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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ein Abend vor der Disco - oder: das Ende der Nahrungskette
Eingestellt am 10. 07. 2005 15:07


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Oxymoron
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Es ist Samstag. Es ist schrill, es ist bunt, und vor allem ist es laut. Ich meine ausnahmsweise nicht die obligatorische Klingeltonwerbung, sondern einen ganz gewöhnlichen Abend in einer Großraumdisco... Verzeihung, ich meine vor einer Großraumdisco.
Betreten wollen wir diesen Laden nicht. Wollten wir nie, und hoffentlich wird auch niemand von uns jemals in die Lage kommen sich so etwas von innen ansehen zu mĂĽssen.
Das Bild, das sich uns bietet, wirkt grotesk... ein bisschen wie ein schlechter LSD-Trip. Schlechte Musik Veo-Veo-weht uns entgegen. Das quietschbunte Haus trägt den Untertitel "Der total verrückte Gasthof" und verspricht "Unsinn, Flirten, Wahnsinn". Auf den ersten Blick haben die Veranstalter gar nicht mal so Unrecht... Vor den Toren des Tanzpalastes flirten sich Wahnsinnige völligen Unsinn zusammen. Soweit alle Versprechen erfüllt.
Ich wage eine Analyse des Publikums, welches sich als gerade 16, oder noch 12, aber auf 16 getrimmt (die Mädchen) bis Mitte 20, und auf potentiellem Jungfraufang (die Jungen), oder aber ab 40-mitten-im-zweiten-Frühling herausstellt. Ausreißer, eher nach unten, als nach oben, bestätigen die Regel.
Mädchen, deren dezentes Make-up so manch einen Passanten schmerzhaft an den letzten heimlichen Besuch auf der Düsseldorfer Charlottenstraße erinnern könnte, stolzieren, hintern-wackelnd, Küsschen-links-Küsschen-rechts von potentiellem Bettgespielen zum Nächsten.
"Wo ist mein Louis Vitton-Täschchen, wo ist mein Louis Vitton-Täschchen?", tönt es hysterisch von links. "In deiner Hand", möchte man rufen... aber bringen würde es ja doch nichts.
Das wirft natürlich die Frage auf, ob dieses Mädchen, geschätzte 14 Jahre alt, die Tasche in ihrer Hand wirklich nicht bemerkt, oder einfach Gott, der Welt und mir mitteilen möchte, dass sie eben ein solches Louis Vitton-Täschchen besitzt.
Beides wĂĽrde natĂĽrlich ihren ĂĽberragenden Intellekt unterstreichen... und Papas Portemonnaie.
Wir haben 9 Uhr 30, aus dem Inneren des "total verrückten Gasthofes" dröhnt: "Staffelparty! Jedes Getränk 50 Cent!"
Auf dem Balkon des Etablissements stehen dicht gedrängt feiernde Jugendliche, die lauthals grölend Cowboy-Cowboy-Veo-Veo-Aserherjejeje-Schlager singen, deren Interpreten erschossen gehören.
Der DJ, oder spaßbefreite Animateur, möchte gerne "Hintern sehen".
Pädophiles Arschloch, denke ich. Wahrscheinlich hat man es als Animateur in so einem Laden nötig Kinderhintern zu begutachten. Wenn das die Väter wüssten.
Väter ist ein gutes Stichwort, so spielt sich auf dem Balkon eine Szene ab, die mir die Galle hochtreibt. Ein Mann, der eher zur zweiter-Frühling-Fraktion gehört, versucht mit einem Mädchen anzubandeln, das gut und gerne eine Klassenkameradin seiner jüngsten Tochter sein könnte. Ich mutmaße, dass er zuhause ein Kind sitzen hat, das genauso alt wie dieses Mädchen ist, dem es aber verboten ist, sich in solchen Discos aufzuhalten... wegen den schlimmen Jungs.... und so.
Langsam wird es hier drauĂźen ruhiger. Der erste Andrang ist vorbei, nach und nach trudeln ein paar wenige NachzĂĽgler ein.
Zeit um das Gebäude noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Wände, die man im Eingangsbereich erahnen kann sind rot und blau znd grün bemalt. Schwammtechnik. Nervenaufreibend.
Durch einen mehr oder minder eleganten Sprung auf einen nahestehenden Müllcontainer gelingt es mir einen Blick durch die Balkonöffnung ins Innere zu werfen.
Ich glaub ich steh im Wald. Plastikbäume baumeln luftschlangenverhangen von der Decke, und für die ganz betrunkenen gibt es Straßenschilder an den Bäumen, deren Namen ich leider (oder doch glücklicherweise?) nicht entziffenr konnte.
Zum Schmunzeln regt viel mehr das Wachpersonal an... Schränke von Männern gucken böse durch die Gegend.
Natürlich... es braucht fünf Bodybuilder um ein 13-jähriges Kind festzuhalten...
Spannend wird es dann erst wieder gegen 12, als von innen der Ruf ertönt "So Leute, das war's, unter 18 alle raus!"
... Vor der Garderobe möchte ich jetzt nicht stehen.
Eine viertel Stunde später torkeln die ersten Kinder aus der Tür. Stolpern mit ihren, doch zu hohen, Highheels, über die, doch zu kleinen, Füße, in ihren, doch zu kurzen, Röcken.
Frieren in ihren, doch zu knappen, Jäckchen, lachen über ihre, doch zu betrunkenen, Freunde, und beweisen ihre, doch zu kurz gekommene, Reife.
Das Bild, das sich uns bietet, lässt hinter den Türen dieses "total verrückten Gasthofes" eher einen Swingerclub oder zumindest eine Singlebörse vermuten, als eine einfache Disco. Anscheinend hat jeder Topf seinen Deckel und jeder Fisch sein Fahrrad gefunden. Durchschnittlicher Altersunterschied liegt bei 7 Jahren.
Es tummeln und wummeln sich Goldkettchen- und Netzhemdenträger nebst Kindergartenschlampen auf dem Vorplatz. Erstere versuchen, in der Hoffnung auf einen schnellen Fick zu dritt, zu viert, oder mit der Katze dazu noch eben die Schlampenfreundinnen klar zu machen, die heute leider doch leer ausgegangen sind, oder aber einen "anständigen" Typen aufgerissen haben, der sie erst beim zweiten Date "aufreißen" möchte ... im wahrsten Sinne des Wortes.
GlĂĽcklich packen nun auch wir unsere Sachen und fahren mit der Gewissheit nach Hause, dass nicht wir diejenigen sind, die uns Gedanken ĂĽber unsere Lebenseinstellung, und die Art diese umzusetzen, machen sollten.
Fazit? Vor der Disco sitzen ist wie Talkshow gucken. Eine Stunde, Auge in Auge mit dem Ende der Nahrungskette steigert das SelbstwertgefĂĽhl ins Unermessliche.

