte ich, „erst recht nicht mit allen vier Pfoten.“

„Ich bin gleich fertig.“ Edward blinzelte verschlagen. Immer d√ľnner wurden die Sahneverzierungen unter der erstaunlich flinken Katzenzunge. „Wenn du nicht heraufkommen willst gebe ich dir den Rest eben herunter,“ meinte er, und schob energisch seinen Katersch√§del unter den Teller. Mit einem widerw√§rtigen Klirren zerplatzte der auf dem Fu√üboden, der Kuchen kr√ľmelte und spritzte bis auf den antiken Perserteppich. Im anderen Zimmer schepperte der Telefonh√∂rer auf der Gabel aber bis mein Mensch endlich im Zimmer stand hatte sich Edward l√§ngst unter das Sofa verzogen.

„Und nun rate mal, wen dieser Trottelmensch daf√ľr nach Strich und Faden ausgeschimpft hat,“ brummte ich als ich danach Sir Henry von den Ereignissen erz√§hlte.

Nachdenklich legte er seinen kleinen, bunten Kopf auf die Seite. „Das ist meisten so, dass Katzen besseres Futter als Hunde bekommen,“ meinte er dann. „Wenn sich Dein Mensch erst mal an die Katze gew√∂hnt hat wird er vern√ľnftig und die T√ľddelei l√§sst nach. Die Sache mit dem Tennisball macht mir allerdings Sorgen. Katzenkrallen k√∂nnen normalerweise keinem Tennisball etwas anhaben.“

„Dies war ein ganz besonderer Tennisball,“ best√§tigte ich, „alt und mit einer sch√∂nen Patina, ein unersetzliches Unikat. Meine Bei√üwurst zieht auch schon F√§den vom Krallenwetzen. So etwas bekomme ich bestimmt nicht wieder weil mein Mensch nicht mehr auf den Hundeplatz will. Ich glaube, er wird zu alt f√ľr solche Sp√§√üe.“

„Einen Kratzbaum habt ihr nicht?“ unterbrach mich Sir Henry,

„Einen kleinen in der K√ľche und einen gro√üen im Wohnzimmer, alles nigelnagelneu,“ best√§tigte ich. Mein Mensch hatte einen halben Tag gebraucht um das sperrige Ger√ľmpel zusammen zu schrauben.

„Merkw√ľrdig“, meinte Sir Henry.

Als mein Mensch abends zuhause die Blumen gie√üen wollte zog er die aufgel√∂sten Reste meines Kauknochens aus der Kanne. Die Katze war verschwunden. Mein Mensch hatte eine Katzenklappe in die Haust√ľre gebaut. Nat√ľrlich wusste ich, dass Katzen in einem Haus fast jederzeit kommen und gehen d√ľrfen, und kein Mensch von ihnen erwartet, dass sie irgendwelche Verantwortung √ľbernehmen. Mich wurmte es sehr, dass der Herr Kater erst im Morgengrauen wieder zur√ľckkam. Er rollte sich auf dem Sofa zusammen und schlief bis kurz vor Mittag.

„Stimmt es was von dir erz√§hlt wird“, sprach Edward mit scheinheiliger Freundlichkeit nachdem sie sich zum Aufstehen entschlossen hatte. „Hundeschule ohne Abschluss?“

„Ich wei√ü nicht was dich das angeht“, brummte ich.

„Nun ja, es ist auch nicht so wichtig,“ s√§uselte die Katze. „Ich werde mir ohnehin mein eigenes Bild von den geistigen F√§higkeiten der Kreaturen meiner Umgebung machen. Es muss wirklich schlimm sein, keine Katze zu sein. Ich f√ľrchte, du k√§mst nicht einmal auf die Idee, das Klo zu benutzen wenn dein Mensch mal zu lange weg bleibt.“

„In dieser Hinsicht kann ich dich beruhigen“, knurrte ich, trottete zum Katzenklo und hob mein Bein. Als ich das zufriedene Grinsen in Edwards Gesicht sah, ahnte ich schon, dass ich diesem verschlagenen Widerling irgendwie auf den Leim gegangen war.

