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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Glückspilz
Eingestellt am 24. 05. 2003 21:32


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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

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Ein Glückspilz


Donnerstag 18 Uhr fiel ich in einen Halbschlaf, der um 18 Uhr 45 jäh unterbrochen wurde, als sich die Krallen von Hündin Anna (die ihre Träume voller eimerweise Nassfutter neben mir und unter der Decke nährte) in meine Schulter bohren und ein unmissverständlicher Knall folgt.
Vom Sofa gestürzt, alle Eimer umgekippt und umringt von einem Rudel Hyänen, vor denen laut Pro Sieben- ,Galileo’ selbst die muskulösesten Löwen flüchten.
In der Schule nervt Lehrerhobbit Gleisberg mit Ausschreibungen zur Verkabelung eines Bürotraktes und ich suche verzweifelt die Daten zu einem Hauptverteilerschrank mit höchstens zehn Höheneinheiten inklusive Patchpanel und Switch, während ein Schrei des Lehrerzwerges die angestaute Ruhe des Unterrichtsraumes zerriss:
„Herr F.- hier wird nicht gegessen. Dazu sind Pausen da!!“
Die Antwort (nicht weniger leise):
„Ich muss essen, ich habe Zucker!“
Die Stunden schleppen sich am Schneegestöber vor dem Fenster vorbei, der letzte Heftchenschreiber ohne Drucker im trauten Heim jagt ein Blatt nach dem anderen durch das Netzwerk, ohne das der ,Brother- Laserdrucker BH sonst was’, auch nur ein Zettelchen ausspuckt.
Wenn man schon kein Wissen mitnimmt, dann wenigstens selbstgebastelte CD- Cover.
Einwahl ins Netz, eine RJ 45 Anschlussdose, geschirmt, Kategorie 5, einschließlich Wandgehäuse liefern und montieren, fehlt mir noch. Gelandet bin ich im Blauen Drachen. Ein Heim für Berlins verkannte Künstler.
Scheiße, was will ich hier und warum habe ich im Gästebuch dieser Seite schon zweimal „aus dem vereisten Erzgebirge“ gegrüßt?
Werbung darf doch nicht alles!
Beinahe schäme ich mich und fügte einen Eintrag aus dem „verschneiten Erzgebirge“ hinzu.
Und entdecke:
„Wann kommt der Marcel Reich- Ranitzky aus dem Erzgebirge endlich mal zu uns ans offene Mikrofon, was lesen?“
Ähem.
Ich träume.
200 Studenten vor einer Bühne. 150 haben die 3,00 Euro Eintritt berappt. 30 hatten gezinkte Schwerbeschädigtenausweise, 10 haben sich über Nacht hinter dem Bühnenvorhang versteckt, um den Obolus zu sparen, weitere 10 haben freiwillig die Stuhlreihen aufgebaut.
„Was ist denn nun mit der Aktiv- Komponente? 10 Base T- Ethernet- Hub 12- Port, inklusive 3m AUI- Anschlusskabel und Koax- Kaskadenkabel liefern und installieren?“
Psssssst! Ich spreche gerade vor Menschen.
Die ersten Reihen lichten sich, nachdem ich aus dem Vorwort zum Buch „Das Tor“ lese. Parteifunktionäre mit Klobürsten im Arsch sind nicht jedermanns Sache.
Ich kalkuliere wie viele Leute dableiben müssten, um mit dem Kauf von Büchern und Heften ein Zehntel meiner Reisekosten nach Berlin zu decken.
„Wo zum Teufel, Herr Reichelt, ist ihre Kopfzeile? Die gehört auf jede Ausschreibung!“
Hatte nicht der FRÖSI- Macher eine Lesetour durch die Schweiz mit seinen zwei Social- Beat- Freunden „Ärger“ und „Streit“ aus dem Kanton Toblerone? Waren dort nicht Feministinnen ausgetickt, als er über Liebe und Sex zwischen serbischen Uniformträgern und Kosovoladies fabulierte? Unverschämtheit, eine Ohrfeige für die vergewaltigten Frauen im Balkankrieg.
Ich blicke vorsichtig auf.
Feministinnen hier?
Kaputte Docs mit über den Rand gestülpten Handstricksocken? Denken die jetzt ich will unter ihre Röcke gucken? Die Leselampe beginnt zu flackern, meine Kippe fällt vom Aschenbecherrand.
Ich huste verlegen und bücke mich um einen Flächenbrand zu vermeiden. Dabei schießt mir das Blut in den Kopf und Herr Ulmen fällt mir ein, der sich in einer Mitfahrzentrale als freundlicher Trampermitnehmer vorstellt und sich eintragen lassen will.
Bedingung: nur Frauen, nur kurze Röcke- weil die Fußheizung zuviel Hitze macht.
Mir ist auch heiß.
Glücklicherweise öffnet Herr Weiß vor mir das Fenster, nachdem er im Netz seine Börsenstände überprüft hat. Schneeflocken wirbeln auf den letzten funktionierenden Ausdruck.
Männer mit Titten drängeln sich um meinen provisorischen Verkaufsstand.
„Eine Widmung, bitte!“
Kleingeld kullert auf den Tisch, der schon bessere Zeiten gesehen hat.
Mein Hund kraxelt zu mir auf die Couch.
Draußen fegt ein Hortkind auf einer Schlittenquadriga vorbei.
Typisch Berlin.
Mich mit den Intelligenzlern allein lassen.
In Bagdad heiratet ein übergelaufener GI eine Schleiereule.
Bei Kati, neben mir, fliegen Tetrisquadrate in ungeheurem Tempo von oben nach unten.
Herr Ulmen wird aus der Mitfahrzentrale entfernt.
(Später am Abend kauft er vier Dosen Nassfutter für seinen Seeigel.)
Brigitte aus der ökologischen Wohngemeinschaft leert den Aschenbecher des schreibenden Dorflümmels aus Sachsen. Die zehn Stühlerücker fegen den Saal aus. Dabei findet einer einen Zehn- Euro- Schein.
Ein Glückspilz.

