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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Ein Hund muss her!
Eingestellt am 26. 03. 2013 12:50


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Ein Hund muss her!

Ein Punkt aus Bertas Vorwurfskatalog war noch nich abgearbeitet: der Jagdhund.
Ich saĂź gerade gemĂĽtlich aufm Lokus und hatte die Jagdzeitung inne Hand. Nee, nich wat Sie glauben, dafĂĽr iss mir dat Papier zu glatt.
Ich las gerade son hochinteressanten Artikel über die Hundeausbildung. Vielleicht etwat zu lange, denn Berta stand vor der Klotür und tobte: „Willi, wie lange dauert dein Nachtansitz aufm Pott? Ich will da auch noch ma rein. Du biss da schon ne geschlagene Stunde drin!“
„Berta, ich les gerade wat Wichtiget. Dat müssen wir gleich unbedingt besprechen, geh noch nich int Bett.“ Ich hatte meine Sitzung beendet. Sie wartete auf mich inne Küche.
„Berta, dat Einzige wat uns noch zur jagdlichen Vollkommenheit fehlt, weiße, wat dat iss?“
„Willi, nerv mich nich, ich weiß wat dir fehlt, ne Jagdeinladung.“
„Dat auch, Berta. Aber kennze den Spruch: ‚Jagd ohne Hund iss Schund’? Du muss dir ma jedet Wort aufe Zunge zergehen lassen. Ganz dringend brauchen wir en guten Jagdhund.
Also, firme Jagdhunde sind auf so Treibjagden einfach unverzichtbar. Auch bei Nachsuchen von angeschossenen Tieren sind die ein Muss! Der Erfolg hängt fast ausschließlich vonne Hunde ab.
Wat meinze, wenn wir erst ma son Tier haben, wat dann Einladungen auf uns einprasseln tun. Berta, dat is der Schlüssel für unsere jagdliche Vollendung, unser Türöffner für die begehrten Einladungen!“
„Willi, quatsch nich so geschwollen, dat war doch meine Idee mit dem Jagdhund. Jetz tusse so, als hättest du dat Rad erfunden. Ausgerechnet du! So langsam wirsse aber wach.“
„Berta, warum wirsse denn wieder gleich so kiebig? Iss doch gar nich nötig. Ich bin doch die Ruhe selbst. Platz genug hätten wir im Haus. Auch der Garten wär geeignet fürn Auslauf.“
„Willi, an mir soll dat nich scheitern, im Gegenteil. Die Kinder sind aussem Haus, Enkel zum Verhätscheln sind auch noch nich in Sicht. Et wär schön, wenn ich ma son Würmchen aufziehen dürfte.“
„Nee, Berta, wenn en Hund int Haus kommt, dann muss dat en ausgebildeter Hund sein. Son Welpe pisst doch wo er geht und steht und scheißt uns noch obendrein allet voll. Wat meinze, wie der Garten nach ne Woche aussehen tut? Hasse ma ne Wiese gesehn, wo Sauen drauf gebrochen haben? Berta, ich will nach dem Kauf sofort annoncieren: ‚Jäger mit firmen Hund sucht Jagdgelegenheit’.“
„Willi, es heißt beim Hund „nässen“ und „lösen“. Wo hass du eigentlich deinen Lehrgang gemacht?“ Ich ignorierte diese gemeine Attacke.
„Einen ausgebildeten Hund willze also? Nö, Willi, dat kommt überhaupt nich inne Tüte, schmink dir dat ab. Wenn hier en Hund int Haus kommt, iss dat en Welpe, verstanden? Son ausgewachsener Hund hat doch überhaupt keine Beziehung zu uns, woher denn auch? Der hat zum Züchter oder Ausbilder ne Herzensbindung, doch nich zu uns! Von so wat versteh ich als Frau mehr, dat kannze mir ruhig glauben, Willi.“
„Ja, vielleicht hasse Recht, Berta. Von der Seite hab ich dat noch nich beleuchtet, da iss aber wat dran.“
„Willi, hoffentlich weiße auch, dat son Hund Geld kosten tut. Ich denke, so tausend Euro musse dafür schon abdrücken. Der Hund braucht auch regelmäßigen Auslauf. Diese Arbeit wird wohl wieder an mir hängen bleiben. Herr Püttmann iss ja tagsüber aufe Maloche. Und wenn wir ma im Ausland Urlaub machen, müssen wir dat arme Tier in fremde Hände geben. Dat kostet auch wat. Lass uns dat mit die Anschaffung noch ma genau überlegen und en paar Nächte drüber schlafen. Sonne lebenswichtige Entscheidung, die unseren Lebensrhythmus total verändern tut, muss verdammt gut überlegt sein.“