Edward stolzierte zum Katzenklo, schnupperte und r√ľmpfte die Nase. „Entsetzlich!“ jammerte er. „Ob der Gestank je wieder aus dem Plastik herausgeht? Die Einstreu muss auf jeden Fall komplett gewechselt werden. Bis dahin kann ich dieses Ding nicht mehr benutzen.“

Eine Stunde sp√§ter stand eine beachtliche, streng nach Katze riechende Pf√ľtze auf dem K√ľchenfu√üboden. Als mein Mensch zur√ľckkam bekam ich einen Klaps mit einer zusammengerollten Zeitung, und er schimpfte mit mir wie mit einem Welpen. Der Gipfel der Ignoranz war jedoch die ernsthafte Empfehlung, mir eine Scheibe an dem lieben Edward abzuschneiden, der so toll sein Klo benutzt!

„Gib mir ein Messer und ich schnitze eine ganze Packung Frolics aus dem Sch√§tzchen“, knurrte ich genauso ernst zur√ľck, aber mein Mensch verstand mich nicht. Er blickte mich nur kummervoll an.

„Ich glaube, ich brauche professionelle Hilfe f√ľr dich“, sagte er.

Die hoffte er vom Tierarzt zu erhalten, mit dem er umgehend einen Termin vereinbarte. Ein Tierarzt, das konnte keine angenehme Begegnung werden, dachte ich sorgenvoll. F√ľr einen kranken Hund, der sich nicht wehren kann mag ein Tierarzt akzeptabel sein, aber seit einer kleinen Ohrenentz√ľndung vor ein paar Jahren wollte ich mit Tier√§rzten nichts zu tun haben.

„Sie schnippeln dir was weg in der Hoffnung dass du artiger wirst,“ bemerkte Edward schadenfroh.

Nachmittags auf der Hundewiese mied ich die Gesellschaft der anderen Hunde, alleine schon weil ich mich wegen der Schlappe mit dem Katzenklo unsäglich schämte.

„Pst, Kumpel“, wisperte jemand hinter mir. Ich erschrak, obwohl mich nur Sir Henry angrinste. „Ich habe mich bei meiner Katze nach deinem neuen Mitbewohner erkundigt,“ berichtete er. „Edward alias Schnurri, alias Amadeus, alias wei√ü-der-Kuckuck-sonst-noch-wer es ist immer der selbe sch√§bige grauwei√ü gescheckte Kater. Offensichtlich hast du wirklich ein Problem mit dieser Katze.“

„Er hat gesessen, dieser Schurke“, sagte ich.

„Mehrmals,“ best√§tigte Sir Henry, „und wo immer er auftaucht scheint es √Ąrger zu geben. In seiner Umgebung verschwinden immer wieder andere Haustiere unter seltsamen Umst√§nden. Dieser Kater ist ein Psychopath...“

„Ich bringe ihn um, dann ist er aus dieser Welt verschwunden,“ knurrte ich.

„Sachte, sachte,“ erwiderte Sir Henry. „Wenn dir der Katzenpelz zuf√§llig zwischen die Z√§hne rutscht haben die Menschen gleich ein Tatmotiv und dich am Kanthaken. Die ganze H√§rte der Gesetze und der kommunalen Gefahrenabwehrverordnungen wird mit Wesenstest und allem Pipapo √ľber dich hereinbrechen. Ehe du dich versiehst wirst du als gef√§hrlicher Hund eingestuft und wanderst f√ľr den Rest deines Lebens hinter Gitter. Nein, lasse deine Pfoten tunlichst aus dem Spiel.“

Ich schluckte. Mein kleiner Terrierfreund musste es wissen. Er hatte einen Staatsanwalt als Mensch. „Vielleicht ist es im Tierheim gar nicht so schlimm. Ich habe jedenfalls wenig Lust, mich weiter von diesem Katzenvieh beuteln zu lassen,“ sagte ich.

