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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Ein Tagesausflug ins Leben...
Eingestellt am 09. 04. 2019 12:01


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timilu
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2019

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Leise Musik liegt ĂŒber den GĂ€sten dieses CafĂ©s, das sie mit dem Auf und Ab ihres Gemurmels immer wieder ĂŒbertönen. Das Klappern von Geschirr dringt an mein Ohr, was ich kaum wahrnehme. Ich schaue gebannt aus dem großen Panoramafenster vor mir. Es ist so lang wie das CafĂ© breit ist und sein Ausblick spektakulĂ€r.
„Entschuldigung.“ Die Bedienung schiebt sich schwerfĂ€llig zwischen meinem Stuhl und dem Nachbartisch hindurch und stĂ¶ĂŸt dabei gegen meine Schulter. Ihr Tablett wankt bedenklich. Es wĂ€ren nicht die ersten GetrĂ€nke, die sich ĂŒber mich ergießen wĂŒrden.

Seufzend lege ich ein paar MĂŒnzen auf den Tisch und stelle mich ans Fenster. Meine HĂ€nde ruhen auf dem Handlauf des GelĂ€nders, der sich an einem warmen Tag wie heute angenehm kĂŒhl anfĂŒhlt. Vor mir liegt Berlin in seiner ganzen Pracht. Der Blick auf seine DĂ€cher ist fantastisch. Das Rote Rathaus zieht mich magisch an. Der untere Teil des Fernsehturms wird von leichten Nebelschwaden umhĂŒllt, so dass die Kugel darĂŒber zu schweben scheint. Gierig sauge ich diesen Anblick auf. Ich habe mich fĂŒr einen Tag losgeeist, um nach Berlin zu kommen. Raus aus meinem Alltag, der sich oft deprimierend ĂŒber meine Seele legt. Weg von meinem eintönigen Eheleben, das mir keinerlei Aufregung bietet. In diese Stadt einzutauchen ist Urlaub fĂŒr meine vernachlĂ€ssigten Emotionen. Sie zu fĂŒhlen, zu hören und ihren Pulsschlag ganz tief in meinem Herzen zu spĂŒren, macht mich glĂŒcklich. Sobald ich den Zug aus Nirgendwo verlasse und den Boden von Berlin betrete, schießt mir das Blut dieser einzigartigen Stadt in den Körper und pulsiert heftig durch meine Venen. Nirgendwo fĂŒhle ich mich lebendiger, geerdeter, als in dieser Metropole. Ich bin neugierig, was dieser Tag fĂŒr mich bereit hĂ€lt. Keiner der Anwesenden GĂ€ste scheint einen Blick fĂŒr sie zu haben. Sie vergessen sich in Nichtigkeiten und beschĂ€ftigen sich lieber mit ihren Smartphones. Sie sind fernab jeder Wirklichkeit; blind fĂŒr die Einzigartigkeit um sich herum.

Ein leichtes vibrieren unter meinen HĂ€nden lĂ€ĂŸt mich aufschauen und zwingt meinen Blick geradezu nach rechts. Einige Meter neben mir steht ein Mann, dessen gebrĂ€unte HĂ€nde kraftvoll den gebĂŒrsteten Edelstahl umfassen. Augenblicklich schießen mir Bilder in den Kopf, die meine Wangen zum GlĂŒhen bringen. Ich spĂŒre seine HĂ€nde auf mir, auf meinem ganzen Körper, wie sie mich fest umschlingen, wĂ€hrend ich unter der heftigen Lust erzittere, die sie mir eben bereitet haben. Mein Atem geht schnell und flach, wĂ€hrend der Puls meine Halsschlagader rhythmisch gegen die dĂŒnne Hautwand presst. Zögernd wandert mein Blick ĂŒber das weiße Hemd, dessen Arme locker zurĂŒckgekrempelt sind und schaue in ein Gesicht, das mich unverwandt ansieht. Mir wird leicht schwindelig. Er ist bei mir und irgendwie in mir.

