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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Tag wie jeder andere
Eingestellt am 21. 01. 2002 13:10


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Ein Tag wie jeder andere

Montags morgen, 09:30 Uhr, irgendwo in Deutschland. Ich f├╝hle mich m├╝de, leer und
ausgepowert. Eigentlich ein Tag wie jeder andere. Der Himmel ist dunkel, noch dunkler als meine Seele. Die Routine zerm├╝rbt mich. Die Fahrt mit dem Bus zum Bahnhof, der ├╝berf├╝llte Zug, die schlechtgelaunten Gesichter meiner Arbeitskollegen, der erste Kaffee des Tages, das umstellen meiner Stempel: immer das gleiche Spiel. Ich wollte Journalist werden, Schriftsteller oder zumindest in der freien Wirtschaft arbeiten. Aber nein. Das ist alles viel zu unsicher, hat sie gesagt. Werde Beamter. Da hast du Sicherheit, f├╝r mich, f├╝r dich, f├╝r unseren Sohn. Ich wurde also Zollbeamter. F├╝r sie und f├╝r unseren Sohn.
Vierundzwanzig Jahre stempeln, Bl├Ątter sortieren, kopieren, telefonieren, ohne den Sinn zu entdecken. Manchmal w├╝nsche ich mir, ich w├Ąre dumm. Dann w├╝rde ich mich meinem Schicksal beugen und das beste daraus machen. Ich w├╝rde nicht ├╝ber das Leben, den Tod oder geplatzte Tr├Ąume nachdenken, sondern ├╝ber die Bild Schlagzeile.
Vielleicht w├Ąre ich dann gl├╝cklich !
Aber so ist es nun mal nicht.
Und der Alkohol macht alles nur schlimmer.
Erst half er mir zu verdr├Ąngen. Machte mich gleichg├╝ltig.
Der Sarkasmus meiner Frau und ihre ewigen Vorw├╝rfe prallten an meinem Schutzschild aus interesselosigkeit ab.
Dann machte er mich, wie einst meinen Vater, aggressiv. Wenn mir etwas nicht pa├čt, werde ich laut und schreie mir die Seele aus dem Leib. Aber niemals, wirklich niemals, habe ich unseren Sohn oder gar sie, geschlagen.
Ich habe viel zu viel angst vor den Konsequenzen.
Genau soviel angst wie in den letzten zwanzig Jahren, davor sie zu verlassen.
Feigheit als Lebensmotto.
Bequemlichkeit als un├╝berwindliche H├╝rde.
Ich ging den leichten Weg.
Leider.
Aber so ist es nun mal nicht.
Und der Alkohol macht alles nur schlimmer.
Erst half er mir zu verdr├Ąngen. Machte mich gleichg├╝ltig.
Der Sarkasmus meiner Frau und ihre ewigen Vorw├╝rfe prallten an meinem Schutzschild aus Interesselosigkeit ab.
Dann machte er mich, wie einst meinen Vater, aggressiv. Wenn mir etwas nicht pa├čt, werde ich laut und schreie mir die Seele aus dem Leib. Aber niemals, wirklich niemals, habe ich unseren Sohn oder gar sie, geschlagen.
Ich habe ich viel zu viel angst vor den Konsequenzen.
Genau soviel Angst wie in den letzten Zwanzig Jahren, davor sie zu verlassen.
Feigheit als Lebensmotto.
Bequemlichkeit als un├╝berwindliche H├╝rde.
Ich ging den leichten Weg.
Leider.

__________________
:nemo

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