„Lass dich nicht zu Kurzschlusshandlungen hinrei√üen“, entgegnete Sir Henry. „Kannst Du zahlen?“

„Was?“

„Du brauchst einen Spezialisten,“ entschied Sir Henry, „jemand, der dein Problem routiniert und unauff√§llig aus der Welt schafft. Der Service kostet allerdings ein paar gr√∂√üere Kauknochen.“

„Kein Problem,“ hechelte ich, „ich lege noch einen neuwertigen Quitscheigel aus Gummi drauf, aber es muss schnell gehen. Ich habe einen Tierarzttermin am Freitag – sehe ich etwa krank aus?“

„Du siehst aus wie ein Hund, der mit den Nerven ziemlich herunter ist. Ich will sehen, was ich tun kann,“ versprach Sir Henry schwanzwedelnd und verabschiedete sich.

Die n√§chste harte Probe f√ľr mein Nervenkost√ľm wartete schon in Gestalt der beiden Neffen meines Menschen an der Haust√ľr. Sie wollten das K√§tzchen sehen, den lieben Edward streicheln, und mit ihm spielen. Dass sie dazu an mein Spielzeug wollten sah ich absolut nicht ein. Ich knurrte, fletschte die Z√§hne und schnappte einmal zur Warnung ins Leere als die beiden halbstarken Ignoranten meinem Korb zu nahe kamen. Daf√ľr griff mir mein Mensch ganz gemein ins Genick und schalt mich mit Worten, die ich lieber nicht wiederholen m√∂chte.

Immerhin stellte sich der von Sir Henry versprochene Spezialist bereits beim Sp√§tabendspaziergang vor. Aus dem pechschwarzen Nichts des Gestr√§uchs am Parkrand materialisierte sich ein Deutsch-Drahthaarr√ľde, den ich noch nie zuvor gesehen hatte.

„Wo ist das Problem welches ich beseitigen soll?“ begann er ohne Umschweife. Ich beschrieb ihm die Katze und beobachtete ihn aufmerksam. Ein netter, unauff√§lliger Kerl, dachte ich zun√§chst, aber seine kalten, ungew√∂hnlich ruhigen Augen verrieten einen echten Profi.

„Vier Kauknochen und den Quitscheigel, und alles wird nach einem Jagdunfall aussehen wenn das K√§tzchen unten im Stadtwald gefunden wird,“ sprach er unger√ľhrt. „Zwei Kauknochen bei Auftragsannahme, der Rest ist f√§llig nach der Ausf√ľhrung.“

„Muss ich sofort zahlen? Ich habe gerade keinen Kauknochen bei mir, kann ich keinen Kredit bekommen? Die Sache ist n√§mlich dringend,“ antwortete ich.

„F√ľnf Kauknochen f√ľr einen Eilauftrag“, forderte er. „Die Anzahlung bleibt. Gib mir Bescheid wenn du zahlen kannst.“ Daraufhin verschwand er im Geb√ľsch ohne sich noch einmal umzuschauen.

„Gib dir keine M√ľhe,“ sagte mein Mensch als ich wieder zuhause vor dem Schrank mit den Kauknochen stand und betont freundlich mit dem Schwanz wedelte. „Du erwartest doch keine Belohnung f√ľr die Heldentat gegen√ľber den armen Kindern heute, oder?“

Am n√§chsten Tag setzte mein Mensch den anbiedernd schnurrenden Edward in einen neu gekauften Katzentransportk√§fig, und trug ihn √ľbervorsichtig ins Auto auf den Beifahrersitz. Mich schnallte er in bew√§hrter Manier mit dem Hundesicherheitsgut auf der R√ľckbank fest, dann setzte er sich wild entschlossen hinter das Steuer und fuhr los.

