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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Mann und eine Frau
Eingestellt am 07. 09. 2001 13:09


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Sigfrid
Hobbydichter
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Ein Mann und eine Frau

Das Blut rann ├╝ber ihre H├Ąnde, ihre sch├Ânen wei├čen H├Ąnde.
Sch├Ân, wenn man von den durch Nervosit├Ąt abgebissenen N├Ągeln absah. Das Blut weitete sich weiter aus, es tropfte von der mittlerweile vollkommen bluterschlossenen Hand in eine gro├če rote Lache roten Lebenssaftes.
Mit dem aus ihrem K├Ârper str├Âmendem Blut, sp├╝rte sie auch das Leben fliehen.
Fliehen aus ihrem K├Ârper, der bereitwillig los lie├č. Bereit zu gehen. Langsam, St├╝ck f├╝r St├╝ck, K├Ârperteil f├╝r K├Ârperteil, abzusterben. Nichts mehr zu sp├╝ren, nichts mehr zu f├╝hlen und das Wichtigste und Sch├Ânste, nichts mehr zu denken und somit auch nichts mehr zu f├╝rchten.
Ihre Knie waren schon lange weggesackt. Sie sa├č auf den kalten, wei├čen Granitflie├čen, w├Ąhrend ihr Bewusstsein schw├Ącher und schw├Ącher wurde.
Das Blut war ein warmer, tr├Âstender Ausgleich zu den kalten Bodenplatten.
Wenngleich in ihrem K├Ârper die K├Ąlte weiterkroch um mit ihren gierigen Klauen mehr und mehr nach ihr zu greifen, damit mehr und mehr der Mantel des Vergessens ├╝ber sie gelegt werden konnte.
Vor Tagen noch oder waren Monate vergangen?
Ist ja auch egal! Was ist schon Zeit?
Relativ. Eben.
Jedenfalls hatte sie da gedacht, die Welt bestehe nur aus Gl├╝ck und Sonne. Ihm und Ihr.
Endlich war ein zusammenfinden m├Âglich gewesen. Sie hatten es geschafft die
Scheu, mit der sie sich allt├Ąglich begegneten, abzulegen.
Endlich das, was ein jeder von ihnen sp├╝rte, dem anderen mitzuteilen.
Denn sie waren extreme Menschen. Die extreme, alles einnehmende Gef├╝hle besa├čen.
Diese Gef├╝hle, die vom ganzen K├Ârper Besitz ergreifen, bis er sich in dieses Gef├╝hl verwandelt. In diesem Fall war dieses Gef├╝hl, wie so oft, Liebe. Die alles verzehrende Gier nach dem anderen. Besitzen und besessen werden. Geben, bekommen und genommen werden. Sich selbst opfern um einmal zu bekommen, was im Moment das Wichtigste ist, die Liebe des anderen.
So war es verst├Ąndlich, dass nun die Zeiten ungetr├╝bten Gl├╝cks anbrachen. Denn beide hatten erhalten, wof├╝r sie im Moment existierten, den anderen.
Gemeinsam bekundeten sie, einander umklammernd und umschlingend, ihr Bedauern dar├╝ber, dass sie niemals zu einer Person verschmelzen w├╝rden. Das es keine M├Âglichkeit gab, jemals die Grenzen zum anderen zu durchbrechen. Eine Begebenheit, die f├╝r eine andere Person unwesentlich sein kann. Aber ich erw├Ąhnte bereits, diese Beiden, sollten eher als extrem beschrieben werden, was die F├Ąhigkeit verleiht mit seiner gesamten Kraft zu lieben.
Ja, die Liebe ist eine seltsame Macht. Unbeeinflussbar, unkontrollierbar, immer wieder anders, aber immer selbstst├Ąndig. Man ist ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert,
auf ihr Wohlwollen oder aber ihre Zerst├Ârung.
Leider konnten die Beiden nicht der Macht der Liebe gen├╝gen und sie nicht sch├Ątzen, wie sie gesch├Ątzt werden will. Und schnell gerieten sie aus dem Gleichgewicht. Sie wurden von ihr vergiftet, auch wenn es erst den Anschein hatte, sie w├╝rden geheilt.
Die Beiden Schwebenden st├╝rzten ab.
Aus Besuchen der Leidenschaft wurden Besuche der Kontrolle. Aus Umarmungen wurden Ketten. In all abendlich gestellten Fragen, die das z├Ąrtliche Interesse f├╝r den anderen bekunden, schwangen nun misstrauische, zynische und provozierende Andeutungen mit.
