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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Morgen als Neandertaler
Eingestellt am 05. 04. 2005 17:16


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Sue Lynn
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2005

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Leben ohne Wasser und Strom? Ein Morgen als Neandertaler.
Donnerstag, 7.00 Uhr

Endlich duschen! Gestern Abend warÔÇÖs mir zu sp├Ąt geworden, aber jetzt. Juhuu! Die Kleine schl├Ąft noch. Ich stehe in der Duschkabine und drehe das Wasser an. Ganz auf hei├č, damit es schnell die richtige Temperatur bekommt, um drunter zu springen.
Aber was ist das?
Nach dem ersten Schwall wird das Wasser weniger und weniger, noch bevor ich es benutzen kann!
Vorhin war noch alles da. Mann und Sohn konnten ungehindert ihre Morgentoilette durchf├╝hren, aber typisch: Vor mir macht die Zivilisation Halt!
Dabei f├╝hle ich mich gerade heute sowieso wie aus dem Urwald.

Also wieder raus aus der Dusche und die Zeitungen der letzten Tage durchforstet.
Aha! In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sollte zwischen 22 Uhr und 1 Uhr nachts Druckabfall oder ├Ąhnliches stattfinden. Aber nicht heute. Heute ist, wie gesagt Donnerstag.

Heute soll nur zwischen 8 Uhr und 9.30 Uhr der Strom weg sein. Na super! Dann haben wir gleich weder Strom noch Wasser. Aber erstmal abwarten und fr├╝hst├╝cken.

Fr├╝hst├╝cken? Ungewaschen mit ungeputzten Z├Ąhnen und mangels Wasser auch noch ohne Kaffee?! Oh nein!
Doch in letzter Hinsicht habe ich Gl├╝ck. Im Wasserkocher ist noch genug Wasser f├╝r einen Pott Kaffee.

Also setze ich mich im Bademantel an den Fr├╝hst├╝ckstisch und lese meinen Teil der Zeitung.
Obwohl ich mir wirklich Zeit lasse, stellt sich das Wasser nicht wieder ein.
Wie gut, dass ich heute Morgen wenigstens nicht unter Leute muss!

Den vorgemerkten Hausputz kann ich allerdings erst einmal vertagen. Na, damit kann ich am besten leben.
Da: Die Kleine br├╝llt. Es ist kurz vor acht. Immer noch kein Wasser.
Der dreckige Windelpopo muss mit Feuchtt├╝chern behandelt werden. Das geht zur Not.
Aber Mama muss auch! Hoffentlich ist noch Wasser im Sp├╝lkasten...
Uff, das reichte gerade noch.

Ach, und wie bestellt: 8.00 Uhr, der Strom ist auch weg! Fabelhaft. Vielleicht sollte ich mich zum Duschen raus in den Regen stellen?

Gut, dass das Baby noch die Brust kriegt, denn Aufw├Ąrmen von Tee oder Nahrung w├Ąre ohne Strom auch schlecht.

Nat├╝rlich kommtÔÇÖs wie es kommen muss: Ausgerechnet heute kotzt sie sich nach dem Fr├╝hst├╝ck von oben bis unten voll. Und mich gleich mit. Danke!

Schnell ziehe ich uns aus, nehme einen Stapel Feuchtt├╝cher gegen den Gestank auf unserer Haut, ziehe der Maus frische Sachen an, schl├╝pfe - immer noch ungeduscht!- in den Bademantel meines Mannes und bringe die bekotzten Sachen nach unten in die Waschmaschine, um sie sofort durchzuwaschen.
Waschen? Ich Esel! Kein Wasser und kein Strom = kein Waschmaschinenbetrieb!

Aber die Sachen k├Ânnen so nicht bleiben, also schnapp ich mir einen Putzeimer, flitze im Bademantel durch den Regen in den Hof und hole mir Regenwasser aus der Tonne. Dem Himmel sei Dank, davon gibt es ja hier genug!

Mittlerweile ist es halb neun und was sehe ich? Wir haben wieder Strom. Fragt sich nur, wie lange. Und Wasser? Gleich mal nachsehen...

N├Â. Warum auch? Die vielen Male, in denen in den letzten Monaten kein Wasser da sein sollte, hatte ich mir jedes Mal reichlich abgef├╝llt und es nie gebraucht, weil die Absperrung nicht oder nur ultrakurz stattfand. Nur heute, wo ich auf nichts dergleichen eingestellt war und mich f├╝hle wie ein Neandertaler, gibt es keinen Tropfen Wasser und ich wei├č nicht mal, warum?!