„Ach, je, ist mir schlecht! Warum muss es hier so nach Hund stinken?“ begann Edward zu jammern noch ehe wir das Viertel verlassen hatten. Gerade als das Auto auf die Schnellstra√üe bog begann Edward zu w√ľrgen. Mein Mensch schaute einen Augenblick zu lange auf den Katzenk√§fig, dann gelang es ihm gerade noch rechtzeitig auf die Bremse zu steigen ehe das Auto einem langsamen LKW ungesund nahe kam. Die alten Gurte dr√ľckten schmerzhaft aber hielten noch. Der Katzenk√§fig kullerte in den Fu√üraum, √∂ffnete sich und heftig fluchend sprang Edward auf den Beifahrersitz. „Hallo, kann mal jemand aufmachen und den Hund rausschmei√üen?“ rief er.

Mein Mensch reagierte zun√§chst nicht, er war zu besch√§ftigt, das Auto auf der Fahrspur zu halten. Als er dann nach Edward griff, sprang der zuerst vorne vor die Windschutzscheibe. „Ich bin nicht das richtige Tier zum Einfangen“, entschied er als mein Mensch ihn dort zu fassen versuchte. Wieselflink sprang das Katzentier neben mich auf die R√ľckbank.

Eingeengt von dem Gurtzeug kam ich nicht an ihn heran egal wie ich mich wand, aber meine Chance sollte ich bekommen. „Ihr Menschen seit nicht sonderlich originell. Wetten, dass ich hier nur auf ‚Rot’ zu dr√ľcken brauche?“ sagte Edward. Schon lagen seine Pfoten auf dem Verschluss meines Gurtzeuges, und ich war frei. Selbstverst√§ndlich versuchte ich, diesen widerw√§rtigen Kater zu fassen. Ich sprang nach vorne, das Auto geriet ins Schlingern, und ein furchterregender Knall markierte das unerwartet fr√ľhe Ende der Reise.

Mein Mensch, ich und der Kater blieben heil bei diesem Unfall, nur das Auto sah nicht mehr gut aus. Die Polizisten schimpften arg mit meinem Menschen und sagten dass es grob fahrl√§ssig sei, einen so gro√üen Hund wie mich frei im Auto zu transportieren. Einer hielt derweil den √ľberlegen grinsenden Edward auf dem Arm und kraulte ausgiebig sein Kinn.

Dieser verflixte Kater plant wieder irgendetwas √úbles, schoss mir spontan durch den Kopf.

Schlie√ülich transportierte der Pannendienst das Autowrack ab. Wortlos zog mein Mensch mir den Maulkorb an, der f√ľr den Tierarztbesuch gedacht war, setzte Edward in den Transportkorb und wir machten uns auf den Weg zur n√§chsten Stra√üenbahnstation.

„Steht dir gut, der Nasenschoner. Du solltest ihn √∂fter tragen, wenigstens solange du dich noch in der zivilisierten Welt bewegst.“ Edward l√§chelte s√ľffisant als mir zuhause mein Mensch den Maulkorb abnahm.

Ich stellte mich taub, trottete schnurstracks zu meinem Korb und rollte mich zusammen. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich Edward, der auf das Sofa sprang, und sich selbstverständlich auf dem schönsten Brokatkissen niederließ. Dass er mich gut im Blick hatte war bestimmt kein Zufall.

Was f√ľr eine Gemeinheit heckte dieser Kater als n√§chstes aus? Zu behaupten, dass mich die halb geschlossenen, kalten Katzenaugen beunruhigten, w√§re eine starke Untertreibung gewesen. Eine unangenehme Eigenschaft an Katzen ist, dass niemand sie kommen h√∂rt wenn sie es nicht wollen. Normalerweise ist auf meine Nase Verlass, aber weil bereits die ganze Wohnung nach Katzenklo muffelte, w√ľrde mir die verst√§rkte Witterung nicht sofort auffallen, wenn die Katze pl√∂tzlich an meinem Korb stand.

