Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
238 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Ein Junitag anno 98
Eingestellt am 27. 02. 2004 00:01


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gareth eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ernst w├╝hlte einst in selbst gemachtem Schrott
der liebe Gott. Der Gott der Liebe.
Gott

Er w├╝hlte ohne Ziel, er dachte nicht,
er wusste, wie es ihm seit je entspricht

Doch f├╝hlen tat er wohl, dass etwas fehle.
In jener Menge Schrott aus Stahl und Blut
ersp├╝rte er statistisch einen Mangel

Da war der Strang zu m├Ąchtig von der Strasse
und von der Schiene jener schien zu fehlen.
Dem half er ab, Gerechtigkeit zu ├╝ben
von Ewigkeit zu Ewigkeiten. Amen

'Der erste Schritt, ihr Engel, ist das Sparen
an Sicherheit mit starken Argumenten.
Das sei gesegnet heut┬┤ in meinem Knechte,
der vom Papier gewechselt auf die Schiene,
desweiteren..'

'Herr, es ist Zeit.
Der Ring des Rads gelockert,
die Kinder, M├╝tter, V├Ąter ohne Arg'

'Ich will sie schonen noch auf freier Strecke,
doch bald, gar bald, f├╝r die ich mich entscheide,
lasst sie versammelt sein in meinen Reichen'

'Nun, Herr?'

'Wer fragt? Wo noch die Strecke frei,
nach meinem Plan und Willen?
Nein, dort gescheh┬┤s! An jener, meiner Br├╝cke.
Dort sei das letzte Wort gesagt in dieser Sache
Dort, Hier, das letzte Wort gesprochen:

Jetzt!'


Ernst w├╝hlt, im Kreis der ewig stillen Seelen,
von Ewigkeit zu Ewigkeit
ein Gott

Es w├╝hlt und w├╝hlt und w├╝hlt im selbst gemachten Schrott,
der liebe Gott.
Der Gott der Liebe.

Gott



"Oder geschieht ein Ungl├╝ck in der Stadt, und der HERR h├Ątte es nicht bewirkt?" (Amos 3:6)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

ÔÇ×Es ist jetzt 12.06 Uhr." So endeten die Nachrichten am 3. Juni 1998. Kurz zuvor war die Meldung vom schrecklichen Zugungl├╝ck in Eschede ├╝ber den ├äther gegangen. Was war geschehen? Um 10.59 Uhr entgleisten am Westrand der Ortschaft Eschede alle Waggons eines ICE, der von M├╝nchen nach Hamburg mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h unterwegs war...

Oh gareth, was st├╝rzt du mich mit deinen Worten in Abgr├╝nde, Erinnerungen, die nur mittelbar.
Sa├č ich doch nicht in jenem Zuge, und bin nicht Gottes Lieblingskind. Noch l├Ą├čt er mich hier unbeachtet kommentieren.

Wo ich viel lieber schweigen wollte, getroffen tief von deinem Text.

Er ist ein Meisterst├╝ck, und kein Gedicht. Szenario einer Ohnmacht, damals auch und jetzt.

Zusammenreissen will ich mich, um deinem Zorn gerecht zu werden. Zu w├╝rdigen die Mittel, die du angewandt, um nicht nur anzur├╝hren, nein, auch mit dir z├╝rnen l├Ą├čt du jeden Leser.

Z├╝rnen, zweifeln, zynisch gar?
Beschw├Ârungsformeln lese ich Am Anfang und am Ende.

Ernst w├╝hlte einst in selbst gemachtem Schrott
der liebe Gott. Der Gott der Liebe.
Gott


Am Ende noch verst├Ąrkt durch Wiederholung:

Es w├╝hlt und w├╝hlt und w├╝hlt im selbst gemachten Schrott,

Und so sehe ich ihn, hart, mit kalter Geste

er dachte nicht,
er wusste, wie es ihm seit je entspricht


das Schicksal vieler S├╝nder in der Hand,
das Zeichen geben an die Knechte...

Jetzt!

Und schon ist es vollbracht.
Was k├╝mmert ihn, was die da unten nun an Jammern und an Tr├Ąnen lassen...

Er wendet sich kalt wieder ab. Gott.

Ich wollte stumm sein, gareth, und hab nun doch viel geschrieben.

Aber mit diesem Text hast du mich nicht nur tief getroffen,
sondern schreibend dich selbst ├╝bertroffen.

Lotte Werther

Bearbeiten/Löschen    


gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gareth eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe Lotte Werther,

ich danke Dir f├╝r die ausf├╝hrliche Besch├Ąftigung mit diesem Text. Er ist das Ergebnis einer langen Zeit der Auseinandersetzung mit der Frage nach Gott, und auch einer langen Zeit der Textgestaltung. Es geht dabei "nur" um die Frage nach einem personifizierten, allm├Ąchtigen *) Gott. Ich habe mich hier einfach in die Reihe derer gestellt, die den Beweis zu erbringen suchen, dass ein solcher Gott undenkbar und vor allem unw├╝nschbar ist. Es bleiben einem derartigen Gott aus meiner Sicht n├Ąmlich nur drei Handlungsm├Âglichkeiten: entweder aktiv zu steuern, passiv zu dulden, oder nicht wahrzunehmen. Die beiden letzteren scheiden definitionsgem├Ą├č aus und die verbleibende erste ist dargestellt. Ich habe diese "Beweisf├╝hrung" an Hand des 03.06.98 gef├╝hrt; es g├Ąbe tausende anderer M├Âglichkeiten.

Ein schwieriges, leidvolles Thema, zugegeben und ich danke Dir, dass Du Dich darauf eingelassen hast.

*) Die Frage nach der Allmacht ist in uralten j├╝dischen Anekdoten bereits schl├╝ssig beantwortet worden. Ein allm├Ąchtiger Gott muss n├Ąmlich in der Lage sein, einen Stein zu schaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht mehr aufheben kann :o)

Liebe Gr├╝├če
gareth

Bearbeiten/Löschen    


Kasoma
Guest
Registriert: Not Yet

Hi, Gareth,

ja, das ging doch schon mal besser, viel, viel besser! Danke, Lotte f├╝r den Link, h├Ątte dieses tolle Werk wohl sonst nicht gefunden!

Lieber Gru├č von Kasoma

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!