Mann, wat hatte ich für ein Glück mit meiner Frau. Die analysierte dat Für und Wider so glasklar, als hätte se sich schon wochenlang mit dem Hundekauf beschäftigt.
„Berta, du hass Recht, so Gedanken müssen reifen. Et handelt sich schließlich um ein Lebewesen und nich um ne Waschmaschine, ne Bertaken?“
Et vergingen ma genau zwei Tage, da fing se wieder mit dem Hundethema an.
„Willi, über eins wollen wir uns schon ma im Klaren sein. Et wird en kleinen Hund gekauft. Ich hab mir son kleinen knuffigen Terrier vorgestellt.“
Jetz war aber Sabbat. Nun wollte Berta auch noch bestimmen, wat fĂĽrne Rasse gekauft wird! Ich ging hoch!
„Berta, son Kohlenhändlerhund kommt mir nich inne Bude! Wat soll ich denn mit som Fuzzi?
Ich hab gute Terrier zwar schon bei ner Drückjagd und Schweissarbeit gesehn, ich könnte mich damit aber rein gefühlsmäßig nich anfreunden. Ich hab mir nen richtigen Hund vorgestellt, enn edlen großen Universalhund!“
„Uni…, wat?“
Berta, en Hund muss Würde ausstrahlen – wie sein Herrchen. Er sollte im Feld, Wald, und natürlich auch im Wasser Höchstleistungen vollbringen. Hol doch ma den „Seibt“ aussm Bücherschrank, und lass uns ohne Aufregung alle großen Jagdgebrauchshunde inne Augen nehmen.
Ganz nebenbei möchte ich dich darauf hinweisen, dat ich durch meine zahlreichen Treiberereinsätze über einen viel größeren Überblick und Erfahrungsschatz verfüge. Außerdem habe ich ein ganzet Jahr ‚Jagd’ studiert, du nur zwei Wochen. Meinen jagdkinologischen Kenntnissen darfsse also uneingeschränkt vertrauen.“
Dat tat weh. Mein lieber Scholli! Berta wurde richtig fuchtig.
„Willi, komm runter, komm aufn Teppich, ich kann dein aufgesetztet Geschwätz nich mehr ertragen! Deine blöde Überheblichkeit iss ja nich mehr auszuhalten! Willze mich klein machen und mit deinem Gesülze weichkloppen? Nich mit mir, Willi, mit mir nich! Dat Thema iss für mich heute gegessen. Hol dir den Seibt selbst! Gute Nacht!“
Ich hatte wieder ma mein Fett weg. Die Frau war ja so wat von empfindlich! Zwei Tage hatten wir ne Stimmung wie auf ner Beerdigung.
Am dritten Tag vonne „stillen Messe“ rannte ich inne Buchhandlung und kaufte dat Buch: „Der Jagdgebrauchshund“. Ich studierte den Wälzer zwei Tage. Heimlich – damit ich en Wissensvorsprung kriegte – Herrschaftswissen, wenn Se verstehn tun. Mittags legte ich dat Buch neben Bertas Teller.
„Berta, lass uns noch ma ernsthaft über unseren Hund reden.“ Sie kuckte immer noch muffig.
„Über unseren Hund, Willi? Wir haben doch noch überhaupt keinen, nich ma einen ausgesucht. Aber gut, wenne unbedingt willz, kuck ich mir die Rassen ma an, dann redesse hoffentlich vernünftig mit mir und hass gescheite Vorschläge auf Lager.“ Ich hielt die Klappe. Man gewöhnt sich mit die Ehejahre fast an allet!
Wir besprachen abends drei Stunden die in Frage kommenden Rassen, kamen aber wieder nich zu Potte. Berta brachte mich fast um den Verstand. Wir vertagten dat Gespräch auf dat Wochenende.
Ich hatte gedanklich zwei Rassen inne engere Wahl gezogen. Zwei Vorstehhunde. Ein Deutsch Drahthaar und en Pudelpointer.
Oh, ich musste jetz verdammt diplomatisch vorgehen, wenn ich meine Favoriten durchzusetzen wollte. Berta war schlau, manchma en bissken zu schlau. Ich hatte alle Vor- und Nachteile vonne verschiedenen Rassen herausgearbeitet und noch ma schwer an meiner Argumentation gefeilt. Sonntagnachmittag ging et inne nächsten Runde.
„Berta, trinkse en Schlückchen Wein mit mir? Iss doch so gemütlich. Im Wein verbirgt sich Wahrheit. Ein gutet Tröpfchen wird dir die Qual der Wahl erleichtern.“
„Nee, danke, Willi, sauf dich ruhig zu, ich behalte en klaren Kopp.“ Ich kuckte wie Pik Sieben und holte mir ne Flasche Bier aussem Eisschrank. Dat konnte ja heiter werden! Dat Weib war doch nich ganz normal!
„Also, Willi, ich wünsche eine kleine Rasse. Hier, kuck ma, der Rauhaarteckel, iss der nich süß.“
„Sachte, Berta, sachte. Der Teckel sieht gut aus, hat auch gute Anlagen. Aber nun stell dir ma vor, du schießt en Hasen krank und der geht stiften. Der Hase wird im Feld nach fünfhundert Metern langsamer und langsamer und iss schließlich in Sichtweite verendet. Glaubsse vielleicht son Gartenzwerg apportiert dir den Hasen über sonne weite Distanz? Nee, Berta, der bricht unterwegs mehrmals zusammen! Dat iss Tierquälerei! Und noch wat: Ne kleine Rasse siehsse im Raps und hohen Gras überhaupt nich. Die sind hochgradig schussgefährdet. Da hasse dich gerade an son Dierken gewöhnt und bautz – isset passiert. Dat Theater mit dir möchte ich nich erleben! Noch wat, Berta, son kleiner Fiffi schlieft in jeden Bau. Die kleinen Rassen rennen da schnurstracks rein und holen sich da die tödliche Tollwut. Manch kleiner Hund iss im Bau auch schon vom Dachs und Fuchs furchtbar zerfleischt worden.