Nochmal w├╝hle ich in den alten Zeitungen und finde schlie├člich folgendes:

ÔÇ×Werte Trinkwasserabnehmer!
Wegen dringender Reparaturarbeiten an der Hauptleitung kann es zur Eintr├╝bung mit teilweisem Ausfall des Trinkwassers in der Stadt:
(Aufz├Ąhlung von Orten, u.a. dem unsrigen) kommen....

Dies erfolgt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag von 20.00 Uhr bis 6.00 Uhr.ÔÇť

Hahahahahaaaa!
Warum hatten meine M├Ąnner dann Wasser und ich von 7.00 Uhr bis jetzt (mittlerweile 8.47 Uhr) nicht? Frust!

Ja, wenn ich wirklich ein Neandertaler w├Ąre, w├╝rde mich das alles nicht weiter belasten. Ich w├╝rde mich ohnehin nicht so oft duschen (eigentlich nie, denn wo sollte schlie├člich eine Dusche herkommen), sondern mich zu jeder Jahreszeit im n├Ąchsten Bach waschen.

Davon abgesehen, dass ich keine gro├če Lust habe, bei 9┬░C im Bademantel mit Handtuch, Seife und Haarshampoo bewaffnet zum M├╝hlgraben zu pilgern, k├Ânnte ich mir vorstellen, dass Nachbarn oder Passanten unverz├╝glich f├╝r meine Zwangseinweisung sorgen w├╝rden!

Das h├Ątte allerdings vielleicht den Vorteil, dass es im Landeskrankenhaus wenigstens Strom und Wasser g├Ąbe und ich zu meiner Dusche k├Ąme...

Um 9.00 Uhr will ich es dann doch genauer wissen und rufe die zentrale St├Ârungsstelle des Zweckverbandes Wasserversorgung an. Nat├╝rlich gerate ich zun├Ąchst an einen Anrufbeantworter, der mich informiert, dass zurzeit alle Leitungen besetzt sind. Wen wundertÔÇÖs?!
Dann kommen sehr bes├Ąnftigende Kl├Ąnge als Warteschleifenmusik, bevor der resigniert klingende, diensthabende Herr in der Leitung ist, der mir als x-ter Anruferin erkl├Ąrt, dass die Leute von der Baustelle ihm seit zwei Stunden erz├Ąhlen, in der n├Ąchsten Stunde g├Ąb\'s wieder Wasser.
Na, dann: Danke sch├Ân! Ich beschlie├če, positiv zu denken und weiterhin im Bademantel meiner ohne Strom und Wasser durchf├╝hrbaren Hausarbeit nachzugehen, bis das Wasser wieder l├Ąuft und ich endlich duschen kann!
Immerhin kommt so etwas hier und heute nicht allzu h├Ąufig vor.

__________________
Sue
definitiv schreibs├╝chtig

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Sue Lynn,
nach dem Lesen dachte ich zun├Ąchst, dass deine
Geschichte vielleicht besser unter "Humor" oder
vielleicht auch im Tagebuchforum aufgehoben w├Ąre.
Denn so liest es sich f├╝r mich: die am├╝sante,
authentische Beschreibung eines Morgens ohne Strom
mit all den Wirrungen, die daraus entstehen.

Das ist meiner Meinung nach leider auch der
Schwachpunkt der Geschichte: es ist zu sehr Schritt
f├╝r Schritt beschrieben, was an diesem Morgen passiert.
Warum nicht ein bisschen herumspinnen?

Gut finde ich die wiederholten Verweise auf die
Ank├╝ndigungen in der Tageszeitung. Eine sehr gelungene
├ťberzeichnung! (Hoffentlich ist es eine?)
Auf Smilies w├╝rde ich in Prosatexten ganz verzichten.

Viele Gr├╝├če,
Denschie


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Sue Lynn
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2005

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Hi Denschie,

danke f├╝r den Kommentar. In der Tat muss ich zugeben, dass ich die Sparte Tageb├╝cher zu sp├Ąt bemerkt habe, sonst h├Ątte ich es darin untergebracht, denn du hast Recht!

Mit den Smilies auch, klar.
Gru├č Sue Lynn

__________________
Sue
definitiv schreibs├╝chtig

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