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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Egal wie
Eingestellt am 01. 11. 2014 10:59


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Kölle
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2014

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Egal wie

I
Wie jeden Freitag besuchte Bernd Lauer nach der Arbeit die Cafeteria am Rathaus. Er setzte sich an die Bar, wo ihm mit einem freundlichen Hallo sofort ein Espresso serviert wurde. Beim UmrĂŒhren seiner Tasse beobachtete er durch die große Glasfront das Geschehen auf der Terrasse; bei nicht ganz sommerlichen Temperaturen hatten sich die GĂ€ste gleichmĂ€ĂŸig auf den Außen- und Innenbereich des Cafes verteilt. Sein Blick wanderte hierhin und dorthin, und blieb aber immer wieder bei einer jungen Frau hĂ€ngen, die im Innenraum an einem Zweiertisch saß, allein. Schon bald wollte er seinen Blick nicht mehr von ihr lassen. Alles an ihr gefiel ihm: Wie sie ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, ĂŒber der Stirn ein Pony. Die dunklen Augen. Wie sie dasaß, wie sie sich mit nur leichten Kopfbewegungen umschaute, wie sie die HĂ€nde aufeinanderlegte. Alles gefiel ihm. Bernd Lauer saß im WohlfĂŒhl-Modus an der Theke.

II
Seine gute Stimmung ging abrupt zu Ende, als sein Wunsch, diese Frau kennenzulernen, Taten verlangte. Augenblicklich spĂŒrte er seinen Körper kraftlos zusammenfallen, seinen Kopf schwer auf seinem aufgestĂŒtzten Arm lasten; kraftlose Schwere: das war seine Mutlosigkeit! Fort seine Selbstsicherheit, fort seine Leichtigkeit, alle NatĂŒrlichkeit. Das Schlimmste aber war, dass er sich selbst fĂŒr seine Feigheit verachtete. Egal, redete er sich ein, egal wie er es machen wĂŒrde, er wĂŒrde es falsch machen. Entweder wĂŒrde er verlegen stottern oder peinlich an seinem Hemd herumnesteln. Selbst die anderen GĂ€ste wĂŒrden seine Hölzernheit bemerken: ihn belĂ€cheln, sich quitschend beklatschten und im Chor singen: egal, wie er es macht, er macht es falsch!
Um nicht noch stĂ€rker in ein Loch von Mutlosigkeit und Resignation zu fallen, suchten seine Augen immer wieder nach Ablenkung im Gastraum, den sie dort nicht wirklich fanden, und so machte er sich ohne wirkliche Notdurft auf dem Weg zur Toilette. Als er an ihr vorbeiging, schaute sie kurz hoch und er meinte gar ein LĂ€cheln zu sehen. Im Waschraum ließ er sich viel Zeit wohl in der Hoffnung, der Mut wĂŒrde ihm zufallen wie ein Sechser im Lotto und er wĂŒrde es wagen, die junge Frau auf dem RĂŒckweg anzusprechen.

III
Als Bernd Lauer in den Gastraum trat, blieb er wie angewurzelt stehen. Ein Mann mit einem unmodischen Trenchcoat hatte der jungen Frau gegenĂŒber Platz genommen. Lauers Herz rutschte in die Hose. Er malte sich die ersparte Blamage aus. Schroff und ohne ErklĂ€rung hĂ€tte die junge Frau ihn abgewiesen und er hĂ€tte sich unter dem GelĂ€chter der anderen GĂ€ste trollen mĂŒssen.
Doch noch bevor sich das Entsetzen richtig in seinem Körper festsetzen konnte, ĂŒberkam ihn gleichzeitig eine unerwartete Erleichterung. Er spĂŒrte: er hatte alles richtig gemacht! Die Phrase, er wĂŒrde sowieso alles falsch machen, was er falsch machen konnte, hatte ihn gelĂ€hmt und passiv gemacht, wĂ€hrend sein Hirn wie im Leerlauf durchdrehte. Und auch das fast endlose HĂ€ndewaschen auf der Toilette war genau richtig gewesen. Er hĂ€tte keine Sekunde frĂŒher oder gar mutiger die Toilette verlassen dĂŒrfen.

Entgegen seiner Gewohnheit bestellte Bernd Lauer an diesem Tag einen zweiten Espresso und dazu einen Grappa. Der Barkeeper fragte: “Alles klar?” und er: “Alles klar!”