Ein arrogantes LĂ€cheln umspielt seine Lippen und er wirft mir einen: ich-weiß-alles-ĂŒber-dich Blick zu. Schlagartig versiegt mein Speichelfluss. Vorsichtig rĂ€uspere ich mich. Diesen Kloß, der sich spontan in meinem Hals gebildet hat, werde ich nicht los. Langsam kommt er auf mich zu, obwohl ich keinerlei Bewegungen an ihm ausmachen kann. Er kommt nĂ€her; unaufhaltsam, Meter fĂŒr Meter. Als er vor mir steht klopft mein Herz so laut, dass ich Angst habe er könne es hören. Zarte Duft-Akkorde schweben um meine Nase, dringen tief in meine Lungen und betören meine Sinne. Die warme Holznote im Hintergrund wird feurig und legt sich wie schĂŒtzende Arme um mich. Diese Aromen wirken heiß und kalt, nah und fern, zurĂŒckhaltend und drĂ€ngend. Alles an ihnen ist ein Widerspruch, der sich mit seiner persönlichen Note in mir zu einem Gesamtwerk vereint.
„Sie machen sich zu viele Gedanken.“ Himmel diese Stimme. Sein Vibrato zieht mich augenblicklich an den Rand eines gefĂ€hrlichen Abgrunds. Mit beiden HĂ€nden umklammere ich das GelĂ€nder fester, um nicht zu fallen.

Sein Stöhnen dringt an mein Ohr und er flĂŒstert mir sĂŒndige Worte hinein; teilt seine Fantasien mit mir. Alles klingt so unglaublich gut mit dieser Stimme. Meine Haut beginnt vor Erregung zu prickeln. Unerbittlich hĂ€lt er meinen Blick fest als er weiter spricht: „In KĂŒrze werden Sie sich nicht mehr an mein Hemd erinnern, nicht an mein Gesicht, nicht an mich. Nur an die sĂŒĂŸen Momente die ich Ihnen schenken werde.“ Seine Augen schauen mit großer Ruhe in meine. Vergebens suche ich das Lodern der Flammen in ihnen, oder ist es nur der Feuerschein meiner Selbst den ich zu finden hoffe?




„Wie ist ihr Name?“
„Helen“, kommt es ĂŒber meine bebenden Lippen. Er lĂ€chelt spöttisch. Verdammt, er hat mich durchschaut, aber scheinbar spielt es keine Rolle wie ich heiße. Ich möchte seinen Namen gar nicht wissen. Dieser Mann hat mich körperlich nicht berĂŒhrt und doch bin ich das reinste NervenbĂŒndel. Ausgelöst durch seine PrĂ€senz und diese Stimme mit ihren markigen Worten; und dann ist da dieser Duft, der ein Versprechen an meine geheimen SehnsĂŒchte beinhaltet.
„Was erwarten Sie von mir?“, wage ich ihn zu fragen. Seine Braue zieht sich sexy nach oben und mir wird schon wieder schwindelig.
„Es geht nicht darum was ich von Ihnen erwarte, sondern nur um das, was Sie so dringend benötigen.“ Wieder schwingen Abertausende Versprechungen auf mich zu. Ich muss nur die Hand heben und mir etwas aussuchen. Es ist alles dabei was sich mein Verstand vorstellen kann. Gierig schaue ich sie durch, drehe sie und lasse auch die RĂŒckseiten nicht aus. Was brauche ich denn schon? Und was von all diesen Dingen will er mir geben?