(ĂĽberarbeitete Fassung)
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So etwas wie moralische oder unmoralische BĂĽcher gibt es nicht. BĂĽcher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts. (Oscar Wilde)

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jon
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Sehr bissig, manchmal echt böse (MUSSTE das mit den Interpreten, die erschossen gehören, sein? Das fand ich doch etwas zu… arrogant? bösartig? beides vermutlich) und irgendwie ziemlich gut.

PS (nicht ganz wichtig, fiel mir aber als Frage ein): Warum sitzen die Beobachter (wer ist das) vor der Disco? Ist es das erste Mal und eher Zufall? Ist es das 2. bis 5. Mal und Faszination am Grotesken? Oder passiert es regelmäßig und ist Überheblichkeit?



Zum reinen Handwerk:
* Ich mag die "…", aber hier werden sie inflationär benutzt, sind oft doch eher "."-würdig, gelegentlich auch als "–" besser in der Lese-Wirkung.
* Manche Sätze sind doch einen Tick zu verschnörkelt/verschachtelt, um noch "gut runterlesbar" zu sein.
(“Ich wage eine Analyse des Publikums, welches sich als gerade 16, oder noch 12, aber auf 16 getrimmt (die Mädchen) bis Mitte 20, und auf potentiellem Jungfraufang (die Jungen), oder aber ab 40-mitten-im-zweiten-Frühling herausstellt." / Stolpern mit ihren, doch zu hohen, Highheels, über die, doch zu kleinen, Füße, in ihren, doch zu kurzen, Röcken.
Frieren in ihren, doch zu knappen, Jäckchen, lachen über ihre, doch zu betrunkenen, Freunde, und beweisen ihre, doch zu kurz gekommene, Reife." / " Es tummeln, und wummeln sich Goldkettchen- und Netzhemdenträger nebst Kindergartenschlampen auf dem Vorplatz, die versuchen, in der Hoffnung auf einen schnellen Fick zu dritt, zu viert, oder mit der Katze dazu noch eben die Schlampenfreundinnen klar zu machen, die heute leider doch leer ausgegangen sind, oder aber einen „anständigen“ Typen aufgerissen haben, der sie erst beim zweiten Date „aufreissen“ möchte ... im wahrsten Sinne des Wortes.")


