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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Traum
Eingestellt am 23. 09. 2004 16:21


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huwawa
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Zweihundert Autos!

Sebastian starrte missmutig durch die Auslage des Verkaufsraumes im Autohaus Blechmaier auf die Stra├če. Diese feuchtkalten Sp├Ątherbsttage waren keine guten Zeiten f├╝r Autoverk├Ąufer. "Weiss der Kuckuck, warum die Leute immer erst im Fr├╝hjahr Lust versp├╝ren, ihren fahrbaren Untersatz zu erneuern", murmelte er leise vor sich hin und dachte mit Unbehagen an sein Umsatz - Minus, das er bis zum Jahresende noch aufholen sollte.

"Gr├╝├č Gott" riss ihn eine Stimme aus seinen tr├╝ben Gedanken. Sebastian fuhr zusammen. Er hatte den Mann, der pl├Âtzlich neben ihm stand ├╝berhaupt nicht kommen geh├Ârt. "Gr├╝├č Gott, was kann ich f├╝r sie tun?", erwiderte er mit gewohnheitsm├Ą├čiger Freundlichkeit und versuchte den ├╝berraschenden Besucher blitzschnell zu taxieren. Seltsamerweise lie├č ihn jedoch seine sonst so ausgepr├Ągte Menschenkenntnis diesmal v├Âllig im Stich, der Mann schien in keine der f├╝r Autok├Ąufer typischen Kategorien zu passen. "Ich interessiere mich f├╝r ihre Fahrzeuge", erkl├Ąrte der Fremde mit einer angenehmen, etwas sonoren Stimme.

Fahrzeuge, ├╝berlegte Sebastian, er hat Fahrzeuge gesagt, nicht Autos. Vielleicht hat er keinen F├╝hrerschein und will eines dieser Kleinstmobile, wie wir sie seit kurzem ja auch anbieten. Als "echter" Automobilist verachtete er zwar diese "K├Ąseglocken auf vier R├Ądern", wie er sie gelegentlich nannte, nicht jedoch als Verk├Ąufer, denn es lie├čen sich recht ordentliche Gewinne damit erzielen. "An welche Art von Fahrzeug hatten sie gedacht", erkundigte er sich noch eine Spur freundlicher als zuvor. "Nun, wir brauchen ein Fahrzeug, mit dem wir alles m├Âglichst schnell ├╝berall hin transportieren k├Ânnen", war die ziemlich kryptische Antwort und w├Ąhrend der Fremde "wir" sagte, glitt sein Blick zur Sitzgarnitur in der Ecke des Schauraumes.

Jetzt erst bemerkte Sebastian, dass dort jemand sa├č, das Gesicht von ihm abgewandt, er konnte nur die Schultern und das hellblonde Haar sehen, aber nicht erkennen, ob es sich um einen Burschen oder ein M├Ądchen handelte. Eine junge Person schien es jedenfalls zu sein, vielleicht noch ein Kind. "Ja, ja, solche Fahrzeuge k├Ânnten wir wohl alle brauchen", sagte er, fast mehr zu sich selbst, als zu seinem Kunden. Er war etwas verwirrt und musste sich auf seine Aufgabe als Verk├Ąufer konzentrieren, ehe er weiterfragte: "Wie gro├č haben Sie sich ihr Fahrzeug ungef├Ąhr vorgestellt und wie viele PS sollte es haben?" Also, wir haben schon an einen etwas gr├Â├čeren Schlitten gedacht, meinte der Fremde und was die Leistung betrifft, sollte sie nicht zu knapp bemessen sein. Allerdings muss ich Ihnen gestehen, dass wir es nicht gewohnt sind mit Pferdest├Ąrken, sondern mit Rentieren zu rechnen, aber so gro├č wird der Unterschied ja nicht sein".

Sebastians Erstaunen und Verwirrung wurden immer gr├Â├čer. Einerseits ├╝ber den sonderbaren Menschen, von dem ihm beinahe schien, dass er ihn zum Narren halten wollte, andererseits ├╝ber sich selbst, dass er sich dies so ruhig gefallen lie├č. Aber irgend etwas hinderte ihn, dem Mann eine schroffe und abweisende Antwort zu geben. Er str├Âmte eine Ruhe aus, welche in Sebastian ein Gef├╝hl der Vertrautheit entstehen lie├č wie zu jemanden, den man schon sehr lange kennt. "Nun", meinte er, auf die entsprechenden, im Schauraum ausgestellten Fahrzeuge weisend, "da kann ich Ihnen unsere kompakte Gro├čraumlimousine empfehlen, es gibt sie mit Benzin-oder Dieselmotoren, langem und kurzem Radstand, oder auch mit Allradantrieb. Vielleicht w├Ąre aber ein Gel├Ąndewagen die noch bessere Alternative f├╝r Sie, hier h├Ątten wir ein ganz hervorragendes amerikanisches Modell, mit der zus├Ątzlich lieferbaren Arktisausr├╝stung w├Ąren Sie bestens f├╝r den kommenden Winter ger├╝stet!"

