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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Kind des Junis
Eingestellt am 01. 06. 2015 22:56


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John House
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2015

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Ein Kind des Junis
Ich sag dir ich bin ein Kind des Junis, ein Kind des Sommers, ein Kind des frischen Herzens und der duftenden Blumen, ums├Ąumt von summenden Bienen, den Song der W├Ąrme singend. Ich bin ein Kind der nach Teer duftenden, weichen Stra├čen, der Hitzewellen ├╝ber dem Asphalt, der braunen, seidenen Haut, unter d├╝nnen Bikinis. Ich liebe auch den Winter, ich liebe seine Winterabende und die gelbe Beleuchtung an den beschlagenen Fenstern, den mysteri├Âsen Rauch aus den steinigen Schornsteinen und das Nachhause-Kommen in einen Raum, wo die Heizung haucht, wo Geb├Ąck seinen Duft verteilt und deine Mutter mit roten Backen Gl├╝hwein kocht. Aber ich kann dem Winter nicht standhalten, vor allem seinen grauen, vorank├╝ndigenden Nachmittage, ohne Schnee, aber auch ohne Sonne, ohne Regen, sondern nur mit einem eisigen Wind, der ├╝ber deinen aufgestellten, steifen Kragen schl├╝pft und deine Ohren einfriert. Ich kann dem Winter nicht standhalten, meine Lippen und H├Ąnde platzen direkt auf, denn ich bin ein Kind des Sommers. Ich kann der Sonne standhalten, kaum platzt meine Haut wegen ihr auf und ich sag euch wieso. Denn auch meine Gro├čmutter war ein Kind des Sommers, Kind des Sommer '32, und ich des Sommers '97 und wo ist da der Unterschied? Ich bin ein Kind des Sommers, ich liebe es auf unserer kleinen Terrasse zu schlummern, und die V├Âgel zu beobachten, die freudig quietschend in unseren kleinen Teich springen und sich den Kopf unter den kleinen Wasserfall k├╝hlen. Ich liebe diesen Teich und sein beruhigendes Gurgeln, was sein eigener, niemals endender Song ist. Doch jetzt ist es Dezember, jetzt ist es wei├č, graue Frostd├Ącher und br├╝chig braunes Laub und mein Teich ist voller Eis und singt nicht mehr und meine H├Ąnde platzen auf und ich singe vor brennendem Schmerz, wenn selbst das lauwarme Wasser viel zu hei├č ist, als ich aus der K├Ąlte nachhause komme, immer ersch├Âpft, immer grau in den Augen, denn grau ist alles was ich sehe. Ich hasse es wach zu werden und durch meine Jalousien nur pechschwarze Dunkelheit zu sehen, keine Amseln die mich wecken, keine von fern herbei schlurfenden Sonnenstrahlen, sondern nur st├Ąhlender K├Ąlte, wenn ich eine Hand unter der Bettdecke hervorstrecke. Ich hasse es, wenn der Wind in meine Stirn bei├čt, hasse es, wenn ich in langweiligen ersten Schulstunden auf meinem Stuhl sitze und in der k├╝nstlich, m├╝den Heizungsw├Ąrme fast einschlafe, denn drau├čen ist immer noch nur Dunkelheit ├╝ber meinen geliebten Ramneyportd├Ąchern. Mein Verstand schreit "Komm schon Bl├Âdmann, du bist ein Kind des Sommers, sie es ein, sie es ein! H├Ârst du noch die V├Âgel, h├Ârst du sie noch? Du bist ein Kind des Junis, ein Kind des Sommers, ein Kind der V├Âgel, also pack deine Sachen und folge ihnen! Folge dem 'Kackaaa, kackaaaa, Kafkaaaa, bastaaaa' und entferne dich von dem 'Uhhhh, wischuuuu, Juuuuuuu-niiiii, weeeeg'!" Denn auch die V├Âgel sind Kinder des Sommers, doch sie lernten eine Weisheit mehr als wir. Doch ich sage euch warum ich auch den Winter liebe. Auch wenn ich ein Kind des Junis bin, ein Kind des, Setz dich hin und K├╝hl dich ab, denn die Welt ist ein Ort des Genusses und der roten Sonne und nicht ein Platz an dem man sich qu├Ąlen und frieren muss, musste ich doch erst durch 17 kalte Winter gehen um das zu sehen. Und genau in diesem Moment, habe ich Sehnsucht danach, auf einer verlassenen Stra├če, vor den Weiden zu stehen, der eisige Wind aufgebauscht durch meinen sch├╝tzenden Kragen, den Schal poetisch am Hals dick aufgerollte, eine vom Wind, wild, gl├╝hende Zigarette in der Hand und auf die gelb, ja golden leuchtenden Fassade der Kirche und des teuren Hotels zu blicken und dann hoch in den Himmel, nun dunkel und so befreit vom Grau, wo riesige Schw├Ąrme meiner Br├╝der und Schwestern ihre Reise in den S├╝den antreten und ich zu ihnen hinauf blicke und sie jetzt schon vermissen kann, bis in den n├Ąchsten Juni.




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