Ganz wat anderet iss dat mit nem größeren Hund. Der passt erst gar nich in son Bau rein. Der wird auch im Feld, weil er hoch auffe Läufe steht, vonne Schützen sofort als Hund erkannt.
Hier peil ma auf Seite vierzehn. Bertaken, dat sind Hunde! Hier, der kräftige Deutsch Drahthaar und dieser herrliche Pudelpointer. Die können sogar Schutzaufgaben übernehmen. Die Bellos passen auf dat Haus auf und schützen dich vor Sittlichkeitsverbrechern und anderem Gesockse.“ Ich erklärte ihr noch diet und dat. Gleich hatte ich se soweit.
„Meinze wirklich, Willi?“
„Klar doch, dat hab ich allet leibhaftig erlebt, ich erzähl dir keinen vom Pferd. Außerdem kläffen die kleinen Hunde bei jedem Kinkerlitzken. Dat nervt. Und Gehorsam, den kennen die Köter überhaupt nich. Wat ich damit schon allet mitgemacht hab, schrecklich! Dat sind übrigens auch ganz fiese Fernaufklärer. Die kommen, wenne Glück hass, erst nach Tagen vonne Hetze zurück oder du muss die zwanzig Kilometer entfernt bei ner Polizeiwache oder aus irgendeinem Tierheim abholen, wenn se bis dahin nicht überfahren wurden.
Aber hier, schau ma genau hin! Kuck dir nur diese herrlichen Bellos an, dat sind edle Kerle und keine Mickermänner.“ Berta fuhr mir inne Parade.
„Willi, wieso sprichste von Kerlen und Männern? Ein Rüde kommt auf gar keinen Fall in Frage, dat mach ich nich mit. En größeren Hund, dat seh ich noch ein, aber kein Rüde! Nein und nochmals Nein! Haben wir uns verstanden? Die heben doch an jeder Ecke dat Bein und rammeln ständig inne Gardinen. Nee, dat läuft nich, Willi. Rüden! Du biss wohl nich recht gescheit!“
Ich war jetz schwer auf Draht. Die großen Hunde waren scheinbar gebongt. Berta durfte dat Gesicht nich verlieren. Ich war jetz chinesischer Diplomatiker – musste also kompromissbereit sein.
„Berta, sonne Hündin iss ja auch nich gerade dat Gelbe. Wenn die heiß und läufig wird, wat iss denn dann? Denksse an unsere hellen Teppiche? Dat iss für mich ne Sauerei.“
„Willi, da gibt et Schutzhöschen und Teppichreiniger für, ich hab mich schon erkundigt. Außerdem sind Hündinnen anhänglicher und nich so aggressiv. Ich sach dir dat in aller Freundschaft, ein Rüde kommt nicht in Frage!“
Ich dachte: „Wenn du wüsstest mit den Hundeweibern! Dat hab ich schon anders erlebt. Bestien warn dat, wenn die auf andere Hündinnen trafen. Eben – wie im richtigen Leben.“
„Gut, Berta, ich akzeptier unter leichtem Vorbehalt ne Hündin. Damit wären wir ja schon ma en ganzet Stück weiter. Sach jetz ma ehrlich, welche Rasse gefällt dir nun besser? Der DD oder der PP?“
Meine Zeit noch ma, Willi, wat sind dat denn für dämliche Abkürzungen?“
„Berta, iss doch ganz einfach. Deutsch Drahthaar und Pudelpointer, mein Liebling. Alle Abkürzungen von den Rassen habe ich auf meinem Lehrgang lernen müssen.“
„Ach ja, der Pudelpointer, der kuckt so niedlich, der könnte mir gefallen.“
„Bertalein, den gibt et in den Zuchtfarben schwatt und braun. Welche Farbe käme deinem Geschmack am nächsten?“
„Ach, Willi, du biss aber heute en ganzen Lieben, überlässt mir alle Entscheidungen. Son braunen hätte ich gerne, der passt gut zu meinen Haaren. Schwatt iss mir unheimlich.“
So sind die Frauen, eine wie die andere. Von denen kommt nur dummet Zeug bei so wichtigen Entscheidungen.
„Gut, Berta, dann wolln wir morgen Abend ma inne Jagdzeitung peilen, ob et inne Nähe PP-Züchter gibt.“ Et war fast Mitternacht. Ich war fix und foxi.
Alle möglichen Hunde liefen mir nachts über die Bettdecke. Die kleinen Rassen kläfften mich in einem fort an und bissen mich halb tot. War dat etwa mein schlechtet Gewissen, wat mich da piesackte?




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Wolfgang M. A. Bessel
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