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Leselupe.de > Horror und Psycho
Ein Brief an die Menschen
Eingestellt am 03. 01. 2004 17:10


Autor
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Jarolep
???
Registriert: Dec 2003

Werke: 24
Kommentare: 59
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Wir sind alt. Wir werden schon alt geboren. Unsere Kinder schauen in diese Welt mit ihren gro├čen grauen Augen, doch keine fr├Âhliche Ungeduld auf das beginnende Leben ist darin. Eine Traurigkeit, eine Sehnsucht, eine unendliche Weisheit in diesen Kinderaugen lassen die Stimmen verstummen und Menschen von der Wiege unserer Kinder zur├╝ckweichen. So bleiben sie allein. Die Kinder mit alten Augen.
Wir sind Einzelg├Ąnger. Wir kommen ├╝berall hin, wir sitzen auf allen Festen und bleiben allein. Wir gehen allein.
Wir sind begabt, wir k├Ânnen und wissen alles, weil wir so alt sind. Wir malen f├╝r Euch Bilder, wir schreiben f├╝r Euch Romane, wir reisen f├╝r Euch und erz├Ąhlen Euch alles, was wir gesehen haben. Denn es ist nicht Euer Blut, wonach wir trachten. Es ist das Feuer in Euren Augen, denn unser ist erloschen.
Wir haben feine Haut und zarte Glieder. Wir m├Âgen die Sonne, aber sie w├Ąrmt uns nicht. Wir m├Âgen das Licht, aber es durchdringt nicht die Dunkelheit, in der wir leben. Wir wirken zerbrechlich, aber in Wirklichkeit haben wir gro├če Kraft. Das ist die Kraft unseres Geistes.
Kraft und Macht. Wir haben die Macht ├╝ber Euch, wir haben sie nicht gewollt. Wir ziehen Euch an und sto├čen gleichzeitig ab. Wir sind ein altes Volk. Ihr sucht unsere Weisheit, ihr m├╝sst es tun, wir suchen Eure Seele.
Wir k├Ânnen nicht weinen, es gibt nichts, was uns so stark bewegt. Wir haben schon alles gesehen. Aber wir k├Ânnen lachen. B├Âse und bitter. Wir sind gebildet und klug, wir k├Ânnen Euch zum Lachen und Weinen bringen, denn das, wonach wir trachten, ist das Feuer in Euren Augen.
Ihr habt Angst vor uns. Von dieser Angst leben wir, denn auch sie kann man sehen. Ihr z├Âgert, uns die Hand zu geben. Bleibt unbesorgt! Wir brauchen Eure Hand nicht. Ihr z├╝ndet Kerzen an und fl├╝stert Zauberspr├╝che, die uns fernhalten sollen. Das Kerzenlicht ist sch├Ân. Es verwischt die Farben und Formen dieser Welt und verwandelt sie in einen leisen Traum ohne Emotionen. Die Welt im Kerzenlicht ist nicht Eure. Eure Zauberw├Ârter? Eure Zauberw├Ârter sind unsere Sprache:ÔÇ×Ateh, Malkuth, VegeburraÔÇŽÔÇť. Wir f├╝rchten uns vor diesen W├Ârtern nicht, das ist unser Lied. Es erz├Ąhlt von unserer Hoffnung, das Gef├╝hl vom Zuhause erleben zu d├╝rfen. Wir f├╝hlen nichts. Wir h├Âren Euch aufmerksam zu, wenn Ihr ├╝ber Eure Familien redet. Wir versuchen, uns vorzustellen, wie das ist, gl├╝cklich zu sein, und schauen Euch dabei in die Augen und suchen nach dem Feuer darin. Denn das ist es, wonach wir trachten.
Manche denken, das Kreuz kann sie besch├╝tzen. Wir selbst suchen das Kreuz auf, fahren mit unseren d├╝nnen H├Ąnden dar├╝ber und reden mit ihm. Denn im Kreuz treffen sich Himmel und Erde, das Menschliche und das G├Âttliche. Irgendwo auf diesem Weg liegt unser Ursprung. Nicht das Pentagramm ist unser Zeichen, wie Ihr denkt. Denn der f├╝nfte Strahl des Pentagramms steht f├╝r die Seele, und die besitzen wir nicht.
Sind wir gefallene Engel, sind wir Kinder der H├Âlle? Das wissen wir nicht. Wir leben zu lange unter Euch.
Noch wissen wir, was Liebe ist. Wir lieben unsere Kinder. Wir lieben diese Welt. Wir leben gierig, ekstatisch, und k├Ânnen nicht aufh├Âren, aus der Quelle des Lebens zu trinken. Wir strecken unsere H├Ąnde zum Himmel, wir tanzen mit dem Wind, wir h├Âren dem endlosen Fl├╝stern des Meeres zu. Wir m├Âgen nicht, wenn Ihr uns dabei zuseht. Wir ziehen uns zur├╝ck, wir sch├Ąmen uns. Denn unsere Art der Liebe ist nicht die Eure. Das ist nicht das Geben, das ist das Nehmen.
Wir heiraten Eure Frauen und M├Ąnner, wir zeugen Kinder mit Euch. Diesen Kindern schauen wir in die Augen: sind sie unendlich und kalt, geh├Ârt das Kind uns, sind sie erleuchtet, geh├Ârt es der Menschheit. Wir freuen uns dar├╝ber. Wir hoffen, dass wir so aus dem Kreis der Verdammnis kommen. Aber bisher hat sich das Gleichgewicht gehalten, und die H├Ąlfte der n├Ąchsten Generation wird unseren Weg gehen.
Wir sind nicht unsterblich. Wir k├Ânnen nur nicht sterben, weil wir schon tot sind.
Wir sind, was wir sind. Bitte, verzeiht uns!

