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Leselupe.de > Humor und Satire
Ein Schriftsteller auf Verlagssuche
Eingestellt am 04. 01. 2010 16:54


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prof.pinocchio
Hobbydichter
Registriert: Jan 2010

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Ein Schriftsteller auf Verlagssuche


Marius schloss die T├╝r hinter sich, dachte nicht mehr an die Berge beschrifteten Papiers, die in seiner kleinen Wohnung ├╝berall verstreut langsam verblassten. Dabei verga├č er, seine Katze Balzac zu f├╝ttern und auch das Portemonnaie einzustecken.
Er trug stolz sein neuestes Manuskript unterm Arm und machte sich, m├╝de und in Gedanken vertieft, auf den Weg nach Frankfurt. Heute wollte er zum wiederholten Male einen Verlag f├╝r sein Werk suchen.

Er bestieg das erste beliebige Taxi, das anhielt, schmiss sich in die bequemenen Polster, nuschelte sein Ziel vor sich hin: ÔÇ×Innenstadt, da, wo die Verlage sindÔÇť, und machte es sich auf den weichen, bequemen Hintersitzen gem├╝tlich.
Marius schaffte es noch, seine Augen kurz offen zu halten, das gelang ihm aber nur bis zu dem ersten Ampelstopp, dann fielen sie zu und er schlief tief ein.
Er tr├Ąumte, besser gesagt, er bekam richtig schlimme, b├Âse Albtr├Ąume:

Neulich in der Innenstadt, auf der Suche nach einem/r Verlagsmanager/in war er sogar auch im Puff gewesen, wo aber mittendrin eine Polizeirazzia alles sprengte, und er eilig und nur in Unterhosen sich gerade so durch ein Fensterchen auf das Dach retten konnte. Was f├╝r ein Schreck, dachte er sich, halbnackt und frierend, so inmitten all der Schornsteine. Auf dem Weg zu der engen, etwas verrosteten Feuerwendeltreppe rutschte und fiel neben ihm grade eine halbnackte Frau das Dach hinunter. Zwei andere fl├╝chtenden nackten M├Ąnner st├╝rzten wegen nachgebender, durchgerosteter Treppenstufen in die Tiefe. Es gab zum Gl├╝ck keine Toten, nur ein paar Verletzte und viele Verhaftete.

Vorsichtig, auf jeden einzelnen seiner Schritte konzentriert, erreichte Marius endlich den B├╝rgersteig und freute sich, der Polizei entwischt zu sein, er hatte kein Bed├╝rfnis, ihre Bekanntschaft zu machen, auch nicht die einer Zelle oder eines Vernehmungszimmers. Wer wei├č ├╝berhaupt, wonach sie eigentlich auf der Suche waren. Obrigkeit mochte er generell nicht, also grunds├Ątzlich sich immer erst aus dem Staub machen und abhauen, war sein Motto.

Au├čer Atem, frierend, aber gl├╝cklich, sich endlich in Sicherheit gebracht zu haben, rannte Marius durch die verschlungenen Hinterh├Âfe und war froh, auch sein Manuskript gerettet zu haben, fest, ganz fest klammerte er es sich unter den Arm.

Mehrmals legte er eine kurze Pause in irgendeinem Innenhof ein, erstens, um etwas Atem zu holen, zweitens, um sich nach der W├Ąsche umzuschauen, die da ├╝berall auf den Leinen zum Trocknen hingen. Wo die Luft rein war, nahm er sich im Vorbeigehen vorsichtig von der einen oder anderen Leine einige Kleidungsst├╝cke, er h├Ąngte nur solche ab, die er f├╝r sich und seinen Kleidungsstil f├╝r weit genug erachtete. Gefahr drohte ihm dabei nur einmal, als ein angriffslustiger Hund versuchte, mit dem Gebiss seine Unterhose zu erhaschen. Eine leichte Abwehrbewegung mit dem Fu├č und sein Angstschrei reichten aus, um den Hund zu verscheuchen, zum Gl├╝ck.

