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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Rad im Getriebe
Eingestellt am 20. 07. 2016 17:27


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Arthur Steinlah
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2016

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Ein Rad im Getriebe
Von Arthur Steinlah Juli 2016

Die Flugzeuge flogen ĂŒber meinen Kopf hinweg in Richtung Norden, dort wo wohl die nĂ€chste Schlacht auf die Piloten wartet. Arhur wusste nicht genau, woher diese waghalsigen Leute kamen oder wohin sie flogen. Er wusste nur, dass sie unterwegs waren, um andere Flugzeuge abzufangen. Um die Bombardierung einer weiteren Stadt oder einer Fabrik zu verhindern. Und dafĂŒr war Arthur auch sehr dankbar.

Arthur Godthard war einer der MĂ€nner, die Tag ein Tag aus in einer Munitionsfabrik arbeiteten. Er hatte sich diese Arbeit nicht selbst ausgesucht. Der Krieg war schuld, dass er nicht mehr an der Konstruktion von Maschinen arbeiten durfte. Irgendjemand in der FĂŒhrung, den er nicht persönlich kannte, hatte beschlossen, dass die Fabrik, fĂŒr die Arthur arbeitete, umgerĂŒstet werden mĂŒsse. Die Front braucht Nachschub, Ersatzteile wurden immer knapper und die notwendige Munition fĂŒr den Sieg musste irgendjemand immerhin auch bauen.

Die Luft war recht warm an diesen Morgen, der Himmel, bis auf ein paar Wolken, klar. Der Weg fĂŒhrte kilometerweit durch mit Weizen bepflanzte Bauernfelder. Einige Felder waren auch vorĂŒbergehend nur mit Gras bepflanzt worden, was dem Morgen nach einer regnerischen Nacht den gewissen Duft nach frischen Gras verlieh. WĂ€re nicht der LĂ€rm der Motoren am Himmel, könnte man sich an einen freundlichen Sommermorgen erfreuen.

Eher lustlos als motiviert setzte Arthur den Weg zur Munitionsfabrik Schritt fĂŒr Schritt fort. Die Fabrik war nicht weit von seinem Heimatdorf Steingrube entfernt, und so brauchte er meistens nicht mehr als 30 Minuten fĂŒr den Weg. 30 endlose Minuten, in denen Arthur gezwungen wurde sich mit seinen persönlichen GefĂŒhlen und Problemen inmitten eines tobenden Krieges auseinandersetzen zu mĂŒssen. Meistens hatte er keine Lust mit sich selbst und seinem Gewissen zu reden, es wĂŒrde die Situation ja doch nicht Ă€ndern. Aber in diesen 30 Minuten gab es nichts, was ihn vom Gedanken an den Grausamkeiten des Krieges ablenken wĂŒrde. Doch plötzlich hörte Arthur eine Glocke hinter sich.

„Guten Morgen Arthur.“, rief eine Stimme hinter seinen RĂŒcken.
„Morgen Karl.“, antwortete Arthur lustlos.
„Was ist denn mit dir los, Arthur? Am frĂŒhen Morgen schon schlecht gelaunt?“

Karl hielt das Fahrrad an, stieg ab und schob es neben Arthur her. Er beobachtete seinen Freund und WeggefÀhrten jetzt aufmerksam. Er fragte sich, was denn wieder los sei, dass Arthur so grantig und langsam den Weg herlief.

„Warum auch nicht? Gibt es denn einen Grund fĂŒr gute Laune?“, stammelte Arthur.
„Wir haben FrĂŒhling, na beinahe Sommer. Sieht man doch. Aber du scheinst dich nur wieder fĂŒr deinen blöden Krieg zu interessieren. Es gibt auch noch andere Dinge auf der Welt als Tod und Waffen, oder nicht, mein Freund?“

Es war eher ein bescheidener Versuch Arthur aufzumuntern. Das wusste Karl auch, schließlich gingen sie schon viele Jahre diesen Weg zur Arbeit. Arthur zur Motorfabrik, Karl zum Gutshof an der Landstraße.

