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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Trost(versuch)
Eingestellt am 19. 09. 2005 18:08


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Mika
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2003

Werke: 16
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Dies ist keine Entschuldigung. Allenfalls eine schlechte Erkl├Ąrung f├╝r mein Handeln und ich wei├č, keine noch so mitf├╝hlenden Worte nehmen dir die Verwirrung in deinem Kopf und deinen Schmerz.
Heute, w├Ąhrend ich es alles aufschreibe, f├╝hle ich den Morgen nach unserer letzten Nacht so intensiv wie nie. Ich erinnere mich daran, wie das Licht durchs Fenster flutete, an den Geruch in deinem Zimmer, an die morgentliche Stille, wie sich das Parkett anf├╝hlte unter meinen nackten F├╝├čen - daran, dass ich eigentlich nie aus dieser Wohnung verschwinden wollte, diesen ganzen Morgen, mein ganzes Leben in diesem einen Moment verdichten wollte; und ich erinnere mich daran, wie ich gleichzeitig wusste, dass ich all diese Dinge vergessen musste und wie sehr ich dem Menschen, den ich so friedlich schlafen sah, weh tun w├╝rde.

Wir hatten uns nicht auseinander gelebt. Da waren keine zu hohen Erwartungen, keine Einschr├Ąnkungen was Beziehungen mit anderen oder Sex betrifft. Du und ich hatten einfach nur unterschiedliche Vorstellungen von der eigenen pers├Ânlichen Entwicklung.
Da war dieser Punkt, an dem es f├╝r mich kein Vorw├Ąrtskommen mehr gab, an dem ich erkannte, da├č ich lief und lief und lief aber da├č alles was ich tat, war, mich im Kreis zu drehen.
Ich hatte die Wahl zwischen einer Endlosschleife, stagnieren, wachsen und lernen, mit mir allein zu sein. Ich hatte die Wahl und ich habe mich entschieden.
Es tut mir so leid, aber das war der einzige Weg.
Wenn du willst, kannst du mich deshalb egoistisch nennen, ich nenne es Selbstverwirklichung.
Vielleicht wirst du mich eines Tages verstehen und nicht mehr fragen, ob ich dich hasse, weil du noch immer nicht begreifst, warum ich dich verlassen habe.
Wie k├Ânnte ich denn jemanden hassen, der mir zeigte, wie man aufh├Ârt zu tr├Ąumen und anf├Ąngt zu leben und der mir vier Jahre seines Lebens geschenkt hat? Also keine Angst, ich werde dich nicht vergessen; ich habe mir jeden einzelnen Zentimeter deines Gesichts eingepr├Ągt, bevor ich ging.
Es ist nicht deine Schuld. Du hast dich bem├╝ht, nicht gewu├čt, da├č ich nach mehr suche, du hast alles riskiert. Aber hast du denn wirklich geglaubt, ich w├╝rde wieder zur├╝ckkommen?
Ich wei├č schon, du hast es gehofft. Du dachtest, du w├╝rdest mich nie verlieren, wenn du mir alle Freiheiten l├Ąsst. Du hast mich auch nicht verloren, ich bin immer noch da.
Deshalb kann und will ich auch nicht hinnehmen, wie du dastehst, mutlos und mit trauriger Miene, wenn wir uns begegnen. Du bist mir wichtig und nicht egal. Ich liebe dich doch immer noch, nur jetzt eben anders ÔÇô das ist viel tiefer, das ist viel schwieriger.
Und glaub mir, auch ich bin noch gern an dem kleinen See, an dem wir fr├╝her gemeinsam waren und es wird sie immer geben, die Lieder und Orte und Augenblicke die uns verbinden. Doch du solltest nicht ewig daran festhalten. Bitte warte nicht auf etwas das vergangen ist, vergi├č, was morgen vielleicht geschieht, sieh auf das, was jetzt, hier direkt vor deinen Augen liegt. Es bieten sich dir jeden Tag die wunderbaren Gelegenheiten der Liebe und des ganzen Lebens selbst, doch du weist all diese Dinge zur├╝ck. Warum? Weshalb glaubst, du k├Ânntest nicht jemand anderen finden und genauso lieben?
Ich versuche es doch auch.
Ich sage mir, da├č ich noch laufen kann und atmen und Bilder malen wenn ich Lust dazu habe, oder in den Park gehen wenn ich m├Âchte - die Sachen mache, die mich erf├╝llen.
Es sind diese allt├Ąglichen Dinge und Momente, die einen das erkennen lassen, was wahr und sinnvoll ist und in solchen Augenblicken ist es ohne Bedeutung, da├č auf der Arbeit nichts nach Plan l├Ąuft oder ich pleite bin, denn schon allein die F├Ąhigkeit, all das zu erkennen, macht mich zu einem reichen Menschen.
Dann habe ich Trost und ich bin sicher, dass alles gut wird.
Aber an manchen Tagen geht es einfach nicht, an manchen Tagen ist das einfach nicht mein Leben, da bekomme ich keinen einzigen klaren Gedanken zusammen und nichts, was ich anfasse, gelingt mir...
Du siehst, auch ich habe die emotionale Tragweite meines Entschlusses nicht geahnt, aber ich glaube daran, dass alles irgendwann einen Sinn hat, selbst wenn wir ihn jetzt noch nicht begreifen.

Und das was ich mir am meisten w├╝nsche ist, dass du und ich irgendwann in unseren Leben noch die werden, die wir sind.

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