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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Tag wie jeder andere?
Eingestellt am 17. 12. 2003 15:52


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Feather
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2003

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Es war ein Tag wie jeder andere f├╝r Robert, der noch einen pr├╝fenden Blick in den Spiegel warf, bevor er sich von seiner Familie mit einem kurzen Gru├č verabschiedete, um seinen Dienst anzutreten.
Er war froh, aus der engen, stickigen Wohnung herauszukommen!

Seine Kollegen begr├╝├čten ihn herzlich, ihre Uniformen schmuck und sauber, ihre Stiefel blitzblank, das Emblem der SS prangte an ihren ├ärmeln.
Der morgendliche Ablauf war jeden Tag derselbe, aber mittags kontrollierten sie immer andere Leute. Heute war Robert mit Hartmut f├╝r bestimmte Bezirke des Hochhausviertels der Stadt verantwortlich.

In einem der H├Ąuser k├╝mmerte sich sein Kollege um die Wohnungen in der Etage ├╝ber ihm und Robert warf einen Blick auf das Messingschild an der T├╝r.
Frank hie├č sein neues Opfer also. Der Nachname war unwichtig, es w├╝rde doch nur wieder eine nichtssagende Person sein, nur ein weiterer Punkt auf seiner Liste.
Schrilles L├Ąuten durchbrach die Stille, Schritte waren zu h├Âren und Robert wurde von gro├čen, tiefblauen Augen gefangengenommen, die ihn unter wuscheligen, dunkelbraunen Haaren und fein geschnittenen Augenbrauen hervor anschauten. Ohne Zweifel: dieser Frank war einer der sch├Ânsten M├Ąnner, die er je gesehen hatte!
„Vergiss nicht den Grund, weshalb du hier bist...“ Frank l├Ąchelte schief, leicht traurig.
Robert r├Ąusperte sich. „Nein... Kann ich reinkommen?“ Seine Stimme klang nicht so barsch, wie er es gerne gehabt h├Ątte, aber Frank lie├č ihn widerspruchslos ein.
Robert sah sich um. Der Vorwurf, der dem Dunkelhaarigen gemacht wurde, schien sich zu best├Ątigen. An den W├Ąnden hingen Gem├Ąlde, vorzugsweise m├Ąnnliche Akte.
„Also stimmt es“, stellte der SS-Mann fest.
„Was? Dass ich schwul bin?“ Frank hob eine Augenbraue. „Das wei├čt du doch so gut wie ich... Ich hab deine Blicke doch bemerkt! Bringt es das? Sich auf ewig selbst zu verleugnen? Was hast du gemacht, damit sie dich in ihren Verein aufnahmen? Geheiratet und Kinder gezeugt?“ Franks Stimme klang sp├Âttisch, der ironische Unterton war deutlich.
Robert zuckte zusammen.
Erinnerungen kamen in ihm hoch. Wei├če Z├Ąhne, weiche Lippen, graue Augen, breite Schultern... Als er sich eingestehen musste, in einen Mann verliebt zu sein, hatte er Luise geheiratet. Die hatte sich nie beschwert.
Frank sah die Verwirrung und die Angst in den Augen des anderen, trat auf ihn zu, nahm ihn in die Arme und k├╝sste ihn.
Robert, immer noch erschrocken und verunsichert, erwiderte den Kuss leidenschaftlich. Darauf hatte er sein ganzes Leben lang gewartet.
„Ich will nicht sterben“, fl├╝sterte Frank an Roberts Lippen, in seiner langsam hervorbrechenden Verzweiflung umschlang er ihn noch enger.
„Das wirst du nicht“, wisperte Robert beruhigend. „Ich werde nichts sagen...“ Er wiegte Frank leicht hin und her, k├╝sste ihn wieder.

In diesem Moment h├Ârte er die Schritte seines Kollegen Hartmut hinter sich...

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