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Leselupe.de > Kindergeschichten
Ein Apfelbaum sucht ein zu Hause
Eingestellt am 17. 12. 2001 00:16


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eira
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

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Ein Apfelbaum sucht ein zu Hause


Inmitten eines kleinen Gartens, direkt am Waldrand, stand seit vielen, vielen Jahren ein alter Apfelbaum. Gro├čvater hatte ihn gepflanzt, als er noch jung war und ihn gehegt und gepflegt. Jahr f├╝r Jahr trug er saftige ├äpfel und es war immer eine reiche Ernte gewesen. An einem seiner starken ├äste hatte der Gro├čvater eine Schaukel angebracht und die Kinder jauchzten vor Vergn├╝gen, wenn sie sich hoch in die L├╝fte schwangen.
Im Ge├Ąst hatten sich die kleinen V├Âgel ihre Nester gebaut. Es war ein Zwitschern und Trillern den ganzen Tag. Seine gro├če, dichte Laubkrone spendete Schatten, wer sich auch immer auf die blaue Bank zu seinen F├╝├čen setzte und die Bl├Ątter fl├╝sterten dann die sch├Ânsten Geschichten aus seinem langen Baum-Leben.
Jetzt aber war es still in dem kleinen Garten geworden. Die Kinder kamen nicht mehr, sie waren l├Ąngst erwachsen und fortgezogen. Die Schaukel baumelte lustlos im Wind und der Apfelbaum begann sich zu langweilen. Er beklagte sich bei den V├Âgeln und Schmetterlingen:
"Seit die Kinder nicht mehr da sind, ist es hier gar nicht mehr sch├Ân. Nichts Aufregendes passiert mehr. Wozu noch immer die schweren ├äpfel tragen. Ich mag das nicht mehr tun! Das ist alles so langweilig hier. Immer muss ich am selben Platz bleiben. Ihr k├Ânnt ja hier und da hinfliegen und euch die Welt ansehen, euch macht das nichts aus!"
Eine kleine Meise sprach zu ihm: "Sei doch nicht so unzufrieden, lieber Freund. Glaub mir, du hast den sch├Ânste Platz in der ganzen Gegend. Viele deiner Br├╝der und Schwestern w├╝rden dich darum beneiden."
Aber der Apfelbaum grollte und zog sich m├╝rrisch zur├╝ck, und so blieb es den ganzen Sommer ├╝ber.

Eines Abends sa├čen der Gro├čvater und die Gro├čmutter auf der blauen Bank unter dem alten Baum und sie wunderten sich. Dieses Jahr trug er nur vier ├äpfel und einen davon hatte er sogar abgeworfen! Was war denn nur los mit ihm? Vielleicht war der Baum schon zu alt und zu m├╝de? Im Fr├╝hjahr sollte man ihn vielleicht f├Ąllen und ein junges B├Ąumchen pflanzen, meinte der Gro├čvater. Sie pfl├╝ckten die ├äpfel und machten sich nachdenklich auf den Heimweg.
Der alte Baum aber erschrak sehr und er konnte es kaum erwarten, bis es Morgen wurde und die V├Âgel erwachten. Ihnen sch├╝ttete er sein Herz aus und er war sehr aufgeregt dabei.
"Jetzt soll ich sogar sterben, weil man meint, ich w├Ąre zu alt!
Nein, hier bleibe ich nicht. Ich werde mir einen besseres zu Hause suchen!" sprach er und war entschlossen zu gehen. Niemand konnte ihn davon abhalten und schweren Herzens verabschiedeten ihn seine Freunde und w├╝nschten ihm viel Gl├╝ck auf seinem Weg.
Der Apfelbaum riss m├╝hsam seine tiefen Wurzeln aus dem Erdreich und verletzte sie dabei ziemlich schlimm. Aber das war ihm egal. Er war fest entschlossen, sein Gl├╝ck zu suchen. Die Wunden w├╝rden schon wieder heilen.

