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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Ein Sonntag im Mai
Eingestellt am 27. 08. 2009 14:27


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leonmicha
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Registriert: Aug 2009

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© Leonhard Michael Seidl


Ein Sonntag im Mai

H√§tte ich den Weg √ľber die geborstene Eiche genommen, w√§re alles anders gekommen.
So aber lief ich durch den Wald, eine Strecke, die ich oft laufe, mindestens dreimal die Woche. Es ist mein Fitness-Parcour. Hinter dem Haus √ľber einen Feldweg hin√ľber zur gro√üen Wiese, dann weiter an den drei verwitterten Str√§uchern vorbei, hinein in den Wald - oder eben nach rechts zur geborstenen Eiche.
Aber ich will die Geschichte von Anfang an aufschreiben. Viel Zeit habe ich nicht mehr, also mu√ü ich es kurz machen. Was ich an Einzelheiten dabei vergesse oder √ľbersehe, mag sich der Leser selbst zusammenreimen; es findet sich gen√ľgend dar√ľber in den Zeitungen.
Ein weiterer Grund, warum ich meine Geschichte aufschreibe: um die Wahrheit zu erz√§hlen und sie nicht den Journalisten, diesen Hy√§nen, zu √ľberlassen. Sie dichten gern - ohne wirkliche Dichter zu sein.
Kommen wir zur Sache.
An jenem Tag, einem Sonntag im Mai, schien morgens bereits die Sonne. Ich schn√ľrte meine Laufschuhe und verlie√ü gegen neun Uhr das Haus, um eine gro√üe Runde zu drehen. Ich f√ľhlte meinen Puls, er war in Ordnung, ich merkte mir die Uhrzeit und lief endg√ľltig los. Eines der Dinge, die ich am Laufen liebe, ist, dass man den Kopf freibekommt vom Alltag, von den gro√üen und kleinen Problemen, die die Woche √ľber auftauchen, sich aufspielen und sich wichtiger machen, als sie sind.
Nach einer schwachen halben Stunde erreichte ich den Wald. Ihn zu durchqueren, dauerte in der Regel nicht länger als zehn Minuten. Kein Mensch war unterwegs, doch das war nicht ungewöhnlich. Am Sonntag schläft jedermann so lange er kann.
Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Es klang wie das Knurren eines Tieres. Ich dachte mir nichts dabei, denn ich liebe Tiere im Allgemeinen und Hunde im Besonderen.
Das Geräusch brach ab und wechselte zu einem jammervollen Stöhnen. Ich verlangsamte meinen Lauf. War das Tier verletzt? Das Geräusch verstärkte sich. Ich blieb stehen, sah mich um.
Jenseits des schmalen Weges, auf dem ich unterwegs war, öffnete sich, schlecht einsehbar, eine kleine Lichtung zwischen den Bäumen. Als ich näher trat, erkannte ich einen Mann, der auf einer Frau lag und sie penetrierte. Beide waren nackt, der Mann vollkommen, die Frau hingegen trug noch einen BH. Das Höschen hing unterhalb ihrer Knie.
Lautlos schlich ich näher. War das ein Liebesakt unter freiem Himmel? Plötzlich bemerkte ich die Pistole, die der Mann der Frau an die Schläfe hielt. Die Situation war eindeutig. Die Frau wurde vergewaltigt.
Mit einem Sprung war ich bei ihnen. Ich packte den Kerl an den langen schwarzen Haaren und riss ihn zur√ľck. Seine Halsmuskeln knackten. Vor Schreck verlor er die Pistole. Ich riss sie an mich und zerrte ihn weg von seinem hilflosen Opfer.




