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Leselupe.de > Kurzprosa
Ein Terrorist unter vielen
Eingestellt am 23. 02. 2008 21:28


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Pola Lilith
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Falludscha


Einzuhalten inmitten der Bewegungen
ist Schlaf zwischen T├╝rmen.

Der Mensch an der Wand mit vorn├╝bergebeugtem K├Ârper
bleibt Mensch. - In der Berichterstattung ist er Soldat
oder Aufst├Ąndischer. - Wir erfahren nicht,
hat er eine Mutter, einen Vater, einen Bruder,
eine Schwester, hat er ein Kind oder viele,
eine Freundin oder Freund.
Was liebt er? Was wehrt er ab?
Welche Erfahrungen liegen hinter ihm
und welche der Zukunft wurden ihm geraubt?
F├╝r was hat er gek├Ąmpft,an was hat er geglaubt,
f├╝r wen hat er sein Leben gelassen?
Wann hat er seinem Zuhause den R├╝cken gekehrt?
Welchen Namen hat er, welches Alter?
Wie hei├čen die, die ihn beweinen?
Welche Tr├Ąume formten welche Sehnsucht?

Vorn├╝bergebeugt lehnt an der Wand ein Mensch.
Kalt ist der Raum und namenlos wie er
bleiben die anderen K├Ârper. - Vielleicht
liegt zuhause ein Buch, ein Brief der Geliebten.
Vielleicht konnte er aber auch
weder schreiben noch lesen.
Hatte er ├╝berhaupt ein Zuhause?
Und wenn ja, werden mit ihm
auch seine Tr├Ąume in wei├čem Kissen aufbewahrt?
Vielleicht fehlen hierzu aber auch die Mittel,
gibt es niemanden, der um ihn weint,
weil alle schon tot sind, die er kannte.

Vielleicht ist das aber auch alles
gar nicht geschehen, scheint hier die Sonne,
lacht dr├╝ben der Mond; gehen wir auseinander,
vereinigen sich andere in einem Zimmer;
gibt es hier ein Dach, besudeln wir dort die Erde.
Und wenn wir uns k├╝ssen: sterben Momente.

So brennt die Sonne, wenn Winter ist;
sind wir satt, wenn andere d├╝rsten;
kehren wir heim, wenn welche die Heimat verlassen.

Sicher ist nur:
Hoch ├╝ber den Grenzen ziehen die Wolken
weiter ins Nichts, lodern die Himmel,
erlischt das Licht,wenn seine Zeit gekommen ist.

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Haki
Guest
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Liebe(r?) Pola,

dein Prosatext f├Ąllt zun├Ąchst aufgrund der Zeielnbr├╝che aus der Reihe. Beim Lesen wird aber schnell klar: Sie dienen dem Rhythmus des Textes, lassen die Melodie schnell werden und das ist auch gut so.

"Falludscha" ist eine Provinz im Irak, die 2004 von amerikansichen Truppen belagert worden war. Hunderte Iraker starben.

"Einzuhalten inmitten der Bewegungen
ist Schlaf zwischen T├╝rmen."

Das Einhalten wird mit dem Schlaf die Bewegungen mit den T├╝rmen gleichgesetzt, jedenfalls so, wie es dort steht m├╝ssen die Bez├╝ge so sein. Einhalten=Schlaf ist verst├Ąndlich, dass aber die Bewegungen T├╝rmen entsprechen sollen, bleibt mir unverst├Ąndich.

Im Folgenden wird ersichtlich, dass der Erz├Ąhler von einem vorn├╝bergebeugten Mensch an einer Wand berichtet. Mensch bleibt Mensch tritt hier als plakative Parole zutage.
Sp├Ąter erfahren wir, dass wir nichts erfahren. Der Erz├Ąhler zeichnet uns einige Aspekte eines Menschen auf, mithilfe von Fragestellungen, und l├Ąsst diese unbeantwortet. Der Mensch dort an der Wand, vorn├╝bergebeugt, Aufst├Ąndischer oder Soldat, bleibt ein Schatten.

Auch im folgenden Anbschnitt werden Fragen aufgeschmissen, die allesamt alleine stehen bleiben, ohne jegliche Erkl├Ąrung, nur die Vermutung, dass es Antworten gibt, wir sie nur nicht kennen, steckt noch im Leser.