„Wenn Sie bereit sind sich von Ihren Dogmen zu befreien, werden Sie leben. Mit dem Leben werden Sie lieben lernen. Seien Sie nicht lĂ€nger Gefangene in einer Welt, die nicht die Ihre ist. FĂŒhlen Sie sich nur sich selbst verpflichtet und Sie werden Ihr Bewusstsein erweitern.“

In einer stillen Übereinkunft dreht er sich um und ich folge ihm. Angezogen von nicht definierbaren KrĂ€ften ergebe ich mich in das, was jetzt kommt. Als er in einem abgedunkelten Raum die TĂŒr ins Schloss schnappen lĂ€sst, kann ich nicht sagen wie ich hierher gekommen bin. Wo ich ĂŒberhaupt bin. Ich hatte die ganze Zeit nur Augen fĂŒr ihn. Seine Energie nimmt mir den Atem. SchlĂ€gt mich in ihren Bann. Jedes AlltagsgerĂ€usch verliert sich in anderen SphĂ€ren. Nichts zĂ€hlt mehr. Es gibt nur noch hier und jetzt - ihn und mich - diesen Raum. Nur schemenhaft kann ich Umrisse ausmachen. Sein Atem weht in meinen Nacken. Sofort zucke ich zusammen. Mit magischen KrĂ€ften dirigiert er mich zu einem Bett. Was fĂŒr ein profanes Detail. Seine Dominanz finde ich erregend und keinen Gebrauch von ihr zu machen noch viel mehr. UnglĂ€ubig schĂŒttle ich meinen Kopf. Die Haare tanzen dabei um mein Gesicht. Es muss ein Traum sein. Alles andere ist rational nicht zu erklĂ€ren.
„Befreien wir uns von der Kleidung.“ Welch nĂŒchterner Satz in einer so aufgeladenen AtmosphĂ€re. Langsam legt er StĂŒck fĂŒr StĂŒck der weltlichen Sachen von seinem Körper ab. Ich folge seinem Beispiel.

„WĂŒnschen Sie Licht oder ist Ihnen die AnonymitĂ€t der Dunkelheit lieber?“
„Dunkel“, kann ich nur flĂŒstern. Sein Grinsen ist spĂŒrbar. Wieso macht mich seine arrogante Art nur so an. Ich bin doch kein Schulkind, das man mit nichts beeindrucken kann. Warum fĂŒhle ich mich in seiner Gegenwart so schwach? Die nĂ€chste Geste macht alle klaren Gedanken in meinem Kopf zunichte. Die bloße BerĂŒhrung meiner Haut löst einen FlĂ€chenbrand in mir aus. Er ist mit jeder Faser seines Körpers in meinen getaucht, hat Besitz von mir genommen, obwohl kaum etwas passiert ist. Wie kann das nur sein? Ich finde mich unter ihm, auf ihm, neben ihm, ĂŒber ihm. Wir rollen wie verirrte Seelen durchs Bett. Krallen uns in den Körper des anderen, riechen und schmecken ihn. Endlich vereinen sich unsere MĂŒnder und ich zerfließe unter seiner Leidenschaft. Oder ist es meine eigene die in meinem Kopf explodiert und verzweifelt SOS an meinen Unterleib sendet?

Die KĂŒhnheit seiner Zunge raubt mir den letzten Nerv. In seinem Mund koste ich die Freiheit, Wildheit, ZĂŒgellosigkeit. In diesem Geschmack liegt die pure Lust auf Leben und die Liebe. Diese Kombination treibt mich durch das erregende Zungenspiel in ungeheure Geilheit. Meine BrĂŒste schreien nach Aufmerksamkeit, die er ihnen augenblicklich zuteilwerden lĂ€sst. Alles von ihm entfacht ein Feuerwerk der Emotionen in mir. Die leuchtendsten Farben glitzern ĂŒber meiner Seele auf. Jedes saugen, ziehen und zarte beißen an ihnen, schickt eine große Scharr Schmetterlinge los, die unbeschreibliche GefĂŒhle in meinem Bauch auslösen. Zwischen meinen Beinen pulsiert es heftig. Ich schmecke das Salz seiner Haut, lecke darĂŒber und beiße in seine Schulter, als er meine Perle berĂŒhrt. Der Trommelwirbel auf meinem Lustpunkt und die Finger die mich dehnen, treiben meine Lust in ungeahnte Höhen. Wolkenfetzen streifen mein Gesicht. WĂ€hrend ich nach ihnen greife, verliere ich mich selbst.

