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Leselupe.de > Science Fiction
Ein Drehtag Erde
Eingestellt am 28. 01. 2006 11:39


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RobertZobel
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2006

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Die Sonne agiert als Scheinwerfer in diesem Film. Genau abgestimmt auf Tag und Sommer. Der Regisseur bestand darauf die ganze Sache im FrĂŒhjuli spielen zu lassen. So hat man die weiße GlĂŒhbirne mit einer gelben Folie bekleidet und nimmt sie dann erst ab, wenn es Nacht und die Birne umgehĂ€ngt wird.
Die Decke ist blau bemalt und in den Tagsequenzen lĂ€sst man Wattebausche an Angelsehne durch das Studios fliegen. Je nach Anforderung sind sie dunkel, treten in Trauben auf oder bestehen aus einem riesigen StĂŒck.
In der Nacht hĂ€ngt man eine schwarze Samtdecke unter das Blau. Geschickt sind darin Weihnachtsbaumlichter eingenĂ€ht. Mit einer geringen Leuchtkraft blinken sie und durch das eingeschnittene Loch scheint der „Mond“ aufs Set.

Ventilatoren an den vier Ecken sorgen fĂŒr BlĂ€ttertanz, Haarflug und Dachabdeckung. Die Wolkenlenker gehen einher mit den Kollegen an den WindgerĂ€ten. Auch sie halten an sich an einen perfekten Plan.

Klappe 35021365

Hunderte von Statisten fließen ĂŒber die BĂŒrgersteige. Vorbei an hellbeleuchteten Ladenauslagen mit allerlei KonsumgĂŒtern. Keiner bleibt stehen und schaut hinein. Nicht zu dieser Zeit, denn es ist frĂŒher Morgen und das Drehbuch hat vorgesehen, dass zu dieser Zeit zur Arbeit gegangen wird.

Die Darsteller brauchen nicht bezahlt werden. Man hat sie direkt ins Set gegeben. Sie ahnen nicht einmal, dass sie sich in einem Film befinden, weil sie schon immer in dieser Umgebung leben. Das spart bei diesen Massen an Lebewesen ganz immens. Nur ganz wenige Arten hat man eingeweiht und muss sie deshalb bezahlen. Das sind dann so Quastenflosser, Gorillas, Blauwale und „Blauenziane“,. Die hĂ€tten ansonsten niemals mitgemacht, verfĂŒgen in ihrem Denken ĂŒber weitere Horizonte und hĂ€tten so den Braten leicht gerochen. Leider ist das Budget begrenzt und so hat man sich nur eine rare Anzahl dieser Nebendarstellern leisten können.

Die Massen der Arbeitenden versiegen in U-Bahnstationen, lassen sich von HauseingĂ€ngen schlucken, begeben sich an FließbĂ€nder, flicken andere Artgenossen zusammen, ordnen Dokumente und richten ĂŒber irgendwelche Ausweichenden.

Nach dem Film wird die gesamte Studioumgebung fĂŒr den nĂ€chsten Spielfilm vorbereitet und alles Alte wird dann beseitigt.
Mitglieder der Filmcrew, besonders die KameramĂ€nner, haben manchmal richtiges Mitleid mit diesen Wesen. Denn die schuften sich ihr Leben lang ab, ahnen von nichts, denken das sie es ihren Nachkommen irgendwie besser machen und dann wird irgendwann, zwar in weiter Ferne, aber das macht es nicht besser, alles weggewischt. Alle MĂŒh umsonst.
Die Kameraleute suchen sich vor Schichtbeginn immer ganz besondere PlÀtze aus, sehen so alles und bekommen viel mit. Sie richten ihre Linsen in alle Lebensbereiche, schlagen dem Regisseur die Bilder vor und bannen dann auf Zelluloid.

