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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Kerl und sein Kaffee
Eingestellt am 12. 04. 2004 23:34


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gox
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Marius mahlte seinen Lieblingskaffee. Selten machte sich jemand noch die MĂŒhe, Kaffee mit der eigenen MĂŒhle zu mahlen. Die seelenlosen Vakuumverpackungen, in denen Kaffeepulver massenweise offeriert wurde, lagen im Trend und leider zuhauf in den Kaufhausregalen.

Auch sein KaffeegeschĂ€ft, stolz auf ausgefallene SpezialitĂ€ten, mahlte die teuren Köstlichkeiten fĂŒr die Kaffeemaschine vor. Marius erschloss sich nie, weshalb Menschen sĂŒndhaft teure KaffeespezialitĂ€ten erwerben und diese im GeschĂ€ft mahlen lassen, um sie dann im heimischen Kaffeeautomaten mit BrĂŒhstopp und Tropfverschluss zu verwursten.
Ganze Bohnen kaufen, selbst frisch mahlen und in einem Porzellanfilter handbrĂŒhen. Danach ein heißer Genuss - so machte man das. Gelegentlich gab er eine Messerspitze Salz in die FiltertĂŒte oder, um ein feineres Aroma zu erzeugen, eine kleine Prise Kakao.

GrundsĂ€tzlich musste sein Kaffee stark sein, eben ein richtiges MĂ€nnergetrĂ€nk. Marius trank ihn immer schwarz, ohne Dosenmilch oder Sahne. Er fand, dass ein echter Kerl Kaffee nicht verdĂŒnnen sollte und sprach angewidert von Kaffeepanscherei.
Kaffee mit Sahne war ein GetrĂ€nk fĂŒr Frauen, die kurz vor der Schnabeltasse stande. Und Kaffee Latte Macchiato war etwas fĂŒr Schwule, man nannte es auch schon Latte-Kaffee. Marius schĂŒttelte sich.
Es gibt absonderliche Kreationen, dachte er, Kaffee Hazelnut oder Kaffee mit Bailey's. Eine GĂ€nsehaut lief ĂŒber seinen RĂŒcken. Dann fĂŒllte er kochendes Wasser in den Filter mit der besonders starken Pulvermischung.

Heute musste Marius sein schwarzes GetrĂ€nk allerdings schlecht behandeln: Er fĂŒllte es in eine Thermoskanne. Da er sich fĂŒr einen Genussmenschen hielt, widerstrebte ihm diese rohe Behandlung. NatĂŒrlich sollte Kaffee gleich nach dem AufbrĂŒhen sofort und heiß getrunken werden. Aber besondere Situationen erforderten besondere Lösungen.

Seine Frau Carola lag hochschwanger in der Klinik. Carola und er hatten sich fĂŒr eine konservative Geburt entschieden. Das bedeutete fĂŒr Marius, vor der TĂŒr zu warten, bis sich der Nachwuchs eingestellt hatte.

Eigentlich wollte er das anders. Ein Mann wie er hĂ€tte die Geburt seines Kindes schon hinbekommen und betrachtete eine Niederkunft als Kinderspiel. FrĂŒher hatten Frauen ihre Kinder bei der Kartoffelernte bekommen und danach mit der Ernte weiter gemacht.
Notfalls hĂ€tte er sogar die Nabelschnur durchgebissen. Carola aber lehnte seine Anwesenheit bei der Geburt ab und die Idee mit der Nabelschnur erst recht. Daher musste sich ihr Mann auf eine lange Wartezeit einstellen, durchzustehen natĂŒrlich nur mit Kaffee.

Er lĂ€chelte ein wenig. Heute ist der Tag, an dem ich zum ersten Mal Vater werde. Vielleicht auch erst Morgen, wenn Carola sich viel Zeit lĂ€sst. Er erwog, eine weitere Thermoskanne zu fĂŒllen.

Marius betrat mit zwei Thermoskannen den Warteraum im Krankenhaus und fĂŒhlte sich gut gerĂŒstet. Die Turmuhr schlug 18.00 Uhr. Er saß alleine in dem kalten Zimmer. Offenbar galten Geburten ohne mĂ€nnliche Anwesenheit als unmodern.
Von weit her hörte er das Schreien von Frauen. Entmenschtes, gellendes Schreien. Marius hob eine Augenbraue, öffnete die Thermoskanne und goss das köstliche Nass in den Plastikbecher. Was fĂŒr ein Frevel - Plastikbecher. Wie eine ÜberlebensĂŒbung in unbekanntem GelĂ€nde, dachte er.
Das Schreien der Frauen hörte nicht auf und gelegentlich zuckte er mit seinem Plastikbecher zusammen. Immer, wenn er meinte, der Schrei kÀme aus Carolas Mund.
Ihm wÀre es viel lieber gewesen, wenn Geburten lautlos von statten gingen. Sein strapaziertes Hirn suchte die WÀnde des Wartezimmers nach einer Möglichkeit ab, diese gegen Schall zu isolieren.
Die TĂŒr hinter ihm wurde ruckartig geöffnet. Vor Schreck verschĂŒttete Marius die HĂ€lfte seines Kaffees. Eine weißbekittelte Krankenschwester trat ein.
"Guten Abend, es kann noch ein wenig dauern mit ihrer Frau" - ein sanft lÀchelnder, blonder Engel beschrieb den Sachstand. Marius lÀchelte unbeholfen und kaffeebekleckert.