Als ich es nicht mehr aushalte und meine Lust hinausschreie, kommt er mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Raubtiers ĂŒber mich. Sein Schwanz bohrt sich unerbittlich in mich hinein. Spielend leicht stĂ¶ĂŸt er an, fĂŒllt mich aus und lĂ€ĂŸt mich fliegen. Wir lieben uns mit einer Vertrautheit die es gar nicht geben kann und doch passiert es. Genau so, hier und jetzt. Zwischen uns, in uns, mit uns. Er stillt mein Verlangen nach Sanftheit und schenkt mir im richtigen Moment Rauheit. Er zieht sich zurĂŒck und ĂŒberlĂ€ĂŸt mir die FĂŒhrung, aber unterwirft mich augenblicklich, wenn mein Körper danach verlangt. Wir sind ein einziger Widerspruch und dennoch ist es perfekt. Er ist perfekt. Wie er mich liebt, wie er in mir ist. In diesen Momenten scheint er ich zu werden, oder bin ich er? Meine Mitte hat sich lĂ€ngst verschoben und Zeit und Raum existieren nicht mehr. Ich beginne mich aufzulösen, wĂ€hrend er meine Seele um das fehlende Puzzle-Teil ergĂ€nzt. Im Gleichklang unserer Herzen erleben wir diese Lust, die so viel mehr ist, als die Sehnsucht nach Befriedigung. Sie macht keine Fragen nötig. Sie fordert nichts. Sie braucht keine ErklĂ€rung. Sie kommt aus uns selbst und komplettiert den jeweils anderen auf beinahe mystische Art und Weise. Seine Kraft und Ausdauer verlangen mir alles ab. In diesen Stunden lerne ich mehr ĂŒber mich selbst, als in den letzten vierzig Jahren. Die UnerschĂŒtterlichkeit dieses Moments erfasst die Verletzungen meiner Seele und legt sich sanft darĂŒber. Zeitlupen unvergessener Augenblicke brennen sich in mein Herz. FĂŒr immer unauslöschlich verbunden. Wie Blitz und Donner an einem heißen Sommerabend. Sie haben recht, denke ich, die Farbe Ihres Hemdes spielt keine Rolle. Auch Ihr Gesicht nicht. Gar nichts spielt eine Rolle; nur diese Momente werden uns fĂŒr immer aneinander fesseln. Eine Gefangenschaft die ich gerne eingehe und dabei frei bin wie nie zuvor. Das „Sie“ ist kein Widerspruch, sondern gehört zum Weltlichen, das uns im Moment der Vereinigung nicht erreicht, weil wir es abgelegt haben. Mit dem Ankleiden nehmen wir wieder unsere Konventionen auf und an.

Die Landschaft fliegt geisterhaft an mir vorbei, wĂ€hrend der Zug mit atemberaubenden Tempo durch die flache Landschaft gleitet. Zutiefst befriedigt schmiege ich mich in den Sitz und folge meinen Gedanken. Wenn ich ĂŒberhaupt mal Sex hatte, dann gehörten immer öfter Schmerzen dazu. Meine FrauenĂ€rztin wollte mir sogar etwas hormonelles verschreiben. Wenn der Körper in die Jahre kommt wĂ€re das normal, merkte sie mit ihrer sonoren Stimme an. Ein Problem, das wohl viele Frauen ĂŒber vierzig haben. Diesmal war alles anders. Ich hatte keine Schmerzen und ich hatte reichlich Sex, an einem einzigen Tag! Es war also ein reiner Bedienungsfehler. Mein Körper funktioniert! Und wie! Irgendwie erfĂŒllt mich das mit Stolz und Beruhigung. Leise lĂ€chle ich. Zum GlĂŒck habe ich die nĂ€chste Fahrt nach Berlin schon gebucht.

Version vom 09. 04. 2019 12:01
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