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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eigentlich
Eingestellt am 14. 03. 2015 17:52


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Kirschbl├╝te
Hobbydichter
Registriert: Mar 2015

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Ich liege im Bett und starre in die Dunkelheit. Martin liegt neben mir, atmet ruhig und gleichm├Ą├čig. Ich drehe mich zu ihm, kann nur seine Umrisse in der Schw├Ąrze erahnen. Meine Gedanken schwirren in wirren Formen durch meinen Kopf, mal langsam, dann wieder schnell. Arbeit. Anstehende Termine. Geburtstag meiner Mutter. Jahrestag. Der Jahrestag in drei Tagen. In drei Tagen sind wir genau sieben Jahre zusammen. Sieben Jahre in denen wir uns so ver├Ąndert haben, weiterentwickelt haben. Ich mache mir schon l├Ąnger nichts vor, die Luft ist raus. Der Alltag hat seinen kalten Griff fest um uns gelegt und dr├╝ckt immer fester zu. Und jetzt, wo ich im Bett liege und wieder mal nicht schlafen kann, frage ich mich, ob er das genauso sieht. Ist er noch gl├╝cklich? Ich bin es nicht mehr. Naja, gut, was hei├čt nicht mehr gl├╝cklich? Ich habe eben nicht mehr diese Schmetterlinge im Bauch jedes Mal wenn ich ihn sehe, die erst langsam beginnen mit den Fl├╝geln zu schlagen und wenn er mich ansieht, mich ber├╝hrt oder mir was zufl├╝stert, alle zugleich losfliegen und sich anf├╝hlen als w├╝rde ein Tornado durch meine Magengrube fegen. Nur noch hie und da schlagen sie tr├Ąge mit den Fl├╝geln. Nat├╝rlich liebe ich ihn- oder ist es nur Gewohnheit das noch zu sagen- ist es die Routine, der Alltag der mich gar nicht richtig meine Gef├╝hle hinterfragen l├Ąsst? Viele unserer Freunde beneiden uns- warum auch nicht? Er ist Professor an der Uni, ich bin Lektorin in einem renommierten Verlag, wir sind seit fast sieben Jahren zusammen, leben zusammen, in einem wundersch├Ânen Penthouse mitten in der Stadt, fahren drei Mal im Jahr in den Urlaub- das kann man sich leisten wenn man keine Kinder hat. Wir haben ein perfektes Leben. Eigentlich m├╝sste ich dann doch auch gl├╝cklich sein. Eigentlich.

Ich erinnere mich an den Tag zur├╝ck an dem wir uns kennengelernt hatten. Es war in meiner ersten Woche an der Uni gewesen und da ich noch nicht viele gekannt hatte, sa├č ich an dem Tag alleine am Tisch und a├č mein Mittagessen. Er hatte sich einfach mir gegen├╝ber hingesetzt und angefangen zu essen. Wir hatten geschwiegen bis wir fertig waren und dann grinste er mich mit diesem L├Ącheln an, das nur er hatte. Dieses aufrichtige, jungenhafte und auch irgendwie anz├╝gliche L├Ącheln. In diesem Moment waren die Schmetterlinge in meinem Bauch losgeflogen, alle zugleich, alle gleich aufgeregt. Er stellte sich mir vor und ich hatte alle M├╝he meinen Namen auszusprechen. An diesem Tag hatte ich mich das erste Mal mit meinen neunzehn Jahren Hals ├╝ber Kopf verliebt und umso h├Ąrter traf mich am n├Ąchsten Tag der Schlag als sich herausgestellt hatte, dass er einer meiner Professoren war. Und auch ihn hatte es nicht ganz kalt gelassen, als er auf der Anwesenheitsliste meinen Namen gelesen hatte. Beziehungen zwischen Studenten und Professoren waren nicht gern gesehen und das hatten wir beide gewusst, trotzdem hatte er mir am Ende der Vorlesung einen Zettel zugesteckt auf dem stand, dass er noch am selbe Abend mit mir Essen gehen m├Âchte. Ich hatte mir den restlichen Tag ├╝ber den Kopf zerbrochen, ob das eine gute Idee war und war zum Schluss gekommen, dass ich lieber zu Hause bleiben sollte, nur um eine viertel Stunde bevor er sich mit mir treffen wollte doch noch in ein Kleid und High Heels zu schl├╝pfen und doch noch ins Restaurant zu gehen, das nur zwei Stra├čen von meiner Wohnung entfernt lag. Ich war ein paar Minuten zu sp├Ąt gewesen und als ich das kleine, dunkle Lokal betrat, sa├č er schon am Tisch. Wir a├čen, unterhielten uns, tranken Wein. Viel Wein. Nach dem Essen bestand er darauf, mich nach Hause zu begleiten, nat├╝rlich nur weil es schon sehr sp├Ąt war und meine Wohnung nicht in der besten Gegend lag. Und als er mich vor meiner Wohnungst├╝r k├╝sste, erst sanft, fast ehrf├╝rchtig, dann immer verlangender, wilder, hatte ich wegen der Schmetterlinge nicht die Kraft und auch nicht das Bed├╝rfnis mich dagegen zu wehren, auch wenn es ein klarer Menschenverstand verlangt h├Ątte. Am n├Ąchsten Morgen war ich neben ihm aufgewacht und hatte gewusst, dass es kein Zur├╝ck mehr gab. In dem Semester, in dem er mein Professor war, hatten wir unsere Beziehung nat├╝rlich geheim gehalten. Als ich ihn meinen Eltern vorgestellt hatte, war mein Vater ├╝berzeugt davon, dass er zu alt f├╝r mich war. Immerhin lagen zwischen uns zehn Jahre. Aber wir hatten es geschafft, hatten alle Hindernisse ├╝berwunden und als ich das erste Mal gesagt hatte, dass ich ihn liebte, er stumm geblieben war und ich ihn schlie├člich fragte, ob er mich denn auch liebte, hatte er mich aus seinen dunklen Augen angesehen und gesagt, dass er mich so lange lieben w├╝rde, wie die Sterne noch am Himmel stehen werden.

Und nun liege ich hier neben dem Mann den ich eigentlich liebe. Eigentlich. Und frage mich, ob er immer noch so empfindet.


Version vom 14. 03. 2015 17:52
Version vom 16. 03. 2015 12:54
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DocSchneider
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