„Du hast ja keine Ahnung, wie das ist Karl. Du arbeitest immerhin auf dem Gutshof und hast dort nur Tieren und der Ernte zu tun. Aber ich muss mich jeden Tag in diese Waffenfabrik quĂ€len. FrĂŒher hat es Spaß gemacht, als dort noch Maschinen fĂŒr die Landwirtschaft gebaut wurden. Das war wenigstens nĂŒtzlich, verstehst du?“, grummelte Arthur vor sich hin.
„Aber deine Arbeit hat sich doch nicht geĂ€ndert? Im Gegenteil, seitdem Krieg herrscht bist du noch wichtiger fĂŒr uns alle geworden. Oder nicht?“, konnte Karl nur antworten, weil ihm kein besseres Argument einfiel oder er sich einfach noch nicht damit auseinandersetzte. Vielleicht wollte Karl sich auch gar nicht mit solchen Gedanken belasten? Immerhin fĂŒhrten ja die MilitĂ€rs und die Regierung diesen Krieg, er als Bauer war da kaum von Bedeutung. Er musste nur Futter fĂŒr die Truppe hergeben und konnte den Überfluss behalten. Somit war er fein aus der Sache raus. Dachte er jedenfalls.
„Ich wurde zur Brandbomben Konstruktion versetzt.“, erwĂ€hnte Arthur leise, so als wĂ€re es ihm peinlich, wĂ€hrend er den Weg zur Fabrik fortsetzte.
„Aha. Du hilfst also dabei Bomben zu entwerfen, die den Krieg beenden werden. Find ich gut!“, antwortete Karl mit Stolz in der Stimme.

Arthur hielt an. Langsam drehte er sich zu Karl, der lĂ€chelnd sein Fahrrad festhielt, als könne ihn nichts berĂŒhren. Gar nichts. Einen derartig gedankenlosen Menschen hatte Arthur in sein Leben noch nicht gesehen. Dabei fĂŒhrten sie mehrmals in der Woche diese Diskussion.

„Brandbomben zĂŒnden Menschen an, vernichten die Ernte mit Feuer und bringen HĂ€user zum Einsturz.“, erklĂ€rte Arthur mit zittriger Stimme.
„Ja, schon
“, stotterte Karl, „aber das ist doch nicht deine Schuld? Die Soldaten sind es doch, die schießen. Die Soldaten töten Menschen. Nicht du?“

Arthur betrachtete Karl fassungslos. So einfach war die Geschichte also? Er baute die Bomben, die andere zum Einsatz brachten und damit war er dann schuldlos an der Tatsache, dass Menschen durch eben diese Bomben starben?

„Du begreifst den Ernst der Situation nicht, oder? Ich baue Bomben, die andere Menschen töten. Und wenn möglich ohne dabei den Verstand zu verlieren, falls es dir noch nicht aufgefallen ist.“

Arthur ließ seinen ganzen Frust in diesen Moment an Karl aus, der im Grunde genommen auch nichts fĂŒr diese undankbare Aufgabe konnte. Karl sah seinen Freund eine ganze Weile wortlos an.

„Aber, wenn du es nicht tust, macht es ein anderer, oder? Und mal im Ernst. Du kennst doch die aktuelle Lage der Nation, oder? Wer nicht hilft den Krieg zu gewinnen der wird als Saboteur erschossen.“
„Ja, ich weiß.“
„Was wird aus deiner Familie, wenn du nicht arbeitest? Du hast eine Frau und 2 Kinder, die brauchen die Rationen.“, stellte Karl trocken fest.

Arthur dachte einen lang Moment ĂŒber die Situation nach. Karl hatte Recht. Die Arbeit verschaffte der Familie trotz des Krieges eine Extraration Lebensmittel, die die Familie mehr als dringend brauchte. NatĂŒrlich halfen die Rationen nicht gegen die Gewissensbisse. Und die waren zeitweise genauso schlimm, wie der Krieg.

„Ich habe mich beim Gutshof beworben.“, wechselte Arthur das Thema.
„Haben sie dich genommen?“
„Ja, der Gutsbesitzer wĂ€re mit einer Einstellung einverstanden. Aber die Fabrik
 mein Boss lĂ€sst mich nicht gehen. Er sagte mir ganz klar, dass die Fabrik ohne meine Arbeit nicht so effizient wĂ€re, wie sie es jetzt ist. Er sagte außerdem, falls ich die Fabrik verlassen wĂŒrde, wĂŒrde er mich der MP melden und mĂŒsste wohl in Haft. Wegen Arbeitsverweigerung im Krieg. Man wĂŒrde meiner Familie die Rationen kĂŒrzen und sie im Dorf vorfĂŒhren.“, erklĂ€rte Arthur, wĂ€hrend ihm eine TrĂ€ne ĂŒber die Wange lief.

