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Leselupe.de > Anonymus
Ehe
Eingestellt am 11. 04. 2003 15:56


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Ihre Ehe hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Diese immer wiederkehrenden R├╝ckenschmerzen erkl├Ąrt sie stets mit den zwei Geburten der gemeinsamen Kinder. Doch es ist die Last, die seit langem auf ihr liegt. Die Last einer Ehe, in der der Prinz schon bei der Hochzeit keiner war. Nach der Geburt der Kinder verblasste die Robe immer mehr. W├Ąrme und Z├Ąrtlichkeit wurden f├╝r ihn zum langatmigen Ballast und hielten ihn unn├Âtig auf, schnell und ohne Umschweife zum ÔÇ×ZielÔÇť zu kommen.
So sei nun mal die Ehe. Sie ver├Ąndere sich mit der Zeit, die Familie gewinne einen gr├Â├čeren Stellenwert als die Liebe und das sei ja auch gut so, schon alleine wegen der Kinder.
Doch das leere P├Ąckchen an W├Ąrme, G├╝te, Freundschaft und Z├Ąrtlichkeit wog immer schwerer auf ihrem R├╝cken. Wen, au├čer ihrem Mann, wundert es da, dass sie sich schlie├člich eine erholsame Badewanne voll dieser Dinge einlaufen lie├č. Sie nahm sich den Luxus, ohne die Haushaltskasse auch nur um einen Pfennig zu ├╝berziehen. Das wohltuende Bad mit dem Badezusatz aus Z├Ąrtlichkeit und W├Ąrme, aus Armen, in denen sie von besseren Zeiten, ihren Zeiten, tr├Ąumen konnte, lie├č sie vergessen. Die kurze Wirklichkeit ihrer Phantasie wiegte mehr als die harten Faustschl├Ąge ihres Mannes, diese Ohrfeigen f├╝r eigenes Denken und F├╝hlen, weit ab von seinem Verst├Ąndnis.
Noch einmal stand sie auf, als sie ihrem Mann sagte, dass sie sich von ihm trennen wolle. Ihr Kopf wohnte schon lange nicht mehr bei ihm.
F├╝r einen kurzen Moment stellte sich ihr die Frage, warum sie sich schlagen lie├če, die Frage einer Chance, endlich ihr Leben umzukrempeln und den ihr ebenb├╝rtigen Weg einzuschlagen.
Aber als sie den Schrank ihrer Altlasten ├Âffnete, suchte sie Schutz bei dem neuen Mann, lie├č die unbearbeiteten Dinge liegen und fl├╝chtete in neue Arme, in ein neues Leben, einen neuen Halt, ohne die F├╝├če auch nur einmal selbst├Ąndig auf den Boden gesetzt zu haben.
Diese Verantwortung wolle er nicht tragen, der Neue. Er wolle keine Frau, die in ihm einen Zufluchtsort sah. Er wolle eine Frau, die auch gegangen w├Ąre, wenn es ihn nicht geben w├╝rde. Damit w├Ąre sein Schuldgef├╝hl ein wenig kleiner. Schlie├člich wolle er sich nichts nehmen, was ihm nicht zustehe.
So hatte er Angst, das Leid der vergangenen Jahr auskurieren zu m├╝ssen. Denn er wolle neu anfangen, mit einer Frau, die sich f├╝r ihn und nicht nur gegen ihren Mann entschieden hatte. Ihm fehlte in dem ganzen Hin und Her eine Ordnung, die ihm eine Richtung h├Ątte zeigen k├Ânnen, einen Lebensweg, den er irgendwann mit ihr zusammen gehen k├Ânnte. Er sei doch kein Austauschmodell f├╝r den Anderen.
Aber wer war sie? Der Abglanz einer Ehe? Der Rest einer schon lange vergessenen Leidenschaft? Wo war ihr neuer Weg? Wo war sie?

So beendete er diese Beziehung. Er sprach sein deutliches Nein aus. Ein Nein, dass sie nicht verstand. Hatte sie sich nicht von ihrem Mann, r├Ąumlich gesehen, getrennt? Na ja, das eine Mal im Familienurlaub, als sie wegen der Kinder eingewilligt hatte, als er noch einmal die Best├Ątigung haben wollte, dass er es immer noch schafft bei ihr. Es sei nur reine Lust gewesen, keine Liebe. Vielleicht war es ja wirklich nur der Aufschrei einer in Tr├╝mmern liegenden Liebe einer schon vergessenen Ehe. Wie oft kam das noch vor?

Er ist schlie├člich gegangen. Der Vater ihrer Kinder ist wieder eingezogen. Sie machen erneut auf Familie. Es ist alles beim Alten.
Sie hat ein wenig getr├Ąumt, hat sich ihren Kleiderschrank aufger├Ąumt vorgestellt und ihn neu sortiert. Aber es herrscht nach wie vor Chaos darin und die T├╝ren sind mit einem zus├Ątzlichen Riegel verschlossen. Denn die Last, die nun darin liegt, die Last eines nicht gelebten Traumes vom eigenen Leben wiegt nun am schwersten auf ihrem R├╝cken.

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Sehr sehr nachvollziehbar. Das ist eine schwierige Situation, die ich oft in meinem Umfeld so gesehen habe.

Aber auch dieses:
"Er wolle keine Frau, die in ihm einen Zufluchtsort sah. Er wolle eine Frau, die auch gegangen w├Ąre, wenn es ihn nicht geben w├╝rde."
Ist verst├Ąndlich und nachvollziehbar.

In der knappen Form sind alle wesentlichen Bestandteile der Problematik vorhanden.

Das Leiden geht weiter ...

Gruss
Socke

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Danke, Rote Socke,

das ist die Geschichte, die ich f├╝r einen Bekannten aufgeschrieben habe, auch deshalb anonym (aber mit seiner Erlaubnis). Freue mich, dass ich es so geschrieben habe, dass es andere nachvollziehen k├Ânnen.
Aber wie bearbeite ich den Text nun und was bearbeite ich?
Freue mich ├╝ber weitere Anregungen.

schreibteufelinchen

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo!

Gute Frage, aber es kommt darauf an, was Du daraus machen willst? Der Stoff reicht f├╝r einen Roman, auch eine gute Kurzgeschichte ist m├Âglich.
Weiterhin ist gut m├Âglich, es aus der Sicht der Frau zu schreiben und ebenso interessant w├Ąre es aus der Sicht des neuen Mannes zu schildern.
Das kannst nur Du entscheiden.

Gruss
Socke

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Danke liebe rote Socke f├╝rs Lesen und f├╝r die Vielfalt an Anregungen.
schreibteufelinchen

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