Auf seinem Fluchtweg zwischen den H├Ąusern und durch die Hinterh├Âfe versp├╝rte er einige neugierige auf sich gerichtete Blicke, gelangweilte Hausfrauen lehnten sich aus ihren Fenstern und warteten geduldig, endlich etwas Interessantes zu ersp├Ąhen. Heute hatte er ihnen mit seinem Unterhosenauftritt unfreiwillig ein sch├Ânes Spektakel verschafft. Wom├Âglich hatte sein halbnackter Auftritt ihnen wenigsten etwas zum Tr├Ąumen geliefert, w├╝nschte er all diesen gelangweilten Frauen da oben von Herzen.
Tats├Ąchlich blieben sie alle belustigt und still beobachtend auf ihrer Sp├Ąherposition, sie genossen interessiert und am├╝siert das Spektakel, das er ihnen bot, ohne Unterhose h├Ątte ihnen das ganze gewiss viel mehr Spa├č bereitet. Am Ende seiner Suche und Stibitzerei f├╝hlte er sich endlich wohl in den Klamotten. Er sah jetzt zwar bunt wie ein Papagei aus, hatte wom├Âglich einige Frauensachen an sich, aber das tat nichts zur Sache, das Wetter war kalt und frostig genug, um dar├╝ber hinweg zu sehen.

Er ging zwei Stra├čen weiter, dann stieg er hastig und schwitzend die erste U-Bahntreppe hinunter, um seine Suche nach einem Verlag fortzuf├╝hren. Gro├č war seine ├ťberraschung, als er h├Ârte, dass der Fahrbetrieb im gesamten Stadtgebiet seit Stunden total eingestellt worden war wegen eines Dutzend Fahrradfahrern in einem der Tunnel. Jugendliche hatten sich zu einem Rennen getroffen und kamen und kamen nicht mehr aus dem Tunnel heraus.
Ein Riesenpolizeiaufgebot wartete schon ungeduldig auf sie.

In einem anderen Tunnel waren zwei Gro├čfamilien samt mehrerer Kinder und Haustiere beim Picknicken.

Mit Verwunderung glaubte er, auch geh├Ârt zu haben, dass mitten in einem weiteren Tunnel sogar Hunderte von Leuten bei der improvisierten Darbietung eines unternehmungslustige Stra├čenmusikanten am Toben und Klatschen waren. Extasy und Antidepress machten die Runde, lustigen Zeiten. Um den Verkauf von Speis und Trank auf diesem \"Konzert\" stritten sich jede Menge fliegender H├Ąndler mit einer ganzen Armada von Vertretern und Abgesandten von McDonalds & Co., getrieben von ihrer Sp├╝rnase f├╝r jegliche noch unerschlossene, neue Absatzm├Ąrkte. Letzteren lief bei dem Gedanken an die m├Âglichen Einnahmen schon das Wasser im Mund zusammen. Sie k├Ąmpften um den Platz, bewarfen sich gegenseitig vehement und ununterbrochen mit fettigen Pommes, verbrannten Chicken Nuggets, hei├če Buletten prasselten aus allen Richtungen, Broiler flogen den Tunnel entlang, lauwarme Cheeseburger klatschten an die Decke, scharfer Kebab landeten zwischen den Gleisen, alle Haare waren voller Spaghetti, und Curryw├╝rste schossen wie Raketen umher. Die zahlreichen Untergrund-Ratten schauten sich aus ihren Schlupfwinkeln belustigt und dankbar die Szenerie an und freuten sich um so mehr auf das kommende Festmahl.

Na ja, Marius h├Ârte sich das ganze gar nicht weiter an und verlie├č notgedrungenerweise wieder die U-Bahn in Richtung Mainufer, um so schneller zu Fu├č in die Innenstadt zu gelangen. Es dauerte aber nicht lange und er wechselte unfreiwillig sein Fortbewegungsmittel. Vor der Finanzkrise fl├╝chtende Banker samt K├Âfferchen, Laptop, Schnuller im Mund und Playboy unter Arm verursachten bei ihrer Flucht einen solchen Wirbelwind, dass er direkt und ohne Umschweife brutal in den Main katapultiert wurde. Er landete im kalten Wasser und die gewaltige Str├Âmung nahm ihn in ihre Gewalt. Die Wellen sch├╝ttelten und schmissen ihn in alle Richtungen, zogen ihn in die Tiefe und dann wieder in die H├Âhe. Dabei verlor er st├Ąndig die Orientierung, wusste f├╝r Augenblicke nicht mehr, in welcher Lage er sich befand, oben, unten, rechts oder links, der Horizont war verschwunden.

Langsam aber sicher musste er jetzt versuchen, seinen Weg schwimmend fortzuf├╝hren. Danke!, Schwimmend !, ÔÇ×Ich kann doch gar nicht schwimmen !!!ÔÇť, dachte er nach der erste Schrecksekunde voller Entsetzen.