Hauptdarsteller Curlinve, natĂŒrlich auch uneingeweiht, weil sonst zu teuer, wird durch mehrere EinflĂŒsse in die Gesetze und Kapitel des Drehbuches gelenkt. Sieht es vor, dass er ein Kind bekommt, wird eine wunderschöne Frau in sein Leben bugsiert und wenn er sich trennen soll, wird eine Schönere vor seine TĂŒr gestellt. Es gibt lenkende Experten die, die Inhalte des Drehbuches so verwirklichen.

Heute befindet er sich auf dem Weg zu seiner Bank. Es ist Montag, am Freitag rief ein Bankmitarbeiter bei ihm an und verlangte nach einem Termin.

Die Laune des Markus Curlinves soll an dieser Stelle mies sein. Dies wird erzeugt durch einen Regen, denn man fallen lĂ€sst, weil er fĂŒr einen Sonnentag angezogen ist. Auch hat man seine Frau manipuliert, die heute frĂŒh zu streiten anfing. Das wirkt sich noch verstĂ€rkt aus.

Curlinve trottet an den Massen vorbei, grĂŒbelt, ĂŒberlegt, zweifelt, hĂ€lt sich dabei unwissentlich perfekt ans Drehbuch. Ängstlich schaut er die Stockwerke hinauf, der Regen rinnt an seinen Wangenknochen in den Stoff seiner Jacke und die Haare schwimmen klatschnass auf seiner Stirn.
Die DrehtĂŒr frisst ihn, spuckt ihn im Inneren wieder aus und man schaltet von Außenkamera auf Bankkamera 4.

356 127899912753790236571459237 Kameras hat man fĂŒr dieses Projekt legen lassen. Sie befinden sich hinter den Baumrinden mancher BĂ€ume. Birken haben zum Beispiel nicht aus lauter Freude ein zerfleddertes Baumkleid.
In Tachoanzeigen, FernsehgerÀten und Armbanduhren sind sie von Anfang an eingebaut. Jegliches elektronische GerÀt hat ein kleines integriertes BildaufnahmegerÀt im Innenleben.
Den Hauptdarstellern wird in jedem Fall eine Kopfkamera verpasst. Hat man sich einen Darsteller fĂŒr den Tag ausgesucht, lĂ€sst man 24 Stunden vorher irgendwas in sein Essen einfließen, er muss ins Krankenhaus und ĂŒber MittelsmĂ€nner baut man dann ein paar Leiterplatten, DrĂ€hte und eine Linse ein.
So hat man dann auch die direkte Sicht des Protagonisten auf dem Bildschirm. Das ist besonders effektiv, wenn er einen Dialog mit einer wichtigen Person fĂŒhrt. Dann kann man sich direkt in die Persönlichkeit des Curlinves klinken und lebt mit. Sieht quasi mit seinen Augen.

Das ist ja auch der Hauptaspekt des Projektes. Das Verschmelzen mit der Hauptfigur und in dabei in eine andere Sichtweise zu wachsen.
Die Zuschauer wollen aus ihrem eigenen Trott heraus. Damit entfliehen sie ihrer eigener Betrachtungsweise denn in allem GlĂŒcklichem hat man doch immer Sehnsucht nach dem UnglĂŒcklichen.
Und im Universum ist es gerade ziemlich „in“, sich in einen Erdenbewohner hineinzuprojizieren. Ganz ohne Drogen hat man eine andere Sichtweise der Dinge. Das ist ungefĂ€hrlich und bringt keine Nebenwirkungen.
Nirgendwo anders bekommt man soviel Action, soviel Leid geboten. Die menschliche Rasse wurde gerade fĂŒr diesen Zweck gezĂŒchtet und die echte Welt giert nach TrĂ€nen, Herzeleid und Krankheit. Hier in diesem Film ist all das erfahrbar. Das lockt viele Wesen an. Die AbonnementsgeschĂ€fte laufen alles andere als schlecht. Man kann sich fĂŒr Äonen anmelden und hat immer freien Zugang. Und da jeden Tag der Hauptdarsteller gewechselt wird und neue Bewusstseine erfahrbar sind wird es nie langweilig und die Langeweile ist ja leider Volksseuche 1 aller Nationen der realen Welt.

