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Leselupe.de > Ungereimtes
Ein Blindenalltag
Eingestellt am 23. 09. 2003 16:09


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Inge Anna
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Ein Blindenalltag

Den wei├čen Stock fest in der Hand,
am Arm das gelbe Blindenband;
so wagt er sich ins Stadtgew├╝hl,
mit jenem mulmigen Gef├╝hl,
dass ihn ein Hindernis belehrt,
was er in dieser Welt entbehrt.

Allein, er m├Âchte nicht verzagen;
auch and're m├╝ssen Schweres tragen.
Drum rei├čt er tapfer sich zusammen,
l├Ąsst von der Ungeduld sich rammen;
denn hastende Passanten sind
oftmals vor lauter Eile blind.

Zur Haltestelle ist's nicht weit,
er hat noch zehn Minuten Zeit.
Welch Gl├╝ck, die Ampel funktioniert,
ward erst vor kurzem installiert.
Ein L├Ącheln schenkt er allemal
dem stets hilfreichen Tonsignal.

Wartend steht er an der Bahn,
unwirsch flaumt ein Kerl ihn an,
forscht ohne Takt, seit wann er blind
und duzt ihn wie ein kleines Kind.
Matthias h├Ąlt den Stock bei Fu├č;
doch aufgepasst, schon naht der Bus.

Jemand zerrt ihn am Jacket,
zu einem freien Platz - wie nett!
Dicht hinter ihm das alte Lied:
"Schlimm muss es sein, wenn man nichts sieht!"
Die Tonart ist ihm l├Ąngst vertraut,
un├╝berh├Ârbar, peinlich laut.

Jeder Halt wird angesagt,
was ihm zweifellos behagt.
So steigt er aus, mit wenig Hast,
f├Ąllt seiner Umwelt nicht zur Last;
f├╝hlt sich jetzt irgendwie beschwingt,
neugierig, was der Tag ihm bringt.

Er hat ein Schuhgesch├Ąft gefunden,
dort zeigt man sich kurz angebunden;
man l├Ąsst ihn steh'n, zieht and're vor,
er wahrt indessen den Humor
und harret mit der Kraft der Ruhe
geduldig aus um ein Paar Schuhe.

Endlich schlurft mit plumpem "Du"
ein Verk├Ąufer auf ihn zu;
jenseits aller H├Âflichkeit
macht sich schlechte Laune breit.
Rasch muss der Blinde sich entscheiden,
um noch mehr Ärger zu vermeiden.

Er kauft die s├╝ndhaft teu'ren Treter,
verstaut im Rucksack sie, dann geht er.
Der neue Anzug muss nicht sein,
doch im "Laternchen" ein Glas Wein,
f├Ąnde er jetzt wunderbar:
Vor Freude kr├Ąuselt sich sein Haar.

Es ist sein letzter Urlaubstag,
er denkt an Lia, die er mag;
zielstrebig schreitet er nun aus,
und in "Elviras Blumenhaus"
sind seine W├╝nsche kein Problem:
Die Rosen duften angenehm.

Sehr behutsam, mit Bedacht,
reicht man ihm die Bl├╝tenpracht.
Matthias muss sich konzentrieren,
mit Stock und Blumen zu hantieren;
jedoch, er meistert diese H├╝rde,
voller Eifer und mit W├╝rde..

Einkaufstaschen, Kinderwagen,
Gedr├Ąnge, leichtes Unbehagen.
"Stufe!" br├╝llen ein paar Laffen,
die ihn offenbar begaffen;
doch diesmal steht er nicht im Regen,
denn Lia eilt ihm froh entgegen.

__________________
Die ├╝ber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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Vera-Lena
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zwei Dinge

Liebe Inge Anna,

das alles ist sehr, sehr schlimm. Zwie Dinge gibt es dazu zu sagen:
1. Andere Menschen werden wegen anderer Dinge schlecht behendelt z.B. Ausl├Ąnder.
2. Die Menschen sind nun einmal so, in das, was sie selbst nicht kennen, wollen sie sich nicht hineinversetzen.

Es ist gut, dass Du diesen Text geschrieben hast. Er sollte in s├Ąmtlichen Tageszeitungen ver├Âffentlicht werden!!! Manchmal n├╝tzt es ja doch etwas, solchen Leuten einen Spiegel vor zu halten.

Ganz liebe Gr├╝sse Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Inge Anna
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Aus eigener Erfahrung

Liebe Vera-Lena,
ich habe ├ähnliches selbst erlebt und wollte es jetzt einmal niederschreiben. Eine Behinderung zu meistern, verlangt den Betroffenen oft das ├äu├čerste an Mut und Kraft ab. Ich bin nicht wenig stolz darauf, trotz meines Sehverlustes den Weg gegangen zu sein, den ich gehen wollte.
Ich Danke Dir herzlich f├╝r Deinen Kommentar und w├╝nsche Dir eine gute Zeit.
Liebe Gr├╝├če kommen von
Inge Anna
__________________
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(Heinrich Heine)

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Vera-Lena
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Liebe Inge Anna,

darauf kannst Du auch mit Recht sehr stolz sein, und ich gratuliere Dir, dass Du Dir diese Dinge vom Herzen schreiben konntest! M├Âgen Dir nun auch die Lieben und Guten, die es schlie├člich auch gibt, auf Deinem Weg begegnen!

Ganz herzlich Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Brigitte
Autorenanw├Ąrter
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Liebe Inge-Anna,

Sehr treffend geschildert, und leider ist es so, auch ich spreche da aus Erfahrung, weil ich selbst nur noch einen geringen Sehrest habe und mein Mann u. Papa v├Âllig blind sind. Aber die Wirklichkeit ist leider so, und ich finde das sehr traurig, denn JEDEM kann es passieren, dass ihm etwas zust├Â├čt, und er dadurch auch behindert werden kann. Aber daran denkt keiner, wenn er einen Behinderten verh├Âhnt.
Aber zum Gl├╝ck sind ja nicht alle Menschen so.

Dir alles Gute
LG Brigitte
__________________
Brigitte

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist f├╝r das Auge unsichtbar.

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Liebe Inge Anna,

ich habe bei diesem Gedicht ein Problem mit der Form.

Sie ist dir gelungen und gut durchgehalten; aber der Rhythmus pa├čt nicht zu einem so ernsten Thema, er w├Ąre eher geeignet f├╝r ein humoristisches Gedicht - in der Tat habe ich eine Wendung ins Scherzhafte oder Ironische fast erwartet, wobei mir nat├╝rlich klar war, da├č es darum nicht geht.

Oder stehe ich damit allein?

Gru├č,
Gabi

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