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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Egberts neue Kurzgeschichte
Eingestellt am 13. 09. 2001 14:53


Autor
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Egbert
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2001

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Eines abends sa├č ich auf dem Scho├če meines Gro├čvaters, als er ein Buch herausholte und mir vorlas: Es war einmal ein kleiner Junge, der besuchte seinen Gro├čvater. Der Gro├čvater aber holte einen alten Brief aus einem K├Ąstchen und begann, dem Jungen vorzulesen: Lieber Leser, dies ist meine Geschichte, die mit einem Brief anf├Ąngt, den ich vor Jahren von einem Freund bekommen habe. Der Freund schrieb mir: Lieber Freund, ich sitze hier gerade im Gef├Ąngnis von Bangalore und es ist ganz sch├Ân hei├č. Gerade wollte ich mich umbringen, als ich eine kleine Geschichte an der Wand fand, die irgendein Gefangener mal geschrieben haben mu├č. Sie geht so:
Unbekannter, wenn Du diese Zeilen liest, werde ich nicht mehr leben. Meine Seele werde ich auf dem Schafott ausgehaucht haben unter den schrecklichen H├Ąnden eines schmutzigen Schergen und auch er mag nun, da Du diese Zeilen liest, schon in der H├Âlle leiden. Doch an seinen H├Ąnden klebt Blut, er mu├č zu recht die Qualen erdulden, die auf ihn warten. Mir aber wird das Leben geraubt, weil mein Geist wie eine Taube ├╝ber die finsteren Abgr├╝nde unserer Zeit hinwegflog, doch wurde sie wie Huhn gefangen und eingesperrt. Dunkelheit ist nun um mich. Gestank und Angst sind meine st├Ąndigen Begleiter. Tag und Nacht sitze ich hier und sp├╝re, wie Wasser und Brot mein schwindendes Leben verh├Âhnen, wie Krankheit mir den Leib zerfrisst. Ich kann schon kaum mehr stehen, und liege hier auf faulem Stroh. Kein Fenster gibt es, das mir den Himmel zeigt, und wenn ich ihn denn wiedersehen, so doch nur, um Abschied zu nehmen, er wird Zeuge sein meines Todes und so freue ich mich nicht auf unser Wiedersehen. Hier liege ich, und als ich vor wenigen Tagen wie tot auf dem Stroh lag, da ward ich von einer Ratte gebissen. Sie glaubte wohl, ich sei schon tot, doch ich bekam sie am Schwanze zu fassen und schlug sie gegen die Wand. Nun war sie es, die tot war. Doch da, aus ihrem Munde fiel ein S├Ącklein mit einer kleinen gr├╝nen Schnur. Eine Feder fiel heraus, mit einem Zettelchen daran. Ich las: "Fremder, hilf mir, denn ich bin in Not." Darunter ein name und ein Ort. Ich verstaute das S├ĄckleinÔÇŽ.

An dieser Stelle h├Ârt die Geschichte auf, mein Bester, die hier an der Wand steht. Nun, das Gef├Ąngnis mu├č ja mal recht ├╝bel gewesen sein, doch heute, nun, ich will nicht klagen. Dies schrieb der Freund dem Freund, der den Brief einpackte wie der Gro├čvater aus dem Buch, aus dem mein Gro├čvater mir vorlas, seinem Enkel erz├Ąhlte. Mein Gro├čvater schlo├č das Buch, blickte mich an, dann stand er auf und wir gingen gemeinsam auf den Dachboden. Dort, unter den Ziegeln, ein muffiger, dunkler Gang, ganz hinten, in einem Haufen Lumpen, Holzwolle und Papieres, war ein Nest, ein weiches, warmes Rattennest. Mein Gro├čvater griff hinein und als er seine Hand herausnahm, klebten Federn daran. Mein Gro├čvater gab sie mir und sagte: "Gib acht, wenn die Rattenmutter singt, nimm die Federn, und mach sie sauber. So, nun komm, und la├č uns noch einen Schlummertrunk nehmen." Wir stiegen hinab und tranken noch einen Neuen Wein, Dann gingen wir ins Bett. Mein Gro├čvater wurde nie wieder gesehen.

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flammarion
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eh,

so geht das nich! was passiert, wenn die federn saubergemacht werden? wie geht das m├Ąrchen weiter? weiter erz├Ąhlen, weiter erz├Ąhlen! fordernd guckt
__________________
Old Icke

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