Curlinve befindet sich im Fahrstuhl, die blinkende rote Zahl bleibt auf 12 stehen, TĂŒren öffnen sich und geben dann den Blick auf einen Schreibtisch frei. An ihm zappelt eine SekretĂ€rin am Telefon herum, schaut kurz auf und weist zur TĂŒr.

Vielleicht wird schon morgen aus dieser Statistin eine Hauptdarstellerin. Das Zeug dafĂŒr hat sie. Die Zuschauer wissen das noch nicht, aber es steht in dem Drehbuch der nĂ€chsten Woche.

Die Kamera im Innern des BĂŒros klickt an, ein rotes Licht leuchtet irgendwo, Nahaufnahme der Klinke, vorher hörte man ein zaghaftes Klopfen, sie bewegt sich zum Boden und nun öffnet sich langsam die TĂŒr.

Dem angeschlossenen Publikum wird nun ein GefĂŒhlscocktail eingeflösst. Sie fĂŒhlen seine Angst, ihnen zittern die Beine und sie spĂŒren wie schwer das „Guten Tag“ aus seinem Mund kriecht. Die vielen Gedanken werden dazugegeben, jetzt auch direkt Kopfkamera und man fließt in die herrlichen Sorgen des Hauptdarstellers hinein. Mhh Existenzangst dominiert. Das kennt man schon von anderen Protagonisten anderer Teile. Hier ist es aber sehr intensiv. Das bekommt man nicht oft geboten. Schön.

Die Arbeit der Planer war phĂ€nomenal. Sie haben sein Leben bis zu diesem Punkt gelenkt und genau die GefĂŒhle erzeugt, die der Zuschauer haben möchte.
Sie stellten ihm die schlechtesten Lebenswege bereit und ließen ihn diese eingehen. Zwei garstige Partner bugsierten sie in sein Herz, zwei Hochzeiten, vier Kinder und zwei Scheidungen.
Manipuliert wurde auch seine Gesundheit. Dazu brauchten sie nicht einmal VerĂ€nderungen an seinem Körper vornehmen. Es reichte die mĂŒndliche Diagnose des Arztes. „Herr Curlinve, Sie haben Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Eine Operation ist unmöglich. Sie werden bald sterben. Tut mir leid.“
Der Gelehrte wird niemals merken, dass die Patientenakten vertauscht wurden und der Patient nicht, dass er gesund ist.

Dieser umgekehrte Placeboeffekt wird dann noch durch Statisten verstÀrkt, die ihn stÀndig fragen, ob er denn krank sei und warum er so schlecht aussÀhe. Dabei sieht er so aus wie immer.
Andere gezĂŒchtete Menschen mĂŒssen aber krankoperiert werden. So leichtglĂ€ubig sind nicht viele.

Der Filialleiter der Bank bitte zu Platz, fragt noch einmal nach dem Namen, tippt in seinen PC und fĂ€ngt an zu lesen. Curlinves Blick versucht aus dem Gesicht, aus den ZĂŒgen eine Reaktion zu erkennen. In ihm tobt es. Alles hĂ€ngt von diesem Mann ab. Leuchten die Augen des Finanziers? Wie verhalten sich die Mundwinkel?
War das eben ein LĂ€cheln?

Diese Fragen erreichen auch etliche angeschlossene Zuschauergehirne. Spannung kommt auf. Die Musik im Hintergrund besteht aus schnellem Herzschlag und Atmen, in Billiarden HĂ€lsen pocht es aufgeregt. Da wo kein Hals vorhanden ist zuckt oder pumpert etwas anderes.

Blicke treffen sich. Der Bankier schaut ihn das erste Mal richtig an. Er verĂ€ndert gerade sein steinernes Gesicht, kann noch ĂŒberall hinschwenken, schaut dann irgendwie bedauernd und beendet mit einer eindeutigen Bewegung.
Erst fĂ€llt alles von Curlinve ab, dann baut es sich wieder auf. Er fĂ€ngt mit einem Mal an zu schreien und weint bitterlich. Das KopfschĂŒtteln des Filialleiters hat ihm die letzte Chance genommen. Seine TrĂ€nen tröpfeln in den schweren Teppich hinein. „Ich bleibe hier bis ich das Geld bekomme“ denkt er sich. „Hier bleib ich sitzen“.