Angesichts all seiner erlebten BefĂŒrchtungen, seiner Mutlosigkeit, und seinen SelbstvorwĂŒrfen, ein Feigling zu sein, wirkte auf ihn die Vorstellung, er hĂ€tte alles richtig gemacht, absurd! Paradox! Und doch stimmig! Wie wĂ€re diese Episode wohl verlaufen, wenn er sich von Anfang an gesagt hĂ€tte: Egal, wie du es machst, du machst es richtig?

IV
Eine knappe halbe Stunde spÀter bat Lauer um die Rechnung, zahlte und machte sich auf den Weg nach Hause. Kurz vor dem Ausgang sah er, wie sich der Mann, der seinen Trenchcoat nicht abgelegt hatte, von seinem Platz erhob. Sofort steuerte Bernd Lauer auf den drehbaren KartenstÀnder neben dem Eingang zu, und blÀtterte sich mit seine Fingern von Karte zu Karte, ohne die beiden jungen Leute aus den Augen zu verlieren. Die beiden verabschiedeten sich mit einem Handschlag.
Lauers Blick fiel neugierig auf eine fliederfarbene Postkarte mit dem fĂŒr diese Jahreszeit unpassenden Wort “Schnee”. Er zog die Karte aus ihrem Fach und las: “Der Schnee fĂ€llt; jede Flocke auf ihren Platz.” und in kleinerer Schrift leicht abgesetzt: “Zen-Weisheit”.
Gedankenversunken schaute er zu der Frau hinĂŒber, die wieder Platz genommen hatte, und da war es ihm, als löste er sich vom Boden und als schwebte er durch den Raum, gewichtslos, getragen von der Gewissheit, alles richtig zu machen, und als er vor der jungen Frau stand, lĂ€chelte er selbstbewusst. “Ich wĂŒrde sie gerne auf einen Drink einladen!” sagte er. “Darf ich?”
Ihre Augen strahlten, und sie zeigte auf den Stuhl ihr gegenĂŒber: “Sehr gern! Ich hĂ€tte gern einen Bitter Lemon! Und Sie, was nehmen Sie?!”

Version vom 01. 11. 2014 10:59
Version vom 02. 11. 2014 09:44
Version vom 02. 11. 2014 09:46

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James Blond
???
Registriert: Aug 2014

Werke: 451
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LĂ€sst sich eine große philosophische Frage, wie die nach der Schicksalhaftigkeit des Seins, in einer kleinen Episode ausleuchten? Vielleicht ...

Aber das verlangt höchste Konzentration auf den sprachlichen Ausdruck, den ich hier leider nicht sehe. Literarisch wird es zumeist dann sehr anspruchsvoll, wenn eine Handlung sich weitgehend auf den inneren Monolog des Protagonisten stĂŒtzt, wĂ€hrend sich in der Umgebung kaum etwas Beschreibenswertes ereignet. Das verlangt viel Umsicht und FingerspitzengefĂŒhl.

Um es direkt zu sagen: Mir gefĂ€llt kein einziger Satz im Text richtig gut. Das liegt weniger am Thema, als am unausgefeilten Sprachstil, der mir recht unbeholfen erscheint. Leider kann ich unmöglich alle Stellen anfĂŒhren, darum beginne ich nur mit dem Anfang (I):

quote:
Wie jeden Freitag nach der Arbeit besuchte Bernd Lauer ...

So fÀnde ich es besser:
Wie jeden Freitag besuchte Bernd Lauer nach der Arbeit ...

quote:
Er setzte sich an die Bar, wo ihm mit einem freundlichen Hallo sofort ein Espresso serviert wurde.

Warum passiv? Warum "... an die Bar, wo"? Warum "sofort" und nicht "gleich"?


quote:
Er beobachtete - den Zucker in die Tasse umrĂŒhrend - durch die große Glasfront ...

Abgesehen vom falschen Akkusativ eine umstĂ€ndliche Konstruktion fĂŒr eigentlich nichts. Warum nicht einfach
"Beim UmrĂŒhren seiner Tasse beobachtete ..."

quote:
...verteilten sich die GĂ€ste gleichmĂ€ĂŸig auf den Außen- und Innenbereich des Cafes.