Die Gier nach dem Besitzen des anderen, hatte ihre liebevolle auf Vertrauen aufgebaute Zusammengeh├Ârigkeit vergiftet.
Es war nun auch nicht mehr m├Âglich einen Schritt von dem alles verzehrenden Schlund zur├╝ckzuweichen, und ihrer beider Leben somit wieder zu teilen. Sie konnten jetzt nicht mehr ohne den anderen sein, nicht mehr alleine sein, nicht mehr ohne den anderen existieren, aber auch nicht mit ihm.
Angst, Gier und Egoismus hatten ihre Beziehung zerst├Ârt. Denn Angst s├Ąht Misstrauen, Gier ist nicht mehr aufzuhalten und Egoismus macht den anderen zur toten Materie.
So existierten diese Beiden also in ihrer leblosen Abh├Ąngigkeitsbeziehung, in der kein Platz mehr f├╝r sch├Âne Dinge war, weil das Schlechte allen Platz ausf├╝llte. Nun herrschte noch nicht einmal mehr Angst vor der Explosion, weil sie eine Erl├Âsung w├Ąre, die alles Verkommene zerst├Ârt.
Die Vorw├╝rfe wurden also immer schlimmer und der Streit wurde so wichtig zum existieren, wie es vorher die Liebe des anderen gewesen war. Und dann, endlich Ruhe. Es war alles vorbei.
Er hatte das Blut rinnen lassen.
Den K├Ârper des Menschen in den Ruhezustand versetzt. Ja, endlich f├╝r Ruhe und Entspannung gesorgt, sich selbst erl├Âst. Schlie├člich war ja sie f├╝r seine ungel├Âsten Probleme, seine st├Ąndige Angst, verantwortlich gewesen.
Sie lag da auf den wei├čen, kalten Granitflie├čen. Sie war sch├Ân. Er hatte sie erl├Âst, sie beide. Jetzt waren die Ketten durchbrochen. Er konnte wieder in Ruhe leben und sie in Ruhe sterben, dachte er.
Nur, dass er das sicherlich nicht mehr gedacht hat, als er sich an dem m├Ąchtigen dicken Balken im Wohnzimmer aufhing, weil er feststellen mu├čte, das ├╝ber ihren Tod hinaus, sich seine Gedanken immer mehr vergifteten. Und er dann einsah, dass er niemals mehr frei sein w├╝rde.
Vielleicht hatten sie ja jetzt ein Anrecht auf eine zweite Chance.


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flammarion
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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. deine geschichte ist grauslig sch├Ân. die mu├č man sich erstmal auf der zunge zergehen lassen. dein stil gef├Ąllt und deine philosophie ist ergreifend, nur die fehler m├╝ssen ausgemerzt werden. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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Sigfrid
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Vielen Dank Flammarion!
Ich habe mich sehr ├╝ber Deine Kritik gefreut und bin gerade noch einmal mit einem Rechtschreibprogramm ├╝ber meine Geschichte gegangen.

Gru├č Sigfrid
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flammarion
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oh,

bravo. kennst du dich gut aus mit dem programm? mir sind da ein paar dinge widerfahren . . . hilft es vielleicht auch bei der interpunktion? das w├╝rde mich mal stark interessieren. man liest sich!
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Old Icke

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Sigfrid
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Bei diesem Programm kannst Du unter dem Button "Extras" einstellen, ob Du Deine Geschichte auf Grammatik oder Rechtschreibung ├╝berpr├╝fen m├Âchtest.
Kannst Du ja mal ausprobieren.

Gru├č Sigfrid
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flammarion
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mann,

hast du das gut! ich kauf mir jetzt bald einen neuen compi, hoffentlich hat der auch so ein intelligentes programm. man liest sich.
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Old Icke

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