In den weitesten Winkeln des Universums fiebert man mit. Befindet sich genau auf dem gleichen Platz und hat im Hinterkopf die gleiche kleine Tochter, der man schon vor Monaten eine neue Hose versprochen hat. Die selbe dritte Frau, die sich trennen will, wenn kein Geld ins Haus kommt. Alimente, Schulden, keine Arbeit und dann noch der Krebs. Man spĂŒrt, wie die TrĂ€nen sich durch die Augen pressen und an den Wangen hinunterlaufen. Ein einzigartiges Erlebnis.

Der Blickwinkel wird nun verschoben, raus aus der Kopfkamera, Weitwinkel BĂŒro und man sieht, wie ein paar WachmĂ€nner die BĂŒrotĂŒr aufstoßen, ihn vom Stuhl und dann in den Fahrstuhl zerren.

Hat man sein Abonnement auch auf körperlichen Schmerz erweitert fĂŒhlt man nun die groben HĂ€nde an den Schultern und Armen.

Die deckendeckende BewĂ€sserungsanlage, auf die jeweilige TropfengrĂ¶ĂŸe einstellbar arbeitet immer noch.
Das Hochhaus lacht merklich kĂ€lter und er hat das GefĂŒhl, es schwankt und wĂŒrde im nĂ€chsten Moment direkt auf ihn fallen. Curlinve ist völlig fertig, er schleppt sich durch die Straßen, ĂŒberlegt hin und her und sucht nach einem Ausweg. Er traut sich nun auch nicht nach hause. Dort wartet seine Familie und rechnet fest mit dem Geld. Die Tochter will gleich mit ihm shoppen gehen, hat sie noch am gestrigen Abend gesagt. Niemals war sicher, dass er den Kredit bekommen wĂŒrde, aber mit seinen Zweifeln wollte er seine Familie nicht belasten.

Die Verzweiflung versucht immer wieder auszubrechen und Hoffnung Platz zu machen. Doch es klappt nicht. Special Effekts erhellen den Himmel. Blitze werden erzeugt. Laserstrahlen zucken auf GebĂ€ude, eine riesige Pauke wird geschlagen und dann wird Strom punktiert. Dazu werden die Ventilatoren auf Hochtouren gebracht und die dunkelsten Wolken gezogen. Immer schrecklicher/unwirtlicher wird das Wetter und es treibt ihn, wie vom Regisseur geplant in das nĂ€chste Lokal. Eine bĂŒrgerliche Kaschemme.

Unbeteiligt sitzen an ein paar Tischen regentropfenbesprenkelte ManteltrÀger. Schaumkronen in GlÀsern schwappen in dunkelrote Schlunde und nur noch ein Sitzplatz am Fenster ist frei. Ein kleiner Holztisch mit Feiernarben, Kugelschreibertelefonnummern und Kerzenschorf.
Der Musikkoordinator hat es arrangiert, dass genau jetzt ein trauriges Lied im Radio lĂ€uft. Genau das StĂŒck das ihn schon des öfteren in schweren Zeiten und zum Selbstmitleid begleitet hat.
Die Kamera hinter dem Barspiegel zeigt sein niedergedrĂŒcktes, starres Gesicht und wer die Sendung kennt weiß, was Curlive jetzt bestellen wird. Gift.
Nach Bier kommt Korn, nach Korn kommt Bier. Völlig allein sitzt er da, versucht zu verdrĂ€ngen, aber kommt immer wieder an die Schwelle hinter der die TrĂ€nen lauern. Die TrĂ€nen und der entgĂŒltige Zusammenbruch. „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr“

Auch nach solchen Alkoholerfahrungen lechzen die Bewohner des Alls. Trinkt der Hauptdarsteller werden auch sie betrunken und wenn sie sich nach diesem Teil dann wieder abstöpseln werden sie wieder nĂŒchtern sein. Wenn man inmitten des Films auf rational schalten will hat man natĂŒrlich seine Tasten am GerĂ€t.