Er schrie und schrie um Hilfe. Die Str├Âmung sp├╝lte ihn ├╝ber all hin und war nicht gewillt, seinen K├Ârper so leicht aus ihren F├Ąngen freizulassen. Er schrie und schrie trotzdem weiter, ohne Unterbrechung.
Obwohl mehrere Passanten und Spazierg├Ąnger am Ufer waren, bemerkte ihn keiner. Er trank dabei einiges an Mainwasser, das wie Politik schmeckte: abgestanden und lebensgef├Ąhrlich.

Seine immer leiser werdenden Hilfeschreie wurden endlich, letztendlich und tats├Ąchlich von einem gerade ├╝ber der Stadt fliegenden Piloten eines Airbus A380 geh├Ârt, hoch, hoch oben am Himmel, bestimmt 10.000 km weit.
Der gute, aufmerksame und hilfsbereite Pilot flachste nicht lange, st├╝rzte sich mit seiner Riesenmaschine im Blindflug hinab, und mit einem halsbrecherischen Man├Âver zwischen den Hochh├Ąusern Frankfurts schaffte er es, dass eine junge h├╝bsche Stewardess ihm einen Fallschirm aus dem Flugzeug zuwerfen konnte, eine Probezeitschrift schmiss sie noch hinzu. Diese apokalyptische Szene, die dr├Âhnenden Rolls-Royce Motoren und die laut heulenden und sich drehenden Propeller, verursachte zum Gl├╝ck eine solche Aufmerksamkeit, so dass ein am Stock langsam auf Ufer vorbeigehender 85-j├Ąhrige Spazierg├Ąnger seinen gesenkte Kopf hochhob. Er riss sich blitzschnell von seiner 93-j├Ąhrigen Gattin los und sprang in den Main, um den wertvollen Fallschirm zu bergen. Gut, dass der arme Schriftsteller sich fest an den Fallschirm festangeklammert hatte, so wurde er dabei mit gerettet, sehr banal aber erfolgreich. Der v├Âllig aufgel├Âsten, schreienden und weinenden Gattin seines Retters in spe schenkte er als Dankesch├Ân die Bushido CDs, die er aus dem Puff mitgehen lassen hatte. Die arme Frau fiel daraufhin augenblicklich zu Boden und wurde bewusstlos. Gar nicht so falsch, so hatten auch die Sanit├Ąter aus den verschiedenen Rettungswagen Arbeit und Besch├Ąftigung und retteten sie.

Marius wollte nicht mehr, konnte nicht mehr und rannte los.

Jetzt hatte er aber die Faxen dicke, wo sind die Verlage, gibt es ├╝berhaupt welche? Er hielt erneut ein vorbeifahrendes Taxi an, um sich endlich ins ÔÇťZentrumÔÇť, wo einige von denen residierten, fahren zu lassen.
Der nette Fahrer wusste zwar nicht genau, wo sich diese genau befinden sollten, war aber willig und nach besten Kr├Ąften bem├╝ht, sein Wunschziel zu finden. Eine gute, flexible und belastbare Arbeitskraft war er, so wie man sie sich eigentlich w├╝nscht, bzw. ÔÇťdie WirtschaftÔÇť sich w├╝nscht.
Trotzdem, nach mehr als drei Stunden Irrfahrt durch die Stadt gab er schlie├člich entnervt auf und schmiss ihn einfach abrupt am Rande der Stadt raus, im Niemandsland. Fahrkosten brauchte er nicht zu bezahlen, er w├╝rde das schon als ÔÇťirgendwasÔÇť Steuermilderndes absetzen, schrie er ihm mit erhobenem Arm und zur Faust geballter Hand nach.

Die eingeatmete frische Luft tat Marius zwar gut, aber er sp├╝rte schnell, dass er nicht mehr so bequem lag wie kurz zuvor auf dem bequemen Sitzpolster im Taxi. Er war auch noch ein wenig verschlafen, sein Sch├Ądel brummte und er befand sich tats├Ąchlich liegend auf dem harten Boden wieder. Einige Steinchen piksten ihn am Hintern, sein Manuskript lag zerfleddert neben ihn am Boden, einige Seiten hatte der Wind schon durch die Luft gewirbelt . Eine dicke Staubwolke zeugte ├╝berdies vom Weggang des Taxis, ein Hustenanfall ├╝berfiel ihn, er f├╝hlte sich elend und h├Ątte eigentlich liebend gern weitergeschlafen.