Hallo, ich möchte mich als Erstveröffentlicher kurz vorstellen. Bisher habe ich Fussballbanalitäten in Geschichten gepackt und mit bunten Bildchen garniert. Dies erscheint in unregelmäßigen Zeitabständen als Heftchen mit bis zu 108 Seiten. Nebenbei ist in Eigenregie und als tränenschwere Kommerzversage ein Buch erschienen, was zur Hälfte eine abstrakte Horror/Fantasy- Story enthielt. An eine Fortsetzung in Groschenromangröße ist gedacht.
Die hier veröffentlichte kleine Geschichte ist ein Auszug aus dem Folgeheft, welches August 2003 erscheint.
Bisher habe ich (leider nur) ca. 1200 Hefte/Bücher im Handverkauf und per Postversand vertrieben.
Nun- schreibt mir eure Beurteilung, auch über massive Kritik würde ich mich freuen.
Mehr (Roh-) Stoff unter [url=\"http://www.gellert-szenario.de.vu\"]Gellert Szenario[/url]

__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Ingwer
Routinierter Autor
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Hallo Gorgonski,

erstmal: Herzlich Willkommen in der Leselupe!
Ein neues Reklame-Forum?

Zu Deinem Text:
Ich habe ihn gerne gelesen und teilweise laut gelacht (was beim Lesen selten genug vorkommt). Du hast eine scharfe Beobachtungsgabe und auch noch Talent, das Gesehene sprachlich auszudrücken.

"200 Studenten vor einer Bühne. 150 haben die 3,00 Euro Eintritt berappt. 30 hatten gezinkte Schwerbeschädigtenausweise, 10 haben sich über Nacht hinter dem Bühnenvorhang versteckt, um den Obolus zu sparen, weitere 10 haben freiwillig die Stuhlreihen aufgebaut."

Einfach klasse, sowas.

Allerdings konnte ich auch nach mehrmaligem Lesen inhaltlich nicht wirklich in Deinen Text einsteigen.
Wo beginnt der Traum, wo endet er, was soll das alles?
Wo passiert was und warum?
Was will dieser Text mir sagen?

Kurz: Vom Handwerklichen bin ich begeistert, inhaltlich kam bei mir nicht so viel rüber.

MfG
Ingwer

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Gorgonski
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Hallo Ingwer!

1.Zu Reklameforum:
Die Welt ist faul und deshalb bin ich hier bei euch gelandet. Da trifft man umtriebige und rechtschaffene Menschen. Denn hier setzt man sich mit dem Geschriebenen auseinander. Man lobt oder kritisiert. Wenn ich aber Heftchenpapier beschreibe, es veröffentliche und zum Einkaufspreis verkaufe, geben manche 30 Cent mehr und gucken mich dann an wie: "Na nu' habe ich aber was für die Kultur getan!" oder sprechen seufzend Sätze wie:
"Na, dann will ich eben auch eins kaufen.", während sie bedeutungschwanger und so langsam, daß es auch jeder sieht, das Portemonnaise aus der Arschtasche ziehen.
Dabei wäre mir wichtiger, ich würde später von ihnen mal was hören- was sie gut oder schlecht fanden, was mehr oder weniger Erwähnung finden sollte (in Heften oder in kleinen Geschichten).
Und deshalb nun bin ich hier, weil es hier (siehe DU) eher eine Chance gibt, auf die Mühe und Lust des Schreibens eine Reaktion einzufangen, neue Blickwinkel zu gewinnen.
Und bei den VB-Codes wird ja die URL- Chance empfohlen und eine Vorstellung eines Newbies hatte ich hier auch schon mal gelesen und fand das gut.