„Ach die meine GĂŒte. Die setzen dich ja ganz schön unter Druck. Aber sie wĂŒrden doch deine Familie keinen Leid antun, oder?“, wollte es Karl nun genauer wissen.
„Da bin ich mir nicht so sicher. Sie haben mich gestern einem Motivationsbeamten vorgefĂŒhrt, einem Rekrutierungsoffizier, der sich viel Zeit nahm mit mir die Sache zu besprechen. Arbeitsverweigerung im Krieg, so sagte er, sei eine Straftat die mit erheblichen Strafen und der vollen Wucht des Gesetzes bestraft werden wĂŒrde. Was dann mit meiner Frau, meinen Eltern und meinen Kindern geschehen wĂŒrde
 er machte da so Andeutungen. Nichts Konkretes.“

Plötzlich hörte man in der Ferne Maschinengewehrfeuer. Ein heftiges Gefecht war in Gange. Karl und Arthur blieben minutenlang stehen und versuchten irgendetwas am Horizont zu erkennen. Es gelang ihnen nicht. Das Geschehen war einfach zu weit weg. Plötzlich hörte man die Detonation einer Bombe. Dann eine weitere Explosion. Und noch eine. Arthur hoffte innerlich, dass die Fabrik Ziel des Angriffes war.

Irgendwo hinter dem Wald stieg dunkler Rauch auf. Irgendetwas brannte und der Geruch der vernichtenden Wirkung der Bomben kam unaufhaltsam nĂ€her. Der sĂŒĂŸe Geruch des FrĂŒhlings musste dem Feuer des Krieges weichen.

„Sie haben was getroffen.“, stellte Karl fest, „Ob es die Fabrik hinter dem Wald war? Was meinst du?“
„Ich weiß es nicht.“, stammelte Arthur, „Und eigentlich wĂ€re es mir lieber es nicht zu wissen. Es wĂŒrde mir keine Ruhe mehr lassen.“

Im nÀchsten Moment fiel Arthur ein, dass die Fabrik seit ein paar Wochen im 24 Stunden Schichten arbeitete. Falls man die Fabrik bombardierte, gÀbe es mit Sicherheit Opfer.

„Karl? Wenn sie die Fabrik getroffen haben, dann 
“, Arthur wollte den Satz nicht fortsetzen. Der Gedanke an die Opfer, an Schuld und der MittĂ€terschaft im Krieg wĂŒrden seine Seele zerstören. Er war seelisch und mental gezeichnet vom Krieg und hatte dabei niemals auch nur einen Schuss an der Front abgegeben. Aber das war auch nicht nötig, um sich schuldig zu fĂŒhlen?

__________________
"Jede Geschichte beginnt mit Fantasie."

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Hagen
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Lieber Arthur,
ich möchte Dir hiermit in aller KollegialitÀt und auf Augenhöhe begegnen.
Zu Deiner Geschichte muss ich Dir leider sagen, das so gut wie nichts glaubhaft rĂŒberkommt, leider.
Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, der Erbauer der legendĂ€ren AK-47, hat sich bereits mit diesem Thema befasst. Kalaschnikow betonte stets, dass nicht die Konstrukteure, sondern die Politiker fĂŒr den Einsatz von Waffen und Gewalt verantwortlich seien. «Ich habe nur eine Waffe zum Schutz der Heimat entwickelt», sagte der hochdekorierte Generalleutnant.

Du hast dir einen Brocken vorgenommen, der zugegebenermaßen nicht leicht und in dieser Form nicht zu bewĂ€ltigen ist.
Da sind zunĂ€chst Deine beiden Protagonisten. Ohne körperliche Gebrechen wĂ€ren die lĂ€ngst als Kanonenfutter an irgendeiner Front. Der eine mĂŒsste zumindest ein steifes Bein, der andere einen verkrĂŒppelten Arm haben.

