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Leselupe.de > Humor und Satire
Ein Tag wie jeder andere
Eingestellt am 21. 02. 2009 23:16


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ridding
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Registriert: Feb 2009

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Ein Tag wie jeder andere

Als ich morgens mein Fahrrad bestieg, sprang mal wieder die Kette nicht an. Ich stellte meinen Zughund zur Rede, aber der konterte sogleich mit der alten Leier, dass ich vor ein paar Wochen seinen Dosenöffner verlegt hatte, weswegen er seine HĂŒtte nicht sĂ€ubern könne.
„Komm nicht schon wieder damit“, raunzte ich ihn an. „Was hat das mit der Kette zu tun?“
Er ließ sich nicht beirren, stellte das Radio an und las mir seine gewerkschaftlich verbrieften Rechte vor.
„Na gut“, sagte ich, denn wer will sich schon mit der Gewerkschaft anlegen, und schlug vor, stattdessen die Bahn zu nehmen.
Damit hatte ich seinen schwachen Punkt getroffen, denn als Dackel-Bernhardiner-Mischling lebte er in stÀndiger Angst vor rassistischen Pöbeleien, nicht ganz zu Unrecht, denn bei solchen X-Beinen wurden selbst Nonnen schwach und hohnlÀchelten, dass die Kutten nur so qualmten.
„Nehmen wir also doch das Fahrrad“, gab er nach, schloss die Kette kurz und schob ein erkennbar hergeholtes „Schließlich habe ich erst vollgetankt, da können wir uns das Geld fĂŒr die Fahrkarten sparen und ziehen uns dafĂŒr lieber ein paar Ravioli rein“ nach.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, obwohl mir eine Pizza Napoli lieber gewesen wĂ€re, und warf den Scheibenwischer an. Nach wenigen Minuten hatten wir die FakultĂ€t erreicht und putzten erst mal die Platte. Nachdem wir alle Brösel beseitigt hatten, verkrĂŒmelten wir uns auf das Parkdeck, wo schon andere akademische HilfskrĂ€fte sich ihrer verantwortungsvollen Aufgaben entledigt hatten und an den Auspuffrohren nuckelten.
WĂ€hrend der Hund an der Bar die Ravioli bestellte, kĂŒmmerte ich mich um die blonde Arabistik-Studentin aus dem 12. Semester, die friedfertig ein paar LungenblĂ€schen aus ihrer Brotdose löffelte, womit sie signalisieren wollte, dass sie schon lĂ€nger einen Blick aus ihrem Glasauge, das sie mit einer violetten Kontaktlinse zu kaschieren versuchte, auf mich geworfen hatte.
„Shalom“, flunkerte ich, sie errötete kurz unter ihrem blauen Bikini, schien sich dann aber doch auf die Nummer einlassen zu wollen und erzĂ€hlte ĂŒber die internationalen Konfliktherde im PrĂ€kambrium. Zum GlĂŒck hatte ich erst kĂŒrzlich einen Aufsatz ĂŒber stalagmitische Redundanzen gelesen und ließ ein paar Fachtermini zu neoandalusischen Interferenzen fallen. Damit war die Sache geritzt, ich legte die Hand auf ihre HĂŒfte und sagte „So lĂ€uft es eben, wenn es lĂ€uft“, wodurch sie mir vollends verfiel.
Dummerweise kam aber jetzt der Hund mit den Ravioli angetapert und vermasselte mir die Tour. Er verwickelte sie in ein GesprĂ€ch ĂŒber die historische Bedeutung von rotsoßigen Teigwaren, was mich natĂŒrlich anödete, weil ich die SprĂŒche schon mitsingen konnte, meiner kleinen Araberin aber mĂ€chtig imponierte, weil sie das von einem Dackel-Bernhardiner-Mischling nicht erwartet hatte.
Nachdem die beiden sich in Richtung Parkscheinautomat weggemacht hatten, ging ich an die Bar, bestellte mir ein paar doppelte Perlmuttfeuer und hoffte auf weitere Abenteuer. Ein solches kam auch bald in Gestalt einer anĂ€mischen Hochseefischerin, die beschlossen hatte, ihre Heuer fĂŒr sinnvolle Projekte zur BekĂ€mpfung von Schimmelpilzen in MarmeladenglĂ€sern zu spenden. Sie merkte schnell, dass sie damit bei mir genau richtig lag und lud mich ein, ihre Angelhakensammlung zu bestaunen.
Der Trick verfehlte seine Wirkung nicht und schon bald hing ich an diversen Haken zwischen zwei Masten ausgetakelter Galeeren aus der Zeit der 3. Gin-Seng-Dynastie, wĂ€hrend sie stumpfsinnig in einem salzwasserbefleckten Fotoalbum blĂ€tterte und immer wieder „Weiße Möwen legen keine grĂŒnen Eier“ vor sich hinlallte.
So hatte ich mir den Nachmittag eigentlich nicht vorgestellt und machte mich vom Acker, wobei ich zwar einige Hautpartikel zurĂŒckließ, dafĂŒr aber aus ihrem KĂŒhlschrank eine dreiviertelvolle Flasche Friteusenlikör mitnahm.
Ich saß gerade ein paar Minuten am Flussufer, als mein Zughund frustriert mit dem Fahrrad angeschoben kam, weil die Araberin letztlich doch einer dĂ€nischen Dogge mit Jodelmagister den Vorzug gegeben hatte. Da war klar, dass wir mal wieder alleine waren, zockelten auf dem Rad nach Hause und plĂŒnderten den Keller seiner HĂŒtte. So wurde es alles in allem doch noch ein netter Abend.

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