Doch welche Richtung sollte er nun einschlagen? Am liebsten w├╝rde er zu seinen Br├╝dern und Schwestern gehen, von denen die kleine Meise gesprochen hatte. Der Wald hinter dem Garten? Nein, das war ihm zu nah. Jetzt wollte er in die weite Welt hinaus!
Nach vielen Tagen einsamer Wanderschaft kam er in einen tiefen Wald. Hier wollte er bleiben, zusammen mit den anderem B├Ąumen. Sie sahen anders aus als er, hatten alle ein Nadelkleid. Der Apfelbaum begann sich zu sch├Ąmen. Er stand ganz nackt vor ihnen, denn die Herbstst├╝rme hatten ihm schon alle seine Bl├Ątter entrissen. Am liebsten w├Ąre er gleich weiter gegangen. Doch er war so m├╝de und so begann er sich niederzulassen.
Es wurde ein sehr kalter Winter und in dieser Gegend war es besonders frostig. Jeder Ast, jeder Zweig war mit dicken, glitzernden Eiskristallen besetzt. Der Apfelbaum war solche Temperaturen gar nicht gew├Âhnt und er fror f├╝rchterlich. Auch die Tiere litten unter der eisigen K├Ąlte und fanden nichts zu fressen.
Rehe und Hirsche zogen durch den Wald und entdeckten pl├Âtzlich den Apfelbaum! Oh, das war ein Gl├╝ck f├╝r sie, denn seine Rinde war zart und sehr schmackhaft. Der Baum lie├č seine ├äste furchterregend knacken und krachen, aber die Rehe und Hirsche vertrieb er damit nicht. Ihr Hunger war zu gro├č. Da weinte der Baum bitterlich, als die vielen, hungrigen M├Ąuler an seinem Stamm nagten und h├Ąssliche kahle Stellen hinterlie├čen.
Des Nachts fiel eine Horde Wildschweine ├╝ber ihn her, w├╝hlte nach seinen zarten Wurzeln und der arme Apfelbaum konnte sich gegen sie genau so wenig wehren, wie gegen die Rehe und Hirsche zuvor. Wie sehr w├╝nschte er sich jetzt zur├╝ck in den kleinen Garten, zu Gro├čmutter und Gro├čvater. Da gab es einen Zaun, der ihn sch├╝tzte und so kalt war es auch nicht. Aber dort sollte er ja der Axt zum Opfer fallen. Nein, zur├╝ck konnte er nicht!
In dieser grauenvollen Nacht beschloss er, weiter zu ziehen, schlie├člich wollte er sich nicht auffressen lassen!. Der Wald war nicht gut f├╝r einen Apfelbaum. Es musste einen besseren Platz f├╝r ihn geben!

Mehrere Wochen ging er so durch W├Ąlder und versuchte, die schrecklichen Erlebnisse zu vergessen, bis er in eine Stadt kam. Oh ja, hier war es interessant! Die vielen gro├čen und kleinen Leute, die bunten Autos - das w├╝rde nicht langweilig werden und Wildschweine, Rehe und Hirsche kamen nicht in die Stadt. Er stellte sich in eine Pappel-Allee und beobachtete das bunte Treiben um sich. Nach einiger Zeit bemerkte er allerdings, dass weder die Pappeln noch er, von den Menschen beachtet wurden. Niemand freute sich ├╝ber die B├Ąume, keiner machte Rast in ihren Schatten. Alle hasteten die Allee entlang, ohne sich auch nur umzusehen. Die Stadtmenschen h├Ątten nie Zeit und Ruhe w├╝rden sie sich auch nicht g├Ânnen, erz├Ąhlten ihm seine neuen Freunde. Das fand der Apfelbaum sehr merkw├╝rdig und er dachte an Gro├čvater und Gro├čmutter. Von den beiden Alten ist er immer bewundert worden und man hatte sich um ihn gesorgt. Er erinnerte sich an lange Sommerabende, als die beiden bei ihm auf der Bank sa├čen und seinen wispernden Ge
schichten lauschten... und der Baum wurde traurig.
Am n├Ąchsten Tag, in aller Fr├╝he, kamen pl├Âtzlich Bagger und ein Kran die Allee hinauf gefahren. Die Pappeln rechts und links neben ihm, begannen zu zittern. Das taten sie sowieso recht h├Ąufig und wurden deshalb Zitterpappeln genannt. Aber dieses mal hatten sie allen Grund dazu. Sie h├Ątten es gewusst, jammerten sie. Eines Tages m├╝sse jeder Baum diese Stadt verlassen, den Platz r├Ąumen, f├╝r noch mehr H├Ąuser. Jetzt w├╝rde man Kaminholz aus ihnen machen...
Dem Apfelbaum fuhr der Schreck in die Glieder und so schnell er konnte, suchte er das Weite. Nein, sein Leben war ihm lieb, als Kaminholz wollte er nicht enden und gefallen h├Ątte es ihm auf Dauer in der Stadt sowieso nicht, wo er nicht beachtet w├╝rde.
Er lief weiter und weiter, immer noch auf der Suche nach einem neuen zu Hause. Seine Wurzelf├╝├če waren vom vielen Laufen schon ganz wund, denn daf├╝r waren sie ja gar nicht geschaffen. So langsam meldeten sich leise Zweifel. Ob er, als er den Garten verlie├č, nicht vielleicht doch einen Fehler gemacht hatte? Aber nein, beruhigte er sich, so langweilig wollte er einfach nicht leben!

