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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ein Oktobertag in Oslo, Sigurd Hoel
Eingestellt am 15. 08. 2002 12:36


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Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

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Ein Oktobertag in Oslo

Oslo in den 30er Jahren: Tordis ist Model in der Modebranche und hat nur einen Makel: Sie ist geschieden – Ein Skandal im Norwegen der 30er Jahre! Aufgrund von verleumderischen Briefen, verfasst von Tordis Nachbarn, verliert sie ihre Anstellung und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Das bringt die ĂŒbrigen Mieter des Hauses in Aufruhr, denn ein jeder von ihnen hat sich auf seine Weise schuldig gemacht. Als auch der letzte verzweifelte Versuch, zu ihrem Ex-Mann zurĂŒckzukehren scheitert, begeht Tordis Selbstmord durch einen Fenstersprung.

Kapitel fĂŒr Kapitel geht der anonyme, auktoriale ErzĂ€hler die Bewohner des Hauses durch und beschreibt jeweils aus ihrer Sicht, wie sie den Nervenzusammenbruch bzw. den Selbstmord erlebt haben. Der gesamte Roman spielt nur an einem einzigen Tag im Oktober, der aber ist einschneidend und zwingt alle Hausparteien zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst und ihrem Leben.

Tordis Ravn ist aufgrund ihrer Schönheit, ihrer Jugend und ihres Rufes, dem etwas verwegenes inne wohnt – Tordis ist ja geschieden und außerdem Model –, fĂŒr alle MĂ€nner im Haus Freiwild, aber auch die Frauen sind aus denselben oder Ă€hnlichen GrĂŒnden auf Tordis fixiert. Einem jeden dient Tordis als ProjektionsflĂ€che fĂŒr seine eigenen verdrĂ€ngten WĂŒnsche, Ängste, SehnsĂŒchte und GefĂŒhle. Der seelische Zusammenbruch der scheinbar unabhĂ€ngigen und emanzipierten jungen Frau fungiert schließlich als Katalysator, der verdrĂ€ngte Konflikte an die OberflĂ€che und zur Explosion bringt. So gesteht z.B. die Frau des Grossisten Hammer ihrem Mann, dass sie ihn mit seinem besten Freund betrogen habe. Zwischen anderen Ehepaaren, etwa den Gabrielsens, herrscht lĂ€ngst Schweigen, das auch durch die nahende Katastrophe nur schwerlich oder gar nicht zu durchbrechen ist. Auch die Welt des BĂŒrochefs Ribe und seiner Frau gerĂ€t aus den Fugen und fĂŒhrt ihnen schmerzlich zu Bewusstsein, wie trostlos ihr Leben geworden ist, wie wenig Liebe, WĂ€rme und Geborgenheit zwischen ihnen herrscht und dass sich die JugendtrĂ€ume nicht erfĂŒllt haben. Mit anderen Worten: Der seelische Zusammenbruch Tordis‘ bringt Selbstbetrug, Egoismus, Mangel an WĂ€rme und LiebesfĂ€higkeit in ihren eigenen intimen VerhĂ€ltnissen zum Vorschein (Fritz Paul).

Der Roman versteht sich als psychoanalytisches Protokoll und gilt als Norwegens erster Kollektivroman. Hoel deckt hier die Scheinmoral der bĂŒrgerlichen Ehe auf. Der Roman ist atmosphĂ€risch dicht und ergreifend.

Literatur:

Fritz Paul, GrundzĂŒge der neueren skandinavischen Literaturen.

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