Nun wirkte der Besucher ein wenig unschl├╝ssig, mit einem fragenden Blick suchte er nach seinem Begleiter, der sich auch tats├Ąchlich aus seinem Sitz erhob und n├Ąher kam. Seltsamerweise konnte sich Sebastian auch jetzt noch kein richtiges Bild von dieser Person, die einesteils erwachsen, andererseits ausgesprochen kindlich wirkte, machen. Ohne ein Wort zu sagen, schienen sich die beiden ungew├Âhnlichen Kunden mit den Augen zu verst├Ąndigen, dann wandte der Mann sich wieder Sebastian zu. "Ja, Ihre Fahrzeuge gefallen uns sehr gut, meinte er mit einem leichten L├Ącheln, ich denke, wir werden uns f├╝r beide Modelle entscheiden."

"Beide Modelle, sie wollen zwei Autos kaufen?" Staunte Sebastian und die Aussicht auf eine satte Provision lie├č seine Stimme leicht erzittern. "Nein, nein, nicht zwei", erwiderte sein Gegen├╝ber und das L├Ącheln um seine Mundwinkel verst├Ąrkte sich: "Wir brauchen zweihundert, einhundert Gro├čraumlimousinen und einhundert Gel├Ąndewagen." "Zw.. Zw.. zwei.. zweihundert Autos", stammelte Sebastian, der Kerl muss doch verr├╝ckt sein, dachte er und automatisch formten seine Lippen die Gedanken in seinem Kopf zu Worten: "Das gibt es doch gar nicht, das ist doch unm├Âglich!" "Doch, doch das gibt es", widersprach ihm sein Gast geduldig, "wir brauchen drei├čig f├╝r Europa, sechzig f├╝r Asien, f├╝nfzig f├╝r Afrika, f├╝nfzig f├╝r Amerika, und zehn f├╝r Australien, die pazifischen Inseln m├╝ssen wir ohnehin mit dem Flugzeug versorgen."

Sebastian glaubte, den Boden unter seinen F├╝├čen schwanken zu f├╝hlen. Zweihundert Autos! Er versuchte ├╝berschlagsm├Ą├čig, seine Provision zu errechnen, unglaublich, er w├╝rde Margit das VZ-SR7 Cabrio kaufen k├Ânnen, von dem sie so schw├Ąrmte, in gr├╝n-metalise und mit Alufelgen! Zwar sp├╝rte er in seinem Innersten, dass er es eigentlich gar nicht glauben durfte, es konnte einfach nicht wahr sein, aber die Aussicht auf den m├Ąrchenhaften Auftrag ├╝berstrahlte alle anderen Gef├╝hle. Diese Chance durfte er sich einfach nicht entgehen lassen! Mit beiden H├Ąnden fasste er nach dem Mann neben ihm: "Zweihundert Autos, zweihundert"!? schrie er fast hinaus, beschw├Ârend und fragend zugleich.

"Ja, ja, zweihundert Autos, ich wei├č", antwortete der Mann, aber - es war nicht mehr der Fremde, es war Sebastians Kollege Andreas, ebenfalls Verk├Ąufer im Autohaus Blechmaier, der ihm gegen├╝berstand. "Du solltest nicht immerzu daran denken, damit machst du dich doch ganz verr├╝ckt!" Verr├╝ckt, dachte Sebastian, ja das ist es, Andreas hat recht ich, werde langsam verr├╝ckt von diesem Druck, immer verkaufen zu m├╝ssen. "Mir fehlt ja auch noch eine ganze Menge auf mein Kontingent", fuhr Andreas fort, "aber du wirst sehen, mit dem Weihnachtsgesch├Ąft schaffen wir es schon!"

Margit, die h├╝bsche blonde Kollegin von der Rezeption, zu der sich Sebastian ganz besonders hingezogen f├╝hlte, war inzwischen zu den beiden M├Ąnnern getreten. "Ich habe dich vorhin minutenlang aus dem Schaufenster starren gesehen", meinte sie schnippisch. "Wovon hast du eigentlich getr├Ąumt, vom Weihnachtsmann, oder vom Christkind?" "Von beiden", murmelte Sebastian, aber so leise, dass ihn niemand h├Âren konnte, denn Tr├Ąume sollten dort bleiben, wo sie getr├Ąumt wurden!

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo huwawa,
eine sehr gelungene Geschichte.
Ein bisschen st├Ârend empfinde ich bein
Lesen die Schr├Ągstriche an der w├Ârtlichen
Rede.
Eine Sache habe ich mir ├╝berlegt:
w├Ąre der Schluss nicht noch eine Spur lustiger,
wenn du am Anfang nicht erw├Ąhnen w├╝rdest,
dass Sebastian 200 Autos verkaufen muss?
So ahnt man als Leserin schon, was es mit den
200 Autos auf sich hat, die der Kunde "bestellt".

quote:
dachte mit Unbehagen an sein Umsatz -Soll von zweihundert Wagen bis zum Jahresende, von dem er noch weit entfernt war.
diesen Satzteil w├╝rde ich weglassen.
Gru├č,
Denschie

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