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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eightball in Santa Monica
Eingestellt am 23. 08. 2013 18:41


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Rhondaly DaCosta
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Eightball in Santa Monica


Werner Beckmann hat um neun Uhr den Termin. Er ist wie immer bestens vorbereitet. Die Beschreibungen der Software-Module, die Standort-Listen, und, last but not least, die Kalkulationen – alles steckt gut vorbereitet in zwei sauberen Ordner in seiner Aktentasche.

Herr Willmer begrĂŒĂŸt ihn freundlich in seinem BĂŒro. Freundlich, aber distanziert. Stefan Willmer ist ein erfahrener GeschĂ€ftspartner. Er weiß, wie man den „richtigen“ Abstand einhĂ€lt.
Beide arbeiten im GeschĂ€ftsbereich System-Komponenten. Werner Beckmann vertritt ein bekanntes amerikanisches Software Unternehmen in Deutschland. Stefan Willmann vertritt die IT-Abteilung eines großen deutschen Handelsunternehmens.
Das GesprĂ€ch findet einen passenden Ausgang. Der Kunde zeigt weiteres Interesse an dem Angebot. Allerdings möchte Herr Willmer sich noch einen Eindruck von der Muttergesellschaft am Stammsitz in den USA verschaffen. Man beschließt einen Customer Visit im Headquarter in Los Angeles.

Das GeschĂ€ftliche. Werner ist zwei Tage vor dem Kunden bereits in die USA geflogen. Im Headquarter hat er die Kollegen instruiert und das GeschĂ€ftsvolumen vorgestellt. Die vorab gesendeten Emails sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Der Controller hat die Kalkulation mit einigen Verhandlungspositionen garniert. Die Entwickler werden die zukĂŒnftigen Modultechniken vorstellen. Es sieht gut aus.
Abends lĂ€sst Werner sich mit einem Taxi nach Santa Monica fahren. Dorthin will er seinen GeschĂ€ftspartner ausfĂŒhren - forechecking. Customer care ist wichtig. Eine exzellente Vorbereitung ist auch in diesem Punkt der halbe Erfolg.

Zwei Tage spÀter. Der geschÀftliche Termin verlÀuft ansprechend. Beide Seiten sprechen gegenseitig ihr Interesse an einer Einigung aus. Abends treffen sich Werner Beckmann und sein GeschÀftspartner an der Hotelrezeption. Sie haben das gleiche Hotel gebucht.
„Vielen Dank fĂŒr die Hotelempfehlung“, beginnt Stefan Willmer das GesprĂ€ch. „Ich fĂŒhle mich hier sehr wohl. Der Ausblick auf die Marina ist wunderbar, und die Zimmer sind tiptop.“
Ein Punkt, one point, un point.

Fabulous Santa Monica. Die beiden nehmen ein Taxi. In Santa Monica hÀlt das Taxi nahe beim Zentrum an. Werner zahlt und lÀsst sich eine Quittung geben. Die Spesenabrechnung gehört auch zum GeschÀft.
Die Hauptstraße von Santa Monica wimmelt vor Menschen. Die Sonne scheint, die Leute sind fröhlich, die AtmosphĂ€re stimmt – es passt.
Neugierig schaut sich der Kunde alles an. Er ist sichtlich beeindruckt. Dazu wird er nach Werners Eindruck zunehmend lockerer. Sie gehen die Mainstreet auf und ab und genießen den Aufenthalt.
In der nahe gelegenen Shopping Mall will Stefan Willmer sich Poloshirts ansehen.
„Hoffentlich hat er meinen Blick an der Rezeption nicht falsch gedeutet“, denkt Werner sich. Sein Gast hat sich fĂŒr ein recht gesetztes Outfit entschieden. Er kommt eher in Zeltplatz Fashion daher als im California-Surfer-Look. Aber der Kunde lĂ€sst sich nichts anmerken. Puhh.
In einem Shop sucht sein Gast, und sucht, und findet offenbar nicht das Shirt seiner TrÀume.
Werner geht schließ auf ihn zu und bittet ihn mit einer dezenten Handbewegung zur Seite, weg vom VerkĂ€ufer. „Am Chinese Theater gibt es ein GeschĂ€ft, das Ihnen besser gefallen wird. Lassen Sie uns morgen frĂŒh noch zum Strip fahren“, schlĂ€gt er vor. Sein Begleiter nimmt das Angebot mit einem dankbaren LĂ€cheln entgegen.

Jetzt wird es Zeit fĂŒr das Abendessen. Werner fĂŒhrt seinen Gast zu einem typisch amerikanischen Steakhaus, gleich am Anfang der Main Street.
Sie werden zu einem Tisch gefĂŒhrt, der ihnen einen hervorragenden Blick auf das Geschehen im Lokal und auf die Passanten draußen gestattet. Das Steak ist superb, ebenso der Wein aus dem Napa Valley. Es herrscht rundum Zufriedenheit am Tisch.
„Gehen wir noch auf einen Sprung nebenan“, schlĂ€gt Werner vor. Das Nachbarlokal ist riesengroß. Die RĂ€ume sind in einem freundlichen Braun gehalten. An den WĂ€nden hĂ€ngen ĂŒberdimensionale Bildschirme, auf denen vorwiegend American Football Spiele ĂŒbertragen werden.
„Klasse“, sagt Stefan Willmer nur. Zwei, drei Bier finden ihre Abnehmer. Man verfolgt die Spiele mit den fĂŒr EuropĂ€er unverstĂ€ndlichen Regeln, bewundert ein paar nette MĂ€dchen, und lĂ€sst es ruhig angehen. Hanging around.
„Lassen Sie uns zum Pier gehen“, schlĂ€gt der Gastgeber nun vor. Abgemacht!