* bei Gelegenheit mal korrigieren:

… stolzieren, hintern-wackelnd, küssen küsschen(?) -links-küsschen-rechts eigentlich: Küsschen-links-Küsschen-rechts von potentiellem Bettgespielen zum Nächsten.
„Wo ist mein Louis Vitton-Täschchen, wo ist mein Louis Vitton-Täschchen?“KOMMA tönt es hysterisch von links. „In deiner Hand“KOMMA möchte man rufen...
… nicht bemerkt, oder einfach Gott, der Welt, Kein Komma und mir mitteilen möchte,
…

Väter ist ein gutes Stichwort, so spielt sich, kein Komma auf dem Balkon,KeinKomma eine Szene ab, die mir die Galle hochtreibt. Ein Mann, der eher zur zweiter-Frühling-Fraktion gehörtKOMMA versucht mit einem Mädchen anzubandeln, das gut und gerne …
…Zum schmunzeln Schmunzeln regt viel mehr das Wachpersonal an...
…
Spannend wird es dann erst wieder gegen 12, wenn oder doch "als", weil es keine Vorschauh auf 12 Uhr ist sondern „jetzt“ passiert von innen
…
Das Bild, das sich uns bietetKOMMA lässt hinter den Türen dieses „total verrückten Gasthofes“ eher einen swingerclubSwingerclub,keinKOMMA oder zumindest eine Singlebörse vermuten, als eine einfache Disco. Anscheinend hat jeder Topf seinen Deckel,kein KOMMA und jeder Fisch sein Fahrrad gefunden. Durchschnittlicher Altersunterschied liegt bei 7 Jahren.
Es tummeln,kein KOMMA und wummeln sich Goldkettchen- und Netzhemdenträger nebst Kindergartenschlampen auf dem Vorplatz, die versuchen, in der Hoffnung auf einen schnellen Fick zu dritt, zu viert, oder mit der Katze dazu noch eben die Schlampenfreundinnen Hier ist m.E. im Satz-Geschachtel der grammatikalische Bezug etwas abhanden gekommen: Es bedarf erheblicher Konzentration, um rauszufinden, wer hier wen klar macht. klar zu machen, die heute leider doch leer ausgegangen sind, oder aber einen „anständigen“ Typen aufgerissen haben, der sie erst beim zweiten Date „aufreissen“aufreißen möchte ... im wahrsten Sinne des Wortes.
Glücklich packen nun auch wir unsere Sachen,kein KOMMA und fahren mit der Gewissheit nach Hause, dass nicht wir diejenigen sind,… Disco sitzen ist wie Talkshow gucken. Eine StundeMoooment! Allein von 9.30 (Staffelparty), was ja deutlich nach dem Beginn des Zuguckens ist, bis 12, was deutlich vor Ende des Zugucken ist, sind es schon 2,5 Stunden – welche Stunde ist gemeint? , Auge in Auge mit dem Ende der Nahrungskette steigert das Selbstwertgefühl ins unermesslicheUnermessliche.

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Wer nachsehen möchte: Textarbeit passierte auch in in diesem Thread.
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Hallo jon, danke fĂĽr deinen Kommentar.
Du hast Recht, ich benutze die drei Punkte wirklich zu oft, da verlieren sie irgendwann ihre Wirkung.

Das ganze basiert auf einer wahren Begebenheit. Ich saß also wirklich mit Freunden vor so einer Disco. Aber hätte ich die ganzen Umstände, die dazu führten, noch großartig beschrieben, wäre ich zu sehr vom Kern abgekommen. Denn der waren ja die Skurrilitäten, die sich da zugetragen haben.

"Disco sitzen ist wie Talkshow gucken. Eine Stunde , Auge in Auge mit dem Ende der Nahrungskette steigert das SelbstwertgefĂĽhl ins Unermessliche.
Moooment! Allein von 9.30 (Staffelparty), was ja deutlich nach dem Beginn des Zuguckens ist, bis 12, was deutlich vor Ende des Zugucken ist, sind es schon 2,5 Stunden – welche Stunde ist gemeint?"

Die Zeitangabe "eine Stunde" bezog sich nicht auf die Zeit, die wir vor der Disco verbracht haben, sondern auf die Talkshow. Die dauern ja so gut wie immer eine Stunde.

Das mit den ineinander verschachtelten Sätzen versuch ich abzuschalten. Das passiert mir leider ziemlich oft.

... und ich sollte mir anscheinend definitiv nochmal die Komma-Regeln durchlesen.

(deine Verbesserung werd ich sofort im ersten Text korrigieren, danke nochmal.)
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