Marius musste wohl einen Albtraum gehabt haben, es war ihm r├Ątselhaft, wie und warum er ├╝berhaupt hierher kam und wo er sich eigentlich befand. Er f├╝hlte sich wie ein Forscher am Ende der Welt, der gerade einen Abgrund hinuntergefallen war. Aus irgendeinem Grund musste er sich mit dem Taxifahrer angelegt haben: Das undeutliche Fahrziel? Hatte er sich erbrechen m├╝ssen? Ging es wom├Âglich um das Fahrgeld? Keine Ahnung, der Typ hatte ihn jetzt hier abgesetzt und sich wortw├Ârtlich aus dem Staub gemacht. Marius hustete noch ein paar Mal, raffte sich zusammen und erhob sich etwas wackelig und benommen, sammelte sein Manuskript , klopfte den Staub aus seinen Klamotten und betrachtete erst einmal die Umgebung. Zu seiner Linken war die gro├če, laute, verpestete Stadt Frankfurt, zu seiner Rechten der sch├Âne, stille, gesunde und noch eintrittsfreie Stadtwald. Der Tag ging bald zur Neige, er entschied, einstweilen in den dunklen Wald zu gehen, da w├╝rde er bestimmt leichter einen Verlagsmanager oder am besten eine Verlagsmanagerin finden, dachte er sich mit etwas Sarkasmus, wom├Âglich sogar eine mit einem roten K├Ąppchen auf dem Kopf. Er w├╝rde sie dann heroisch vorm b├Âsen Wolf retten und sie daf├╝r sein Manuskript aus Dankbarkeit annehmen und editieren. Genau dar├╝ber dachte Marius nach, w├Ąhrend er ins Dickicht des Waldes hineinging, um sich dann prompt zu verirren. Sein Gesicht und seine H├Ąnden waren inzwischen v├Âllig verkratzt und blutig wegen des immer dichter werdenden dornigen Gestr├╝pps.

Immer tiefer drang Marius in den dunklen Wald, und wenn nichts Neues dar├╝ber in der Bild Zeitung steht, irrt der ├ärmste immer noch zwischen den hohen B├Ąume umher und hofft, dass ihn wenigstens ein Waldspazierg├Ąnger findet und rettet.

Wann waren Sie das letzte Mal im Wald?


******************



Danke f├╝r ihre Aufmerksamkeit.
Prof. Pinocchio
Alias K├╝nstler Pier Giam




Version vom 04. 01. 2010 16:54
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Version vom 19. 01. 2010 13:30

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Prof.,

leider hat mich Dein Text nicht ├╝berzeugt, ich schreibe Dir auch gern (aus meiner Sicht!!!), warum :

quote:
Marius schloss die T├╝r hinter sich, dachte nicht mehr an die Berge beschrifteten Papiers, die in seiner kleinen Wohnung ├╝berall verstreut langsam verblassten. Dabei verga├č er, seine Katze Balzac zu f├╝ttern und auch das Portemonnaie einzustecken.
Er trug stolz sein neuestes Manuskript unterm Arm und machte sich, m├╝de und in Gedanken vertieft, auf den Weg nach Frankfurt. Heute wollte er zum wiederholten Male einen Verlag f├╝r sein Werk suchen.

K├╝rzer w├Ąre vielleicht (als Beispiel):

Stolz klemmte Marius sein neuestes Manuskript unter den Arm, schloss die T├╝r seiner kleinen Wohnung mit dem Teppich aus Papier hinter sich, verga├č Kater Balzac und sein Portmonee und bestieg das erste Taxi, das auf sein Zeichen hin anhielt. Auf dem weichen R├╝cksitz siegte die Ersch├Âpfung: er schlief ein ...

So zieht es sich (aus meiner Sicht) immer weiter durch dein Script. Du benutzt zu viele Worte, um wenig Inhalt zu produzieren. Weniger w├Ąre IMHO mehr.
Es ist m.M.n. auch wenig glaubhaft, das Dein Prot. mit riesigen Hoffnungen und seinem Manuskript siegessicher in ein (teures) Taxi steigt, nur um sofort einzuschlafen.
Lass ihn doch vielmehr in einem (hoffnungsvollen) Verlag warten, weckknicken - und von der Karriere tr├Ąumen -und letztlendlich bei Book-on-Demand erwachen (lach) Nur so ein Beispiel ...


LG, KaGeb

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