Da jede Generation ihre spezifische Sprache hat, wirkt die Sprache der Protagonisten in keiner und keinster Weise glaubhaft. Da die Geschichte offenbar in Deutschland wĂ€hrend des Weltkrieg zwo spielt, hĂ€tten die Protagonisten, so sie Freunde waren, mit Sicherheit auf den ‚FĂŒhrer‘ geschimpft oder zumindest öfter von ihm gesprochen. Aus ihrer Situation hatten sie leider nichts machen können.
Bei der ErwÀhnung von MP bin ich regelrecht zusammengezuckt.
MP von engl. Military Police. In Deutschland und zu der Zeit in der Deine Geschichte spielt, wurden derartige Aufgaben von der Feldgendarmerie, den ‘Kettenhunden‘ wahrgenommen!
Ohne grĂŒndliche Recherche sollte man keine derartige Geschichte schreiben, sorry.
Die Nummer mit den drei! Bomben wirkt also auch absolut unglaubwĂŒrdig!
Die Amerikaner flogen, um ein derartiges Ziel zu treffen, mit mehreren hundert! Bombern, B-17 Flying Fortress oder Consolidated B-24 Liberator, ein. Man flog in sogenannten ‚Combat Boxes‘ um so einen ‚schönen, dichten Bombenteppich‘ zu erzielen.
(The Combat Box was a tactical formation used by heavy (strategic) bombers of the U.S. Army Air Forces during World War II) (Wikipedia)
Weiterhin zog jedes einzelne Flugzeug meistens Kondensstreifen hinter sich her. Das tiefe Dröhnen der ĂŒber tausend! Flugmotoren war am Boden stets zu hören.
Die Flugzeuge flogen auch nicht ‚in die Schlacht‘. Bei der Luftschlacht um England wurde von einer ‚Luftschlacht‘ gesprochen, aber eine ‚Schlacht‘ besteht aus mehreren EinzelkĂ€mpfen, was man stets damit assoziiert, das die Schlacht am Boden stattfindet! Anderenfalls spricht man von besagter Luftschlacht oder einer Seeschlacht.

Lieber Arthur, ich hoffe, ich konnte Dir eine Kleinigkeit auf den Weg zum Schriftsteller mitgeben.

Wir lesen uns!

Herzlichst
Yours Hagen


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Zwei Dinge sind zu meiner Arbeit nötig: UnermĂŒdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.
(Albert Einstein)

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aligaga
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Hallo @Arthur,

willkommen erstmal in der LeLu, einem Haifischbecken, in dem kaum Friedfische, sondern fast nur Fleischfresser unterwegs sind. Du solltest dich deshalb nicht wundern, wenn du von der ersten Minute an unter Feuer gerĂ€tst, auch wenn SchĂŒtzen wie der obige nur mit Kapselpistolen um sich knallen.

GrundsĂ€tzlich ist dein Versuch, die Konflikte darzustellen, die einen vom Wehrdienst zurĂŒckgestellten RĂŒstungsarbeiter und einen ebenso kriegswichtigen Ökonomen umtreiben oder nicht, aller Ehren wert. Gewissensfragen gehören zu den schwierigsten, die man sich als Autor ĂŒberhaupt stellen kann, und es gibt selten nur eine oder "die richtige" Antwort. Die Kunst besteht darin, Zweifel nicht zu erklĂ€ren oder gar zu "beseitigen", sondern sie gezielt so darzustellen, dass der Leser mitleidet und selber nach Antworten zu suchen beginnt.

Daher der TTip: Weniger erklÀren, mehr "zeigen" und offen lassen, auf welcher Seite der Autor steht. Die Dialoge nicht auswalzen, sondern nur andeuten. Der Leser kann und soll sich seine Reime selber machen. Dann wird's schon!

Auf die Besserwisserei jener Klugscheißer, die nirgends dabei waren und dennoch alles ganz genau auf dem Schirm haben, weil sie tĂ€glich mit Tante Gughel ins Bett gehen, achte erst gar nicht! Sie können vielleicht gerade noch Vierecke von einem Dreick unterscheiden, aber daraus etwas Sinnvolles zusammensetzen können sie nicht. Es sind keine Literaten, von denen zu profitieren wĂ€re, sondern bestenfalls Briefmarkensammler. Sie machen nicht selber Musik, sondern legen Schallplatten auf und wippen dazu aus dem Fußgelenk, sind aber meist ganz aus dem Takt.