Das klingt, als wĂŒrden die GĂ€ste gerade geschlossen hereinströmen und Platz nehmen.

quote:
Sein Blick wanderte hierhin und dorthin, und blieb aber immer wieder bei einer jungen Frau hÀngen

"Hierhin und dorthin"? Das klingt nach einer verzweifelten Suche. Warum nicht einfach "umher"? Blicke bleiben zumeist "an" etwas hÀngen.


quote:
... an einem Zweiertisch saß, allein.

... allein an einem Zweiertisch saß.

quote:
Bald schon wollte ...

Schon bald wollte ...

quote:
Pferdeschwanz zusammengefasst

Pferdeschwanz gebunden
quote:
Alles an ihr gefiel ihm: Wie ... . Wie sie dasaß, wie sie sich ..., wie ... Alles gefiel ihm.

Ja, und wie war "wie"? Sollte hier nicht eine Beschreibung zu finden sein?

quote:
Bernd Lauer saß im WohlfĂŒhl-Modus an der Theke.

Der Satz kommt in meine StilblĂŒtensammlung.

Diese Auflistung von Beispielen ließe sich beliebig ergĂ€nzen, Wortwiederholungen reihen sich, der sprachliche Ausdruck verrĂ€t mehr Hilflosigkeit als Stil, obwohl sich in seiner UmstĂ€ndlichkeit zugleich das innere Patt des Protagonisten spiegelt.

Zuviele ĂŒberflĂŒssige ErklĂ€rungen runden den mĂŒhsamen Leseeindruck ab: Hier schreibt einer, der's erst noch werden will. Ein bisschen naiv auch die zu plötzliche innere Wandlung des Bernd Lauer. Eine Postkartenweisheit fĂŒhrt ihn zu unmittelbarer Erleuchtung. Als gelĂ€uterter Geist schwebt er seinem Schicksal entgegen.

Zur Thematik:

Der Kernsatz "Der Schnee fĂ€llt, jede Flocke auf ihren Platz" beschreibt den zentralen Glaubenssatz des Buddhismus (nicht nur den des ZEN): Es gibt keinen Zufall. Alles ist Ordnung, Teil einer Kette aus Ursache und Wirkung. Doch fĂŒr Bernd Lauer wird die psychologische Wirkung weit auschlaggebender als der philosophische Gedankengang.

Woher aber der plötzliche Mut des Helden vor dem Hintergrund einer drohenden Blamage gekommen ist, bleibt, trotz der vielen anderen ErklĂ€rungen, leider im Dunkel. Es geschieht wie auf wundersame Weise allein durch die Kraft eines Zauberspruches. Damit wird allerdings die Philosophie des ZEN verfehlt. Wichtig wĂ€re es gewesen, den Prozess, der sich hinter dem Satz "Gedankenversunken schaute er zu der Frau hinĂŒber," verbirgt, ans Licht zu bringen. Insofern hat der Text sein Anliegen eigentlich nicht erfĂŒllt.

Gern kommentiert.

Gruß
JB

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

Werke: 70
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Egal wie

Hallo Kölle,

es tut mir leid, (aber mit Lobhudelei ist dir nicht gedient!),
es ist eine ĂŒbertrieben negative Beschreibung eines "Angsthasen" oder Depressiven.
Er hat unrealistische Vorstellungen. Er mĂŒsste damit rechnen,
dass die "Dame am Zweiertisch" jemanden erwartet und kann deshalb nicht so enttÀuscht sein.

...auf den (dem) Weg zur Toilette...

Was ist ein "WohlfĂŒhlmodus"?

Was ist ein quitschendes Beklatschen?

In II ... fort seine Selbstsicherheit... (Die hat er ja nach deiner Beschreibung gar nicht gehabt!)

Den Titel "Egal wie" finde ich nicht so glĂŒcklich gewĂ€hlt.

Und nun zum Schluss mit dem "Happy-End". Sie geht mir zu
schnell, als hÀtte sie darauf gewartet, auf seine Einladung ein. - Das wirkt mir ein bisschen zu aufgesetzt.
Deine Schreibweise gefÀllt mir aber.
Also Mut! Ich hoffe, dass du mit dieser konstruktiven Kritik etwas anfangen kannst.

Du kannst mich auch kritisieren! (Titel: Halloween v.Maribu)
Lieben Gruß
M.


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