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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Fisch im Wasser
Eingestellt am 12. 10. 2013 21:54


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Sebahoma
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Lustlos lief der kleine Patrick zur Bushaltestelle. W├Ąhrend das Wetter am Wochenende zwar schon k├╝hl, aber noch trocken und sonnig war, zeigte es sich heute von seiner h├Ąsslichen Herbstseite. Es war grau und es regnete. Die B├Ąume lie├čen die Bl├Ątter fallen, die vom kalten Wind umhergewirbelt wurden. Montag war wirklich der bl├Âdeste Tag in der ganzen Woche. Patrick patschte durch die Pf├╝tzen und kam schlie├člich an der Bushaltestelle an. Kurz darauf kam der Bus und warf beim Anfahren eine kleine nasse Font├Ąne auf die Wartenden. Patrick stieg ein. ÔÇ×Hey Patrick, war dein Wochenende auch so langweilig? Endlich wieder Schule, was?ÔÇť, rief einer seiner Mitsch├╝ler ihm durch den ganzen Bus zu. Aber Patrick hatte an diesem Morgen keine Lust auf diese Idioten. Nicht genug, dass er jetzt wieder eine ganze Woche zuh├Âren und lernen musste, nein, er musste sich auch noch mit diesen nervigen Typen herumschlagen. Er setzte sich ganz nach vorne, n├Ąher traute er sich nicht an sie heran. Sollten sie ihn doch einfach in Ruhe lassen mit ihrem angeberischen Gerede ├╝ber Bands und Mitsch├╝lerinnen. Er konnte ihre Stimmen im Hintergrund h├Âren, aber er dachte nicht dar├╝ber nach, was sie sagten. Es war ihm egal. Er lehnte seinen m├╝den Kopf an die feuchte Fensterscheibe.

Konnte nicht wieder Samstag sein? Dann w├╝rde er wieder mit seinem Vater wegfahren, weit weg, zu den gro├čen Teichen, wo es ein Boot gab und viele Abenteuer auf sie warteten. An diesem Wochenende waren sie mit einem Boot weit raus gefahren. Sein Vater hatte ihm versprochen, dass sie einen ganz gro├čen Fisch fangen werden. So gro├č, wie Patrick ihn noch niemals gesehen hatte. Bald sa├čen beide im Boot und sein Vater steuerte das Ruderboot mitten auf den gro├čen Teich. Hier war es ganz still, man h├Ârte nichts, keine Autoger├Ąusche, kein Geschrei, nichts, nur manchmal ein leises Schl├╝rfen vom Wasser, das durch das Boot zur Seite gedr├Ąngt wurde. ├ťberall um sie herum nur Wasser, das Ufer schien so weit weg. Wer wei├č, wie tief es ist und was sich da alles drin versteckt, dachte Patrick. Aber zusammen mit seinem Vater machte es ihm keine Angst. Im Gegenteil, Patrick f├╝hlte sich so geborgen in diesem Boot. Solange sein Vater hier war, konnte ihm nichts und niemand etwas anhaben und heute hatte er seinen Vater f├╝r sich allein.

Sein Vater warf eine Angel in den Teich, die mit einem leisen Schmatzen im See versank. Patrick lehnte sich aus dem Boot und ber├╝hrte mit seiner Hand die Wasseroberfl├Ąche. So weich war das Wasser. Er setzte sich wieder auf und atmete die k├╝hle Waldluft ein. Dies hier musste wirklich eine andere Welt sein, fernab vom Stress des Alltags, als w├╝rde die Zeit stillstehen. Pl├Âtzlich zerrte etwas an der Angel und sein Vater hielt sie mit ganzer Kraft fest. Nach und nach zog er die Schnur weiter ein und ein riesiger Fisch tauchte aus dem scheinbar unendlichen Tief des Sees auf. Er guckte ganz ├╝berrascht, als h├Ątte er nicht damit gerechnet, jemals auch nur eine Menschenseele auf diesem See anzutreffen. Er zappelte an der Schnur und Patricks Vater nahm ihn mit einem Kescher aus dem Wasser. ÔÇ×Na, was habe ich dir gesagt. Ganz sch├Ân gro├č, was?ÔÇť, sagte er und Patrick kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Noch niemals hatte er einen so gro├čen Fisch gesehen. Dann nahm sein Vater die Schnur aus dem Mund des Fisches und warf ihn zur├╝ck ins Wasser. ÔÇ×Nehmen wir den nicht mit nach Hause?ÔÇť, fragte Patrick. ÔÇ×Nein, der muss zur├╝ck in seinen See, nur da f├╝hlt er sich wohl!ÔÇť, erkl├Ąrte sein Vater. Kurz konnte Patrick noch die Konturen des schuppigen Seebewohners erkennen, dann war er wieder in seinem Reich verschwunden als w├Ąre er niemals hier oben gewesen.

Ein pl├Âtzliches Bremsen des Busses riss Patrick an diesem Morgen aus seiner heilen Erinnerungswelt. So musste es auch dem Fisch am Wochenende ergangen sein, nur dass niemand Patrick zur├╝ckwarf. Er h├Ârte wieder seine Mitsch├╝ler und sp├╝rte wie wenig Lust er auf diesen Tag hatte. Die Fensterscheibe war beschlagen, Wassertropfen liefen au├čen herunter. Er wischte ein St├╝ck frei und konnte dennoch nur wenig sehen von der tristen Welt. Aber was war das? Lief da nicht ein Mann mit einem Fisch unter dem Arm durch den Regen? Schon war der Bus abgebogen und Patrick hatte den Mann aus den Augen verloren. Nein, eigentlich war es nicht m├Âglich, dass hier jemand mit einem solchen Fisch durch die Stadt ging, er musste es sich eingebildet haben, weil er gerade noch an dieses Erlebnis dachte. Aber die Erinnerung an diese sch├Ânen Stunden gab ihm Mut. Auch wenn sein Vater nicht immer da war, er dachte bestimmt gerade an ihn. Sicher w├╝rden sie am n├Ąchsten Wochenende wieder etwas so Tolles unternehmen. Bis dahin w├╝rde er die paar Tage Schule doch locker hinter sich kriegen. Und seine Mitsch├╝ler? Die konnten ihm nichts anhaben, die hatten ja keine Ahnung, was ein Abenteuer war. Selbstbewusst stieg Patrick aus dem Bus.

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