So langsam werden die Zuschauer aber schon ungeduldig. Er sitzt viel zulange in dem Lokal und betrunken ist er auch schon lÀngst.

Man reagiert sofort. Das Wetter ist auf einem Schlag relativ gut. Hier muss man jedoch aufpassen das es nicht zu gut ist. Der Wirt bekommt auf einmal einen Anruf und will den Laden zumachen. Der stark Betrunkene landet auf dem Gehsteig, wird von den Passanten in eine Nische gedrĂ€ngt und hockt sich hin. Noch immer will er nicht nach hause. Am liebsten nie mehr. „Ich kann nicht mehr“

Seine Verzweiflung wird nur durch seine Trauer ĂŒberholt. „Hier ist das Ende“ denkt er sich. „Nichts kann jetzt weitergehen. Ich finde einfach keine Lösung, weil es keine gibt.“ Dann denkt er das erste Mal konkret an Selbstmord.

Die Zuschauer jubeln vor Freude. Sie können es kaum erwarten.

Durchgeht noch mal schnell alle BeweggrĂŒnde, die dagegen sprechen, findet nichts und weiß, dass er nur so seinem Leid entgehen kann.

Jeder freut sich auf dieses nahe Finale.

Dann fĂ€llt ihm etwas ein. Von weit kommt es gedacht. „Meine Tochter“ murmelt er leise und erkennt.
Curlive rappelt sich mĂŒhsam auf, torkelt an die Hauswand, schlĂ€gt sich den Kopf an und geht ĂŒber die Straße.

Nun muss etwas unternommen werden. Das Drehbuch ist in Gefahr. Der Regisseur gibt alle Ampeln auf grĂŒn. Alle Kameras in der Umgebung auf „on“, „schnell, schnell, schnell“ brĂŒllt er durch sein Mikro. Der Betrunkene hat den Mittelstreifen erreicht, denkt an sein kleines MĂ€dchen und ist so völlig in Gedanken. Bevor es passiert, lĂ€chelt es hinter den Kulissen schon gewinnend.
Ein grauer Mercedes grĂ€bt sich in die HĂŒfte des Mannes, schiebt ihn ĂŒber sich, er fliegt ein paar Meter weit und dann schlĂ€gt der Körper mit einer ungeheuren Wucht auf dem Asphalt auf. Er ist sofort tot.

Todeserfahrungen zucken in die Zuschauer, explodieren in den vielen Köpfen und streuen ein Inferno aus Schmerz, Angst und Wut. Und genau in dem Moment, indem alles zu intensiv wird, ist dann auf einmal alles vorbei. Man sieht nichts mehr und hört nichts mehr, aber hatte einen wunderbaren Orgasmus.

Morgen ist Curlive dann lĂ€ngst wieder vergessen. FĂŒr heute Abend mag er in den Gefilden des Universums einigen GesprĂ€chsstoff bieten. Wollte er’s ich jetzt umbringen oder nicht? Klar, er ist doch auf die Straße gerannt oder war es jetzt ein Unfall?
Auf jeden Fall toll, wie man in den letzten Sekunden aus der Sicht des Mannes den Flug gesehen hat und danach die Nahaufnahme des aufgebrochenen Kopfes. Toll, einfach toll.

Zur nĂ€chsten Sendezeit wird es schon wieder um einen ganz anderen gezĂŒchteten und unfreiwilligen Darsteller gehen. Neue Gedanken, neue Sorgen, hoffentlich neue TrĂ€nen. GlĂŒcksgefĂŒhle hat man ja schon genug.


__________________
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MartinHoyer
Hobbydichter
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Stilistisch einwandfrei, bleibt eigentlich nur die Frage: Ist der Text ĂŒberhaupt SF?

