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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ehrlichkeit ist eine schöne Sache
Eingestellt am 30. 12. 2000 08:01


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Alex
Wird mal Schriftsteller
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Als ich Cristine zum ersten mal sah, war ich sofort verliebt. Eine Weile sträubte ich mich, weil ich nach der Trennung das Leben als Single gerade erst in den Griff bekommen hatte, aber am Ende wurden wir dann doch ein Paar.
Durch meine vergangene Beziehung gereift, wusste ich, wie man es nicht macht und versuchte eine einigermaßen ausgewogene Partnerschaft zu führen.
Merkt man es? Ich habe geübt, das Schreiben meine ich.
Es begann alles so großartig, ihr wisst schon, dieses Gefühl im Bauch, romantische Spaziergänge, Dinner bei Kerzenschein. Mir wurde immer schwindelig, wenn ich sie ansah, was ich praktisch ständig tat.
Was wir nicht alles gemeinsam hatten. Besonders gut stimmten unsere Vorstellungen von einer Beziehung überein. So was hört man ja ständig, aber bei uns war es wirklich so. Für uns beide stand Offenheit über allem, absolute Ehrlichkeit gegenüber dem Partner. Das wir treu sein würden, stand sowieso schon von vornherein fest, also konnten wir ja auch nie ein Problem mit so was haben. Verständnis für den Partner, immer ein offenes Ohr haben, war mir geradezu unheimlich, wie gut wir zusammenpassten.
Cristine war ja so lieb, ganz anders als meine erste Freundin. So gefühlsbetont, so romantisch. Stundenlang konnten wir über Poesie reden, wobei ich sie die ganze Zeit ansah und unglaublich glücklich war.
Wir redeten auch viel, über alles was uns bewegte.
Oh wie ehrlich Cristine doch war, sie erzählte mir immer alles, lies nie etwas aus.
Und wie verständnisvoll, immer mit einem offenen Ohr für meine Probleme.
Kein Wunder, dass ich nur Augen für sie hatte, es war eine Zeit in der ich absolutes Glück kennen lernte.
Es dauerte Monate, bis die Schmetterlinge im Bauch nachließen. Wir waren gerade auf einer Party bei Freunden, als ich zum ersten mal wieder ein anderes weibliches Wesen wahrnahm. Sie war wirklich hübsch, und da ich wusste wie verständnisvoll Cristine ist, hatte ich keine Scheu ihren Anblick zu bewundern. Logisch, dass Cristine mich fragte, wie ich die Andere fand und da ich ja wusste, dass sie Ehrlichkeit genauso schätzte wie ich, teilte ich meine Begeisterung natürlich gerne mit ihr.
Auf dem Rückweg war Cristine sehr schweigsam, was eigentlich überhaupt nicht zu ihr passt.
Vielleicht wusste sie da ja schon, dass sie unsere Beziehung am nächsten Tag beenden würde und hatte deshalb ein schlechtes Gewissen.
Was sie mir ruhig hätte sagen können, oder zumindest, was ihr an mir nicht passte.
Ich war doch auch immer absolut ehrlich gewesen!


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Ralph Ronneberger
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Hallo Alex,

ich habe die kleine, locker aber auch ein wenig besinnlich geschriebene - und wie mir schien, mit etwas Ironie durchsetzte - Geschichte mit Interesse gelesen. Am Ende wurde ich nachdenklich. "Was wollte uns der Dichter sagen?" hörte ich im Geiste die Stimme meines alten Deutschlehrers. Und so beginne ich unsicher zu stammeln:

1. Der Satzteil "...war mir geradezu unheimlich, wie gut wir zusammenpaßten" machte mich mißtrauisch. Selbst der Protagonist [der ehrliche Alex? ;-)] hätte hier stutzig werden müssen. Frauen, deren Bestreben ausschließlich auf ungetrübte Harmonie zielt, sind in der Regel - Scheiße - im Normalfall nicht allzu belastbar.