Die Frau lag nun nackt vor mir. Sie hielt die Augen geschlossen. Ihr Gesicht war tränennass. Angstvoll presste sie beide Hände auf die Scham.
Der Mann lag keuchend neben ihr. Sein Penis stand steif in die Höhe. Die Frau rollte sich mit letzter Kraft von ihm weg. Ich sagte:
"Was soll das?"
Er sagte: "Hau ab - wir lieben uns!"
Die Frau sch√ľttelte energisch den Kopf und wischte mit dem Arm den Rotz von der Nase. Ein Auge war zugeschwollen. Leise erwiderte sie:
"Er hat mich √ľberfallen ‚Ķ er hat mich ‚Ķ"
Ich sagte: "Stimmt das?"
Der Mann schwieg. Sein Penis sank in sich zusammen wie ein Hochhaus nach der Sprengung.
Ich packte die Pistole fester und hielt ihm den Lauf unter die Nase.
"Stimmt es, was die Frau sagt?"
"Nein!"
Ich hielt ihm die Pistole an die Schläfe:
"Stimmt es?"
Leise kam die Antwort: "Ja, es stimmt."
"Du wolltest die Frau vergewaltigen?"
"Ja."
"Findest du das gut?"
"Ja."
Ich hieb ihm die Pistole gegen die Stirn. Er begann zu bluten. Ich wollte ihn weiter verhören, wurde jedoch abgelenkt.
Zwischen den B√§umen erschien eine weitere Frau. Sie war nur wenig √§lter als die am Boden Liegende. Als sie sah, dass die Gefahr vor√ľber war, kniete sie nieder und nahm ihre Freundin in den Arm. Sie sagte: "Ich habe alles gesehen. Er hat sie vergewaltigt. Ich konnte fl√ľchten."
Ich sagte: "Warum haben Sie ihr nicht geholfen?"
"Angst …"
"Sie sind zu zweit. Er ist allein."
"Er hatte die Pistole!"
Das stimmte. Ich sah wieder zu dem Mann am Boden. Ich sagte:
"Was machen wir mit ihm?"
Die nackte Frau am Boden sagte: "Gehen Sie."
"Was meinen Sie?"
Sie sah mich nicht an: "Wir werden allein mit ihm fertig."
"Was habt ihr vor?"
Ihre Freundin sagte: "Gehen Sie. Vielen Dank."
Der Mann sah mich flehend an: "Bitte bleiben Sie."
"Warum sollte ich?"
"Sie schneiden mir den Schwanz ab."
"Quatsch."
"Doch. Sie schneiden mir den Schwanz ab. Bitte bleiben Sie!"
Er wollte aufstehen, ich lie√ü es nicht zu. Er sank zur√ľck auf den Waldboden. Ich sah, dass er fror und dass er Angst hatte. Ich sagte:
"Was werden Sie mit ihm machen?"
Die nackte Frau, die sich zusehends erholte, sagte:
"Vielleicht schneiden wir ihm sein Ding ab …"
"Vielleicht schneiden wir ihm ein Ohr ab …"
"… oder die Nase …"
"… oder einen Finger."
"Jetzt h√∂ren Sie es!", br√ľllte der Mann mit kippender Stimme: "Sie d√ľrfen mich nicht hierlassen."
Ich sagte: "Stellen sich nicht so an. Nix wird passieren. Und außerdem: Eine Strafe haben Sie verdient, soviel steht fest."
Ich warf die Pistole auf den Boden und ging.

Als ich drei Tage sp√§ter beim Fr√ľhst√ľck die Zeitung aufschlug, entdeckte ich das Foto. Ein nackter K√∂rper hing mit dem Kopf nach unten am Ast eines Baumes. Er war mit dem linken Fu√ü an den Ast gefesselt, der andere stand im rechten Winkel davon ab. Das Gesicht war ein roter Klumpen, die Augenh√∂hlen leer. Dieser Mensch war tot. Mehr aus Neugier als aus wirklichem Interesse las ich den Bericht.
Es handelte sich um einen Mann, der das Opfer einer Vergewaltigung geworden war. Die Geschichte erschien mir ungew√∂hnlich, deshalb zog ich die Zeitung n√§her heran. Der Mann war im Wald als Jogger unterwegs gewesen, als man ihn √ľberfallen hatte. Die Polizei vermutete hinter dem Verbrechen zwei oder mehrere Personen, darunter mindestens eine Frau. Man habe den Mann, das hatten Untersuchungen ergeben, mehrfach zum Samenerguss gezwungen, ihm anschlie√üend den Penis abgeschnitten, ihn verst√ľmmelt und an den Baum geh√§ngt. Allerdings gebe es Anlass zur Hoffnung, den oder die T√§ter bald zu fassen. Der oder die T√§ter hatten am Tatort eine Pistole zur√ľckgelassen. Die Fingerabdr√ľcke seien sichergestellt worden. Hinweise, die zur Ergreifung des T√§ters f√ľhren, nahm jede Polizeidienststelle entgegen.
Damit schloß der Bericht.
Heute Morgen gegen acht war ein junger Polizeibeamter mit seiner Kollegin bei mir. Sie zeigten mir ein Phantombild. Es wies gro√üe √Ąhnlichkeit mit mir auf. Die beiden Polizisten bemerkten es nicht. Sie fragten, ob ich jogge. Sie fragten, ob mir bei den Laufrunden im Wald etwas aufgefallen sei. Ich verneinte tapfer.
Gegen elf Uhr kamen zwei Beamte in Zivil und nahmen meine Fingerabdr√ľcke. Die Prozedur wurde in meiner K√ľche durchgef√ľhrt und dauerte eine Stunde.
Jetzt ist es vierzehn Uhr. Ich bin fertig mit meiner Niederschrift. Das Telefon steht neben mir. Ich k√∂nnte einen Anwalt anrufen. Ich k√∂nnte den lieben Gott anrufen, wenn ich seine Nummer w√ľsste.
Es klingelt an der T√ľr. Sie stehen drau√üen und warten auf mich. Die Handschellen klicken. Ich bin gefangen und wei√ü nicht warum. Eine Menschenmenge hat sich versammelt. Unter ihnen zwei Frauen. Die eine grinst. Die andere schaut zu Boden. Die T√ľr des Polizeiwagens schlie√üt sich. Wir fahren ab. Der Fahrer sagt:
"Seien Sie froh, daß Sie noch leben. Die Leute wollten Sie lynchen!"
Ich sage: "Wer hat Sie auf meine Spur gebracht?"
Sein Kollege auf dem Beifahrersitz sagt: "Eine Frau hat angerufen und uns den Tip gegeben."
Der Fahrer sagt: "Man möchte es nicht glauben, aber es gibt noch ehrliche Menschen."
Der Wagen biegt um die Ecke. Die ehrlichen Menschen sind verschwunden.



©LMS 2009


VITA:

Leonhard Michael Seidl
Geb. 1949 in M√ľnchen

http://lmseidl.chapso.de

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