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Leselupe.de > Kurzprosa
Ein Kurzdialog
Eingestellt am 08. 02. 2017 18:23


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Andakon
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2017

Werke: 3
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ein sonntagmorgen
zwiesprache.


A = person, ich
B = stimme, ichduersiees


A:    ein herrlicher morgen!
B:    das ist das falsche wort.
A:    ein wunderbarer morgen. ein ekstatischer morgen. das berauschende gefĂŒhl aufzustehen, durch die leere wohnung zu gehen, alles ist still, ja beinahe verlassen. – du machst dir eine kanne kaffee und betrittst einen raum, in dem helles licht flutet 
 der klare himmel im fenster dehnt sich auf möbel und gegenstĂ€nde aus. ein frischer luftzug, draußen bewegt er die blĂ€tter der birken, vermischt sich schon mit dem köstlichen duft des kaffees, und du ahnst den nahenden herbst. der teppich, auf dem du jetzt sitzt, ist voller gelber sonnendreiecke. sie sind ĂŒberall, beflĂŒgeln dich. du spĂŒrst dich inmitten all dieser dinge – alle krĂ€fte scheinen geweckt!
B:    du spuerst das leben wie du es nennst wie lange nicht mehr.
A:    ich glaube, es ist glĂŒck
B:    ach.
A:    lust, was ich empfinde. es ist 
 es ist 
 ich kann nicht wirklich in worte fassen 

B:    wie ein morgen am meer?
A:    ein morgen am meer! alles fließt ineinander ĂŒber, das licht und die farben am horizont, die blaue luft, die sich mit dem wind vermischt. die möbel sitzen in der sonne wie tiere, die sich aufwĂ€rmen. in der Tasse der löffel, blitzt und funkelt wie ein tropfen in der gischt. winzige dinge kommen zum vorschein, die man sonst nicht wahrnimmt. glitzernde fĂ€den hĂ€ngen in der wĂ€rme, und haare schimmern golden auf der haut. nichts regt sich. nichts von menschenhand. es gibt nur die gerĂ€usche aus der natur. verhaltene stille – unendlich still. deshalb kann so ein morgen nur ein sonntagmorgen sein, verstehst du?! alles ist möglich, und nichts ist wichtig in diesem moment, außer dass ich fĂŒhle, dass ich BIN. es ist, als ob ich selber zu dem wĂŒrde, was mich umgibt. und das schöne dabei, dass ich das alles hier auf diesem stĂŒck teppich erlebe.
B:    was dich umgibt ist in dir oder bist du in ihm? in all dem was auf dich einwirkt. es ist wie mit deinem zimmer: die sonne dringt herein und scheint alle gegenstaende zu beleben. in wahrheit belebt sie deine verborgenen kraefte die du so selten spuerst. du begreifst dass du ein teil von allem bist. sprich von Natur wenn du willst. – doch warum nennst du sie HERRLICH?
A:    ich habe nicht wirklich HERRLICH gemeint.
B:    weshalb sollte die natur auch >herrlich< sein?! vielleicht ist sie >goettlich< – wenn man daran glaubt dass ein gott die welt erschaffen hat 
 aber wer sagt dir dass gott ein HERR ist? wozu ueberhaupt einen gott benennen. genuegt es nicht zu sagen es sei ein natuerlicher morgen ein morgen so schoen wie ihn die schoepfung will heißen die natur nur hervorzubringen vermag? im wahrsten sinne des wortes ein >schoepferischer morgen<.
A:    du verdirbst mir die ganze freude.
B:    aber nein. bedenke doch was du sagst. nenn‘ die dinge beim namen. werde eigentlich. hunderte von woertern vegetieren in deinem sprachgebrauch auf die du zurueckgreifst ohne dir ihrer bedeutung bewusst zu werden. hoer‘ dir zu! du musst versuchen andere zu finden. treffendere.
A:    jetzt, wo du es sagst 

B:    auch ein >wunderbarer morgen< hat seine tuecken.
A:    ein einzigartiger morgen?
B:    -
A:    ein sonntagmorgen.



__________________
Lea Andersson

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Betzebub
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2016

Werke: 13
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Hallo Andakon,

ich tue mich schwer, diesen Dialog zu der Rubrik "Prosa" einzuordnen.

Bei Prosa-Texten passiert etwas, es gibt eine Handlung. Diese gibt es bei Dialogen nicht.
Ich wĂŒrde es also eher zur Lyrik zĂ€hlen. Und da auch eher zur Experimentellen Lyrik, mehr als ein Versuch ist es fĂŒr mich leider nicht.


Jetzt ein paar Worte zum Inhalt:

WĂ€hrend Person A ĂŒber die Freuden eines Sonntagmorgens sinniert und versucht, jeden Moment in sich aufzusaugen, wirft Person B meist nur sinnfreie und langweilige SĂ€tze ein.
Das macht fĂŒr mich das Schöne von Person A kaputt.

Hast du schon mal daran gedacht, die Person B komplett zu streichen und Person A sozusagen einen "inneren Monolog" fĂŒhren zu lassen? Person B bremst die lyrischen Passagen von Person A jedes Mal aus und stört den Redefluss von Person A immens.

Spannung braucht dieser Text keine. Lass den Leser trÀumen, wÀhrend er liest. Wie die Sonnenstrahlen auf dem Teppich tanzen, der Duft des Kaffees und der Sommerbrise, die durch das Fenster ins Innere ströhmt, vielleicht die Blumen, die sich freudig in die Sonne drehen oder die Vögel auf den halb kahlen BÀumen ihr Lied singen. Das Laub, dass im Garten tanzt, die Katze die sich auf einem Stein in der Sonne wÀrmt, die Nachbarskinder, etc.

LG

betze
__________________
Wer ainen RĂ€chtschraifehla finded, darf iin behallten.

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