Unten an der Strandpromenade fĂ€llt Werners Blick auf einen Clochard, der in einem Einkaufswagen seine Habseligkeiten schiebt. Werner schaut kurz zu seinem Begleiter. Doch dieser blickt geradeaus zum Meer. Er sieht den Armen nicht, oder er will diesen ĂŒbersehen.
Am Pier genießen beide den frischen Wind vom Meer. Sie bewundern die Surfer, beobachten die Angler, sitzen auf bequemen BĂ€nken in der Sonne von Kalifornien, die ihre Sinne erwĂ€rmt.
Werner fĂŒhrt seinen Begleiter zu einem Lokal auf dem Pier. Innen empfĂ€ngt sie eine quirlige GĂ€steschar. Eine unĂŒbersehbare Menge von Menschen unterhĂ€lt sich, trinkt Bier und beklatscht hin und wieder die Life Band. Es herrscht hier eine ausgezeichnete AtmosphĂ€re, so amerikanisch wie man sie manchmal in netten US Filmen sieht.
Stefan ordert zwei Bier aus dem Raum San Francisco. „Local steam beer, Dampfbier“, erklĂ€rt er seinem Gast. Die beiden prosten sich zu. Das Bier riecht nach GewĂŒrznelken und hinterlĂ€sst einen leicht rauchigen Geschmack. „Es zischt sehr gut die Kehle hinunter“, bemerkt der sichtlich erfreute Begleiter.

Stefan Willmer schaut auf einen Billardtisch. „Spielen Sie Eightball?“ fragt er. „Ich treffe hin und wieder eine Kugel“, antwortet Werner mit einem LĂ€cheln.
Die Partie ist eine einzige Freude. Einmal gewinnt Werner, dann sein Gast - ohne Schummeln und ohne absichtliche Fehler.
Der Kellner bringt noch zwei große Pötte Bier. Werner versenkt gerade die weiße Kugel. „Es wird nun Zeit, dass wir wieder zurĂŒck fahren“, bemerkt Stefan Willmer mit einem LĂ€cheln. Werner schaut seinen GesprĂ€chspartner an, dann schaut er zum Billardtisch. Jetzt bemerkt er, dass er mit dem Eightball die weiße Anstoßkugel versenkt hat.
Sie trinken aus und gehen dann, leicht schwankend, vom Lokal zum Taxistand. Beide bemĂŒhen sich, den jeweils anderen nicht anzustoßen. Distanzzone.
2

Die Acht, die lacht. „Ihr Angebot kann die Zustimmung der GeschĂ€ftsleitung finden“, beginnt Stefan Willmer das GesprĂ€ch in seinem BĂŒro in Berlin. Werner runzelt die Stirn. „Allerdings“, fĂ€hrt sein Kunde fort, mĂŒssen wir noch einige Änderungen vornehmen.“ Werner schweigt klug.
„Wir haben in Asien mehrere BĂŒros und LĂ€ger, die eine neue Software Infrastruktur dringend nötig haben. Diese Lokationen möchten Sie bitte ins Angebot aufnehmen.“
Werners Haltung entspannt sich merklich. „Um wie viele Stellen handelt es sich denn?“, will er wissen.

„Es sind fĂŒnf Niederlassungen“, antwortet Stefan Willmer. "Leider nicht acht", fĂŒgt er hinzu.
Die beiden lachen.


Version vom 23. 08. 2013 18:41
Version vom 24. 08. 2013 17:34

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Rhondaly,
die GeschĂ€ftsszene und das typische kalifornische Umfeld kommen sachlich gut rĂŒber - flĂŒssig geschrieben.
Den Plot finde ich ein bisschen an den Haaren herbeigezogen.

Zwei kleine VorschlÀge zur Korrektur, wenn du magst:

quote:
Sie bewundern die Surfer, beobachten die Angler, sitzen auf bequemen BÀnken in der Sonne. Die Sonne von Kalifornien, die ihre Sinne wÀrmt ihre Sinne.
Die Doppelung von Sonne klingt nicht gut.


quote:
Jetzt Erbemerkt er, dass er mit derm Eightball Kugel die weiße Anstoßkugel versenkt hat.
Doppelung Kugel klingt nicht so gut.

LG USch

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Rhondaly DaCosta
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Hallo Uwe,

ich danke dir fĂŒrs Lesen und fĂŒr deinen Kommentar.
Deine beiden VorschlÀge habe ich umgesetzt.

Es kommt vor, dass ein GeschÀft um mehrere Standorte erweitert wird. Na ja, und in diesem Fall habe ich mir gedacht: die Acht, die lacht.

Liebe GrĂŒĂŸe. Rhondaly.

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