Liest man ihn so, reduziert sich das Ganze auf ein paar in Baumrinde gebaute Kameras, eine interstellare Filmcrew und die Zuschauer ihres Produkts. Und das ist (mir) fast schon zu wenig.

Genaugenommen sind es zwei Geschichten mit zwei Handlungen und zwei Settings, deren Interaktion jedoch nur einseitig verlÀuft: Die Emotionen des/der Protagonisten sind induziert, also sind auch die Emotionen des Publikums induziert. Nicht der Protagonist steuert diese Emotionen, sondern die Filmcrew, die zur gleichen ErzÀhlebene gehört wie das Publikum.

Je nachdem, wie man an die Geschichte herangeht, ist eine der Ebenen Ballast. Handlung ensteht durch aktive Interaktion, doch wenn der Protagonist nicht aktiv interagieren kann, lĂ€ĂŸt das fĂŒr gewöhnlich Interesse schlagartig nach und das Fazit lautet "Nette Geschichte" - fĂŒr die wenigen Minuten, bis man sie wieder vergessen hat, weil ihr jedes fesselnde Moment fehlt.

Hier wĂ€re das Konzept zu ĂŒberdenken. Der Fehler steckt eventuell nur im Detail:
- Entweder ist Curlinve einfach nur ein unglĂŒcklich gewĂ€hlter Protagonist dieser Geschichte, dessen Schicksal besser in einer Nebenhandlung aufgehoben wĂ€re.
- Oder der Text steht hier einfach nur in der falschen Kategorie; will sagen, er wird nicht der richtigen Zielgruppe prÀsentiert. Die Erwartungshaltung stimmt nicht.
- Die EmotionalitĂ€t der Crew geht zu sehr unter. WĂ€re ersichtlich, daß Curlinve die Lenker seines Lebens unbeabsichtigt ebenso stark beeinflußt wie sie ihn, sĂ€he es anders aus.

Im Moment ist die Geschichte wie ein mit viel Aufwand geschliffener Kristall, der schön aussieht, aber nach einmaligem Betrachten seine Faszination verliert und einfach nur noch herumsteht.
__________________
Die stÀrkste Kraft reicht nicht an die Energie heran, mit der manch einer seine SchwÀche verteidigt.
(Karl Kraus)

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jon
Foren-Redakteur
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Registriert: Nov 2000

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Ist es SF? Nur in dem Element, in dem sich das Set von dem der „Truman-Show" unterscheidet: den Aliens. Das ist in der Tat etwas mager, aber mich persönlich stört das eigentlich nicht.

Was mir viel mehr fehlt als "echte SF" ist die EmotionalitĂ€t, die die "Truman-Show" hat. Nun muss Curlinve nicht unbedingt – wie Truman – erkennen, dass er manipuliert wird, aber es wĂ€re wirklich spannender, wenn er sich lĂ€nger und intensiver dem Drehbuch entziehen wĂŒrde. (Was auch bei der Film-Crew Emotionen wecken sollte.)
Es muss auch kein Happy End geben, aber die Frage, ob es eines geben wird, könnte fĂŒr meinen Geschmack schon mehr als 2 AbsĂ€tze am Ende Raum bekommen. (Das ist wohl das, was Martin mit mehr Interaktion meint, vermute ich mal.)

Vielleicht wĂ€re der SchlĂŒssel dazu, den Alien-Teil nicht so stark auszudehnen (, mich nervte ohnehin die Penetranz mit der der BĂŒhnen-Charakter der Erde nicht nur geschildert, sondern immer wieder neu krĂ€ftig betont wurde) und sich statt dessen auf Curlinve zu konzentrieren.
Oder – umgekehrt – Curlinve nicht so genau zu beobachten und sich statt dessen auf die Film-Crew (bzw einen davon) zu konzentrieren. (Kurz: Die klassische Identifikationsfigur schaffen, "mit" der der Leser die Geschiche erleben kann.)
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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