Schlie├člich erfolgt ein Bruch.
"Vielleicht ist das aber auch alles gar nicht geschehen"
Hier halte ich ein und frage mich, warum dann all die Ausf├╝hrungen, mach meine Scheuklappen aber nicht zu und lese weiter.
Idyllische Momente werden im Leser hervorgerufen, vielleicht mit einem Hauch von Kitsch, aber das h├Ąlt sich noch in Grenzen. Dann ein toller Satz:
" Und wenn wir uns k├╝ssen: sterben Momente."
Das beeindurckt, auch wenn man den bezug zum Menschenschatten nicht wirklich herstellen kann.

Dem Leser bleibt am Ende nur noch eine Gewissheit, nicht die, dass da ein Mensch war, nicht die, dass da keiner war, sondern:
Hoch ├╝ber den Grenzen ziehen die Wolken
weiter ins Nichts, lodern die Himmel,
erlischt das Licht,wenn seine Zeit gekommen ist.

Ein apokalyptisches Bild, das scheinbar in dem Moment eintritt, wenn "seine Zeit" gekommen ist. Wer aber zu deisem "sein" geh├Ârt, wird nicht deutlich.

Vieles bleibt also unklar. Sicher ist: Die BEschreibung des Menschen, der vorn├╝bergebeugt an einer Wand steht, und die anderen K├Ârper im kalten Raum, sind als Kritik an der Unmenschlichkeit im Irak oder ├╝berhaupt im Krieg zu verstehen.

Dann erfolgt ein Bruch, der in mir eher Fragen als Antworten hinterl├Ąsst, vor allem die eine:
Was hat das mit dem Menschen dort hinten an der Wand zu tun?

Vielleicht kannst du ja etwas mit meinen Gedanken anfangen.
Am Stil m├Âchte ich nicht herumm├Ąkeln, da du hier sehr eigenwillige Zeilenbr├╝che und eine Mischung aus Prosa und Lyrik verwendest, an der ein zweiter oder dritter wohl nicht herumwerkeln sollte.

Liebe Gr├╝├če,
Haki

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Pola Lilith
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Hallo, Haki

nun das Zugesagte:

"Einzuhalten inmitten der Bewegungen
ist Schlaf zwischen T├╝rmen."

Das Einhalten wird mit dem Schlaf die Bewegungen mit den T├╝rmen gleichgesetzt, jedenfalls so, wie es dort steht m├╝ssen die Bez├╝ge so sein. Einhalten=Schlaf ist verst├Ąndlich, dass aber die Bewegungen T├╝rmen entsprechen sollen, bleibt mir unverst├Ąndich.

T├╝rme = Bedrohung
Schlaf = Tod oder Todstellung


... Der Mensch dort an der Wand, vorn├╝bergebeugt,
Aufst├Ąndischer oder Soldat, bleibt ein Schatten.

Wir sind alle nur Schatten

"Vielleicht ist das aber auch alles gar nicht geschehen"

weil alles geschieht und vielleicht doch nicht geschieht(Relativit├Ąt)

" Und wenn wir uns k├╝ssen: sterben Momente."

denk an die Lichtgeschwindigkeit oder den Hauch, der eine Kerze ausbl├Ąst

Dann erfolgt ein Bruch, der in mir eher Fragen als Antworten hinterl├Ąsst, vor allem die eine:
Was hat das mit dem Menschen dort hinten an der Wand zu tun?

Vielleicht ist dieser Mensch dein Schatten?

Lieben Gru├č, Pola


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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Pola,

quote:
T├╝rme = Bedrohung
Schlaf = Tod oder Todstellung

Das funktioniert hier m.E.n. nicht wirklich. Denn T├╝rme bieten im Leser viel zu viele Assoziationsm├Âglichkeiten, weshalb ein Turm auch als etwas Ruhendes, Festes gesehen werden kann, was zweifelsohne auch mit Schlaf in Verbindung zu bringen ist. Ich w├╝rde also diesen Teil noch ein Mal ├╝berarbeiten, da der Leser deine Gedankeng├Ąnge dazu nicht kennt und der Text f├╝r sich sprechen muss.

quote:
... Der Mensch dort an der Wand, vorn├╝bergebeugt,
Aufst├Ąndischer oder Soldat, bleibt ein Schatten.

Wir sind alle nur Schatten

Das war keinesfalls eine Kritik, blo├č eine Feststellung, hier brauchtest du dich nicht zu rechtfertigen, ich habe einfach versucht deinen Text f├╝r mich zu analysieren.

quote:
"Vielleicht ist das aber auch alles gar nicht geschehen"

weil alles geschieht und vielleicht doch nicht geschieht(Relativit├Ąt)

Sch├Ân, sch├Ân, die Relativit├Ąt habe ich mir auch beim Lesen gedacht, meine Frage zielt eher hierhin: Was n├╝tzt dir dieser philosphische Schwenker? Er ist in meinen Augen nicht elementar f├╝r den Text, eher eine k├╝nstlich eingef├╝gte Nebenstra├če, deren Bedeutung f├╝r den Sachverhalt(insofern ich es richtig verstanden habe, und du die Grausamkeit beschreiben wolltest im Krieg oder nur speziell im Irak)unerheblich ist.