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mye
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

Werke: 37
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hallo

eine wirklich gute idee.. hat mir gefallen, weil es mal was anderes war.

lieben gru├č

mye
__________________
man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

www.moviereporter.net

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Minds Eye
Guest
Registriert: Not Yet

Das ist gro├čartig. Gef├Ąllt mir wirklich sehr.
Zwei kleinere Anmerkungen:
ekstatisch (!)
M├Ąrchen des Meeres (Wei├č nicht, ob das Absicht ist, aber die W├Ârter ├Ąhneln sich beim lauten Lesen doch sehr. Fl├╝stern o.├Ą. f├Ąnd ich pers├Ânlich besser.)
Nichtsdestotrotz eine spontane H├Âchstwertung meinerseits.
Gr├╝├če,
ME.

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Jarolep
???
Registriert: Dec 2003

Werke: 24
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Minds Eye

Hallo, Minds Eye,

Danke f├╝r die Bewertung. Sorry f├╝r die Fehler. Die Geschichte ist auch spontan entstanden, daher an manchen Stellen - na ja, nicht ganz so 100-prozentig.
"M├Ąrchen" oder "Fl├╝stern"? Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen.

Vielen Dank!

jarolep

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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 73
Kommentare: 552
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Hi Jarolep,
sch├Âner Dialog, der M├Âglichkeiten aufwirft. Bin ein wenig beim Zeugen der Kinder mit den Menschen h├Ąngen geblieben. Da ich nicht versuchen m├Âchte, deinen Text zu interpretieren, bleibt mir nur, das Bild zu sehen, da├č du zeichnest: eine in gewisser Weise integrierte Gesellschaft von Toten in eine Welt der Lebenden. Der soziale Aspekt, hier allein schon durch den Dialog, dann durch die gemeinsamen Handlungen, gibt diesem "brief" eine gewisse Modernit├Ąt, Toleranz etc.

Sch├Ân gemacht, Gruss Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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Buffy
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2003

Werke: 52
Kommentare: 156
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Ein interessanter Brief

Hat mir sehr gut gefallen und ich habe ihn mit Freude gelesen.
Gru├č Buffy
__________________
Bin nie falsche Wege gegangenDie Umwege haben mich gepr├Ągtc.by KW

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