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Leselupe.de > Kurzprosa
Ein Sommerspaziergang
Eingestellt am 02. 10. 2000 10:51


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Gisela Bradshaw
Hobbydichter
Registriert: Aug 2000

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Ein Sommerspaziergang


Ich bin herausgetreten aus dem Haus am Waldesrand und atme die frische, w├╝rzige Luft der Felder. Mit schnellen Schritten biege ich in den Waldweg ein, der mich absolut unber├╝hrte Natur f├╝hrt.
Der warme Sommerwind umweht mein erhitztes Gesicht. Dieser herrliche Sommertag ist wie ein Geschenk, wie eine Gottesgabe. Wie eine Gottesgabe ist auch die Musik, die an meinem Ohr erklingt. Ich h├Âre das Violinkonzert von Beethoven, dieses ber├╝hmte Werk, das mit vier langsamen Paukenschl├Ągen beginnt. Die Geige singt ihr Lied, z├Ąrtlich, wild, die Melodie ist wie eine Hymne, ein Liebeslied, dessen Melodie vor lauter Gl├╝ck jauchzt und jubiliert. Es ist die perfeke Melodie der Liebe, des Verlangens, des ekstatischen Gl├╝cklichseins. Wie so oft staune ich, da├č diese Musik von einem Menschen geschaffen wurde, der ein so ungl├╝ckliches Schicksal erleiden mu├čte. Die Violine ist hier sein Instrument, das dieser g├Âttlichen Musik Ausdruck verleiht, die Violine, die gemacht ist aus Holz und Saiten, beides im Grunde schlichte Dinge unseres t├Ąglichen Lebens und erst durch die geniale Musik und die Virtuosit├Ąt des K├╝nstlers zu diesem unverzichtbaren, wundervollen Medium wird.
Ich blicke mich um und sehe eine unber├╝hrte, gr├╝ne Landschaft zu meinen F├╝├čen liegen. Der wei├č-blaue Sommerhimmel ist wie ein gro├čes, alles beh├╝tende Zeit gespannt ├╝ber Land und Flur und alle Wesen, die unter ihm weilen. Die bestellen Felder mit ihrem Roggen, Hafer und Gerste stehen in ├╝ppiger Pracht, roter Klatschmohn, leuchtend blaue Kornblumen, wei├č-gelbe Margariten sind wie bunte Farbtupfer im Gr├╝n der Felder verstreut.
Ich bin voller Freude, da├č ich diesen wunderbaren Sommertag erleben kann und stelle mir vor, wenn dies eines Tages nicht mehr m├Âglich ist, wenn mein Dasein auf dieser herrlichen Welt beendet ist und ich mich nicht mehr erfreuen kann an all diesen herzerfrischenden Dingen: der Sommerlandschaft, der Musik, den bl├╝henden Feldern und Blumen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Vielleicht ist alles mit einem Traum vergleichbar, einem Traum, der zur Realit├Ąt geworden ist. Nur mit dem Unterschied, da├č ich eines Tages nicht mehr aus diesem Traum aufwache. Das ist irgendwie ein tr├Âstlicher Gedanke, weil er mir die Angst nimmt vor dem Tod.
Dann sehe ich sie, die kleinen Rehkitze, die auf staksigen Beinchen neben ihrer Mutter laufen, und auf einmal wird mir wieder klar, da├č das Leben immer weitergeht: die Natur stirbt im Winter, h├Ąlt Winterschlaf und erwacht wieder mit neuem Glanz zu einem erneuerten Leben. Alle Lebewesen sind eingebunden in diesen Kreislauf von Leben und Tod, leben weiter in den Kindern. Das mu├č mein Trost sein und sollte mir die Angst vor dem Tod nehmen.
Darum will ich das Lied des Lebens, diese herrliche, z├Ąrtliche Melodie, diesen Wechsel aus Besinnlichkeit, Wildheit, Freude und Trauer auskosten bis zum Ende meiner Tage. Jeden Tag will ich mir bewu├čt machen, da├č mein Dasein ein Fest sein sollte, das ich ausgelassen und voller Freunde genie├če. Alles andere w├Ąre Frevel.

Aufgeschrieben Ende Juni 1999 in R-N.


__________________
"In mir ist alles" H├Âlderlin

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