Zum Text/Kurzgeschichte:
Wenn ich einen Anfang und ein ausgeklügeltes Ende zusammenschreinere und dann die Geschichte noch lange liegen lasse (was bedeutet, daß man in Versuchung kommt noch was zu ändern/totzuschreiben), fehlt meist die Explosivität, der erste Einfall geht flöten. Deshalb eher experimentell.
Aber ich werde mal gucken, ob ich was mit echtem Anfang und Happy End hinbekomme, ist jedenfalls auch nicht einfach, denn sonst erweckt man den Eindruck eines Aktionskünstlers, der drei Bierbüchsen zerbeult und es als Kunst hinstellt.
Deshalb Danke! für die erste Kritik.

Wieder:[url=\"http://www.gellert-szenario.de.vu\"]Gellert Szenario[/url]
mein aktuelles Buch: "Der Nachwuchs" von Gisela Elsner

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majissa
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Lieber Gorgonski,

du hast um Kritik geben und ich bin ehrlich - mir geht es wie meinem Vorleser. Ich weiß nicht recht, was mir dieser Text sagen soll. Namen, Situationen und Orte wechseln so plötzlich, dass man bereits sehr schnell den Faden verliert. Mir fällt auf, dass du atemlos von einem Gag zum anderen jagst, ohne dabei eine ordnende Struktur zu schaffen, die es dem Leser möglich macht, inhaltlich Fuß zu fassen. Dabei schreibst du – von den häufigen Zeitenwechseln mal abgesehen – sicher, humorvoll und bissig. Ich habe auch an einigen Stellen lachen müssen. Eigentlich ist alles da, was es zu einer guten Story braucht, wäre da nicht das heillose Durcheinander, diese Informationsüberflutung. Ich bin überzeugt, dass, wenn du das Tempo drosselst, etwas mehr erklärst und dem Leser einige Ruhepunkte gestattest, diese Story eine sehr gute wird.

Ich habe nur mal den ersten Teil etwas auseinandergepflückt, um aufzuzeigen, wo ich ins Holpern geriet. Später – ich glaube, es war nach der Vorlesung – verstand ich dann gar nicht mehr. Was zum Teufel ist ein Koax-Kaskadenkabel?

"Donnerstag 18 Uhr fiel ich in einen Halbschlaf, der um 18 Uhr 45 jäh unterbrochen wurde, als sich die Krallen von Hündin Anna (die ihre Träume voller eimerweise Nassfutter neben mir und unter der Decke nährte) in meine Schulter bohren und ein unmissverständlicher Knall folgt."

Der Einschub in den Klammern klingt sehr umständlich. "Voller" oder "eimerweise" würde ich streichen. Beides zusammen ist des Guten zuviel. Du wechselst vom Imperfekt (fiel) ins Präsens (bohren, folgt). Das verwirrt. Als Texteinstieg sollte der erste Satz flüssiger zu lesen sein und in einer Zeitform bleiben. Aber der Knall macht neugierig.

"Vom Sofa gestürzt, alle Eimer umgekippt und umringt von einem Rudel Hyänen, vor denen laut Pro Sieben- ,Galileo’ selbst die muskulösesten Löwen flüchten."

Hm? Das verstehe ich beim besten Willen nicht. Der Sturz vom Sofa ist nachvollziehbar. Wo aber kommen die Eimer und die Hyänen her? Da schlage ich doch mal den Tempelgong.

"In der Schule nervt Lehrerhobbit Gleisberg mit Ausschreibungen zur Verkabelung eines Bürotraktes und ich suche verzweifelt die Daten zu einem Hauptverteilerschrank mit höchstens zehn Höheneinheiten inklusive Patchpanel und Switch, während ein Schrei des Lehrerzwerges die angestaute Ruhe des Unterrichtsraumes zerriss:"

Wieder ein plötzlicher Zeitenwechsel. Geschah das versehentlich?

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Nach den ersten eher langen Sätzen folgt nun eine Art Telegrammstil. Es mag Geschmackssache sein, aber ich persönlich bevorzuge als Leser einen einheitlichen Stil.

Liebe Grüße
Majissa

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Gorgonski
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Danke

Danke für die Kritik (berechtigt). Nach grammatikalischen Gesichtspunkten gehe ich überhaupt nicht, da war mir klar, daß geübten/geschulten Augen etwas auffällt.
Die Story oder das Chaos könnte man im Nachhinein als Methode sehen, wenngleich ich das nicht so gedacht habe bzw. nicht bewußt erzeugt habe. Es war eine schnelle Schreiberei- ohne Ziel und Sinn.
Als Außenstehender kann man da viel hineininterpretieren, z.B. die technische Revolution und das Tempo (Kabel, eigentlich unwichtig was für welches, mit welchen Standards auch immer) unserer Zeit.
Es ist mehr oder minder einfach ein hingeklatschter Text, der keine Struktur hat. (*rechtgeb*)
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