Heiter

aligaga

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Blumenberg
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Lieber Arthur Steinlah,

auch von mir ein herzliches Willkommen in der Leselupe.
Du hast dir in der Tat ein interessantes Thema ausgesucht, das die moralischen Bruchlinien abseits des Frontgeschehens beleuchtet. Ein schweres, aber wie ich finde auch löbliches Thema.
Allerdings haben meine Vorredner recht, wenn sie bemĂ€ngeln, dass du den moralischen Konflikt deines Protagnoisten Arthur zu breit auswalzt. Dies mag in der direkten Rede eines Dialoges in der Arguemente, Ängste und Sorgen ausgetauscht werden unproblematisch sein, allerdings solltest du darauf achten, dem Leser zu erlauben sich eine eigene Vorstellung ĂŒber das Gesagte und die innere Verfassung des Protagonisten zu bilden.
Du schreibst beispielsweise am Ende deines Textes:

quote:
Der Gedanke an die Opfer, an Schuld und der MittĂ€terschaft im Krieg wĂŒrden seine Seele zerstören. Er war seelisch und mental gezeichnet vom Krieg und hatte dabei niemals auch nur einen Schuss an der Front abgegeben. Aber das war auch nicht nötig, um sich schuldig zu fĂŒhlen?

Hier nimmst du das Urteil des Lesers bereits vorweg, was ich schade finde, da sich dieses aus dem Dialog zwischen deinen Figuren durchaus selbst schlussfolgern lĂ€sst. (Das der wĂŒrde ich streichen, so wird der Satz etwas runder).
Die Tipps von Ali halte ich in diesem Zusammenhang fĂŒr wirklich hilfreich.

Beste GrĂŒĂŸe

Blumenberg

p.s. Ich habe in mehreren Geschichten Ă€hnliche Themen aufgegriffen, mir war es dabei wichtig mit einem offenen Ende zu schließen und die Bewertung des ErzĂ€hlten dem Leser selbst zu ĂŒberlassen. Ob das gelingt lasse ich mal dahingestellt, es ist aber ein anderer Ansatz.

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Arthur Steinlah
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Guten Abend,

vielen Dank fĂŒr die Hinweise und Kritik, da sind schon ein paar Dinge dabei die als GedankenansĂ€tze nochmal aufgegriffen werden können.

Zu Hagen: deine Kriitk wÀre in vollen Umfang zutreffend, wenn es denn tatsÀchlich die Absicht gewesen wÀre die Kurzgeschichte im WKII Background spielen zu lassen.

Über den Hintergrund wurde eigentlich gar nichts in der Geschichte erwĂ€hnt, keine konkrete organisation, weder Freund noch Feind, keine politische Organisation nicht mal die Nennung einer Fraktion die am Krieg beteilligt war.

Die Geschichte könnte also auch in einer fiktiven Welt spielen, der einzige Hinweis wÀre also die "Sprache" ide zweifelsohne deutsch ist.

Aber im Grunde geht es auch gar nicht um "die reale Welt in der die Story spielen könnte" sondern eben um die Möglichkeit, wie sich ein Mensch fĂŒhlen könnte, der sich in dieser Situation befindet und sich selber Fragen stellt.

Was mir also in der Umsetzung nicht wirklich so geglĂŒckt ist, ist herauszuarbeiten, dass es sich um eine Gewissensfrage handelt, mit der jemand in BerĂŒhrung kommt.

Die Story dreht sich im Grunde nur um ein Dialog, in der eine Person, die fpr die Waffenindustrie arbeitet, mit den eigenen Gedanken hadert wÀhrend der GesprÀchspartner scheinbar keinen Bezug zum Krieg hat. Er arbeitet, er lebt und irgendwie geht es weiter. Die da oben werdens schon richten.

Die Fragen, die hier aufkommen sollten, sind eigentlich völlig Hintergrundsfrei. Diese Personen könnten das GesprĂ€ch ebenso in der WĂŒste oder in SĂŒdafrika fĂŒhren es wĂ€re egal.

Wie Blumenberg schon richtig erkannte ging es um einen moralischen Konflikt wo ich an sich ganz bewusst auf einen festen Background verzichtet habe, denn dazu hĂ€tte ich dann ja zusĂ€tzlich Fakten aus der RealitĂ€t / Geschichte heranziehen mĂŒssen.

Soweit erstmal meine 2 Cent, zu den Umsetzungsargumente werde ich mir noch mal meine Gedanken machen.
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