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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ein Roman , der die ganze Tiefe menschlicher Gefühle auslotet
Eingestellt am 24. 10. 2011 10:24


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Peter Goldsworthy, Nacht für drei Hunde, DTV 2011, ISBN 978-3-423-14031-7

Sein im Jahr 2007 ebenfalls bei Deuticke erschienener deutscher Debütroman "Maestro" war ein sensibles Buch über Musik, über das Schicksal jüdischer Musiker in Wien vor und während des Krieges. Ein außergewöhnlicher Roman eines bisher in Deutschland unbekannten australischen Schriftstellers, dem es auf eine bewegende und sehr poetische Weise gelingt, einen tragischen Teil der Geschichte der Alten Welt mit der Geschichte der Neuen Welt zu verbinden. Die Lektüre dieses Buches hatte damals lange in mir nachgewirkt und so habe mit Spannung sein neues, 2009 erschienenes Buch, "Nacht für drei Hunde" gelesen, das nun ihn einer preiswerten Taschenbuchausgabe vorliegt.

Es ist eine Geschichte, in der es um zwei Männer geht, Freunde, die sich lange nicht gesehen haben und eine Frau. Martin, der Ich-Erzähler des Romans, hat zehn Jahre lang als Psychiater in England gelebt und ist nun nach Australien zurückgekehrt. Mit ihm gekommen ist Lucy, eine Ärztin und Psychotherapeutin, die er in England kennen gelernt hat und die er über alles liebt.

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Australien treffen die beiden auf Felix, den früheren Freund von Max. Max ist ein hervorragender Chirurg, der aus Gründen, die zunächst im Dunkel bleiben, nicht mehr im Krankenhaus arbeitet. Felix geht es sehr schlecht, das sieht Max sofort. Doch Felix bleibt stumm auf Max' Nachfragen, sein ganzes Wesen ist hart und unsensibel geworden.

Doch Max gibt seinen besten Freund nicht auf. Er bleibt an ihm dran, findet heraus, dass Felix jahrelang als Arzt unter den Aborigines gelebt hat, die ihn sogar bei sich aufgenommen und als Stammesmitglied initiiert haben. Als er sich bei der Operation eines Jungen mit Hepatitis C infiziert, ist das der Anfang vom Ende seiner Leber. Es ist aber auch der Anfang einer Schuld, die er tragen muss, denn der Junge stirbt bei der Operation.

Felix weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er hat einen Plan, und zu diesem Plan gehören die beiden Freunde, Max und Lucy. Goldsworthy fasst es so zusammen:
"Er fragt seine besten Freunde, das verheiratete Paar, ob nicht die Frau die letzten Monate mit ihm verbringen will. Das ist für sie alle drei eine moralische Zwickmühle. Worauf habe ich ein Anrecht, wenn ich sterbe und wie selbstsüchtig pflegen wir zu sein, wenn wir soweit sind? Und wir werden alle mal sterben, das ist überall so. Sie empfindet ihm gegenüber eine Mischung aus Mitleid, will ihn pflegen - und Abscheu. Aber er wirkt auf sie zugleich attraktiv, denn er ist ein Stück weit der böse Junge. Ihr Ehemann wiederum liebt zwar seinen Freund, der stirbt, ist aber zugleich sehr eifersüchtig."

Max ist zwar ein erfahrener Psychotherapeut, aber in dieser Dreiecksgeschichte nützt ihm seine Erfahrung nicht viel. Er hat Angst um seine Ehe, und obwohl er seiner Frau vertraut, folgt er den beiden auf ihrem Weg in die Wüste. Dort will Felix sich zum Sterben zurückziehen und gleichzeitig den von ihm verschuldeten Tod des Jungen sühnen.

Was dort passiert, soll der spannenden, dichten und packenden Lektüre des Lesers vorbehalten bleiben. Verraten darf man allerdings, dass dieser Roman die ganze Tiefe menschlicher Gefühle auslotet. Da geht es immer wieder um Eifersucht und Liebe, den Widerstreit zwischen Empathie und Egoismus und vor allen Dingen und sehr überzeugend um Schuld und Sühne.

Schade ist, dass die Bücher von Peter Goldsworthy in Deutschland nicht die Resonanz finden die sie verdienen.

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