Mit dem Bruch meinte ich eher, die Stelle "Aber vielleicht ist das alles auch nciht geschehen", den ich, wie gesagt, als unn├Âtigen Ballast, gar als st├Ârend empfinde.

Danke f├╝r diesen Dialog, der gerne weitergef├╝hrt werden kann.

Liebe Gr├╝├če,
Haki



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Pola Lilith
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Hallo Haki, Hallo Odilo,

merci erst einmal f├╝r die positive Resonanz !

Hier mein Statement zu Hakis Auseinandersetzung mit dem Text:

quote:
Das funktioniert hier m.E.n. nicht wirklich. Denn T├╝rme bieten im Leser viel zu viele Assoziationsm├Âglichkeiten, weshalb ein Turm auch als etwas Ruhendes, Festes gesehen werden kann, was zweifelsohne auch mit Schlaf in Verbindung zu bringen ist. Ich w├╝rde also diesen Teil noch ein Mal ├╝berarbeiten, da der Leser deine Gedankeng├Ąnge dazu nicht kennt und der Text f├╝r sich sprechen muss.

Da widerspreche ich Dir, lieber Haki:
Jeder Text spricht f├╝r sich, wenn der Leser oder die Leserin mit der eigenen Assoziation stimmig ist. Du assoziierst in dem Moment des Lesens mit den T├╝rmen etwas anderes, als ich es mit diesem Text getan habe. Deshalb stimmt der Text hier f├╝r dich nicht. Das ist ok. Ber├╝cksichtige bitte, da├č ich keinen journalistischen Text geschrieben habe, sondern (fast lyrische) Kurzprosa.

"Vielleicht ist das aber auch alles gar nicht geschehen"

weil alles geschieht und vielleicht doch nicht geschieht(Relativit├Ąt)


quote:
Sch├Ân, sch├Ân, die Relativit├Ąt habe ich mir auch beim Lesen gedacht, meine Frage zielt eher hierhin: Was n├╝tzt dir dieser philosphische Schwenker? Er ist in meinen Augen nicht elementar f├╝r den Text, eher eine k├╝nstlich eingef├╝gte Nebenstra├če, deren Bedeutung f├╝r den Sachverhalt(insofern ich es richtig verstanden habe, und du die Grausamkeit beschreiben wolltest im Krieg oder nur speziell im Irak)unerheblich ist.

Es war keinesfalls philosophisch gemeint und als Mittel zum Zweck gedacht. Es gibt lediglich eine Stimmung wider, die man u.a. auch mit der Relativit├Ąt begr├╝nden k├Ânnte. Etwas geschieht und es geschieht, weil ich mir dessen bewu├čt bin. Etwas geschieht und ist vielleicht doch nicht geschehen, weil ich es nicht wissen m├Âchte, es verdr├Ąnge. Etwas geschieht, und ich bin betroffen. Etwas geschieht, und es geht mich nichts an, ber├╝hrt mich nicht. Etwas, zu dem man nicht in der Lage ist, dieses zu erfassen, zu bew├Ąltigen (z.B. strukturierte Massenvernichtung), ist kein unn├Âtiger Ballast. St├Ârend aber ist es auf alle F├Ąlle; jedoch nicht im Text, sondern im Umgang mit unserem Leben.

quote:
Mit dem Bruch meinte ich eher, die Stelle "Aber vielleicht ist das alles auch nicht geschehen", den ich, wie gesagt, als unn├Âtigen Ballast, gar als st├Ârend empfinde.

Sicher wollte ich auch die Grausamkeit - (hier aktuell des Irak-)Krieges "r├╝berbringen"; mehr geht es mir aber um unsere Mitverantwortlichkeit fern jeden schwarz-wei├č-Denkens, und ich wage, bezogen auf diesen Text zu sagen: Wir sind alle Terroristen, wenn wir nicht in jeder Situation eintreten f├╝r die Menschlichkeit. Der Terror, der auch von uns - den westlichen (reichen) L├Ąndern ausgeht - ist subtiler Art; nicht aber subtil sind seine Folgen. Wir sind alle Schatten, solange wir nicht hinterfragen, uns nicht stellen, nicht eintreten, nicht verteidigen (gleich vor unserer Wohnungst├╝r).

Das habe ich damit gemeint.

Gru├č, Pola

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