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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Dialog über die Tatsache
Eingestellt am 03. 05. 2004 19:48


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LittleStar
Hobbydichter
Registriert: May 2004

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Es war ein sonniger, angenehmer Tag, an dem ich mich neben sie ins Gras setzte. Ich lehnte mich zurück , bis ich über mir den Himmel sah und betrachtete dann ihr Gesicht neben mir durch die Grashalme, wie durch einen Rahmen. „Kennst du das Gefühl wenn du im Halbschlaf liegst und einzelne Sinneseindrücke dich kurzzeitig aufwecken?“ fragte sie mich. Ich sah mich sofort an Nächte erinnert , in denen mich ein Geräusch, oder sei es ein Duft, eine Impression, irgendetwas in der Art aus einem unruhigem Halbschlaf weckte , ich jedoch sofort wieder einschlief, ohne diesen Eindruck in seiner wahren Gestallt erfassen zu können. „So geht es jedem“ antwortete ich ihr. „Ja, vielleicht. Vielleicht hast du Recht. Mir geht es ja auch so. Wenn ich wach bin.„ Ich schwieg und wollte nicht verstehen was sie mir sagen wollte, sondern weiterhin die Sonne auf meiner Haut spüren und aus Grashalm kleine Kästchen legen. Ich wälzte mich auf den Bauch und fühlte mich sehr gut. Nach einer Pause, die sich dehnend in unsere Mitte fraß, fuhr sie fort. „Ich sehe Dinge, die , sobald ich sie fixiere verschwinden, fühle Berührungen, die mich aufschrecken lassen, rieche Lufthauche die mich an ein fernes Leben erinnern und höre, wie man mich nach einem Namen ruft, der mir nicht fremd ist, aber nicht der ist, den du kennst..“ Während ich ihr in die Augen schaute und den schneidenden Ernst erkannte, den sie enthüllten , fragte ich mich welcher Geisteskrankheit ich ihre Spinnereien zuzuordnen hatte. Meinen Zweifel erkennend, verdüsterten sich ihre Augen. „Ich kann es dir nicht bewiesen, muss ich es?“ Irgendetwas in ihrer Stimme betäubte meinen , sich sträubende Ratio und eine Gewissheit schoss durch meinen Körper schneller als durch meinen Geist, der ihr Glauben schenkte. „Endlich fand ich wonach ich suchte“ fuhr sie fort “ Ich kann nicht aufwachen, ich träume alles, für mich war alles so echt, aber nicht wahrhaftig. Jetzt wo ich dass weiß kann ich etwas tun.“ „ Aufwachen?“ „Nein, das schaffe ich nicht. Etwas scheint mich gefangen zu halten, ich kann oder soll nicht heimkehren, nicht aufwachen. Ich habe versucht dagegen anzukämpfen, doch es bringt nichts. Betrachte ich einen Grasshalm, eine Blüte, eine Feder oder ein Reh so fühle ich mich zu ihm mehr zugehörig als zu jedem Menschen zuvor“ Tief beschämt pustete ich die Grasshalme fort, die ich bis eben wahllos aus der Wiese gerissen hatte. Langsam zog sie einen sehr filigranen Dolche, der in ihrer breiten Hand beinahe ironisch anzuschauen war, aus ihrem Ärmel und begann mit steinernem Gesicht, sich die Wade aufzuschneien, so dass der Knochen sichtbar wurde. Blut lief ihr über den Dolchgriff über die Hand und sammelte sich in den Fingerzwischenräumen, lief unter ihre Nägel und bildete dort Muster. Etwas Blut von ihrer Hand tropfte auf die Stelle im Grass, an der ich eben noch kleine Grashalme gepflügt hatte. Ich fragte mich, wie es sich wohl angefühlt hätte , wenn der Tropfen statt auf den Boden auf meine Haut gefallen wäre. „Macht es dir etwas aus, dass es dich eventuell nur in meinem Traum gibt?“ fragte sie mich und schaute mir tief in die Augen. An ihrem Gesichtsausdruck erkannte ich, dass sie eine Antwort auf ihre Frage dort gefunden hatte und so schwieg ich, da ich ihre Frage nicht verstehen wollte und daher auch nichts zu erwidern wusste. Akribisch fuhr sie fort, sich tiefe Linien in das Fleisch zu schneiden, beginnend mit den Beinen, über die Arme, den ganzen Körper. Erstaunlich wenig Blut floss in das Grass, und ich konnte beinahe die verschiedenen Gewebeschichten ihres Körpers erkennen.. „Tut das nicht weh?“ fragte ich sie. Gepresst stieß sie ein“ Natürlich, dir würde es genauso wehtun“, hervor. „Warum tust du es dann?“ fragte ich weiter „ Verstehst du nicht? Ich kann hier an nichts mehr glauben. Ich muss mich befreien. Mein Geist strebt schon lange fort.“ „Wirst du sterben?“ durchbrach ich einen Augenblick des Schweigens.„ Nein, das denke ich nicht. Es ist wie eine Geburt.“ eine Träne ergoss sich über ihre Wange und wurde von ihrer Dolchklinge nachgezeichnet. Während ich dalag und sie betrachtete, kam sie mir zum erstenmal schön vor, ein inneres Leuchten ging von ihr aus. „Geh jetzt bitte“ forderte sie . Ich stand auf und ging, ohne zurückzuschauen. Innerhalb kürzester Zeit vergaß ich sie, doch immer , wenn ich barfuss über die Wiese lief, hatte ich etwas Blut an den Füssen.

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