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Leselupe.de > Feste Formen
Ein Liebeslied
Eingestellt am 09. 05. 2014 14:09


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Walther
Routinierter Autor
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Ein Liebeslied


Das Leben ruft sich Atem zu und sieht,
Was man nicht h├Âren kann; es riecht das Sterben
Und will doch immer weiter leben. Erben
Vermag es nicht, vererben nur. Ein Glied

Der Endloskette, die begann, als aus
Dem Nichts ein Sein entsprang, das sucht
Und niemals finden darf. Es ist verflucht,
Verdammt, sich weiter auszudehnen. Haus

Ist H├╝tte. Schutz ist Traum. Die Hoffnung Glaube.
Du bist es, Liebste, der ich Atem raube,
Die, die ich h├Âre, ohne sie zu sehen,

Die, die ich rieche, ohne satt zu werden.
Ich werfe sie ins All, Angst und Beschwerden.
Wir werden auch das Sterben ├╝berstehen.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Mondnein
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Ein ganz ausgezeichnetes Gedicht!
Ich finde es hervorragend, ohne doch mit dem Selbstgef├╝hl des lyrischen Ich es bejahend, best├Ątigend, mich damit identifizierend ├╝bereinzustimmen (obwohl mir selbst langsam die Sonne sinkt). Ich denke an Heideggers Sorgenphilosophie, vermute das Motiv von der "Liebe als Angstbew├Ąltigung des in die Einsamkeit des Daseins Geworfenen". Aber ich denke, da├č da Ursache und Wirkung verwechselt sind: Der ungl├╝cklich Verliebte erlebt die Einsamkeit verst├Ąrkt, aber nicht als Daseinsangst und Leere, sondern als schmerzliches Erf├╝lltsein. Er hat nicht zu wenig, sondern zuviel Sinn. Er wei├č ganz genau, worum es ihm geht:

    Da├č eine stille Sonne alles wirkt
    Um die die Welt sich dreht - ich bin daf├╝r
    Der lebende Beweis: Ich kann das Sch├Âne
    Das ich so heftig liebe und ersehne
    ÔÇô Das Ziel all meiner W├╝nsche das vor mir
    Erbl├╝ht und ├Âffnend sich vor mir verbirgt ÔÇô

    Nur in den Schmerzen finden in dem Frost
    Der meine Glut durchfeuert. Alles wird
    Zu Gott der sich entzieht und alles f├╝llt
    Mit einer edlen Wehmut ohne Trost
    Der nicht mehr sp├╝rt wie er die Seele r├╝hrt
    Und dessen Stille mich l├Ą├čt ungestillt

Ja, doch, Du hast v├Âllig recht, und auch die These von der Liebe als der Geworfenheit ins Sinnlose, ins Nichts - je mehr ich sie von mir weisen will (und eben noch f├╝r falsch gehalten habe), um so richtiger scheint sie mir nun, in einer eigenartigen, seltsamen, gef├╝hlsfarbigen Paradoxie.

__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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lb mondnein,

vielen lieben dank f├╝r deinen wie immer ├Ąu├čerst sachkundigen eintrag. ich glaube kaum, da├č dir vom wissen her jemand das wasser reichen k├Ânnte. es ist erstaunlich, was ich immer wieder aus deinen eintr├Ągen lernen kann.

in der tat spielt hier der gegensatz zwischen innen und au├čen eine etwas andere rolle, als das ├╝blicherweise der fall sein mag. das dialogische des sonetts ist hier als widerspruch zwischen vernunfts- und gef├╝hlswissen ausgepr├Ągt. am ende z├Ąhlt das innen, so die botschaft. wir wissen, da├č sie - wie das meiste, das wir denken und f├╝hlen - in diesem extrem richtig und falsch zugleich ist.

die euphorie der liebe ist eine wunderbare schutzwehr gegen die kalte sch├Âpfung. am ende wird die k├Ąlte den sieg davontragen. aber noch, bis zum letztem atemzug, besteht hoffnung.

lg w.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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