Ich musste dieses heimt√ľckische Katzentier im Auge behalten. Das war schwierig, ich war sehr m√ľde, und meine Augenlider wurden immer schwerer. Irgendwann w√ľrde mein Mensch ohnehin den Fernseher und das Licht ausknipsen, um zu Bett zu gehen. Dann war ich mit dem Kater alleine. Im Dunklen konnte er sich heranschleichen, und seine unheilvollen Pl√§ne an mir vollenden. War nicht Edwards Verhalten im Auto Bewei√ü genug, dass er sich nicht scheute, sein Leben und das meines Menschen zu riskieren um mir zu schaden?

Dieses ach so niedliche K√§tzchen ging √ľber Leichen, und ich konnte es nicht aufhalten. Die Lichter des altmodischen Kronleuchters verschwammen, das Wohnzimmer schien sich von den R√§ndern her aufzul√∂sen und im finsteren Schlund der Nacht zu versinken. Edwards Konturen wuchsen vor der untergehenden Gem√ľtlichkeit. L√§ssigen Schrittes kam er n√§her, aber ich konnte nicht aufspringen, geschweige den davonlaufen. Eine gespenstische Macht hielt mich reglos in meinem Korb. Voller Entsetzen blickte ich in sein hochm√ľtig grinsendes Katergesicht als er gro√ü wie ein Zirkusl√∂we direkt vor mir stand. „Schluss mit lustig,“ verk√ľndete er, „Entweder du oder ich, und wenn Du nicht unn√∂tig herumhampelst wird es schnell gehen f√ľr dich.“

Ich konnte nicht einmal bellen! Mit ungeahnten Kr√§ften lagen Edwards √ľbelriechende Pranken an meinem Hals und raubten mir den Atem. Ich wand mich, sp√ľrte die Krallen in meinem K√∂rper, schnappte vergebens nach der Katze – bis meine Z√§hne etwas Lebendiges zu fassen bekamen.

Mein Mensch schrie und fluchte entsetzlich. Ich öffnete meine Augen und sah seinen weichen Unterarm unter dem zerfetzten Flanellärmel in allen ungesunden Farben schillern, und dann bemerkte ich Edward. Er saß hinter meinem Nacken in meinem Korb und leckte sich ganz unbeteiligt die Innenseiten seiner Vorderpfoten.

Ich rieb mit den Vorderpfoten meine Augen und blinzelte. Das alles sollte nur ein gew√∂hnlicher Hundealptraum gewesen sein? Die √úberlegung war m√ľ√üig, denn gleich am n√§chsten Morgen brachte mich mein Mensch ins Tierheim. „Ich komme nicht mehr mit ihm zurecht“, sagte der Verr√§ter, und erz√§hlte von den Ereignissen der vergangenen Tage ohne auf die Rolle einer gewissen grauwei√üen Katze angemessen einzugehen.

„Ein Rottweilerr√ľde, nicht mehr ganz jung und vor allem nicht vertr√§glich mit Kindern oder wenigstens mit anderen Haustieren, das wird schwierig,“ sinnierte die Frau, die mich in meinen Zwinger f√ľhrte.

Seither sitze ich also hinter Gittern. Das Leben hier ist nicht gerade angenehm, es ist so eint√∂nig wie das Futter, aber richtig schlimm ist es auch nicht. Wenn ich Gl√ľck habe kommen Leute, die mich ein bisschen l√§nger als gew√∂hnlich ausf√ľhren, aber das Wichtigste ist: Es gibt keine Katzen im Hundehaus.


„Katzen sind sehr eigen,“ n√§selte Rocco, der Dobermann aus der Eden Bar herablassend. „Wenn du dich erst an ihre Art gew√∂hnt hast wirst du besser mit der Katze klar kommen.“

__________________
Esel sei der Mensch, störrisch und klug

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G.Knöll
???
Registriert: Mar 2002

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Kommentare: 18
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Hallo,
tolle Geschichte!

"..beschwichtigte MICH mein Mensch(Herrchen)"

Diese Geschichte hast Du wirklich SEHR gut beschrieben,was sicher nicht ganz einfach war? :-)

Von mir, f√ľr die √úberarbeitung ein: pefekt!

mfG

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