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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Herbsttag
Eingestellt am 27. 09. 2014 23:37


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PaulIrini
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2014

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Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, sah ich, dass die Welt schlecht war, verdammt schlecht, wie ich fand, denn nicht einmal das Laub an den B├Ąumen konnte sich halten, sondern wurde durch die erdr├╝ckenden Melancholie von den ├ästen geholt, um nun, in einigen Monaten, von einer Schneedecke begraben zu werden. Wie lange noch soll das nur so weiter gehen? Am Horizont sehe ich die Ruinen der Stadt, von der gleichen Stadt, in der die Menschen jeden Tag auf und ab gehen, ohne Sinn und Zweck, ein unpers├Ânliches Leben f├╝hren, nur an einer Sandburg arbeiten, die am Ende doch von einer Flut ├╝bersp├╝lt werden wird.
Mein Augen entfernten sich des Horizontes, und ruhten nun auf dem Park, der von meinem Fenster aus zu sehen ist, und wo sich ein Bettler niedergelassen hatte. Er lag dort auf einer Bank, eingewickelt in irgendetwas, um der furchtbaren Herbstk├Ąlte zu entfliehen. Ich hatte gerade Tee gemacht, doch gefesselt von dem Anblick des Obdachlosen ├╝berh├Ârte ich das Pfeifen des Wasserkessels. Erst als ich mich des Anblickes entziehen konnte, h├Ârte ich auf den Kocher. Eilend erreichte ich die K├╝che, um ihn von der Gasflamme des Herdes zu entfernen. Vorsichtig f├╝llte ich den Tee in eine Thermoskanne, ein praktisches Utensil, welches mir gestattet, in jedem beliebigen Zimmer meines Hauses Tee trinken zu k├Ânnen.
Was der Bettler wohl f├╝r den Tee geben w├╝rde?
Ich ging zur├╝ck in das Zimmer, welches ich zum Beobachten des Parkes verwendet hatte. Ich setzte mich an meine Arbeit, ich arbeitete gerne in diesem Zimmer. Seitdem ich allein lebe, seitdem ich Witwer bin, ├╝berh├Ąufe ich mich mit Arbeit. Ich bin in einem Alter, in dem jeder vern├╝nftige Mensch seine Rente genie├čen w├╝rde, ich arbeite zehn Stunden am Tag, mindestens. Aus Menschen mache ich mir nicht mehr viel.
Was der Bettler sich wohl aus Menschen macht?
In diesem Moment l├Ąutete es an der T├╝r. Ich wunderte mich, wer mich wohl zu dieser Zeit st├Âren w├╝rde. Die einzige M├Âglichkeit, die ich sah, war der Postbote, vielleicht gab es ein Packet f├╝r mich. In der Tat hatte ich mir Schlaftabletten kaufen m├╝ssen. Ich hatte nie in meinem Leben Schlaftabletten gebraucht, doch manchmal muss ich mich zum Schlafen zwingen.
Wie gut der Bettler wohl nachts schlafen kann - allein auf der Parkbank?
Doch ich t├Ąuschte mich, es war lediglich mein Nachbar, er schaute des ├ľfteren bei mir vorbei. Er war schwer ├╝bergewichtig, eine Tatsache, die ihn mir h├Âchst unsympathisch machte. Er begr├╝├čte mich fr├Âhlich, und fragte mich, ob ich wohl Lust h├Ątte, einen Kuchen mit ihm zu essen. Und in diesem Moment wurde mir pl├Âtzlich alles klar. Mein Nachbar konnte in diesem Moment nichts daf├╝r, und doch musste es so sein. Wie hatte er nur die Verwegenheit, ├╝berhaupt zu fragen, wo er doch bereits einige Kuchen gegessen hatte?
Ich verneinte also, wartete bis er gegangen war, zog mir dann meinen Mantel an.
Es musste so sein!
Die Thermoskanne in der einen Hand ging ich in nach drau├čen. Die Sonne war hervorgekommen, es schien, als w├╝rde der Tag sch├Ân werden. Die V├Âgel zwitscherten. Es war angenehm k├╝hl, nicht zu kalt.

Ich setzte mich zu dem Bettler. Dass ich den Geruch von Alkohol ertragen musste, war egal: Ich konnte etwas tun.
Denn in diesem Moment sp├╝rte ich zum ersten Mal Menschlichkeit, richtige Menschlichkeit.

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DocSchneider
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Hallo PaulIrini, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Dein Text ist wie ein kleiner Lichtstrahl an einem sehr tr├╝ben Herbsttag, auch wenn sich noch ein paar Fl├╝chtigkeitsfehler eingeschlichen haben, die den Glanz ein wenig tr├╝ben. Sonst hast Du das Thema "Einfach Menschsein" gut verpackt. -

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