Unser Apfelbaum schleppte sich m├╝hsam weiter. Nirgends wollte es ihm so recht gefallen. Eines Tages f├╝hrte ihn sein Weg zur Autobahn. Viele Fahrzeuge flitzten an ihm vorbei! Das war aber spannend! Er stellte sich neben eine kleine Birke und begann ein Gespr├Ąch:
"Ich muss schon sagen, du hast dir ein sehr interessantes Pl├Ątzchen ausgesucht. Hier gef├Ąllt es mir auch, hier werde ich bleiben,"
"Ohje, ich glaube, dass wirst du dir sicher noch mal ├╝berlegen. Du kennst das Leben hier doch gar nicht. Interessant mag es f├╝r den ersten Augenblick sein, aber daran gew├Âhnt man sich und morgen ist das alles schon nicht mehr neu. Dann st├Ârt der L├Ąrm gewaltig. Tag und Nacht brummen und knattern die Wagen an dir vorbei, kein Auge kannst du zu machen. Der Staub l├Ąsst dein Bl├Ątterkleid h├Ąsslich und grau werden, du drohst zu ersticken! Und immer die Angst, es k├Ânnte dich vielleicht ein Auto umfahren... Ich habe es mir wahrlich nicht ausgesucht, hier am Stra├čenrand zu stehen. Bin als Samen vom Wind hier her geweht worden und angewachsen. Die Gegend gef├Ąllt mir keineswegs, aber nun bin ich fest verwurzelt und so bleibe ich auch an diesem Ort.
Aber sag, wo kommst du denn her! Einen Apfelbaum an der Autobahn habe ich noch nie gesehen."
Da seufzte der Apfelbaum und begann seine Geschichte zu erz├Ąhlen. Und als er so den kleinen Garten mit der gr├╝nen Wiese und den bunten Blumen beschrieb, bemerkte er, wie sch├Ân er in seiner Erinnerung war. Er sprach von den lustigen V├Âgeln, die in seinem Bl├Ątterhaus gewohnt hatten und Lieder f├╝r ihn sangen. Wie sehr vermisste er sie. Doch als er von Gro├čvater und Gro├čmutter erz├Ąhlte, konnte er die Tr├Ąnen nicht zur├╝ckhalten. Er hatte solche Sehnsucht!
Mit gro├čen, gl├Ąnzenden Augen hatte die kleine Birke dem Apfelbaum staunend zugeh├Ârt und sprach:
"Dein Garten muss der sch├Ânste Platz auf der ganzen Welt sein! Ich w├╝nschte, dort leben zu k├Ânnen. Geh' zur├╝ck dort hin, es ist dein zu Hause! Trag w├╝rdig deine ├äpfel, ├╝ppig wie jedes Jahr und freue dich an den sch├Ânen Dingen. Um das F├Ąllen w├╝rde ich mir keine allzu gro├čen Sorgen machen, die beiden Alten h├Ąngen doch an Dir. Sie haben ihr halbes Leben mit dir verbracht und es t├Ąte ihnen sicher weh, sich von dir zu trennen."
Ger├╝hrt umarmte der alte Baum die junge Birke. Sie hatte ihm aus dem Herzen gesprochen. So f├╝hlte er eigentlich schon eine geraume Zeit. Mit seinem Dickkopf aber, hatte es sich das nicht eingestehen wollen. Jetzt wusste er, was zu tun war. Er verabschiedete sich von der Birke und bedankte sich f├╝r den klugen Rat. Nach Hause, in seinen Garten, dahin w├╝rde er nun gehen!


Nie zuvor sah man den alten Apfelbaum so gl├╝cklich inmitten des Gartens stehen. Und langweilig fand er sein Leben ├╝berhaupt nicht mehr. In seinem Ge├Ąst tummelten sich wieder die V├Âgel, er sah den Schmetterlingen zu, wie sie von Bl├╝te zu Bl├╝te flatterten, unterhielt sich mit den Gr├Ąsern und Blumen ├╝ber das Leben und wusste, was er doch eigentlich f├╝r ein Gl├╝ck hatte, in diesem Garten wohnen zu d├╝rfen.
Im Fr├╝hling bl├╝hte er aus voller Kraft, so dass sich Gro├čmutter und Gro├čvater sehr wunderten! Dieses Jahr w├╝rde er f├╝r die reichste Apfelernte sorgen, die es je gegeben hatte.


Er war noch nicht zu alt und das w├╝rde er beweisen.

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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einfach

wundersch├Ân. eine geschichte, die kraft gibt. kommt in meine sammlung. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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Monika M.
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

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Da kann ich mich nur anschlie├čen, eine wunderbare Geschichte, besinnlich, aber kein allzu erhobener Zeigefinger. Viele Gr├╝├če
Deine Monika
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Der erste Schritt seinen Traum zu verwirklichen ist - aufzuwachen...

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