2. Absolute Ehrlichkeit kann auch schaden. Hätte der Ich-Erzähler das hübsche Mädchen auf der Party nur heimlich bewundert, sie aber auf Christines Frage hin als eine häßliche und obendrein strohdumme Kuh bezeichnet, wäre das bis dato ungetrübte Glück sicher noch erhalten geblieben. Das heißt: Kleine Lügen können durchaus der Harmonie dienlich sein.

3. Vielleicht wollte uns der Dichter auch etwas ganz anderes sagen, und ich habe es nur nicht kapiert?

Na, mal sehen, was der Künstler selber dazu spricht. Er weilt ja noch unter den Lebenden.

Gruß Ralph
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Alex
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Ralph,
Den Kontext der einen Geschichte hast du exakt erfasst.
Der Protagonist (nicht ich) hat ein einigermasen großes Problem, er glaubt alles 100%ig.
"Absolute Ehrlichkeit kann auch schaden. Hätte der Ich-Erzähler das hübsche Mädchen auf der Party nur heimlich bewundert, sie aber auf Christines Frage hin als eine häßliche und obendrein strohdumme Kuh bezeichnet, wäre das bis dato ungetrübte Glück sicher noch erhalten geblieben. Das heißt: Kleine Lügen können durchaus der Harmonie dienlich sein" Exakt, aber sie hatte ihm gesagt, dass sie für Ehrlichkeit ist, also verhält er sich danach, obwohl ihm sein Gefühl auch sagt, er sollte es lassen.

Danke für dein Feedback

Alex
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Ralph Ronneberger
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Tja Alex,

wie heißt es so schön? Durch Erfahrung wird man klug. Noch klüger wird man, wenn man über solche Erfahrungen schreibt. Das zwingt nämlich zur Analyse, auch wenn Analyse im Hinblick auf eine Liebesbeziehung ein wenig unpassend klingt.

Aber weißt Du, was mir hier gar nicht gefällt? Das ist die Tatsache, daß wir hier so etwas wie ein einsames Duett abgeben. Muß man unbedingt Poet sein, um mit dem Thema "Liebe und so" ernst- bzw. überhaupt wahrgenommen zu werden? Kann doch nicht sein!
"Heh, ihr da! Wir Prosa-Fritzen ham auch was dazu zu sagen!"
Na, wird wohl nicht viel helfen. Gute Nacht Alex. Ich hau mich in die Klappe, muß morgen schon wieder schindern.

Tschüs Ralph
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Alex
Wird mal Schriftsteller
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Das wird sicher noch werden, hab schon mal Nummer drei in der Reihe gepostet.
Besser ein Duett, als ein Monolog, und mit genug Zeit kommen auch noch andre Stimmen unds wird ein Chor.

Tschau, Alex

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Andrea
???
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5 von 10 Punkten

Klar, wir haben ja auch nix anderes zu tun..

So kommen wir zu der Geschichte. Es ist die zweite Beziehungsgeschichte, die ich von dir lese, und daher beurteile ich einfach beide in einem Wisch (keine Angst, habe deine Aufrufe in der anderen Geschichte nicht künstlich hochgetrieben, sondern sie über <zurück> wieder verlassen - das wird nämlich nicht gezählt!).

Beide (die zweite war die mit der Frauenrechtlerin, ich kann mir Titel so schlecht merken) sind ja im selben Stil erzählt, so daß ich mir fast vorstellen kann, du hast einen ganzen Ordner dieser Storys und könntest sie als Anthologie unter "Das Liebesleiden des jungen ABZY" veröffentlichen.
Beide Texte sind durch einen fast nüchternden Erzählton geprägt, beides Mal ist es der Mann, der durch seine 100%-Meinung die Fehler macht (sehr angenehm.. ) - und beide sind sehr neutral. Man kann sie wirklich gut durchlesen, aber bei mir bleibt nichts haften.
__________________
Andrea Rohmert

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