Carola ließ sich Zeit. Viel Zeit. Kurz vor Mitternacht, Marius hatte bereits ein Loch in die Versiegelung des Linoleumbodens getreten, kam es im Kreissaal zu einem Crescendo. Immer lauter wurden die Schreie und Marius war mit den Nerven am Ende. Er hielt sich die Ohren zu. Die erste Thermoskanne war bereits geleert.
Marius wĂŒnschte sich, wie ein richtiger Kerl an einem Lagerfeuer im Wald zu sitzen. Ganz weit weg von hier. In erster Linie an einem stillen Ort, an dem nur das Lagerfeuer ein Recht hatte, leise vor sich hinzuprasseln. Dort, wo man Mann sein durfte und mit anderen Kerlen schweigsame MĂ€nnergesprĂ€che fĂŒhren konnte.
Carola schrie schon wieder. Marius war am Ende. Wie Frauen es nur aushalten konnten, stundenlang zu schreien.

Plötzlich entsetzliche Stille, nichts tat sich mehr. Marius nahm noch einen großen Schluck Kaffee, dann war die zweite Thermoskanne niedergemacht. Eine Viertelstunde Ruhe. Gespannte Ruhe.
Der blonde Sachstands-Engel kam herein:
"Ich gratuliere! Ein gesunder Junge und ihrer Frau geht es gut."
Er wurde von der Weißbekittelten in den Kreißsaal gefĂŒhrt. Carola lag erschöpft in grĂŒnen Laken vor ihm. Sie lĂ€chelte ihn glĂŒcklich an. Der blonde Engel brachte ihm seinen nackten und krĂ€henden Sohn.

Marius Brust schwoll an vor Stolz. Er bekam das Neugeborene fachkundig in den Arm gelegt. Ungelenk wusste Marius nicht so recht, wie er seinen Sohn halten sollte. Er sah Carola an und gab ihr einen Kuss durch die Luft. Seine Hand streichelte behutsam den leicht behaarten Kinderkopf, allerdings zitterte seine Hand so sehr, dass er befĂŒrchtete, seinen Sohn zu grob zu behandeln.
Seine Frau sah das mit gĂŒtigen Augen : "Du zitterst ja, Marius." Ihr LĂ€cheln war umrahmt von vielen, kleinen Lachfalten um die Augen.
"Ich habe zu viel vom starken Kaffee getrunken, daher bin ich wohl ein wenig unruhig". Er konnte das Zittern seiner Hand kaum mehr kontrollieren.
"Am Kaffee, mein Herz, wird das wohl nicht liegen", lĂ€chelte seine Frau sanftmĂŒtig "schon vor einer Woche habe ich Deinen Kaffee auf eine koffeinfreie Sorte umgestellt. Ich wusste ja, dass uns eine Nerven aufreibende Zeit bevorsteht. Dein Sohn braucht einen gesunden Vater".
Marius kam sich in diesem Augenblick eigenartig nackt vor. Genauso nackt wie sein Sohn.
Aber die beiden MĂ€nner sahen das gelassen.
__________________
Das Unmögliche ist immer denkbar und das Denkbare ist immer möglich

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Rainer
???
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hallo gox,

also ehrlich gesagt weiß ich nicht so richtig, was du uns mit deiner geschichte sagen willst.
ich werde sie jetzt nicht in aller öffentlichkeit zerpflĂŒcken, (das kann ich auf wunsch per mail nachholen), aber wenigstens das wort unstrukturiert möchte ich zur diskussion stellen.
du zerstörst sehr schöne sÀtze wie

quote:
Die seelenlosen Vakuumverpackungen, in denen Kaffeepulver massenweise offeriert wurde, lagen im Trend und leider zuhauf in den Kaufhausregalen.

mit einem solch ĂŒberbordenden angebot an nebenschauplĂ€tzen, dass ich keinen kurzgeschichtenhaften clou ausmachen kann; der koffeinfreie kaffee reißt den text dann auch nicht mehr herum.
ich möchte dir empfehlen, dich mehr auf ein bis zwei wesentliche dinge zu konzentrieren, und diese dem leser als destillat anzubieten; der sumpf bedarf nur der erwĂ€hnung nicht aber der ausfĂŒhrlichen beschreibung.

so, jetzt habe ich deinen text genug "madig" gemacht - es soll dir aber als ansporn dienen, denn dein handwerkszeug beherrschst du recht gut.

viele grĂŒĂŸe
rainer


__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Pali
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Ich mach nen guten Latte Macchiato. Heißt das, ich wĂŒrde nen guten Schwulen abgeben?


So, jetzt mal Spaß beiseite: Mir ergeht es wie Rainer, ich hab leider keine Ahnung, was ich mit der Geschichte anfangen soll. Wenn's ne Lobhymne auf schwarzen Kaffee sein soll, warum dann dieses Gedöhns um Marius' schwangere Frau? Wenn's um Marius' schwangere Frau gehen soll, warum dann die ganzen AbsĂ€tze ĂŒber Kaffee (obwohl ja eigentlich erfreulich, da Kaffee = teh fluff!)? Und wenn's um eine kleine SelbsttĂ€uschung seitens Marius zum Thema Echter Kerl ist, warum dann gerade Kaffee? Aber in allen FĂ€llen: Warum zum Geier diese Pointe von wegen koffeeinfrei und so?

Na ja, anyway, mir hat die Abhandlung ĂŒber Kaffee gefallen, die war gut.


__________________
Ich lebe ĂŒber meinen VerhĂ€ltnissen, aber unter meinem Niveau.

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